Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!
Posts mit dem Label Björk werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Björk werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2025-09-13

BerlinBerlinBerlin, Tag 3/3 • WOODEN ELEPHANT spielen BJÖRKs "Homogenic" live im Haus 20 des Ludwig-Hofmann-Quartiers am 31. August 2025


Ok, krank oder nicht - so schwer kann's doch nicht sein, dieses kleine Konzertchen noch abzufrühstücken, oder was? Es ist jetzt schon fast zwei Wochen her!

Ja, es sollte eigentlich einfach sein, aber dieser schmerzende Dauerhusten in unterschiedlichen Variation raubt einfach Energie und Motivation für alles. Mal ganz davon abgesehen, dass ich allmählich fürchten muss, evtl. neben der Arbeit auch noch eines meiner meisterwartesten Clubkonzerte des Jahres ausfallen lassen zu müssen... Aber wer weiß, vielleicht bricht ja doch noch kurz vor knapp die große Genesung aus. Ich habe echt keinen Bock mehr auf diesen Scheiß!

Am Sonntag nach dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble / Mount Fuji Doomjazz Corporation-Konzert im Lido und dem zweiten Tag des Morbid Catacombs Fest in der Neuen Zukunft hatte ich jedenfalls noch Bock, mit einem weiteren Event ein Schleifchen um mein Wochenende in Berlin zu machen.

Geplant war das ursprünglich gar nicht, doch wenn dir der Social-Media-Algorithmus eine Veranstaltung vorschlägt, die nicht nur nur ein paar Gehminuten von deinem P+R in Berlin-Buch entfernt stattfindet, sondern auch noch am späten Nachmittag beginnt, so dass Du noch bequem im Laufe desselben Tages nach Hause (=Schleswig-Holstein) fahren kannst, ist das schon sehr verlockend.

Und wenn es sich bei den auftretenden Künstlern dann auch noch um ein Streicherensemble handelt, welches des komplette Björk-Album "Homogenic" aufführt, gibt es für mich natürlich überhaupt keine Chance mehr nein zu sagen.

(Witzigerweise war Björk + Streicher ja auch der Anlass meines letzten Berlin-Trips vor ein paar Jahren.)


Zunächst einmal hieß es aber, maximal Zeit im Hotel zu schinden, auszuchecken, Gepäck zwischenzuparken und noch etwas in der Hauptstadt zu touristen. Dank meines Mangels an Souveränität in der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel habe ich durch die Schienenersatzverkehrssituation so viel Zeit verloren, dass ich am Ende - uiuiui, böse! - schwarz über den Ablauf meines 48h-Tickets hinaus unterwegs war. Was für ein Gangster-Move!

Ich wurde zum Glück nicht erwischt und eingeknastet, so dass ich jetzt - endlich - vom Konzert berichten kann:

Das Ludwig-Hofmann-Quartier ist ein denkmalgeschützer historischer Krankenhaus/Psychatrie-Komplex, der zu einem beschrankten Wohnquartier umgestaltet wurde. Im Zentrum der Anlage befindet sich Haus 20 mit seiner hohen barocken Eingangshalle, die mit ihrer hellhörigen Akustik wie für unverstärkte Musikveranstaltungen gemacht zu sein scheint. 








WOODEN ELEPHANT

Es gab keine Bühne, kein vorne und hinten. Wooden Elephant, ein Quartett* aus zwei Geigen. Cello, Kontrabass und jeder Menge anderem Geklöter, welches die Musiker(innen) außerdem benutzten, spielten einander zugewandt in der Mitte des Raums, mit dem Publikum rund um sie herum. Prall gefüllt wie die Shows der Vortage war dieses Konzert nicht, aber die meisten Stühle wurden genutzt, während einige Zuhörer auch einfach auf dem Boden saßen. Es war ein eher familiärer, für Kammermusik im Grunde genau passender Rahmen.

Die gebotene Kammermusik war natürlich speziell. Das Ensemble ist darauf spezialisiert, unter der Nutzung vieler unkonventioneller Ideen und experimenteller Techniken komplette Alben von so unterschiedlichen Künstlern wie Beyonce, Moor Mother, Aphex Twin oder Miles Davis zu reinterpretieren.
Einen kleinen Einblick in ihren Katalog gab es am Anfang, als das Konzert mit zwei Songs von Radiohead eröffnet wurde. Für mehr war leider keine Zeit, da man einen sehr engen Zeitplan und einen flight zu catchen hatte.

Und danach also "Homogenic", Art-Pop-Meisterwerk, mit Sicherheit Björks über Genregrenzen hinaus einflussreichstes Album. Es wird konventionell, aber auch "seltsam" gezupt, gestrichen, mit Tricks wie Alufolie um die Saiten präpariert. Mit Händen und Füßen werden nebenbei Percussioninstrumente bedient oder mit Wasser gefüllte Weingläser gespielt.

Das war alles interessant anzusehen, beeindruckte allerdings fast noch mehr, wenn man die Augen schloss und sich bewusst machte, dass jeder Trick wirklich nur dazu diente, den richtigen Sound zu finden.

Alles in allem war dies eine innovative, detailbesessene, aber nicht das Ganze aus dem Auge verlierende Interpretation des über alle Zweifel erhabenen Ausgangsmaterials. Viele Highlights kamen an den erwarteten Stellen der Tracklist wie "Jóga", "Bachelorette", "Immature", "All Is Full Of Love". Alle musikalischen Fragen, wie z.B. wie man in solch einer Konstellation den Umpffumpffumpff-Kracher "Pluto" angehen würde, wurden äußerst kreativ beantwortet. Davon hätte ich gerne ein Album mehr haben können - und damit war ich der Publikumsreaktion nach auch nicht alleine. Anderseits war ich natürlich froh, mich zeitig auf den Heimweg machen zu können. Trotzdem natürlich - gerade in diesem Rahmen - einfach ein wunderbares Konzert!

Die einzige Kritik, die ich hätte, qualifiziert mich wahrscheinlich als Boomer, aber wenn man weiß, dass man Teile der Show nur mit einem Schuh spielen wird, dann kann man sich vielleicht auch ein paar Socken ohne drölfzig Löcher einpacken, oder?


* Offensichtlich ist die Gruppe in voller Stärke ein Quintett, welches auch noch einen Violaspieler einschließt, der hier aber nicht dabei war.







2023-12-02

MUSIC 2023: TOP 23 live shows


Even if I discount the very few duds or some which I didn't attend long enough to judge them properly, I have seen at least 120 shows this year. That's quite a respectable count for me. Attending more festivals than in previous years certainly helped achieving it.

Being so satisfied with the live music year also makes it easier to stomach what you've missed. But in that regard I don't have many regrets anyway: The chances to see Voivod were wrapped inside too expensive packages - and their last headlining show in Hamburg had only been in November 2022 anyway. The cancellation of Lingua Ignota's tour - and with it the whole Sunday of A Colosal Weekend - made me extend my stay at the festival to Friday instead and see many other great bands.
The show not vistited which actually nags at me the most right now is the fiery package of Årabrot (with the drummer of Mono), Jaye Jayle and Karin Park. But then I also accept my excuse that they just didn't come close enough, especially for a weekday. Sleeping on getting tickets for The Hirsch Effekt when they were playing closer than any other concert just minutes from my place of work has no valid excuse however.

Needless to say that picking my 23 favorites (seperated into  the two categories of solo and festival performances) among that mass wasn't easy - and some shows got painfully and surprisingly left behind. Not even with sneaking in three honourable mentions after each list this feels complete. Seconding that thought even the two last concerts I attended just this week after already having finished 99 percent of the post - Jo Quail and Ni - both feel like they only missed these ranks by a hairbreadth.

But at least you can be sure that every name counted here really blew me away!





TOP 11 CLUB/SOLO SHOWS 2023:


  1. The inspiration: A Slovenian allegory on Italian fascism set in 11th Century Persia. The line-up: an entire symphonic orchestra, a Slovenian Art/Folk vocal group, an Iranian Avantgarde vocal ensemble, a dozen disharmonic accordion players and of course familiar Laibach members including iconic headwear model Milan Fras as grim narrator. The result: A perfect storm of meaningful cultural exchange in an amazing combination of harsh Industrial, Folk and Modern Classical Music. "Alamut" was a highly artistic, deeply moving larger than life experience, a dream in surround sound and a nightmare of the human condition strangling your soul. Profound and meaningful. And how were Laibach even able to pull of such a giant endeavour beside all their other activities? Everything other than crowning this spectale as show of the year would be blasphemous.



  2. Only a couple of days prior to Laibach doubling down on deserving the top spot on this list it had been occupied by Michael Gira's Swans. Their return to Hamburg after seven long years was a triumph. While not as legendary unbearably loud as the previous shows I've seen of them, their performance still was a ginormous hypnotic rite of catharsis. But with more focus on acoustic, lap steel and bass guitars - and no regular electric guitars at all - their sound achieved new levels of clarity and musicality while still maintaining their mind- and body-shaking intensity. Is this the most nuanced and dynamic incarnation of Swans we've ever heard?



  3. Laibach traveling through space while playing a Country song in eight gustavholstian movements. Laibach demonstrating "Ordnung und Disziplin" in a bleak and sinister Industrial set. Laibach revisiting "Zarathustra" and "Laibach Revisited" and drawing "Sketches of the Red Districts". Laibach predicting "The Future" and showing Sympathy for the Coming Race. What a rollercoaster! Even for the Slovenians' standards this show was weird and unusual - but so captivating and just utterly brilliant. The location being a church didn't hurt the overall experience either.



  4. Believe it or not, but this really was my first Hip Hop club show outside of a festival. And what a choice it was! With droning electronic sounds, irresistible grooves and breakbeats, Horror Soundtrack, Avantgarde Noise and Powerviolence two thirds of Clipping. provided an excellent (more than just) backdrop for the unbelievable flow of world-class MC Daveed Diggs, who delivered his tales of fear and murder in breathtaking high-speed raps, a performance I strongly assume was on par with legends like Kendrick Lamar. The sold-out Hafenklang rightfully was ablaze.



  5. It's not completely accurate to call Björk the antithesis of a Pop star. She did play a lot of her greatest hits at her orchestral show last year in Berlin. And even her 58th birthday party in Hamburg, which was sonically built upon percussions, synths and a flute sextet, was embedded into a huge impressive multi-media spectacle and featured outlandish costumes smaller artists are very unlikely to pull off. The whole performance however, which mostly consisted of "Utopia" and "Fossora" material, was too much of an artistically driven theatrical experience to find room for conventional crowdpleasing in it. But if you were willing to immerse, it also was absolutely magical beyond words.



  6. It was the second time I saw the legendary Spiritual Free Jazz big band without their leader Marshall Allan, who - now almost a hundred years young - doesn't board planes over the Atlantic anymore. But at least this show took place in a proper location for their energetic sound, which just felt somehow out of place in the Elbe Philharmonic Hall the previous year. Letting this Jazz supercluster unfold just an arm's length away, saxes all around you, is still an incomparable experience.



  7. Postponed right to the night before I was headed towards Roadburn - what a relief that the dates didn't crash! - my first Tori Amos show since 1997 treated me to a trio band performance, which included a surprisingly excessive lot of long improvisational jams. And while the vocal and piano prodigy certainly cared more about audience expectations regarding her hits than Björk did this year, this show still included some relatively obscure cuts. Even with a couple of songs dragging on a little too long and five festival days trying to overshadow my memory of the show afterwards, it was just wonderful. 



  8. Great expectations being exceeded by far. That happens when you put an artist into the right venue. And Dalila Kayros' booming Electronics and multi-octaves vocal experimentalism came ready-made for big ship's hold sound of the MS Stubnitz. The air of exlusivity (it was by far the least attended show in this lot) may also have been an elevating factor making the Italian Avantgarde artist's visit in Hamburg a special event. Absolutely loved every minute of her performance!



  9. In a parallel universe, with the right music the unique and charismatic sonor voice of the Neurosis frontman could have made Steve von Till a super star. But luckily he chose the wrong music, so his audience gets to relish in his spellbinding singer/songwriter ballads and epic Ambient Folk pieces. His multi-instrumental electro-acoustic quartet brougt a surprising amount of variety to these intimate eighty minutes of intense atmosphere.



  10. I had already seen the trio perform their brilliant subdued album "Hold Sacred" a month prior at Roadburn, but this club show, which mixed the drumless new material with older Post Punk hits and Post Rock epics worked even better. Rachel Davies led us through an emotional, solacing journey, which once again confirmed Esben And The Witch as one of the greatest live bands to see these days. Nothing but love for this wonderful music!  



  11. Time for some metropolian redemption! Due to massive sound issues their Roadburn show had been a disappointment, but the Hafenklang once again saw Imperial Triumphant's light-speed avant-jazzed Dissonant Black/Death Metal insanity in its full undiminished glory. The sound was even especially great this time.
    Seeing co-headliner Author & Punisher as a duo for the first time - six years ago it was just Tristan Shone and his fascist-killing machines - was more than just the icing on the cake, but pure Industrial Gaze bliss!







TOP 12 FESTIVAL SHOWS 2023:



  1. Unreal or too real? One thing is for sure: The whole duration of Otay:onii's intimate solo show felt like stepping out of this world and immersing deeply into an alien but profoundly moving alternate cosmos. As high as my expectations of the Chinese-American artist had been - the full performance of her masterpiece "冥冥 Míng Míng" exceeded them by far. In my review I said it was like watching Lingua Ignota on Mars. And that's still the most fitting synopsis I have to offer for this breathtaking experience.
    (The collaborative show of her band Elizabeth Colour Wheel with Ethan Lee McCarthy the next day was also awesome.)


  2. AUTOPSY - Stonehenge Festival, Steenwijk

    After decades of being a fan of the quintessential gory Death Metal legends without ever having seen them live, Autopsy were obviously my personal reason to drive all the way to the Netherlands to finally check that box. But it definitely wasn't just me, but a consensus among everyone who witnessed it, that they proved to be the undispured headliners of the festival. From Chris Reifert's incredibly sick voice and drumming to the beautifully disgusting twin guitars and even the stage banter or a totally perplexing random incident involving an overenthusiastic festival crew member, this was an obliterating triumph and easily one of the best Death Metal shows I have ever seen.


  3. BORIS - A Colossal Weekend, Copenhagen

    As soon as the Japanese part-time quartet (in Heavy Rocks mode with regular drummer Atsua stepping forward as singer and master of ceremonies) started, the air inside the Vega changed. There was a rare unexplainable magic, a palpable electricity filling the room, which turned this absurdly heavy spectacle into a surprisingly transcendent experience. The phenomenal, unbelievably emotional rendition of "(not) Last Song" being one of the best song performances in the history of song performances only was the icing on this truly special cake of a Rock'n'Roll show.


  4. AD NAUSEAM - "Imperative Imperceptible Impulse" - Roadburn Festival, Tilburg

    Another Death Metal show, another reason to use superlatives. "Imperative Imperceptible Impulse" still stands as my favorite album of 2021, and what a treat it was to experience this uniquely dissonant, brutal and sophisticated Avantgarde masterpiece live and in the flesh! Especially the growling and throat singing performance of frontman Andrea Petucco opened my ears to aspects of the album's brilliance I hadn't even fully realized before. And how incredible was the sound? Mind blown and replaced by pure bliss.




  5. BIG|BRAVE - "Nature Morte" - Roadburn Festival, Tilburg

    Only one year after opening the festival in the Koepelhal Big|Brave brought their droning Noise Rock back to Roadburn, this time onto the biggest stage and as a quartet including the bass player of My Disco. The Canadians played their latest album "Nature Morte", Robin Wattie's piercing charismatic voice peeled her soul. So what was there not to love? I don't think I can ever get tired of watching this band - and they're only getting better and better, bigger and braver.




  6. BELL WITCH - "Future's Shadow Part 1: The Clandestine Gate" - Roadburn Festival, Tilburg

    A show consisting of only one eighty-three minutes long Funeral Doom epic, which transcended not only its genre and the concept of Metal as a whole, but also the laws of time and space? Sounds familiar. The surprise premiere of the new Bell Witch album "Future's Shadow Part 1" established this format as the band's very specific new standard modus operandi and reprised their legendary 2018 "Mirror Reaper" performance. And me having witnessed that unforgettable show before is probably the only reason that this year's revelation isn't higher up this list. I just already knew beforehand how otherworldy this genius offering would be.


  7. POIL UEDA - Roadburn Festival, Tilburg

    Yes, this is already the third show from the very same Friday in April on this list. What an unbelievable day! And it couldn't have ended better than in the Paradox Jazz club with the merged group PoiL Ueda.
    PoiL are a borderline bonkers Prog Rock band with Zeuhl influences from France, including the heaviest acoustic (not upright) bassist ever, who also plays electric in Ni.
    Junko Ueda is a traditional Japanese singer and satsuma-biwa player. Together they started a wild, virtuous, polyrhythmic fire, a cross-cultural fusion of genres unlike anything I've ever seen or heard before. Namihazureta!


  8. KANAAN - Esbjerg Fuzztival

    Thanks to a broken tour van Kanaan arrived at the venue twenty minutes after they were supposed to begin, hectically set up the stage without any soundcheck within minutes - and then really went for it! The Norwegian trio's explosive cocktail of Stoner Rock, Kraut and Jazz Fusion already is an insane spectacle under normal circumstances. But with the extra stress-induced adrenaline rush, pushed forward by drummer Andre in complete carnage mode, this particular performance was a special kind of madness.


  9. JULIE CHRISTMAS - Roadburn Festival, Tilburg

    What a double life this lady is leading! Teaching kids by day and every once in a while being a totally badass Rock star, ragging her costumes, cutting her hair and screaming her heart out on the Main Stage of the best festival in the world by night. Julie Christmas' heavy as fuck career-spanning show included old and brand-new solo material as well as songs from her former bands Battle Of Mice and Made Out Of Babies. After three years of postponement this show finally happening was a cathartic relief and a larger than life celebration of communion.


  10. DUMA - Roadburn Festival, Tilburg

    Could there have been a more abrasive, more dystopian, more sensory-overloading way to end a festival than the surprise show of the Kenyan-Ugandan duo Duma? Started with the intention of playing Metal, this band has become a schizophrenic chaotic bastard of Electronic Noisecore, Industrial and Black Metal - and that information probably still won't help you to adequately imagine the extremely immerse trip to hell they throw you into. Was this a feverish party or a cold stroboscobic nightmare? I'll never exactly grasp or remember. I only know this melted my mind. Insanity!


  11. MOE - A Colossal Weekend, Copenhagen

    What a presence! No matter if she was whispering, speaking, singing or screaming, the intensity of vocalist and bassist Guro S. Moe alone would have been enough to make this the show of the day. Think Julie Christmas with sprinkles of Michael Gira and Jarboe! But imbed it into an extremely heavy, crushing and creepy Avantgarde Sludge sound and crown it with Tomas Järmyr on the drumkit - and you'll witness a performance unlike anything you've ever seen before!


  12. BZAAT - Woodbunge Festival, Holzbunge

    These two maniacs from Israel played their first couple of shows outside of their home country this year and if you were among the lucky few to catch them, I know that you had a shitload of fun. Such a wild, genre-bending Rock'n'Roll whatthefuckery! From Funk to Orientalisms, from Easy Listening to Math Rock this stew was spiced with a mind-boggling richness of ingredients. What a blast!






favorite MUSIC 2023 - all my lists:

TOP 23 albums   |   TOP 7 live albums   |   TOP 5 reissues
TOP 7 non-album releases   |   TOP 23 live shows




2023-11-22

BJÖRK live in der Barclays Arena, Hamburg (21. November 2023)

Wenn ich gerade von einem Konzert heimgekehrt bin, kann ich mich für gewöhnlich nicht einfach gleich ins Bett legen, sondern beschäftige mich noch ein bisschen am PC, bis ich wirklich runterkommen und abschalten kann. Das schließt oft ein, schon mal das Titelbild für meinen Bericht auszuwählen und zumindest eine Vorauswahl meiner sonstigen Bilder vom Abend zu treffen und vielleicht sogar bereits webfertig zu bearbeiten. Maximal füge ich die Bilder dann sogar schon mit ouiewflhldjklufödsf-Fülltexten zu einer Schablone für meinen Blogpost zusammen.

Bei Björk war allerdings absolutes Fotografieverbot während der Show angesagt, so dass ich nur ein oben ins Logo gebasteltes Bild vom Vorhang habe und nun tatsächlich noch am selben Tag zumindest diese ersten Absätze formuliere.

Ich will übrigens nicht meckern. Als Konzertbesucher fand ich das Verbot sehr vernünftig und nachvollziehbar, da angesichts des atemberaubenden Multimediaspektakels, was sich auf der Bühne abspielte, die vielen kleinen Smartphonebildschirme wirklich gestört hätten.
Als Rezensent hingegen wäre mir der Luxus, gerade dieses visuelle Großereignis bebildern zu können, allerdings durchaus willkommen.

Das Gastspiel der Isländerin in der drölftausend Leute fassenden Barclays Arena war natürlich die mit Abstand größte Soloshow, die dieses Jahr auf meinem sonst eher gemütlichere Locations vorziehenden Konzertkalender stand. Über zehn Jahre ist es her - damals war O2 noch der Sponsor des Puffs - dass ich zum ersten und einzigen Mal hier gewesen bin, damals für Iron Maiden. Ob und was sich verändert hat, kann ich nach der Zeit natürlich kaum beurteilen, abgesehen davon dass es sich diesmal um ein Sitzkonzert handelte und ich vor Beginn noch genügend Zeit für eine ihrem Preis nach mit Blattgold verzierte Currywurst mit Pommes hatte.

Mein Platz befand sich im Innenraum und erwies sich angesichts der simplen numerischen Ordnung als überraschend schwer zu finden. Erst als es ein paar Plätze neben mir zu Verwirrung kam - und zum Glück noch zwanzig Minuten vor Showbeginn -, merkte ich, dass auch ich gar nicht im Block 6, sondern im Block 9 saß. Eine gute Nachricht, rückte ich so doch erheblich näher ans Geschehen.

Ok, genug prokrastiniert! Jetzt komm mal zu Potte bzw. zur Show!

Es war definitiv ein deutlich anderes Erlebnis als Björks symphonischer Open-Air-Auftritt in Berlin letztes Jahr. Zwar präsentierte sich die Sängerin wieder in hochkreativer Schmetterlingsverkleidung als beinahe entrücktes Fabelwesen, doch wo in Berlin der größte Teil der Magie der Kraft ihrer Stimme entsprang, war sie hier eher eine sich zuweilen zurücknehmende und in einem Kokon verbergende Wegweiserin durch ein alle Sinne betörendes Gesamterlebnis.
Lichter, Videos, ein System aus unterschiedlichen transparenten Vorhängen schufen eine einzigartige Kulisse, die jeden Song über sich selbst hinaus erhöhten. Buchstäblich jeden Augenblick konnte man hier neu überwältigt werden. Wann hat man sonst schon wie während "Victimhood" den Eindruck in einem gigantischen Fahrstuhl zu stecken, der durch magische Welten immer weiter und weiter zum Grund des Meeres rauscht? Irre.

Ebenfalls anders als auf der Waldbühne, wo neben Stücken von "Vulnicura" ein Strauß mit Highlights aus Björks kompletter Karriere dargeboten wurde, war diese Show überhaupt nicht darauf angelegt, eine Hit-Parade zu sein, sondern hatte einen eher theatralischen Ansatz als Gesamtkunstwerk.
Die musikalischen Pinsel waren die ungwöhnliche Konstellation aus Elektronik, einem gelegentlich auch singendem Flöten-Sextet und Universal-Perkussionsmonster (sogar Wassertrommeln hat er gespielt!) Manu Delago. Die Farben waren zu drei Vierteln Lieder der aktuellsten Alben "Utopia" und "Fossora" - beides Werke, die ja weit vom ohrwurmigen Pop Appeal früher Tage entfernt sind, in diesem Rahmen mit ihrer Gegensätzlichkeit aus bezaubernden, machtvollen und verwirrenden Elementen jedoch volle inspirierende Kraft entfalteten.

Backkatalogstücke wie "Venus As A Boy" und "Pagan Poetry" gab es nur in stark umarrangierten Fragmenten und selbt das komplett gespielte "Isobel" verweigerte standhaft die unmittelbare Eingängigkeit des Originals. Nein, Björk könnte für eine Künstlerin, die Shows dieser Größenordnung spielt, kaum eine größere Antithese des auf Nummer sicher Wünsche erfüllenden Popstars sein.
Ihre künstlerische Vision und - oft eher gefühlte als klar formulierte - Botschaft sind ihr eindeutig wichtiger.

Am deutlichsten, eindeutigsten wurde wohl nicht einmal sie selbst, sondern die Botschaft Greta Thunbergs, welche den Zugabenblock einläutete, und leider aktuell einen unangenehmen Beigeschmack hat. (Ist dies nach dem Brutus-Konzert vom Sonntag hier nun etwa eine feste Rubrik?)
Ich sage nur: Please don't talk about Israel! Hat sie zum Glück auch nicht gemacht. Es ist natürlich immer ein schwierig zu diskutierendes Thema, aber leider gibt es eine gewisse tragische Tendenz gerade von eigentlich richtiger, humanistischer Seite, sich vorschnell und unreflektiert auf die Seite des vermeintlich unterdrückten Underdogs zu stellen, wenn die realistische Bewertung sich doch ungleich differenzierter gestaltet. Puh, unangenehmeer Mini-Exkurs...

In der Zugabe gab es dann aber doch noch eine kleine Überraschung in Form eines eigentlich vollkommen überspielten Coversongs, als die Band eine himmlische Variation von "Happy Birthday To You" anspielte. Björk feirte hier nämlich tatsächlich ihr sagenhafterweise bereits achtundfünfzigstes Lebensjahr. Es war mir eine Ehre und Freude, an dieser Geburtstagsfeier teilgenommen zu haben.

Ein fantastisches, einzigartiges Erlebnis, von dem unendlich viele unbeschreibliche Eindrücke bleiben - auch wenn ich hier zur Fantasieanregung des Lesers nur ein schäbiges Spiegelselfie und die Arena von außen nach Feierabend anbieten kann. Tja.    


2022-12-11

BJÖRK - Fossora

Ok, nachdem ich nun einen Tribute-Sampler mit Jazzcovern von Björk besprochen habe, steht natürlich unübersehbar der isländische Elefant die isländische Elfe im Raum. Klar, ich habe zusammen mit jener CD natürlich auch noch ein anderes überfälliges Album gekauft, nämlich die Opernversion von "Vespertine" vom Orchester des Nationaltheaters Mannheim mit Hotel Pro Forma. Das ist aber bereits von 2019, weshalb ich es nicht mehr rezensieren werde...

Achso, ja. Björk selbst hat dieses Jahr natürlich auch ein neues Studioalbum rausgebracht: 

BJÖRK - Fossora (Digibook CD) (2022)

Ich tue mich ja immer ein bisschen schwer damit, über ihre aktuellen Werke zu schreiben. Letztendlich sind sie im Prinzip ja stets ähnlich: Björk kreiert einen speziellen, oft um einen ausgewählten Satz von Instrumenten zentrierten Klangkosmos, haut in diesem Rahmen irre große Kompositions- und Gesangskunst raus und zwingt einen doch immer wieder, sich die Gesamtheit zu erarbeiten. Selbst ein Album welches sich wie dieses hier als vorwiegend fröhlich und verspielt empfindet, geht nicht einfach von null auf hundert in Ohr oder Tanzbein, da Björk sich nach wie vor dickköpfig der Rückkehr zur großen Pophymne oder zumindest einem größeren Anteil von Stücken mit sofortiger Eingängigkeit verweigert. Und dies geschieht nicht aus Unfähigkeit, sondern ganz bewusst. Vermutlich eben gerade, weil sie Spaß daran, der einzige globale Popstar zu sein, der sich dermaßen musikalisch freigeistige Avantgarde erlauben kann.

"Fossora" verbindet Kammermusik aus Gesang, Klarinette und Streichern mit zumeist subtilem elektronischen Rhythmus oder Gewummer, lässt sich mitunter aber auch zu geradezu albernen Spielereien und sogar ein paar explosiven Gabber-Ausbrüchen hinreißen. Das ist die super vereinfachte Version. In der Realität der dreizehn Tracks, welche auch ein paar kurze Zwischenspiele wie "Mycelia", "Trölla-Gabba" oder das  isländische  Traditional "Fagurt Er Í Fjörðum" beinhalten, sieht das Ganze natürlich erheblich vielfältiger und anspruchsvoller aus. Inklusive Duetten mit ihren Töchtern Sindri und Isadora passieren enorm viele interessante Dinge - so viele, dass ich mir wahrscheinlich auch in einem halben Jahr noch schlicht zu doof vorkäme, um sie hier angemessen zu würdigen.

Paradoxerweise macht Björk ja letztendlich gar keine furchtbar intellektuell verkopfte Musik. Dazu steckt ja viel zu viel Emotionalität und auch Intimität in diesen Arrangements. Aber sie denkt und fühlt halt so speziell, dass es nicht immer eine leichte Übung ist, hinterher zu kommen.
Schätze und bewundere ich die Musik auf "Fossora"? Hundertprozentig! Aber werde ich diese sehr schick im Digibook präsentierte CD ähnlich oft hören wie die Werke aus der ersten Hälfte ihrer Solodiskografie - oder auch nur so häufig wie den "Björk In Jazz"-Sampler? Vielleicht überrasche ich mich ja, doch ich vermute eher nein.

Großartig, aber halt nicht für immer und überall.







2022-12-10

VARIOUS ARTISTS - Björk in Jazz - A Jazz Tribute to Björk

Wo ich mit Årabrots "Heart" doch gerade beim Thema Coverversionen angelangt bin: Hier ist ein sechzehn Tracks dicker Tribute-Sampler, randvoll mit Jazzinterpretationen von Björk-Klassikern vom 1993er "Debut" der Isländerin bis zu "Selmasongs" (2000)!

VARIOUS ARTISTS - Björk in Jazz - A Jazz Tribute to Björk (CD) (2022)

Dass Björk ausgesprochen gut im Jazzkontext funktioniert, ist natürlich nichts neues. Das hat nicht nur 2013 Travis Sullivan's Björkestra mit seinem großartigen "I Go Humble"-Album bewiesen, sondern lange vorher bereits die Künstlerin selbst. Schon 1990 sang sie mit dem tríó Guðmundar Ingólfssonar Jazzstandards auf isländisch, doch auch die eigenwilligen Melodien, Harmonien, Rhythmen und Arrangements ihrer langen Solokarriere sind ja im Grunde oftmals schon Jazz, nur vorgetragen mit den Mitteln avantgardistischer Popmusik.

Und so gibt es wohl kaum einen Song aus ihrer umfangreichen Diskographie, den man nicht schon in passables Jazzstück umwandeln könnte, indem man ihn einfach mit entsprechenden Drums, Kontrabass und Klavier nachspielt. Und auch wenn ein paar Stücke auf dieser Kompilation tatsächlich auf der traditionellen Trio-Idee basieren, gaben sich die Kuratoren hier nicht mit kreativem Minimalaufwand zufrieden, sondern haben ein stilistisch ausgesprochen breites Kaleidoskop zusammengestellt.

Es mag andere Mit-Dilettanten, die mich hier häufig das J-Wort jubeln lesen vielleicht verwundern, doch mit meiner kontemporären Genrekenntnis ist es tatsächlich nicht so weit her, dass ich auch nur einen der hier teils alleine, teils in Kollaborationen vertretenen Künstler wiedererkennen würde. Doch das hilft mir vielleicht ja auch, so unvoreingenommen, wie man es als Björk-Fan überhaupt sein kann, hier hineinzulauschen.

Ohne Referenzen des sonstigen Schaffens ihrer Interpreten wissen mich hier grundsätzlich alle Tracks zu überzeugen. Und selbst wenn ein Track für den einen oder anderen Hörer nur ok wäre, sollte das Gesamtbild, in welches er eingebunden ist, diesen Eindruck eigentlich ausbügeln.

Am spannendsten ist logischerweise der erste Durchlauf, wenn einen jedes Stück neu überrascht: Wird es ein Cover mit Gesang oder übernehmen Instrumente den Stimmenpart wie in Eric Legninis Klavier-"Joga", in "You've Been Flirting Again" vom October Trio oder dem spannungsgeladenen "Hunter" von Vincent Peraini & Michael Wollny?
Setzen die Interpreten auf traditionellen Jazzsound inklusive langer Soli und spielerischen Scatgesang wie z.B. Camila Meza in "Isobel"?
Oder überraschen sie mit bewusster stimmlicher Zurückhaltung wie im großartig tief und rauchig zu einem New Orleans-Trauermarsch vorgetragenen "Bachelorette" von Simone Mazzer & Cotonete?

Kleben sie sehr dicht am Original oder sind sie tatsächlich das von Björk gecoverte Original, wie das geschickt hier hineingeschummelte "It's Oh So Quiet" von Betty Hutton. Ha, reingefallen! Selbst deren hier enthaltene 1952er Version war schon die Neuinterpretation eines drei Jahre älteren deutschsprachigen Liedes von Hans Lang.

Wird das Stück komplett durch den kreativen Fleischwolf gedreht wie in der wilden, weit vom Vertrauten abweichenden Attacke, mit der das Yaron Herman Trio "Army Of Me" eröffnet?
Oder strapaziert man den Begriff Jazz wie Viktoria Tolstoys e-gitarrenlastige, eher auf der Rock-Seite von Fusion beheimatete "New World"?

Und sobald man denkt, dass nun aber das gesamte Spektrum beacktert wurde, belehren einen nicht nur Jazz Mafia feat. Yvette Pylant mit ihrer Afro-Bläser-Funk-Interpretation von "5 Years" eines Besseren, sondern auch The Swingle Singers mit einer reinen A-Capella-Version von "Unravel".

Der Spannungsbogen, der hier zusammengestellt wurde, lässt trotz stolzer Gesamtlänge keine Langeweile aufkommen. Oder ist es einfache die unbestrittene Klasse des Ausgangsmaterials? Egal, mir gefällt das Ding sehr gut!