Geplant war das ursprünglich gar nicht, doch wenn dir der Social-Media-Algorithmus eine Veranstaltung vorschlägt, die nicht nur nur ein paar Gehminuten von deinem P+R in Berlin-Buch entfernt stattfindet, sondern auch noch am späten Nachmittag beginnt, so dass Du noch bequem im Laufe desselben Tages nach Hause (=Schleswig-Holstein) fahren kannst, ist das schon sehr verlockend.
Und wenn es sich bei den auftretenden Künstlern dann auch noch um ein Streicherensemble handelt, welches des komplette Björk-Album "Homogenic" aufführt, gibt es für mich natürlich überhaupt keine Chance mehr nein zu sagen.
(Witzigerweise war Björk + Streicher ja auch der Anlass meines letzten Berlin-Trips vor ein paar Jahren.)
Ich wurde zum Glück nicht erwischt und eingeknastet, so dass ich jetzt - endlich - vom Konzert berichten kann:
Das Ludwig-Hofmann-Quartier ist ein denkmalgeschützer historischer Krankenhaus/Psychatrie-Komplex, der zu einem beschrankten Wohnquartier umgestaltet wurde. Im Zentrum der Anlage befindet sich Haus 20 mit seiner hohen barocken Eingangshalle, die mit ihrer hellhörigen Akustik wie für unverstärkte Musikveranstaltungen gemacht zu sein scheint.
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| WOODEN ELEPHANT |
Die gebotene Kammermusik war natürlich speziell. Das Ensemble ist darauf spezialisiert, unter der Nutzung vieler unkonventioneller Ideen und experimenteller Techniken komplette Alben von so unterschiedlichen Künstlern wie Beyonce, Moor Mother, Aphex Twin oder Miles Davis zu reinterpretieren.
Einen kleinen Einblick in ihren Katalog gab es am Anfang, als das Konzert mit zwei Songs von Radiohead eröffnet wurde. Für mehr war leider keine Zeit, da man einen sehr engen Zeitplan und einen flight zu catchen hatte.
Und danach also "Homogenic", Art-Pop-Meisterwerk, mit Sicherheit Björks über Genregrenzen hinaus einflussreichstes Album. Es wird konventionell, aber auch "seltsam" gezupt, gestrichen, mit Tricks wie Alufolie um die Saiten präpariert. Mit Händen und Füßen werden nebenbei Percussioninstrumente bedient oder mit Wasser gefüllte Weingläser gespielt.
Das war alles interessant anzusehen, beeindruckte allerdings fast noch mehr, wenn man die Augen schloss und sich bewusst machte, dass jeder Trick wirklich nur dazu diente, den richtigen Sound zu finden.
Alles in allem war dies eine innovative, detailbesessene, aber nicht das Ganze aus dem Auge verlierende Interpretation des über alle Zweifel erhabenen Ausgangsmaterials. Viele Highlights kamen an den erwarteten Stellen der Tracklist wie "Jóga", "Bachelorette", "Immature", "All Is Full Of Love". Alle musikalischen Fragen, wie z.B. wie man in solch einer Konstellation den Umpffumpffumpff-Kracher "Pluto" angehen würde, wurden äußerst kreativ beantwortet. Davon hätte ich gerne ein Album mehr haben können - und damit war ich der Publikumsreaktion nach auch nicht alleine. Anderseits war ich natürlich froh, mich zeitig auf den Heimweg machen zu können. Trotzdem natürlich - gerade in diesem Rahmen - einfach ein wunderbares Konzert!
Die einzige Kritik, die ich hätte, qualifiziert mich wahrscheinlich als Boomer, aber wenn man weiß, dass man Teile der Show nur mit einem Schuh spielen wird, dann kann man sich vielleicht auch ein paar Socken ohne drölfzig Löcher einpacken, oder?
* Offensichtlich ist die Gruppe in voller Stärke ein Quintett, welches auch noch einen Violaspieler einschließt, der hier aber nicht dabei war.

















































