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2026-11-01

KANAAN - Kanaan / Spirits


Nach dem Konzertbericht aus dem Hafenklang fühlt es sich tatsächlich schon ein wenig überfällig an, ein paar Worte über den selbstbetitelten neuen Tonträger zu verlieren, den Kanaan dort vorgestellt haben. Also, nicht lang schnacken, here we go:






KANAAN - Kanaan (Limited Tour Edition Yellow vinyl LP) (2026)

Zunächst einmal wow! "Kanaan" ist inklusive einer Live-Veröffentlichung und ihrer Kooperation mit Ævestaden (aber ohne die "International Space Station Vol.1"-Compilation und das 2024er Überwerk "Cloud Sculptors" mit erweitertem Line-Up als Full Earth) bereits das zehnte Album des norwegischen Powertrios seit 2018.

Wie man es im Grunde erwartet, sobald eine Band sich mitten in der Diskographie entscheidet, auf einen Albumtitel zu verzichten, ist "Kanaan" eine Zusammenfassung - oder besser Konzentration - von beinahe allem, was Kanaan  in der vergangenen noch nicht einmal abgeschlossenen Dekade so getrieben hat. Das in der tourexklusiven Version gelbe Vinyl beherbergt vier Instrumentalstücke sehr unterschiedlicher Länge:

Der Opener "P1800" hat ganz klar Weckfunktion und geht in nicht einmal drei Minuten rund um ein Uptempo-Jimi-Hendrix-Riff mit viel Gitarrengeschredde voll auf die Zwölf.

Kanaan live im Hafenklang, Hamburg
Der "Silver Cloud Blues" erreicht dann mit knapp sieben Minuten was bei Kanaan als normale durchschnittliche Songlänge betrachten kann (siehe z.b. die beiden Alben "Earthbound" und "Downpour"). Stilistisch erklärt sich der Titel im Grunde schon selbst: Überraschung, es ist ein Heavy Blues!
Stabiler, gut fuzzender Bass über ein wild shuffelndes Schlagzeug, mit dem Ingvald Andre Vassbø einmal mehr unterstreicht, was ihn für seine vergangene Anstellung bei Motorpsycho hat, und natürlich auch hier wieder Gitarrist Ask Vatn Strøm mit jeder Menge Gehexe in geschmackvollem 70er-Ton.

Der selbstverständlich vorne wie hinten identische Dreizehneinhalbminüter "Ouroboros" schließt die A-Seite dann episch ab, sich langsam inklusive Mellotron und fusion-artigen Sehnsuchtsgitarrenmelodien zu einer mächtigen Stoner Doom-Black Sabbath-Huldigung steigernd.

Die B-Seite gehört dann einundzwanzig Minuten lang ganz allein "The Wonderer". Ein mächtig dynamischer pychedelischer Prog-Rocker in vier Teilen, in dem Kanaan ihr komplettes Spektrum an Gefühls- und Härtegraden ausspielen und ihre Lust am in perfekter Bandchemie zelebrierten Jam voll ausleben. Mellotron und spacige Modularsynthies als i-Tüpfelchen lassen diesen Koloss dann entgültig in den interstellaren Raum gleiten. Kann man bereits nach dem ersten Hören bedenkenlos in die Hall of Fame der besten Songs des Trios schieben.

Ja, mehr Kanaan als auf "Kanaan" geht wirklich kaum... 





Ein wenig mehr geht aber trotzdem noch, dann nämlich, wenn man zu den einhundert glücklichen Fans gehört, die das Album im Bundle mit einer Bonus-EP ergattern konnten...





KANAAN - Spirits (10") (2026)

Eine White-Label-10", das Cover in grünlich oder bläulich bedruckt, handnummeriert in einer Auflage von hundert Stück - und schon vor dem zweiten Konzert der Europatour ausverkauft!

Mein Glück, dass ich nicht bis nach der Show mit dem Einkauf gewartet habe. Denn "Spirits" knüpft nahtlos an die exzellente Qualität des Albums an, auch wenn die Produktion vielleicht ein Mü weniger druckvoll ist. Da die beiden Longtracks dieser Scheibe auch etwas mehr in der frei improvisierteren Tradition der "Odense Sessions" (2020) oder der beiden "Diversions"-Alben steht, steht der erdige, etwas weniger produtzierte Sound der Musik aber auch sehr gut.

"Plateau" bewegt sich dabei etwas mehr in krautrockend spaciger Richtung, während im Titeltrack der EP wild um ein sowohl bei Acid Mothers Temple als auch The Heads gut aufgehobenes Riff soliert, gelärmt und rhythmisch durchgedreht wird.

Beide Stücke sind super und hätten vielleicht auch mit auf ein verlängertes Doppelalbum gepasst. Aber da sie stilistisch vielleicht nicht ganz so sehr unverkennbar Kanaan sind, verstehe ich die Entscheidung, sie ausgesondert auf dieses zukünftige Sammlerstück zu packen, durchaus.

Aber ich bin ja auch Nummer 53 der hundert glücklichen Besitzer. Hätte ich das Ding nicht bekommen, wäre ich zugegebenermaßen wahrscheinlich anderer Meinung. 






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