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2026-10-17

KANAAN und ARCADIA live im Hafenklang, Hamburg, Hamburg (15. Oktober 2026)


Am Donnerstag Nachmittag brachte Hermes mir meinen jüngsten Discogs-Einkauf vorbei, "Diversions Vol. 2: Enter The Astral Plane", das einzige der neun Alben von Kanaan, welches mir noch in der Sammlung fehlte.

Leider konnte ich es gar nicht gleich auflegen, denn ich musste mir ja in Hamburg das am nächsten Tag erscheinende selbstbetitelte Album Nummer zehn besorgen, zusammen mit einer auf hundert Stück limitierten Zehn-Zoll-EP. Und live zu sehen gab es das norwegische Trio im Goldenen Salon des Hafenklang natürlich auch.

Zum Glück hatte ich mir die EP vor dem Auftritt gesichert, denn nach der Show war das Ding bereits ausverkauft - und das bereits am zweiten Tag der Tour.

Doch spulen wir wieder ein paar Stunden zurück! Zunächst einmal spielte unerwarteterweise (ich hatte es zumindest in keiner Ankündigung gesehen) eine junge lokale Band als Opener.





ARCADIA
Arcadias Repertoire ist noch überschaubar, und so spielte das Instrumentalquartett einfach alles, was es hatte und kam damit genau auf die richtige Länge, um Ohren, Seele und drittes Auge für den Rest des Abends aufzuwärmen.

Das musikalische Mittel dazu war ein zumeist relaxt swingender bis treibender Feelgood-Sound, in dem sich sommerlich veträumter Psych mit Spuren von Surfrock, Western und Orient vermischten.

Zusammengehalten vom mal mit Fingern, mal leicht postpunkig mit Plektrum gespielten Basslinien, wusste jeder Song mit einer etwas anderen Note zu überzeugen. Cool chilliger Entspannungssound für den Ferientrip ins Krautrock-Spa.








KANAAN
Und dann zeigten Kanaan, warum die Rückwand der Bühne auf ganzer Breite von Orange-Vestärkern und -Boxen verdeckt war.

Es ist schwer, noch irgendein Lob über Ask, Eskild und Ingvald zu finden, welches ich nicht schon vorher in zahlreichen Live- und Albumkritiken ausgeschüttet habe, z.B. vor sieben Jahren, als sie - damals noch deutlich jazzfusioniger unterwegs - im Erdgeschoss derselben Location ihr erstes Konzert außerhalb Norwegens gespielt haben. Damals war gerade mal genügend Publikum zur Halbkreisbildung vor der Bühne anwesend, das sah diesmal zum Glück ganz anders aus.

Kanaan feierten ihre Rückkehr mit einem zweistündigen Auftritt, welcher sicherlich der wildeste Psychedelic-Abriss war, den ich seit Dope Purple im Speicher Husum - oder hier im Goldenen Salon dem Hedvig Mollestad Trio vor einem Jahr gesehen habe.

Die Gitarre riffte und solierte für die Stonergötter, der Bass knarzte und fuzzte - hin und wieder auch durch Basspedale unterstützt -, als wollte er das Sunn O)))-Shirt seines Spielers rechtfertigen und die Drums drehten dazu wieder einmal durch als gäbe es kein gestern, heute und morgen - absolut wild und immer hart and der Schwelle zwischen brillianter Musikalität und komplettem Chaos.

Gespielt wurde zunächst einmal das komplett neue Album in einer Version, die vermutlich an diversen Stellen um ein paar Minütchen exzessiven Jams erweitert wurde. Während der beiden Epen "Ouroboros" und "The Wonderer" (im Studio bereits vierzehn und einundzwanzig Minuten lang), wurde der Bass gegen eine doppelhalsige Kombination aus Viersaiter und Gitarre eingetauscht, und auch die Modularsynthesizer hatten ihren ersten Einsatz - was allerdings der einzige Punkt im Set war, der nicht so recht zünden wollte, ich glaube, weil es (sound)technisch irgendwie hakte.

Im weiteren Verlauf des danach natürlich längst noch nicht fertigen Sets, kam dann zum Ausgleich aber noch die große Stunde der Synthies im krautrobotischsten Stück des Abends. Welche Songs genau noch alles kamen (sehr viele waren es aufgrund der Liebe des Trios zur endlosen Improvisation ja nicht), kann ich leider nicht mehr nachvollziehen, da es ja echt zuviel verlangt gewesen wäre, einmal die Setlist abzufotografieren, nicht wahr?

Die fulminante Performance endete auf jeden Fall mit dem monströsen "Pink Riff" und einer das noch vorhandene Resthirn pulverisierenden Hommage an Acid Mothers Temple. Danach musste dann auch Schluss sein, denn mehr kann man sich weder wünschen noch seinem Körper zumuten.

Mehr geht einfach kaum bis gar nicht, und so wurde die Gruppe zurecht frenetisch angefeiert. Wenn Du auf wilden instrumentalen Psychrock mit doomenden und jazzigen Anteil, sowie einer gehörigen Portion Motorpsycho Worship stehst, dann kommst Du an Kanaan nicht vorbei!    







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