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2019-06-20

KANAAN und KOMBYNAT ROBOTRON live im Hafenklang, Hamburg (18. Juni 2019)

Kanaan


Das junge norwegische Trio Kanaan hatte ich zwar schon seit letztem Jahr, als ihr Debütalbum "Windborne" auf El Paraiso Records erschien, mit großem Ausrufezeichen auf dem Radar, doch zugelegt habe ich mir das Teil dann doch erst neulich mit Erscheinen der zweiten Pressung.
Das war vergangene Woche. Und gestern spielten sie dann schon das erste Date ihrer ersten Europatour in Hamburg. Sauber. Da musste ich unbedingt hin.

Das sahen leider nur übersichtlich viele Eingeweihte ähnlich, so dass das zur Vorband anwesende Publikum gerade mal für einen Halbkreis reichte. Aber man muss natürlich realistisch sehen, dass hier ein noch nahezu unbekannter Headliner an einem warmen Sommerdienstag spielte. So ließen sich die Musiker dann auch zurecht nicht die Freude an ihren Auftritten nehmen.



Kombynat Robotron


Zunächst standen Kombynat Robotron (oder ganz korrekt: КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ) auf den Brettern.
Das Kieler Instrumentalquartett schien für den größten Teil seiner Performance ganz auf endlose Improvisationen über einer repetiven, sich sehr geduldig steigernden Robotik-Rhythmussektion gebügelt zu sein. Das erinnerte großenteils an fuzzige Midtempo-Neokrautjams von Electric Moon oder Minami Deutsch, war allerdings gerade vom Bass her in der Ausführung noch minimalistischer.
Gegen Ende wanderte der Fokus dann von deutscher zu britischer Rocktradition, sprich das Schlagzeug schaltete Tempo runter und Intensität rauf, statt Kraut war die Basis nun eher Black Sabbath-Doom.

Insgesamt lautet das Prädikat: lässiger heavy Entrückungsrock.


Kanaan


Was dann allerdings nach der Umbaupause geschah - und ich denke das kann ich sagen, ohne das Kombynat dabei auch nur einen Millimeter abzuwerten -, spielte sich in einer anderen Liga ab. Dass Kanaan auf dieser Tour mit ihrem Debütalbum unterwegs sind, ist eigentlich kaum zu glauben.

Die einfachste Formel, um an den Stil der ebenfalls gesanglosen Band heranzukommen, ist wohl sich eine Mischung aus dem Dänischen Psych-Powertrio Papir und dem allheiligen Mahavishnu Orchestra vorzustellen. Und darauf wäre ich - ich schwöre! - auch ohne die Promotexte des Labels gekommen. Dass dieses auch noch Motorpsycho erwähnt, ist natürlich klar, allerdings nicht ganz so nah dran. Und live entziehen sich jene ja durch ihre Lautstärke weitgehend der echten Vergleichbarkeit.

Die Mahavishnu-Vibes allerdings sind unüberhörbar. Zu sehr deutet die Leadgitarre stellenweise auf John McLaughlin. Vor allem aber hat Drummer Ingvald Andre Vassbø seinen Billy Cobham gefressen und lieferte für sich alleine schon eine der wildesten Trommelbiest-Performances ab, die ich seit langem gesehen habe. (Hmm, ok... da war schon öhm... Motorpsycho letzten Monat, ok.)
Was für ein Energielevel des frisch studierten Jazzdrummers! Dass das Schlagzeug auf Höhe der Saiteninstrumene am linken Bühnenrand stand, war auf jeden Fall logische Konsequenz der Rolle, die er in der Gruppe spielt.
Und dass sein auf leichter Vintage-Hardware gebautes Kit sich ständig in alle Himmelrichtungen verabschieden wollte und wieder eingefangen werden musste, wirkte schon wie ein Teil der Performance.

Die Ausdauer und das Zusammenspiel der drei Musiker war über die gesamten achtzig bis neunzig Minuten des aus Songs von "Windborne" und unveröffentlichten Stücken bestehenden Sets beeindruckend. Wo in diesem Mix aus früher, doch noch stärker zum Rock ausschlagender Jazzfusion, Krautrock - und auch überraschend derben Doomtönen der Marke Monolord oder Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs die Grenze zwischen fester Komposition und spontaner Improvisation verlief, das war kaum noch auszumachen. Dazu war hier alles jederzeit zu erstklassig.
So psychedelisch glückselig tönte es hier zuletzt im November bei Kikagaku Moyo.
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Fazit: Kanaan sind ein sympathisches, phänomenales Powertrio, welches man sich bei Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte!

Ich werde die Tatsache, dass ich sie am ersten Tag ihrer ersten Eurotour gesehen habe, auf jeden Fall zukünftig fest in mein Angeber-Repertoire für musiknerdigen Klönschnack aufnehmen. Und es ist mir scheißegal, ob ihr es hören wollt, haha.





Kombynat Robotron:





Kanaan:






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