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2024-11-23

VERSTÄRKER / KOMBYNAT ROBOTRON / SPECK / SARKH - International Space Station vol 2

Ja, ich weiß, mein Satellit trudelt mal wieder ein wenig hinterher, weswegen es für Hobbyastronomen keine brennende Neuigkeit sein dürfte, dass die ISS dieses Jahr wieder vier Bands als Crew aufgenommen hat.


VERSTÄRKER / KOMBYNAT ROBOTRON / SPECK / SARKH - International Space Station vol 2 (orange/yellow / blue 2LP) (2024)

Ist der zweite Teil dieser von Lulu Neudeck (Worst Bassist Records) kuratierten Compilation-Reihe so stark wie der Vorgänger mit Elonmusk (ob die Band sich nicht doch mal umbennen wird?), Electric MoonKungens Män und Kanaan?
Ganz ehrlich: nein. Was keine Schande darstellt, da jene Doppel-LP wirklich eines der Psych Rock-Highlights des Jahres 2022 gewesen ist.

Und keine Sorge, großartige Musik gibt es auch hier wieder zu hören! Jeder Gruppe gehört wieder eine Schallplattenseite, und den Anfang machen die Amerikaner Verstärker mit den beiden Tracks "Weltraumtraum" und "Kvant". Die sehr flott dynamische Auslegung eines Motorik-Beats mit beinahe westernartigem Twang im Bassspiel, welche das erste Stück eröffnen, werden bald jäh von einem maschineller treibenden Hypnosegroove forgesetzt. Gegen Ende der zwölfminütigen Reise werden die Triebwerke dann ausgeschaltet und mündet in Ambient-Gewaber, welches den kürzen zweiten Track dann komplett bestimmt.

Etwas sehnsuchtsvoller gestaltet sich "Montan", der viertelstündige Transferflug zur Station von Kombynat Robotron, die hier im Grunde schon beinahe die Blaupause eines Psych-Jams spielen. Unmöglich also, hier Originalitätspunkte zu vergeben. Die Qualität ist aber astrein, mit genügend Tempo- und Intensitätswechseln, um keinen Anflug von Langeweile aufkommen zu lassen.

Das schönste Gewaber haben für mich Speck in "Flaniergang", dem geradlinigen ersten ihrer beiden Tracks implementiert. "Bes, so bes" entfernt sich dann von tradionellen Krautmustern und mischt eher Ambient mit Drone- und Doom-Elementen. Alles natürlich immer noch sehr weltraumaffin umgesetzt. Statt optimistischer Zukunftsreise herrscht hier halt nur die bedrohliche weite Leere des Alls vor.

Mehr Post Metal-Einflüsse, wie eine etwas psychedelisch orientierte Version von Russian Circles, erwarten uns schließlich mit "Helios" und "Cape Wrath" von Sarkh.
Ein powervoller Abschluss und tatsächlich wohl sogar meine Lieblingsseite. Das kann aber vielleicht auch am längeren Vorlauf der Musik für mich liegen, denn anders als die vorigen Bands sind Sarkh nicht mit ganz frischen exklusiven Stücken am Start, sondern mit Stücken, die mir halt schon eine Weile länger bekannt sind. Dies ist im Grunde die Hälfte (Track 2 und 4) der letztjährigen "Helios"-EP.

Womit ich dann auch zum Meckerabsatz überleiten kann:

Es sind gesammelte Kleinigkeiten, die "International Spece Station vol 2 " zu einer sehr guten, aber eben nicht wie "vol 1" exzellenten Vierer-Splitveröffentlichung machen.
Musikalisch ist alles super, aber die Highlights strahlen halt nicht ganz so brennend hell wie z.B. Kanaan. Die Internationalität der Bandauswahl lässt hier zudem mit zwei deutschen und einer österreichischen Gruppe im Vergleich ein wenig zu wünschen übrig.
Und auch wenn das Layout des Gatefolds und die beiden verschiedenfarbigen Schallplatten  für sich zwar super aussehen, war ich ganz ehrlich schon ein bisschen enttäuscht, dass wir hier letztendlich nur eine alternativ bearbeitete Version des vorigen Covers sehen, wo eine neue Perspektive, vielleicht auch durch einen anderen Künstler, schon spannender geween wäre.

Nichts davon ist dramatisch, es zeigt aber, dass die anfangs gelegte Messlatte doch ziemlich sportlich ist.

"International Space Station vol. 2" ist eine gemeinsame Veröffentliochung von Weird Beard, Echodelick und Worst Bassist Records.






2019-06-20

KANAAN und KOMBYNAT ROBOTRON live im Hafenklang, Hamburg (18. Juni 2019)

Kanaan


Das junge norwegische Trio Kanaan hatte ich zwar schon seit letztem Jahr, als ihr Debütalbum "Windborne" auf El Paraiso Records erschien, mit großem Ausrufezeichen auf dem Radar, doch zugelegt habe ich mir das Teil dann doch erst neulich mit Erscheinen der zweiten Pressung.
Das war vergangene Woche. Und gestern spielten sie dann schon das erste Date ihrer ersten Europatour in Hamburg. Sauber. Da musste ich unbedingt hin.

Das sahen leider nur übersichtlich viele Eingeweihte ähnlich, so dass das zur Vorband anwesende Publikum gerade mal für einen Halbkreis reichte. Aber man muss natürlich realistisch sehen, dass hier ein noch nahezu unbekannter Headliner an einem warmen Sommerdienstag spielte. So ließen sich die Musiker dann auch zurecht nicht die Freude an ihren Auftritten nehmen.



Kombynat Robotron


Zunächst standen Kombynat Robotron (oder ganz korrekt: КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ) auf den Brettern.
Das Kieler Instrumentalquartett schien für den größten Teil seiner Performance ganz auf endlose Improvisationen über einer repetiven, sich sehr geduldig steigernden Robotik-Rhythmussektion gebügelt zu sein. Das erinnerte großenteils an fuzzige Midtempo-Neokrautjams von Electric Moon oder Minami Deutsch, war allerdings gerade vom Bass her in der Ausführung noch minimalistischer.
Gegen Ende wanderte der Fokus dann von deutscher zu britischer Rocktradition, sprich das Schlagzeug schaltete Tempo runter und Intensität rauf, statt Kraut war die Basis nun eher Black Sabbath-Doom.

Insgesamt lautet das Prädikat: lässiger heavy Entrückungsrock.


Kanaan


Was dann allerdings nach der Umbaupause geschah - und ich denke das kann ich sagen, ohne das Kombynat dabei auch nur einen Millimeter abzuwerten -, spielte sich in einer anderen Liga ab. Dass Kanaan auf dieser Tour mit ihrem Debütalbum unterwegs sind, ist eigentlich kaum zu glauben.

Die einfachste Formel, um an den Stil der ebenfalls gesanglosen Band heranzukommen, ist wohl sich eine Mischung aus dem Dänischen Psych-Powertrio Papir und dem allheiligen Mahavishnu Orchestra vorzustellen. Und darauf wäre ich - ich schwöre! - auch ohne die Promotexte des Labels gekommen. Dass dieses auch noch Motorpsycho erwähnt, ist natürlich klar, allerdings nicht ganz so nah dran. Und live entziehen sich jene ja durch ihre Lautstärke weitgehend der echten Vergleichbarkeit.

Die Mahavishnu-Vibes allerdings sind unüberhörbar. Zu sehr deutet die Leadgitarre stellenweise auf John McLaughlin. Vor allem aber hat Drummer Ingvald Andre Vassbø seinen Billy Cobham gefressen und lieferte für sich alleine schon eine der wildesten Trommelbiest-Performances ab, die ich seit langem gesehen habe. (Hmm, ok... da war schon öhm... Motorpsycho letzten Monat, ok.)
Was für ein Energielevel des frisch studierten Jazzdrummers! Dass das Schlagzeug auf Höhe der Saiteninstrumene am linken Bühnenrand stand, war auf jeden Fall logische Konsequenz der Rolle, die er in der Gruppe spielt.
Und dass sein auf leichter Vintage-Hardware gebautes Kit sich ständig in alle Himmelrichtungen verabschieden wollte und wieder eingefangen werden musste, wirkte schon wie ein Teil der Performance.

Die Ausdauer und das Zusammenspiel der drei Musiker war über die gesamten achtzig bis neunzig Minuten des aus Songs von "Windborne" und unveröffentlichten Stücken bestehenden Sets beeindruckend. Wo in diesem Mix aus früher, doch noch stärker zum Rock ausschlagender Jazzfusion, Krautrock - und auch überraschend derben Doomtönen der Marke Monolord oder Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs die Grenze zwischen fester Komposition und spontaner Improvisation verlief, das war kaum noch auszumachen. Dazu war hier alles jederzeit zu erstklassig.
So psychedelisch glückselig tönte es hier zuletzt im November bei Kikagaku Moyo.
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Fazit: Kanaan sind ein sympathisches, phänomenales Powertrio, welches man sich bei Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte!

Ich werde die Tatsache, dass ich sie am ersten Tag ihrer ersten Eurotour gesehen habe, auf jeden Fall zukünftig fest in mein Angeber-Repertoire für musiknerdigen Klönschnack aufnehmen. Und es ist mir scheißegal, ob ihr es hören wollt, haha.





Kombynat Robotron:





Kanaan: