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2013-01-01

Jahresrückblick Musik 2012

Nach dem Vorbild diverser Musikzeitschriften hier mal mein kleiner Versuch, meine Favoriten auf eine überschaubare Anzahl zu reduzieren. Die Auswahl fällt schwer und ich garantiere nicht, dass ich mich übermorgen noch in allen Punkten genauso festlegen würde. ;)


ALBUM TOP 10:
  • LAIBACH - Monumental Retro-Avant-Garde
  • SWANS - The Seer
  • MOTORPSYCHO and STÅLE STORLØKKEN - The Death Defying Unicorn
  • THE MARS VOLTA - Noctourniquet
  • NAPALM DEATH - Utilitarian
  • CANDLEMASS - Psalms For The Dead
  • MUSE - The 2nd Law
  • LAIBACH - Iron Sky (The Original Film Soundtrack)
  • ARCHIVE - With Us Until You're Dead
  • KREATOR - Phantom Antichrist

TOP DVD:
  • DIE FANTASTISCHEN VIER - MTV Unplugged II 

KONZERT TOP 5:

  • LAIBACH - Statens Museum for Kunst, Kopenhagen
  • SWANS - Kampnagel, Hamburg
  • CORONER - Wacken Open Air
  • VOIVOD - Roadburn Festival, Tilburg (2 Shows)
  • VOIVOD - Hafenklang, Hamburg


BESTES KONZERT von DAS ROTE UNIVERSUM:
  • DAS KLOSTER ROCKT, Lütjenwestedt

    (Welches auch sonst? *g*
    Dieses Jahr wird die Auswahl wohl etwas größer.)

SPÄTZÜNDER 2012:
  • METALLICA - Metallica

    (Mit zwanzig Jahren Verzögerung dann doch zu Schätzen gelernt. Haha.
    Sich mit alten Scheiben nach ewiger Zeit mal wieder zu beschäftigen, rockt eh. Eben gerade habe ich z.B. festgestellt, dass die "Shitfun" von AUTOPSY ja weitaus geiler ist, als ich sie in Erinnerung hatte.)

ENTTÄUSCHUNG 2012:

Um mich vorsätzlich mit schlechten Platten und Konzerten zu belasten, sind mir meine Zeit und mein Geld zu kostbar. Und dieses Jahr bin ich von echten Enttäuschungen zum Glück verschont geblieben.
Was mich allerdings tierisch nervt (betrifft nicht nur Musik, sondern auch Filme / Serien) sind unausgegorene Verpackungen mit Sollbruchstelle und Schäden durch beschissen plazierte FSK-Aufkleber.
Ansonsten war die AWD Hall in Hannover nicht die Knaller-Location für die an sich vollkommen überzeugenden DREAM THEATER.
Und liebe Madame JANELLE MONÁE - anstatt als überflüssiges Feature in Hits anderer Interpreten weit unter Ihren Möglichkeiten zu bleiben, zimmern Sie doch bitte lieber endlich den Nachfolger zu "The ArchAndroid" ein!  Falls Sie das Charthurengeld brauchen, um eben jenen noch großartiger zu machen, sind Sie allerdings entschuldigt! ;)


HOFFNUNG / VORFREUDE 2013:

Nur noch knapp drei Wochen, dann erscheint "Target Earth" von VOIVOD. Selten haben ich mich so auf ein Album vorgefreut. Weihnachten reloaded! 2013 wird ein ganz großes Jahr für BlackyChewySnakeAway!
LAIBACH schaffen es hoffentlich auch, ihre lange verschobene "Revisited"-Scheibe rauszubringen, und JANELLE MONÁE erwähnte ich ja gerade schon.
Mit zwei Tagen Abstand DEPECHE MODE und IRON MAIDEN live - das wird eine eine Knaller-Woche im Juni!

2012-12-30

THE MARS VOLTA - Noctourniquet

Morgen ist Silvester und ich bin von meinem Vorsatz, alle dieses Jahr erschienenen Musikscheiben meiner Sammlung zu rezensieren, noch ganze zwei Alben plus zwei DVDs entfernt. Also nichts wie ran!

Das folgende  Album erschien bereits im März und hat sich seitdem ganz weit oben in meiner Playlist festgefressen. Omar Rodriguez-Lopez (Musikchef u. Gitarre) und Cedric Bixler-Zavalas (Gesang) präsentieren:


THE MARS VOLTA - Noctourniquet (2012)

Mein großes Problem beim Schreiben über The Mars Volta ist ja der Mangel an Vergleichen und Referenzen außerhalb des Universums der Band selbst.

Also überlasse ich die Basics einfach mal anderen und konzentriere mich auf die Fragen: Was ist anders? Was ist neu?

Es gab mal wieder Besetzungswechsel, so hat man u.a. einen neuen Drummer an Bord. Wesentlich normalsterblicher wird das Schlagzeugspiel dadurch aber nicht. Zwar gibt es keinen Rhythmus-Overkill wie auf "The Bedlam of Goliath", dafür allerdings auch in ruhigen Passagen sehr viel anspruchsvollen Breakbeat.

Der dramatischste Wechsel für den Sound hat sich allerdings an den Tasten vollzogen. Auf sehr eigenständige Weise vom Geist des Krautrock beseelt, nehmen Synthesizer und Klangeffekte eine prominente Rolle wie nie zuvor ein. Bei "In Absentia", ausgerechnet mit siebeneinhalb Minuten dem längsten Track von "Noctourniquet" geht die Liebe zur Elektrospielerei sogar soweit, dass man die ersten drei Viertel des Songs das Gefühl hat, die "normalen Instrumente" (Gitarre, Bass, Drums) spielen nur noch die zweite Geige - anstrengend, sich da reinzuhören, aber am Ende sehr lohnenswert.

Die meisten Stücke sind allerdings leichter zugänglich. Tatsächlich meistert dieses Album spielend den Spagat, einerseits bei aller sofortigen Wiedererkennbarkeit The Mars Volta einen sehr kantigen, vollkommen kauzigen Neuanstrich zu verpassen (der einzige wirklich traditionelle TMV-Song ist "Molochwalker"), anderseits aber eben zugänglich wie vielleicht niemals zuvor zu sein.

Zum Teil sind es natürlich die relativ kurzen und zumeist relativ kontrollierten Songs, die "Noctourniquet" zu einem vergleichsweise poppigen Hitalbum machen. Die funky Gitarrenarbeit ist bemerkenswert zurückhaltend, ausschweifende Saitenwichsorgien Fehlanzeige.
Hauptverantwortlich ist jedoch Cedric Bixler-Zavala, der sich stimmlich erstaunlich variabel zeigt und scheinbar über jedes wirre Gewusel eine griffige, mitreißende Gesangslinie zu zaubern versteht.

Für mich einer der absolut herausragenden Ohrwürmer dieses Jahres, muss ich namentlich unbedingt noch "Empty Vessel Make the Loudest Sound" erwähnen. Allein durch diesen Song wird dieses Album die Ewigkeit überdauern. Was für eine Hymne!

Und was für ein Album mal wieder! The Mars Volta eben. Klarer Spitzenanwärter zur Wahl des Albums 2012.

Anspieltipps: Empty Vessels Make The Loudest Sound, In Absentia, The Malkin Jewel, Noctourniquet, Molochwalker

2009-08-30

THE MARS VOLTA - Octahedron

- real time review -



THE MARS VOLTA - Octahedron (2009)
Ich muss schon zugeben, dass ich sehr gespannt war, wie The Mars Volta nach der ebenso wahnwitzigen wie düsteren Tour de Force "The Bedlam In Goliath"mit dem aktuellen Album"Octahedron" weitermachen würden.
Könnte dieses Energielevel tatsächlich gehalten werden? Vermutlich, wenn man gewollt hätte. Mastermind Omar Rodriguez-Lopez hatte jedoch anderes im Sinne und trat diesmal kräftig auf die Bremse. Das Ergebnis ist so etwas wie der vollkommene Gegenentwurf zu Bedlam, allerdings innerhalb des marsvoltamusikalischen Kosmos, versteht sich.

Das Konzept war offensichtlich, herauszufinden, wie weit sich die Musik der Gruppe reduzieren lässt, ohne ihre Identität zu opfern. Und das ist erstaunlich weit. So wurden zwei Bandmitglieder komplett beurlaubt, es finden bis auf das Finale keine Bläser statt. Wo die Stimme Cedric Bixler-Zavalas zuletzt noch beinahe bis zur Unkenntlichkeit durch unzählige Effekte gejagt wurde, klingt er diesmal oftmals erstaunlich entspannt und gefühlvoll. Am auffälligsten ist, wie sehr hier das Trommelmonster Thomas Pridgen gebändigt wurde. Nachdem das letzte Album ja auch als 75minütiges Drumsolo im besten Billy-Cobham-Stil funktionierte, lag er bei großen Teilen von "Octahedron" offensichtlich gefesselt in der Ecke. Tatsächlich kommt die Hälfte der Tracks fast oder sogar vollständig ohne Drums aus! Und gerade diese Stücke wie "With Twilight As My Guide" oder "Copernicus" erweisen sich sogar als Höhepunkte des Albums.

Natürlich gibt es auch wildere Momente, welche jedoch im Vergleich zu den vorigen Alben schon fast verhalten ausfallen. Die Basis von "Octahedron" ist eben nicht Chaos oder Panik, sondern Stille, und gebremster Schaum somit vollkommen ausreichend.
Aus dieser Stille schält sich der Opener "Since We've Been Wrong" heraus, und in diese kehren The Mars Volta immer wieder zurück.

Das Album ist aber nicht nur ruhiger, sondern auch kürzer, sowohl was die Gesamtspieldauer, als auch was die einzelnen Tracks angeht. Die Songs sind fast alle nach traditionellem Strophe-Refrain-Prinzip strukturiert, es bleibt fast immer kontrolliert und selbst einige Songtitel kommen tatsächlich in den entsprechenden Refrains vor. Es ist also alles ziemlich nachvollziehbar geworden.

Ein poppiger Ausverkauf also?
Nein, das würde ich nicht sagen. Bei vielen Bands könnte man ähnliche Ansätze vielleicht so betrachten, aber für The Mars Volta ist es wohl gerade etwas sehr neues, experimentelles, gewagtes, im Zweifelsfall vielleicht sogar kommerziell riskantes, mal nicht musikalisch vollkommen durchzudrehen.

Trotzdem ist "Octahedron" in keinem Moment weniger The Mars Volta als "The Bedlam In Goliath" oder "Amputechture", was natürlich vor allem eines bedeutet, nämlich: dieser Tonträger ist brilliant!

Absolute Kaufempfehlung.