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2026-10-10

BOHREN & DER CLUB OF GORE live auf der MS Stubnitz, Hamburg (09. Oktober 2026)


Ich hoffe,
ihr könnt mit dem nächsten Stück mehr anfangen.
Es geht um eure Reallöhne.
Es heißt "Tief Gesunken"

(nach Erinnerung sinngemäß zitiert)

Machen es Bohren und der Club of Gore einem eigentlich eher einfach oder schwer, über sie zu berichten? Auf jeden Fall hat man wenig Bildmaterial zu bearbeiten, da es durch die gedimmte, auf die Intensität der Musik reagierende Beleuchtung einfach keine große Ausbeute zu holen gibt. Ich habe meine Digital Harinezumi Spielzeugkamera gestern auf der ausverkauften MS Stubnitz mal wieder komplett unterschätzt und viel zu wenige Fotos mit ihr geknipst - darunter aber immerhin das einzige, auf dem der von mir aus durch eine Säule verborgene Kontrabassist Robin Rodenberg überhaupt zu sehen ist. (siehe oben!)

Ansonsten kommt es wirklich darauf an, ob der Leser selbst die Band schon einmal gesehen hat oder sie zumindest vom Hören ihrer Alben kennt. Ist dies nicht der Fall, kann ich ohnehin weder die tatsächliche Wirkung ihres bis kurz vor Stillstand verlangsamten Detektiv-/Ambient-Jazzs vermittelt, noch den Humor von Saxophon- und Vibraphonist Christoph Clöser, der sich vor allem durch den an das Tempo der Musik angepassten Vortrag entfaltet.
Sowohl in seiner entrückenden, den regulären Zeitfluss stoppenden musikalischen Tiefe als auch im bizarr komischen Humorerlebnis muss man das Trio letztendlich selbst erlebt haben, um die Besonderheit eines Bohren und der Club of Gore-Konzerts zu verstehen.

Und wer Bohren in der Triobesetzung kennt - mit allen Mitgliedern in multiinstrumentaler Auslastung, die neben Rhodes Piano, Orgel, weiteren Keyboards, Bass, Vibraphon und natürlich dem über allem auf Opium sehnsüchtelnden Saxophon auch noch Gitarre und das auf mehrere Personen aufgeteilte Schlagzeug, sowie eine sich selbst unter einem Jazzbesen drehende Snaredrum enthält -, dem kann ich nach dieser Show nichts neues erzählen.

Eigentlich wollte die Band - angeblich - auf dieser Tour ihr neues Album vorstellen, aber so ein Album fertigzustellen, das dauert bei dieser bis ins kleinste Detail durchkomponierten ultrazeitlupigen Musik ja immer sehr lange. Es ist also noch nicht fertig, und noch nicht veröffentliche Lieder spielen Bohren prinzipiell nicht. Das neueste Material stammte also von "Patchouli Blue", immerhin auch schon sechs Jahre jung.

Hat sich deswegen irgendwer beschwert? Nein, natürlich nicht. Bohren und der Club of Gore haben genau das doomjazzige Erlebnis geliefert, welches man von ihnen erwartet. Dass ein Konzert derart seelenmusikalisch ergreift und einen auf eine andere Ebene der Zeitempfindung versetzt, man anderseits aber beinahe sein Getränk vor Lachen ausspuckt und Tastenmann Morten Gass einen ganzen Song kaum sein Kichern unterdrücken kann, das ist als Kombi halt schon ein enormes Alleinstellungsmerkmal.

Wie lang die Show netto tatsächlich gewesen ist (ohne Ansagen und Pinkelpausen), das werden wir nie erfahren, falls nicht irgendwar im Publikum gestoppt hat. Was ich allerdings ohne jeden Zweifel festhalten kann ist, dass diese Show - natürlich auch unter Mitwirkung der für solchen Traumreisensound wie immer fantastischen Location - zu den besten zählt, die ich dieses Jahr erleben durfte.

Für mich persönlich kam als erheblicher kontextueller Bonus auch noch der Gegensatz zum Vortag hinzu. Abgesehen von Parallelen im Humor war die pinkschrillbunte Hyper-Pop-Sinnesüberwältigung von Laibachs "Musick"-Programm in der Großen Freiheit 36 nämlich ein kaum krasser vorstellbareres Kontrastprogramm. (Der Bericht dazu braucht noch ein Minütchen. Bis dahin bitte aufmerksam und angeschnallt bleiben!)






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