Sometimes German, sometimes English. The title of this blog used to change from time to time. That will certainly resume next January.
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Interested in me reviewing your music? Please read this! I am also writing album reviews for VeilOfSound.com.

2022-08-17

DALILA KAYROS - Animami

Das Roadburn Festival 2018 ist ein Bezugspunkt, auf den ich irgendwie immer wieder direkt und indirekt zurückkomme. Selbst die "kleineren" Nebenschauplätze dieser Festivalausgabe erheben hier immer wieder ihr Haupt. So erschien z.B. dieses Jahr endlich mit "Pyramiden" das neue Album der mir dort erstmals begegneten italienischen Post-Djent(?)-Band Syk.

Und wer auf diesem großartigen Album insbesondere von dem daraus besonders herausstechenden Gesang nicht genug bekommen kann, für den legt Sängerin Dalila Kayros mit einem experimentellen Solowerk nach, welches ihre Stimme noch um ein vielfaches umfang- und facettenreicher in den Mittelpunkt stellt.

I'VE ALREADY WRITTEN AN ENGLISH REVIEW OF THIS ALBUM HERE ON VEILOFSOUND.COM



DALILA KAYROS - Animami (LP) (2022)

Musikalisch haben wir es hier allerdings mit einem völlig anderen Spielplatz als der Progmetalgruppe zu tun, was wiederum zu sehr unterschiedlichen gesanglichen Ansätzen führt. Es ist einfach, zur Beschreibung einfach die regulär nageliegende Option "extrem talentierte, aber irgendwie ganz schön schrullige Sängerin" zu wählen und Dalila Kairos mit den üblichen Verdächtigen Björk und Kate Bush zu vergleichen, obwohl ich ja - wie im damaligen Review ausführlich dargelegt - fand, dass ihre Performance im Rockkontext von Syk eigentlich viel näher an obskureren Referenzen der frühen 1990er Jahre wie dem jungen Scott Jeffreys von Confessor oder Melanie Bock von Megace liegt.

Doch nun auf "Animami" ist jene Ähnlichkeit zu Björk und Bush tatsächlich im Übermaß vorhanden. Was sicherlich kein Zufall ist, denn schließlich geht es auf diesem Album wie kaum etwas anderes darum, die Möglichkeiten des stimmlichen Ausdrucks auszuloten, sei es durch Tonhöhe, Akzentuierung, durch Technik und Gefühl oder durch Harmonien und Effekteinsatz.
Kayros ist entschlossen, zu abenteuerlichen unbekannten Orte vorzudringen - und das ist natürlich eine Mission, in der die legendären Vorbilder schon immer bahnbrechend gewesen sind. Man sollte also durchaus an Björk denken, jedoch insbesondere an ihre A capella-Eskapaden auf "Medúlla". Und von Kate Bush spüre ich hier vor allem den Geist ihres dichten und (auch kommerziell) widerspenstigen "The Dreaming".

Der isländische Vergleich ist hier aber der weitaus stärkere, da er auch über den Gesang hinaus erweitert werden kann. Die mit Dalilas unberechenbarer Stimme immer eng verwobene Instrumentalbegleitung ist nämlich durchweg elektronisch, entstanden in kongenialer Zusammenarbeit mit Danilo Casti, sozusagen ihrem Mark Bell, Matmos oder Arca.
In elf durchschnittlich drei Minuten kurzen Bewegungen werden wir durch unterschiedlichen Stadien der Zugänglichkeit geführt, von verstreuten abstrakten Geräuschen bis hin zu geradezu hymnischer Erhabenheit. Insgesamt bewegt sich Dalila Kayros damit auf einer Linie, welche starke Parallelen zu Zola Jesus aufweist, allerdings im direkten Vergleich einen sehr viel ausgeprägteren Hang zu konzeptionell getriebener Sperrigkeit als zu eingängigem Pop hat.

Der erste Satz des offiziellen Promotextes für das Album lautet: Animami is about discovering the dark side of the mind as an endless path of inner transformation.
Die Musik spiegelt diesen Ansatz sehr erfolgreich wider, indem sie aus einer konstanten Grundstimmung nebelhaften psychologischen Horrors heraus die vage Unsicherheit des Unterbewussten hörbar macht.
Als Nebeneffekt kann man sich folgerichtig sehr leicht vorstellen, wie Clipping.s Daveed Diggs über jedem dieser Tracks seine Bars spittet. Gerade da Kayros' englisch-italienische Texte wie Freudsche Fiebeträume aus einer spirituell verwandten Ecke zu kommen scheinen und sich auf "Visions Of Bodies Being Burned" perfekt einfügen würden, ist diese Hip-Hop-Fantasie erstaunlich naheliegend.

Angesichts ihrer bewussten Entscheidung zur tendenziell schwer verkopften Kunst, welche bereits im Opener "Abyss" mit seinem Dröhnen und unbequemen Gollumismen zementiert wird, ist es vielleicht überraschend, dass das Album als Ganzes tatsächlich wie im Fluge vergeht. Das mag zum einen daran liegen, dass alle Stücke recht kurz gehalten sind, zum anderen allerdings auch daran, wie viel in dieser kurzen Zeit passiert, sind sie doch alle prall gefüllt mit unterschiedlichen interessanten Sounds und Ideen. Und dann ist da natürlich noch über allem die Konzentration auf die einfach immer wieder umwerfende und unglaublich kreative Stimme der Sängerin.

Das wiederholte Auflegen von "Animami" lässt mich von einer gemeinsamen Europatour mit der ähnlich brillianten und charismatischen Lili Refrain träumen. Und da nicht nur beide aus Italien kommen, sondern sogar das Label Subsound Records teilen, scheint dieser Traum doch gar nicht so unerfüllbar, oder?

Die auf 300 handnummerierte Exemplare limitierte LP ist schlicht und klassisch schwarz gehalten, das Cover definitiv ein Hinkucker. Optisch hat Dalilo Kayros also auch alles komplett richtig gemacht.

Ein spezielles Album. Ich gebe ihm zwei schwarze und zwei violette von fünf möglichen Herzen: 🖤🖤💜💜







2022-08-15

ZOLA JESUS - Arkhon

Gut fünf Jahre ist "Okovi"Zola Jesus' letztes Studioalbum nun schon her. Doch obwohl man sich ab und zu schon gefragt hat, ob und wann da wieder etwas kommt, verging die Zeit für mich im Grunde doch sehr schnell. Ich hatte allerdings auch - und habe immer noch - einige frühere Titel ihrer Diskographie nachzukaufen.

Vor allem aber war die Zeit ja auch nicht gänzlich frei von neuen Veröffentlichungen. So dokumentierte "Live At Roadburn 2018" eine der signifikantesten, von mir aus der Mitte der ersten Reihe miterlebten Shows der in meinen Ohren vielleicht immer noch stärksten Ausgabe des Festivals. Hätte sich Sängerin/Songwriterin/Produzentin Nika Roza Danilova danach statt Musik komplett den Hobbys Stricken oder Einkochen von Marmelade zugewandt, so könnte ich realistisch gesehen bis ans Ende meiner Tage meinen Bedarf an ihren Songs mit diesem wahnsinnig guten und natürlich zusätzlich nostalgisch aufgeladen Doppel-Livealbum decken.

Doch nun ist ja doch endlich ein neues Werk erschienen. Den Anspruch, für mich einen ähnlichen Stellenwert einzunehmen, stelle ich an "Arkhon" fairerweise gar nicht erst.

In diesem Sinne kann mich Frau Christus - obwohl sie ja ohnehin noch nie enttäuscht hat - eigentlich nur positiv überraschen, oder?


ZOLA JESUS - Arkhon (eco-mix vinyl LP) (2022)

Tatsächlich braucht der Opener "Lost" nur Sekunden, um einen zu vermitteln, dass Zola Jesus zumindest auf ihrem üblichen Niveau bleibt. Und spätestens nach dem Refrain kommt einem schon der Gedanke, dass wenn der Rest der zehn Stücke ähnlich überzeugt, das hier wohl eines der Dark-Pop-Alben des Jahres sein muss. Und so kommt es dann auch.

Dabei hat die Künstlerin an ihrer grundlegenden Formel wenig gedreht. Die Basis ist immer noch anspruchsvoller Elektropop, der sowohl zum Experimentellen als auch zum großen mit lauter Stimme rausgeschmetterten Überwältigungsklang der Marke Florence and The Machine ausschlägt, sich dabei aber trotz einer ungeheuren Fülle an Ohrwürmern dem potenziellen Formatradiopplay verweigert. Als ob das heute auch noch irgendein Mensch bräuchte...

Im Vergleich zum sehr dunklen "Okovi" kommen allerdings wieder mehr Upbeatpassagen wie zuvor auf "Taiga" zum Vorschein, vor allem aber geht Zola Jesus einen hörbaren Schritt zu größerer organischer Fülle und Breite in ihrem Sound. Dass sie sich in der Covid-Quarantänezeit ein echtes (also nicht elektronisches) Klavier zugelegt hat, mag dabei eine Rolle gespielt haben.
Ganz sicher zu einem großen Teil mitverantwortlich sind allerdings ihre beiden wichtigsten kreativen Partner auf "Arkhon", Produzent und Experte für einen vielfältigen, lebhaften Bassfrequenzbereich Randall Dunn (Louise Lémon, Sunn O))), Anna von Hausswolff, Old Man Gloom etc.) und der mir vor allem durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Tori Amos bekannte Drummer und Perkussionist Matt Chamberlain, der Jesus' Sound einen zusätzlichen dynamischen Kick gibt, durch den sich die Energie von "Arkhon" sofort als neue frische Note von den vorigen Alben der Künstlerin abhebt.

Nicht nur produktionsseitig, sondern auch personell tut sich im Bassbereich einiges, da sich mehrere Gastmusiker dabei abwechseln, auf den tiefen Saiten der neuen Natürlichkeit über dem Elektrofundament zuzuspielen.
Dass zusätzlich auch noch verschiedene Streicher zum Einsatz kommen, ist natürlich kein Novum für Zola Jesus, doch wissen auch diese in dem warmen Gesamteindruck des Albums besonders zu glänzen.

Im Rahmen dieses wunderbaren Klangbildes liegt es vor allem an Songwriting und Gesangsperformance, zwischen gewollter Distanz, himmlischer Erhöhung und intimer Nähe zu variieren. Und tatsächlich bringt jeder Song auf eigene faszinierende Weise eine neue Facette hervor, ohne den ganzheitlichen Charakter dieses tadellosen musikalischen Albumkunstwerks der amerikanisch-russischen Sängerin in Frage zu stellen.

Kurzum: Ein großartiges ernsthaftes und emotional schweres Alternativ-Pop-Album, welches eine eigene, jederzeit sofort erkennbare, kreative Sprache spricht. Viel besser geht's nicht.

Die Eco-Mix-Vinylvariante, bei der die (mehr oder weniger?) zufälligen Reste aus anderen farbigen Schallplattenproduktionen benutzt werden, ist sicherlich eine Lotterie. Mein Exemplar ist zum Glück sehr schön geworden und harmoniert auch einigermaßen mit dem Coverartwork. Einzig der zum Teil durch schwarz auf dunkel komplett unleserliche Druck der Songtexte gefällt mir am Layout des Albums mal so gar nicht. Aber wer sich von so etwas die Musik verleiden lässt, der sollte sich besser ein anderes Hobby suchen. Stricken und Marmelade Einkochen zum Beispiel.  











2022-08-14

harineweekly 32/52


Good morning sunshines! If I'm going outside to shoot photographs despite the mediterran heat today, I will probably take a film camera with me, so why not already post my Digital Harinezumi pictures of the week early for a change? It's kind of a summer edition again, obviously.







2022-08-13

Aukrug expired

Just a couple of pinhole photographs I took this March, taken with the Holga Wide Pinhole Camera on Orwo NP 20 film (expired 05/1991). Scans from the 6 x 12 cm negatives.

Easy to spot which ones I shot in the morning before work and which ones in the afternoon. Only five of six frames, because one of the misty morning pictures was too dark to even bother scanning it.





2022-08-12

WHITE WARD - False Light

Ok, I hear you! It feels long overdue to dedicate a couple of words to the Ukranian band White Ward and their new, almost seventy minutes long album "False Light" here!

They had already established a unique style which mixes harsh black metal directly with smooth saxophone doomjazz several releases ago, and it still doesn't cease to impress how seamless this unlikely combination works.

So if the band just did more of the same - with the usual little increase in skill and experience - every fan would already be happy, right?

Well, White Ward did a couple of steps more.


WHITE WARD - False Light (Digibook CD) (2022)

While they didn't heave a similarly long break between releases, the easiest point of reference to describe White Ward's evolution is the step which the Romanians Dordeduh took on their phenomenal 2021 album "Har".
"False Light" also is an album which presents the unique sound of its artists in a powerful perfectionist production, huge and accessible at the same time. It sees the band expanding their musical language without sacrificing their core sound of ferocious black metal, smooth Bohren & der Club of Gore saxophone darkjazz and the floating blackgaze between these polarities.

But the long running time offers them a lot of space to dip their toes into other currents, often only briefly, but always very purposeful. Aided by several guest singers and additional guest musicians on trumpet, keys and double bass White Ward aren't afraid to incorporate anything they deem fitting into their already wide sonic palette. So you get glimpses into more hymnic metal, even some guitar hero affectations, gothic rock and other neon pink sprinkles from the 1980s as well as as 1990s grooves. Most of the time it's already over once you realize it happens, but it's all great and adds to the phantastically big and broad, majestic feeling this album exudes.

The transcendently overarching musical approach is mirrored by a very wide and serious concept, both visually and lyrically. Indeed one of the very few little problems I have with "False Light" are the sometimes very unintelligible harsh vocals. It's not at all that they sound bad - even if there are a couple of verses, where the arrangement could be a little more complex to match the level of the instrumentals -, but it's a bit pointless to spend so much effort in creating a meaningful narration, when you sometimes can't even follow it while you're reading along. Can we please call this the Bell Witch paradox?

Consequently I'm not going to dive too deep into the lyrical content, which is explained quite thoroughly in the liner notes of the beautiful digibook CD edition. It spans around themes of alienation, environmental destruction, power abuse, the whole human condition in a very ambitious manner. Who would expect a song like "Silence Circles", which seeks to empower victims of domestic abuse on a black metal album? That's not your usual howling to the frost moon.

From the epic opener, which already previews all the defining qualities of the album - appropriately called "Leviathan" -, to the solemm outro "Downfall" White Ward created a masterpiece here.
"False Light" should rightfully propel them into higher spheres of recognition. But as their home country is invaded by that asshole from Moscow that's of course not on the top of the wishes I have for the future of this band.

"It will never be so quiet here again
Unless we all fall
Unless the last tear drops down
The last drop of human blood disappears"
("Phoenix")