The return of The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble hopefully doesn't mean that Jason Köhnen abolishes other projects which are partly similar in atmosphere. Mansur have at least released their fourth album this year.
MANSUR - Pentatonic Ruins (golden vinyl LP) (2025)
Does this count as a "real" album though? The title, which has also been a track of the trio's 2020 debut EP "Temple" already hints at the material not being completely brand-new.
What Dimitri El-Demerdashi (oud), Martina Horváth (vocals) and Köhnen (all the rest) did on these nine tracks is new enough though. The recycling doesn't even necessarily reveal itself on first listen.
"Pentatonic Ruins" is a collection of renamed and reworked tracks from Mansur's previous releases. In the words of the label Denovali Records these new adaptions present them "in a more hypnotic and trance like manner", which pretty much tracks. There's more focus on the Electronics juxtaposing the timeless Folk elements, while the production also highlights the dreamy Ambient sounds. And above all Horváth's mystical voice hovers more front and center for immediate mesmerisation.
So far the trio couldn't do wrong - and this golden LP isn't where that happens either. Enchantng musical spells from start to finish, an album like drifting through the clouds. Gorgeous!
Neulich kam doch mal wieder eine dieser Lieferungen aus dem Denovali-Shop, die nur bedeuten können, dass Jason Köhnen mal wieder aktiv gewesen ist oder wiederveröffentlicht wurde. Diesmal sind es zwei neue LPs, die allerdings gar nicht beide von Denovali selbst zusammengeklöppelt wurden. Doch dazu weiter unten mehr!
MANSUR - Obscuras Flores (clear vinyl LP) (2022)
Zunächst einmal hören wir in das bereits vierte, neue Studiowerk des Trios von Köhnen an Bass und Elektronik, Oud-Spieler Dimitry El Demerdashi und Sängerin Martina Horváth hinein.
Jene Typen, die unter jedem Facebook-Post des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles oder der Nachfolgeprojekte mit "Bring the band back together!" nerven, dürften hier so gut bedient werden wie lange nicht mehr. Zwar haben wir hier zumeist auch die etwas sparsame Instrumentierung und den ganz klar stärkeren asiatischen Einfluss (inklusive sogar etwas Kehlkopfgesang), doch wie dies mit anderen weltmusikalischen Einsprengseln und vor allem Köhnens elektronischen Drones und Rhythmen zusammenkommt, steht schon sehr deutlich in der Tradition des Ensembles. Und ist das schlecht? Nö, natürlich gar nicht, zumal der eigenständige Charakter von Mansur ja immer noch gewahrt bleibt. Und beim Jonglieren mit so vielen Unterschiedlichen Klangbaustellen ist die klare Abgrenzung der Projekte voneinander ja sicherlich nicht immer einfach.
"Obscuras Flores" ist wieder einmal eine kurzweilige, sich eindeutiger Klassifizierung zwischen Ambient, Folk und Avantgarde entziehende Erfahrung, die in mystischer Urkraft entspringt und sich in reiner Schönheit auflöst. Wundervoll.
Soweit zum Yang. Das Yin dazu kommt in einer ganz finsteren Schattierung von schwarz:
THE LOVECRAFT SEXTET - Miserere (LP) (2022)
So düster ist das dritte Album dieses Projekts, in dem Köhnen sein Darkjazz-Konzept immer wieder mit anderen Genres und Ideen clashen lässt, geraten, dass es nicht mehr ins Profil von Denovali Records passte und stattdessen über Debemur Morti Productions, Heimat von Blut Aus Nord und ähnlich schwarzmetallischem Gebräu, veröffentlicht werden musste.
Auf dem Label sind natürlich auch White Ward zu Hause, deren Stil sich sehr treffend mit Bohren & der Club of Gore trifft Black Metal beschreiben lässt. Jene Kategorisierung passt nun auch hundertprozentig zu "Miserere" - dabei ist die Musik tatsächlich komplett anders.
Zunächst einmal fällt auf, dass das Tempo tatsächlich durch die Doomjazz-Komponente vorgegeben wird und es hier keine Blastbeats o.ä. gibt. Der Rhythmus wird in erster Linie von Köhnen, der daneben auch Orgel und verstärkte Saiteninstrumente bedient, am Kontrabass und mit subtilen elektronischen Sounds erzeugt. Hauptverantwortlich für den Bohren-Vergleich ist das wie schon auf dem diesjährigen Bong-Ra-Album "Meditations" von Colin Webster gespielte sehnsuchtsvolle bis gespenstische Saxophon. Parallel sind jedoch fast durchgehend die mal bedrohlich nahen, mal weit entfernt im Hall versinkenden Schreie von Dimitris Gkaltsidis zu hören, die neben den sehr unterschwellig eingebetteten genretypischen Riffs die ständig präsente schwarzmetallischen Aura des Albums garantieren. Die Krone wird dieser dichten Horrormelange jedoch durch seine neoklassischen und Gregorianischen Anteile aufgesetzt. Eugene Bodenstaffs Cello, noch mehr jedoch Lilian Tongs Soprangesang erheben "Miserere" zu einem machtvollen, mal furchterregenden, mal von himmlischer Hoffnung kündendem Erlebnis, für das der Begriff "cineastisch" mir fast noch zu klein scheint.
Kurioserweise war ich ursprünglich drauf und dran, The Lovecraft Sextet diesmal links liegen zu lassen, da ich beim ersten Reinhören wenig mit dieser BlackMetalDarkJazzKlassik-Messe anfangen konnte. Nun jedoch halte ich das nach dem 80er-Jahre-Ausflug "Nights Of Lust" zweite 2022er Sextet-Werk sogar bei aller Liebe für Bong-Ra für Köhnens essentiellstes künstlerisches Statement des Jahres.
Kerze an, in den knarrenden Schaukelstuhl des vollmondbeschienen Turmzimmers gesetzt, Lautstärke auf Kinopalastniveau und Nackenhaare hoch!
Ich habe das Gefühl, dass es momentan vor allem zwei Label gibt, bei denen mich mindestens jede zweite Neuveröffentlichung das virtuelle Portemonaie zücken lässt, WV Sorcerer Productions und Denovali. Bei letztem ist im Grunde Jason Köhnen alleine schon der Grund, ständig zuzuschlagen.
Zum Glück sollten die wiederaufgelegten Backkataloge von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und The Mount Fuji Doomjazz Corporation ja nun bald durch sein, doch der Mann werkelt ja nach wie vor in zahlreichen Nachfolgeprojekten
Alleine mit dem Trio Mansur hat er seit letztem Jahr eine EP, ein Debütalbum und nun bereits den dritten Schlag "Minotaurus" (oder "Minotavrvs", je nachdem welcher Quelle man glaubt) veröffentlicht.
MANSUR - Minotaurus(red clear vinyl LP) (2021)
So unzweifelhaft gut "Temple" und "Karma" auch waren - als Rezensent hatte ich ja ein wenig Sorge, dass es nichts zu berichten geben könnte, außer dass die erfolgreiche Formal noch einmal angewandt wurde und noch mehr gleichwertige Tracks hervorgebracht hat.
Doch tatsächlich probieren Köhnen, Dimitry El Demerdashi und Martina Horváth auf dem neuen, unter vierzig Minuten kurzen Album einen etwas anderen Ansatz aus. Statt sorgfältig auskomponierter und übereinander geschichteter Arrangements sind die sechs Stücke auf "Minotaurus" allesamt freie Improvisationen. Die Grundlage bilden Bass/Elektronik, die an das Köhnen Pandi Duoerinnert, ein flüsternder bis dröhnender Fluss, der selten aus einem klaren Anfang entspringt oder in ein erkennbares Ende mündet, sondern einfach in wechselnder Intensität da ist, fließt und gleitet. Darüber mystizieren Oud und in der Ferne schwebender Gesang, uns auf eine außerkörperliche Seelenreise zwischen Schwarzem Meer, Mittelmeer und Persischem Golf versetzend.
"Minotaurus" ist mehr Landschaft, Reise und Gefühl als strukturierte Liedersammlung. Nennt es orientalisch folkloristischen Darkjazz, antiken Ambient oder mythologischen Drone... letztendlich geht es auch auf diesem Album wieder um den Griff nach seit prähistorischer Zeit präsenter, alle unsere Kulturen und Konditionierungen vorausgehender Ursprünglichkeit.
Eine Übung, welche die beiden Herren und die Dame in Mansur meisterhaft beherrschen. Einzig, dass ein paar Tracks mir etwas zu plötzlich in die Leere ausfaden, wirft mich ein klein wenig aus der Stimmung heraus. Vielleicht wären nahtlos ineinander greifende Überblendungen hier die bessere Wahl gewesen. Trotzdem bleibt dies wunderbare Klangkunst.
Auf ähnlich kräftig roten, leicht transparent Vinyl gepresst wie "Temple" macht "Minotaurus" auch optisch wieder etwas her. Erneut also ein rundum stimmiger Release aus dem Hause Denovali.
Das nächste logische Review nach den beiden neuesten Reissues von The Mount Fuji Doomjazz Corporation und The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble ist natürlich der Blick darauf, was einer der treibenden Köpfe dahinter, Jason Köhnen, heute so macht.
Mansur überzeugten ein paar Monate vor dieser Debüt-LP ja bereits mit der EP "Temple". Womit wir auch schon bei meinem persönlichen Dilemma mit dieser Rezension sind. Da die konzeptionelle Prämisse stabil bleibt, habe ich eigentlich gar keine andere Wahl, als vieles von dem, was ich letztes Jahr schon schrieb zu wiederholen.
MANSUR - Karma (clear vinyl LP) (2020)
Wie schon auf der EP besteht das Trio aus Sängerin Martina Horváth, Ex-Phurpa-Mitglied Dimitry El Demerdashi an der Oud (orientalische Kurzhalslaute) und Jason Köhnen an beinahe allem anderen, also Percussions, Flöten, Keyboards, Samples und wer weiß, was noch alles... Dazu gesellen sich in den zehn durchschnittlich etwa viereinhalb Minuten kurzen Stücken hier und da noch Gastmusiker an Kontrabass und Violine.
In Köhnens Diskographie verortet sich der Sound von Mansur am ehesten auf halber Strecke zwischen dem frühen Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, welches auf "Here Be Dragons" ähnlich nahtlos Zeitlosigkeit und Moderne verband, und den noch stärkeren Arabismen und Mystizismen des direkten Vorgängerprojektes The Thing With Five Eyes.
Insgesamt setzt sich hier der Trend weg von westlichen (Doom)-Jazz- und Klassikeinflüssen, hin zur immer weiteren weltmusikalisch folkloristischen Öffnung fort. Horvárths und El Demerdashis Anteile treffen sich für mich dabei zwischen The Moon And The Nightspirit, Dead Can Dance und Saba Alizadeh. Und mit jedem Vergleich, der mir in den Sinn kommt, fühle ich mich hier ein bisschen wie ein Frevler, der versucht, das magische Moment dieser Musik fort zu analysieren. Zum Glück bin ich zu doof, um das zu schaffen.
Köhnen war ja schon auf mehreren Alben sehr erfolgreich darin, ein menschheits- und weltumspannendes Bild zu malen, und so ist auch Mansurs "Karma" eine Geistesreise um die Welt, bei der man immer glaubt, über mehreren Orten auf gegenüberliegenden Seiten des Globus gleichzeitig zu schweben.
Diese Musik ist fremd und entrückt und gleichzeitig zutiefst vertraut. Und auch wenn "Karma" bis auf den Ausnahmetrack "Logos" klanglich vordergründig erst einmal wenig mit den dröhnenden Kehlkopfgesängen von Phurpa zu tun hat, so scheint mir hier doch die Gemeinsamkeit einer wilden prähistorischen Urkraft gegeben, eines alle Kulturen verbindenden, auch durch die elektronischen Elemente nicht wegmodernisierten, schamanistischen Elements, welches der Musik eine substanzielle Tiefe verleiht, welche direkt jenen Teil des vererbten Unterbewusstseins triggert, der nach der höheren Bedeutung des Seins fragt.
Die Frage bleibt natürlich wichtiger als die Existenz einer Antwort. Ob hier tatsächlich wissentlich Sinn verbreitet wird, oder ob einfach nur fantastische Schauwerte betörend zusammengefügt wurden, spielt angesichts des - zu den Maximalzielen, die Musik anstreben kann zählenden - Resultats letztendlich nämlich gar keine Rolle.
Denn ein Meisterstück haben Mansur hier in jedem Fall kreiert.
Auf transparentem Vinyl (auch in schwarz und auf CD erhältlich) präsentiert Denovali die Scheibe nicht sensationell, aber gewohnt - und angemessen - schick.
Gesamturteil: ein Traum!
Die Videos von Mansur bleiben auch mit dem Album sehr sehenswert:
Mansur again presents a mixture of electronics and a wide array of Eurasian world music influences, but the instrumentation is much more ethnic than on Köhnen's past projects, where he mostly used Western classical and rock intstruments and also relied on samples for a global scope, like very heavily on Bong-Ra's "Antediluvian".
Köhnen is aided by ex-Phurpamember Dimitry El-Demerdashi on oud (an Arabic short-necked proto-guitar) and folkloristic singer Martina Horváth. And besides double bass he himself adds a whole Genghis Khan Mongol Empire Big Band of flutes, percussions and traditional string instruments from the Persian, Indian and Far Eastern spheres to the sound ofMansur.
The result, while elevating and transcendent, radiates a deep familiarity, which for a good part is probably rooted in the diffuse intuition that you're listening to something primal and ancient more than anything else.
If these five tracks are an indication of what's to come on the full album (to be releases in the not too far future), it doesn't make much sense to put the "doomjazz" label on Mansur, because this music much more tends to experimental, but very accessible ethnic fusion.
Especially with all the spike fiddle, lute and flute sounds "Temple" feels like a mixture of Saba Alizadeh's "Scattered Memories" and the neofolk of The Moon And The Nightspiritin Chinese exile.
It's intriguing.
While quality EPs always provoke the obvious critique of being too short, I must admit that Mansur doesn't give me that particular feeling, because the journey I'm taken on is so vast that it seems almost implausible that it only took a total of twenty-four minutes.
"Temple is available on red (if you can still get your hands on it, that is) and black vinyl, as well as on CD.