Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!

2026-02-27

LUCY KRUGER & THE LOST BOYS und JUNOKILL live auf der MS Stubnitz, Hamburg (25. Februar 2026)


Vielleicht sollte ich Konzertberichte grundsätzlich ohne vorangestellten Verkehrsbericht beginnen. Ich habe nämlich so ein bisschen das Gefühl I've jinxed it, wie der Angelsachse sagen würde.

Zehn Tage vor dieser Show hatte ich ja auf dem Weg zu Wyatt E. einen denkwürdigen Beinahe-Zusammenstoß in einer Einbahnstraße in Itzehoe. Diesmal - wieder mit Destination MS Stubnitz - war der Trottel in Hamburg unterwegs und leider erfolgreicher. Und dummerweise war der Trottel diesmal auch noch ich selbst. Ich werde die Details meines Idiotentums jetzt nicht detailliert ausbreiten, aber ich sage mal so: Auch wenn ich nach dem Rumms noch easy rechtzeitig an Bord ankam, kann ich leichten Schock mit Blechschaden vor Besuch einer Musikveranstaltung nicht empfehlen. Macht es echt schwieriger, in die Show reinzukommen, wenn einem immer wieder ärgerlich stressige Gedanken dazwischenschießen und einen aus dem Film reißen. (⭐🟊🟊🟊🟊 1/5 Sterne)

Und ich hatte gedacht, mit den drei Stunden Wartezimmer für fünf Minuten Kontrolltermin beim Augenarzt am Vorabend war der Tiefpunkt der Woche erreicht gewesen...
Eines war an diesem langfristig teurem Tag auf jeden Fall klar: Aus meiner Sicht mussten die Künstler besonders dringend überzeugend abliefern, um eine Chance zu haben, die persönliche Erinnerung an diese Mittwochnacht noch zu drehen.





JUNOKILL
Junokill gingen diese Aufgabe schon sehr bemüht an, konnten das zufällige fiese Hineingrätschen meines mich selbst beschimpfenden Hirns alle paar Minuten allerdings noch nicht abstellen. Das kann ich den sympathischen Hamburgerinnen aber natürlich nicht vorhalten.

Da meine Hausaufgaben bezüglich des Supportacts nur sehr sparsam gewesen waren - und sich in meiner Erinnerung vielleicht auch noch mit etwas anderem vermischt hatten -, hatte ich tatsächlich nicht einmal eine Band, sondern eher ein deutlich elektronisch geprägteres Soloprojekt der Sängerin/Gitarristin/Keyboarderin erwartet. Stattdessen spielte jedoch ein komplettes Trio, zum erstes Mal in der aktuellen Besetzung, was man an ein paar Stellen auch noch in kleinen Unsicherheiten im Zusammenspiel hören konnten, die sie im Laufe der aktuell noch andauernden Tour sicherlich noch ausbügeln werden.

Die Qualität der Musik im Ganzen überstand diese kleinen Schnitzer aber leicht. Astro Punk lautet  die eigene Bezeichnung der Musikerinnen für ihren Stil, was inkorrekt ist, wenn man es als Mischung als Space Rock und Punk zu wörtlich nimmt, anderseits aber sehr gut passt, wenn man es als Bandbreite begreift, die Alternative Rock, Dream Pop, durchaus auch etwas Post Punk und Post Rock einschließt. Vor allem aber taugten die Songs einfach, ganz unabhängig davon, welche Schublade man für sie aufzog.

Eine sehr feine Einstimmung!








LUCY KRUGER & THE LOST BOYS

Die südafrikanische Wahlberlinerin Lucy Kruger hat sich schrittweise an mich herangeschlichen. Zuerst begegnete sie mir während der Vorbereitung aufs Roadburn Festival 2024, wo ihre Show leider nicht in meinen Zeitplan passte. Dann hier Gast auf einem Song vom letzten Spill Gold-Album, dort Backing Vocals auf der letzten Swans... und nun auf der Stubnitz mit einem an meinem Geburtstag erschienenen neuen Longplayer im Gepäck - da konnte ich nicht nein sagen. Zum Glück! Wenn wir den beschissenen Teil des Abends mal ausklammern natürlich - was während der nächsten ca. achtzig Minuten (?) dann tatsächlich doch unerwartet grandios funktionierte.

Lucy Kruger & The Lost Boys sind eine tatsächlich ohne Jungs-Überschuss geschlechtergemischte, insgesamt fünfköpfige Formation aus Drums, Bass, Violine und Gitarre plus die oftmals ebenfalls Gitarre spielende Sängerin. Musikalisch könnte man viele Stichworte von weiter oben bei Junokill wiederholen, käme allerdings klanglich auf ein deutlich anderes Ergebnis. Zudem würde ich hier auch deutlich mehr Einflüsse aus Folk, Ambient und psychedelischem Noise Rock verorten. Vor allem aber machten Erfahrung, Zusammenspiel und die Ausstrahlung der Frontfrau den entscheidenden, den Abend noch auf ein ganz anderes Level hebenden Unterschied.

Gesichert durch eine tighte Rhythmussektion mit einem sehr geschmackvoll kreativen Drummer ließ die Band musikalisch schon einmal gar nichts anbrennen. Und Lucy Kruger hat einfach das gewisse it, diese nicht erlernbare Attitüde und Energie, die gleichzeitig rebellisch herausfordernd, hypnotisierend und verletzlich sein kann. Und die sich vor allem auch immer authentisch anfühlt.

Das Set, welches das komplette "Pale Bloom"-Album und weitere Stücke inklusive dem Hit "Auditorium" enthielt, wusste zu fesseln, den Kopf mit Katharsis zu fluten - und verging absolut wie im Fluge. Ich kann diese Show nur unzulänglich beschreiben, aber verlorener Junge, was für eine großartige Band!

Auch wenn mir aus Gründen gerade nicht so nach shoppen war, wurde nachher zumindest das frische Vinyl am Merch eingesackt.

Das entgültige Urteil über die Erinnering an diesen Tag steht natürlich noch aus, aber egal, um wieviel Geld es bei meinem Crash letztendlich geht: Zu diesem Konzert zu fahren bleibt im Rückblick immer noch die richtige Entscheidung! (Was ich nebenbei auch positiv herausheben möchte, dass ich mit einigen meiner Harinezumi-Spielzeugkamerafotos vom Abend auch überdurchschnittlich zufrieden bin.)







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen