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2026-02-06

SULA BASSANA - Time Travel

Dass sich Dave "Sula Bassana" Schmidt gesundheitsbedingt aus seinem Sulatron Records-Label verabschiedet hat und fortan etwas kürzer tritt, bedeutet nicht, dass er mit Musik in Zukunft nichts mehr am Hut hätte.

Trotzdem ist seine neueste (bislang nur digitale) Veröffentlichung eher rückblickender Natur, versammelt er auf "Time Travel" unter dem selbsterklärenden Untertitel "Rare & Obscure Tracks From The Decades" doch einen anderthalbstündigen Strauß unterschiedlichster Stücke, die zuvor entweder gar nicht oder nur auf seltenen CD-Rs und Samplern veröffentlicht wurden.


SULA BASSANA - Time Travel (download) (2026)

Die Reise durch die Jahrzehnte beginnt in der jüngeren Vergangenheit mit seiner aktuellen Liveband. "Ridin'" ist eine lässig leichtfüßig fuzzende Fortsetzung der Split mit Skyjoggers, wurde es doch ebenso wie die beiden Sula-Stücke des Livealbums auf dem Dazed & Spaced Festival 2024 aufgenommen.

"Krachgarten" von 2012 hält das Energielevel des coolen Einstiegs dann mit einer Kombination aus fast schon funky groovendem Krautrock mit ein paar ganz schön *huiibuuh* gruseligen Synthies.
Jene werden noch freakiger im deutlich schrägeren, aber immer noch schön mitheadbopkampatibel nach vorne gehenden "Arkelanfall".

Ob man "Animal Farm" besser nicht spoilern sollte oder im Gegenteil ausdrücklich vor dieser auf Tiergeräuschen von einer Klangbibliotheks-CDs basierenden Spielerei warnen sollte, das mag evtl. eine die Bassana-Hörerschaft spaltende Frage sein. Es ist definitiv eine der albernsten Aufnahmen des Meisters - verzichtet aber dennoch nicht auf ein paar sehr schöne Analogsynthiesounds.

In den folgenden Stücken treten dann spacige Gitarren in den Vordergrund, ehe wir in den aus Tangerine Dream-Ambient und programmierten Beats gespeisten "Fiebertraum" gleiten. Wunderbar!

Danach geht es im bis dahin mit knapp dreizehn Minuten längsten Stück "Paranoid?" aus den späten Neunzigern mit viel Reverb und Experimentierfreude beim Mix mit einer immer wieder in andere Richtungen wabernden Kombination aus Schulze- und Kraftwerk-Klängen weiter, ehe es - inspiriert von nebligen Winterspaziergängen auf der finnischen Insel "Suomenlinna" noch einmal ganz spooky faszinierend atmosphärisch wird.

Kommen wir nach dieser mystischen Wanderung noch einmal in die realere Welt der Rockmusik zurück?
Die über halbstündige Antwort des zehnten und letzten Tracks "Pilzwald" ist ein nö!, wie es deutlicher nicht sein könnte. Hier haben Sula und Alexander Bulgrin, Sänger seiner damaligen Band Liquid Visions, einfach mal einen Haufen kleiner Instrumente um sich drapiert - von Flöten, Glockenspiel, Kalimba und Regenmacher zu Synthesizern und Drummaschine -, zwei Mikros aufgestellt und sind mit Hilfe von Hall- und Multieffekten komplett und ohne Rückfahrticket in die mykolgische Anderwelt jenseits von Bewusstsein und Traum aufgebrochen. Was für ein Trip!

Jeder Verdacht, dass es sich bei dieser stimmigen Compilation um ein Großreinemachen handelt, bei dem Putzfrau Schmidt einfach alte Reste nach draußen auf den Bandcamp-Hof kehrt, ist komplett unbegründet. Ganz im Gegenteil: Wenn "Time Travel" eines verdeutlicht, dann dass der Krautmeister sein Ding seit Jahrzehnten auf verdammt hohem Niveau durchzieht. Eine derartige Archivmaterialsammlung ohne Füller (ok, über "Sex Farm" äh "Animal Farm" darf man vielleicht diskutieren) hat wahrlich nicht jeder Mucker einfach mal so in der Schublade liegen.

Gute Zeitreise!








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