Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
If the title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2020-09-01

SLIFT - Ummon

Es gibt Alben, die lassen einem eigentlich gar keine andere Wahl, als bei ihrer Besprechung mit dem Cover anzufangen.

An dem monumentalen, im schwarzweißen Comicstil gehaltenen Gatefold von Slifts "Ummon", auf dem ein titanenhafter Hybrid aus Dr. Manhattan, Thanos und Conan auf der Oberfläche eines leblosen Himmelskörpers irgendwo im All ein monströs überdimensioniertes Schwert hinter sich her zieht, lässt sich jedenfalls unmöglich vorbeischauen.

Keine Frage: Die Optik schürt hier schon eine beachtliche Erwartungshaltung an den musikalischen Inhalt. Kann die Doppel-LP diese Herausforderung meistern?



SLIFT - Ummon (2LP) (2020)


Kommen wir gleich ohne Umschweife zum Punkt: Ja, was die Herren Fossat, Fossat und  Flores hier abliefern, wird der Monumentalität der Illustration tatsächlich gerecht!

Es gibt natürlich schon eine Handvoll unterschiedlicher Genres, zu der die Verpackung passen könnte, z.B. Epic Metal, Synthwave, Doom.

Slift allerdings sind in erster Linie ein Spacerock-Trio, dessen Sound nicht nur von der genretypischen Weite, sondern vor allem durch einen stets sehr energischen Drive nach vorne bestimmt wird. Die Rhythmussektion mit ihrem drahtigen Bass groovt und powert wie Sau, während mich der Sound der gerne auch mal ein wenig zum Rockshredding neigenden Gitarre an ihre Landsmänner von Libido Fuzz erinnert.

Ebenso wie bei jener Gruppe steckt dann auch eine gehörige Portion Stoner Rock - und auch die eine oder andere Prise (Doom) Metal - in "Ummon". Am gewöhnungsbedürftigsten für meine Ohren sind noch einige Riffs und Gesänge, die man als Punk klassifizieren muss. Insbesondere der über dreizehnminütige Abschlusstrack "Lions, Tigers and Bears" ist vielleicht der riesigste Punk-Epos, der mir je untergekommen ist.

Dass eben jene von meinem nicht so hundertprozentig präferierten Genre befallenen Stücke für mich genauso super funktionieren wie der Rest des Albums, mag u.a. daran liegen, dass die Betonung und der überaus starke französische Akzent die englischen Texte sehr stark verfremden und in in eine außerirdisch wirkende Qualität überführen, die sehr gut mit dem galaktischen Setting des Albums korreliert.

Punk, der in die endlose Weite des Alls gegröhlt wird, ist halt besser als herkömmlicher Punk.





Doch um mich nicht zu sehr darauf festzubeißen, will ich ausdrücklich betonen, dass dieses Album auch feinsinnige Momente zu bieten hat und überhaupt ein breites Spektrum an Assoziationen quer durch die Welt der psychedelischen Musik zu bieten hat, und das nicht nur, wenn neben der Rocktriobesetzung noch Synthesizer oder die durch Gastmusiker beigesteuerten "heavenly vocals", Vibrafon oder Glockenspiel zum Einsatz kommen.

Slomatics, Sherpa, HawkwindKing Gizzard & The Lizard Wizard, The Heads, Kikagaku Moyo sind alles Namen, die mir punktuell mal zufliegen, ohne dass sich Slift dauerhaft an einem Einfluss abzuarbeiten scheinen.

Die scheinbare Primitivität, unter der sich in Wirklichkeit sowohl gutes Songwriting als auch eine gelungene, das gesamte Album übergreifende Dramatik verbergen, sowie diese sich wie ein roter Kometenschweif von Anfang bis Ende ziehende, explosive Energie sind es, die "Ummon" jederzeit zusammenhalten und dieses Werk - natürlich auch im Zusammenspiel mit dem Artwork - zu einem extrem stimmigen Erlebnis machen.



Ich möchte mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, doch ich kann schon ziemlich sicher sagen, dass Slift hier einen der bisher heißesten Kandidaten für meinen persönlichen Jahresliebling in der Kategorie Psychedelic Rock abgeliefert haben.

Und das wusste ich eigentlich schon bevor ich "Ummon" in seiner ganzen audiovisuellen Pracht erleben durfte nach der ersten YouTube-Hörprobe des titelgebenden Openers.

Prädikat: zukünftiger Klassiker!


>




Keine Kommentare:

Kommentar posten