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2020-09-27

BELL WITCH & AERIAL RUIN - Stygian Bough Vol. 1

Bei den den Funeral Doomern Bell Witch dauert bekanntlich vieles etwas länger. Deswegen habe ich wohl auch ohne Not sechs Wochen länger als nötig auf die Lieferung dieser LP warten müssen. Oder war dies ein subtiles Zeichen, dass das neue Album keine ganz so runde Sache sein würde?




BELL WITCH & AERIAL RUIN - Stygian Bough Vol. 1 (2LP) (2020)


Nach drei Alben mit immer weniger, dafür aber immer längeren Songs, kulminierend im über dreiundachtzig Minuten stolzen Ein-Track-Mammuth "Mirror Reaper", fragte man sich natürlich schon, was der nächste Schritt sein würde, da in dieser Richtung ja nun ein metalhistorischer Rekord erreicht worden war.

Der Titel/Projektname sagt es schon: "Stygian Bough" ist gar kein reguläres Bell Witch-Album, sondern eine Kooperation mit Aerial Ruin. Doch Moment! Erik Moggridge, der sich hinter jenem Ein-mann-Projekt verbirgt, hat doch bisher sowieso auf allen drei Studioalben auf einem Song als Gast gesungen und war auch bei der atemberaubenden Live-Darbietung von "Mirror Reaper" dabei.
Ist dies also nicht mehr als eine reine Umetikettierung?

Nein, hier hat seine Präsenz tatsächlich größeres Gewicht, da er neben Dylan Desmond (Bass) und Jesse Shreibman (Drums, Orgel, Klavier, Synth.) als gleichberechtigter Songschreiber auftritt, über das komplette Album den Leadgesang übernimmt und auch instrumental Gitarren beisteuert.

Ein Problem von "Stygian Bough" ist es, dass dies alles gleich im ersten der fünf Tracks des Doppelalbums, dem neunzehnminütigen "The Bastard Wind" auf perfekte Weise zusammenkommt.
Ein paar Minuten lang ist Moggridges unverkennbare, hohe Stimme mit seiner Akustikgitarre und einigen atmosphärischen Hintergrundsounds alleine, ehe er vom Bell Witch-Duo abgelöst wird, welches bald seine tonnenschweren und doch höchst melodischen Trademarks ausspielt, wenn Desmond seinen eigenen mariannengrabentiefen Donner mit feinen Leads auf den höheren Saiten begleitet.
Diesmal steigert es sich allerdings zu noch größerer Majestät als gewohnt, da auch Moggridge mit einer Leadgitarre dazustößt.
"The Bastard Wind" enthält auch noch kleine Gesangspassagen von Desmond und Shreibman und entfaltet sich insgesamt als idealer Opener, der alle Qualitäten dieses Trios in einer großartigen Komposition zusammenfasst.

Und was ist das Problem daran? Das Problem ist, dass das Album danach zwar durchaus hier und da an diese Marke heranreicht, sie jedoch nicht mehr übertrumpfen kann.

Auf der zweiten Plattenseite fällt das Album sogar deutlich ab. An sich ist "Heaven Torn Low I (the passage)" dabei ein wunderbares Stück, welches sich voll auf die ruhigeren, zumeist akustischen Töne konzentriert. Der Gesang ist wunderbar ätherisch traurig, und ich bewundere, wie viele geschickte Stab- und Endreime - nicht nur hier, sondern auf dem gesamten Album - in den kurzen, langsam vorgetragenen Texten untergebracht worden sind.
Dreizehn Minuten sind hierfür jedoch ein bisschen zu viel, zumal sich der ganze Track ohnehin teilweise wie ein Rehash der zweiten Hälfte von "Mirror Reaper" anfühlt.
(Und vielleicht bin auch etwas genervt, weil wie schon beim Vorgängeralbum ausgerechnet diese stillste Schallplattenseite sich bei meinem Exemplar als Knisterpressung herausstellen musste.) 

Zwar folgt mit "Heaven Torn Low II (the toll)" auch noch eine machtvolle Doom-Metal-Auflösung des Themas, die nach achteinhalb Minuten jedoch auch irgendwie etwas unbefriedigend abtritt und insgesamt im Verhältnis zum ersten Teil einen größeren Anteil haben müsste.

Sowohl über das kleine selbsterklärend "Prelude" getaufte instrumentale Zwischenspiel als auch das Finale mit dem wieder über neunzehnminütigen Brocken "The Unbodied Air" kann ich dann eigentlich wieder nur Lob ausschütten, schließen Bell Witch & Aerial Ruin hier doch wieder vollkommen an das Niveau des Openers an und untermauern, warum das Duo (ob mit oder ohne das langjährige dritte Mitglied) für mich zu den absolut wichtigsten Doombands des Planeten gehört.
Auch hier bereichern die Sounds und Melodien aus Moggridges Gitarre den heavy Begräbnissound wieder exzellent. Nur ganz am Ende fehlt mir bei diesem Track wieder ein größerer, nicht ganz so unvermittelt unspektakulär abbrechender Abgang. 

Letztendlich bleibt zum Großteil immer noch ein sehr gutes bis fantastische Bell Witch PLUS-Album, also schwermütiger Funeral Doom vom Feinsten. Nicht ganz so heavy wie mein Liebling "Four Phantoms", aber dafür mit einer noch vielfältigeren Klangpalette.

Dass "Stygian Bough" im Mittelteil allerdings etwas durchhängt, lässt sich einfach nicht leugnen. Zwar ist es bei dieser Musik ohnehin Grundvoraussetzung, in richtiger empfänglicher und geduldiger Stimmung zu sein, doch hier wird von mir manchmal etwas zu viel davon verlangt.

Als kürzeres Album mit drei Tracks auf einer LP hätte das Ding vielleicht noch besser funktioniert. Zumal das angehängte "Vol. 1" im Titel ja ohnehin impliziert, dass wir von dieser kreativen Zusammenkunft zukünftig wohl noch mehr bekommen werden.

Ach ja, fast hätte ich's vergessen: Das Panorama-Artwork von Adam Burke ist natürlich ein absoluter Hinkucker, der für die Anschaffung des Vinylgatefolds spricht.   






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