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2019-06-01

RADARE - Der Endless Dream

Bevor ich dieses Review beginne, muss ich ein dickes Lob an Golden Antenna Records, aussprechen, bei denen ich das Album direkt vorbestellt hatte.

Dass LPs durch Presswerkquerelen mal etwas länger brauchen als angekündigt, ist man eigentlich gewohnt, so dass ich die Verspätung an sich stoisch hingenommen hätte. Trotzdem ist es schön, wenn man nicht nur zum eigentlichen Veröffentlichungstermin einen Download per Email erhält, sondern der Sendung schließlich auch noch zwei Postrock/Postpunk-Alben aus dem Backkatalog des Labels auf CD beiliegen.

Sollten Laibach mit der jüngst wieder um Monate nach hinten verschobenen "Revisited"-Box diesem Beispiel folgen, müsste ich bei relativem Geschenkverhältnis zur Wartezeit ja ein neues Regal anbauen, um alle Goodies unterzubringen.





RADARE - Der Endless Dream (white vinyl LP) (2019)


"Recommended if you like Timber Timbre, Slint and the music of Twin Peaks", sagt der Promosticker auf der Hülle, und ich zucke zwei Mal aus Unkenntnis die Schulter und stimme bei der dritten Referenz schon wegen der gelegentlich auftauchenden badalamenti-typischen Zitterwabergitarre zu.

Soundtrackartig ist auf dem neuen Radare-Album, welches ich hier mal liebevoll in "Denglisch Dream" umtaufen möchte, ohnehin vieles. Neben David Lynch-Affinem, lässt sich in dunkleren Momenten auch John Carpenter, vor allem jedoch eine Menge Spaghettiklang zwischen Ennio Morricone und Library Music ausmachen.

Radare live 2017
Das Quartett ruht zwar immer noch über weite Strecken sehr entspannt in sich selbst, hat jedoch einen guten Teil der von Bohren und der Club of Gore inspirierten Schlafmützigkeit (auch das meine ich natürlich herzallerliebst) zugunsten von mehr Drive und Action abgelegt.

Durch die recht breite Aufstellung - die Multiinstrumentalisten setzen neben Drums, Bass und Gitarren auch viel auf Bläser, Orgel und Keyboards - entsteht ein breites, sehnsuchtsvolles Postrock-Kaleidoskop mit Tupfern aus Drone und Ambient, welches Verweisen auf die "Angels Of Darkness, Demons Of Light"-Alben von Earth, das aktuelle Schaffen von Wang Wen, die Diskographie Toby Drivers und von Track zu Track noch unzähligen weiteren Künstlern die Tore öffnet.

Vor allem aber ist es - ohne das Vorgängeralbum auch nur einen Millimeter schmälern zu wollen - ein bemerkenswerter Sprung in Kreativität und Detailverliebtheit von "Im Argen" zu "Der Endless Dream".

Die Band bleibt klar wiedererkennbar, präsentiert sich allerdings noch gereifter und fokussierter. Und dass sich durch den Besetzungswechsel am Bass auch ein Zweitinstrumentwechsel von Posaune zu Saxophon ergeben hat, scheint mir da noch nicht einmal zwingend die auffälligste Entwicklung zu sein.
Zumal der "Ex" Matthias Jurisch im kurzen Titelstück sogar Seite an Seite mit seinem Nachfolger, sowie Schlagzeuger Henrik Eichmann an der Klarinette ein Abschiedsspiel gibt.


Optisch macht die weiße LP auch gut was her, vor allem der Prägedruck der großen Typo auf dem Backcover hat es mir angetan.




Alles in allem, hmm...

Ich will mich eigentlich ja nicht in Superlativen ergehen, vor allem, da es mir ohnehin schon unendlich schwer fällt, die bisherigen 2019er Eingänge in meine Sammlung in eine Rangfolge zu packen... aber ich sage mal so: Was Radare hier abgeliefert ahben, ist gepflegte Weltklasse, und ich werde jeden, der "Der Endless Dream" am Jahresende ganz oben in seinen Favoriten platziert, im Geiste langsam anerkennend zunicken.











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