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2019-06-15

LOUISE LEMÓN - A Broken Heart Is An Open Heart


Und nun ist endlich Schluss mit Roadburn!

Wie, echt?

Nein, Schluss ist wohl nie wirklich, aber dies ist zumindest  für dieses Jahr mein letzter Einkauf von dort, über den ich hier etwas zu sagen habe.






LOUISE LEMÓN - A Broken Heart Is An Open Heart (LP + 2CD box) (2019)


Angeschaut hatte ich mir die Box schon früher an jenem Samstag. Auch das ähnlich präsentierte Debütalbum und sonstiges Merch von Louise Lemón war sehr ansprechend, so dass ich vor dem Konzert schon hoffte, dass es nicht zu gut werden würde, weil ich ansonsten unbedingt etwas kaufen müsste.

Louise Lemón live
Tja, Scheiße. Der Auftritt war natürlich atemberaubend, also habe ich mir das Ding mitgenommen. Und es zum Glück auch nicht bereut.


Dabei muss man sich bei aller Liebe natürlich eingestehen, dass die Verpackung als dicke Hardbox hier im Grunde reine Wichtigtuerei darstellt. Denn so prall und klapperfest gefüllt wie z.B. die "Live At Roadburn"-Box von Bong ist diese hier bei Weitem nicht.

Eine LP steckt drin. In einer Schützhülle, aber ohne normale Plattenhülle. Dann noch ein Foto bzw. Lyric Sheet und die CD-Version + Bonus-CD in einer Papphülle. Das hätte man auch leicht platzsparender in einem normalen Gatefold unterbringen können. Oder halt noch einen Louise Lemón-Fußballfanschal o.ä. mit hineinpacken. Halt irgendwas, das zumindest verhindert, dass der Rest des Inhalts in der Weite des Raums herumfliegt. Wie z.B. die Schaumstoffmatte im vorigen Album "Purge".

Abgesehen davon ist diese - bisher übrigens auch einzige - LP-Version natürlich schon ganz schön anzuschauen.





Was den musikalischen Inhalt angeht, so ist "A Broken Heart Is An Open Heart" - ohne den Begriff überstrapazieren zu wollen - sensationell.

Dabei ist der "Death Gospel" von Louise Lemón im ersten Eindruck gar nicht mal besonders flashy; im Grunde ist das meiste hier reiner Soul mit übersichtlichen Songlängen und einfach nachvollziehbaren Strophe-Refrain-Schemata, bei dem fast immer die Stimme im Vordergrund steht.

Im Live-Review habe ich bereits betont, dass sie wohl die größte Annäherung an Lana Del Rey darstellt, die man ohne nicht zur Musik passender Show und Horden von kreischenden Teenys am Ohr sehen kann. Gesanglich wird dieser Vergleich ihr natürlich nicht ganz gerecht, da sie doch häufiger aus den gedämpften Lagen herausbricht, was sie eher in die Nähe z.B. von ihrem Lookalike, der schwedischen Landsmännin und Blues Pills-Röhre Eilin Larsson rückt.

Die in zumeist langsamen, stets von Synthies und Klavier geschwängerten Songs dargebrachte morbide Melancholie macht die Nähe zu Lana allerdings offensichtlicher.
Dies gilt auch für die Produktion, die zwar nicht die Philosphie der teilweise bewussten Trashigkeit kopiert, ansonsten jedoch durchaus Paralellen zu "Ultraviolence" aufweist. Die tiefe Basis, produziert vom mit EarthSunn O))), aber auch Myrkur und Anna von Hausswolff erfahrenen Bassfrequenz-Experten Randall Dunn, über der Gesang und Leadgitarren umso mehr strahlen, ist hier schon sehr artverwandt.

Louise Lemón live
Die Rollen des Produzenten und der festen Band darf man ohnehin nicht unterschätzen. Wie wichtig ihre Instrumentalisten für Louise Lemón sind, zeigt die Tatsache, dass - auch wenn sie bei neun der zehn Stücke die alleinigen Songwriting-Credits inne hat, der längste Track ein nicht von ihr geschriebenes Instrumental ist. Ähnlich wie das Titelstück auf Charles Bradleys posthumen Album "Black Velvet", welches das Eingangsthema seiner Shows war, wird "Suspectible Soul" live benutzt, um während des atmosphärisch verrauchten Soundtracks zu einem imaginären Film Noire der Sängerin Gelegenheit zu einem Kostümwechsel vorm Finale zu geben.

Das präzise auf den Punkt konzentrierte Zusammenspiel der Gruppe gibt den Songs bei aller Emotionalität eine Ordnung, die sich auch in den sich scheinbar einem strikten lyrischen Regelwerk des "Death Gospel" beugenden Refrains wiederspiegelt.

"Your love wasn't possible, so I make all love impossible."
"Always this honest heart meets dishonest hearts."
"I can't forget you / Can't forgive you / Can't forgive me falling for you"
"Slowmotion, all motion, no motion" 
Diese Muster aus Stabreimen und Wortspielen ziehen sich durch die Texte des gesamten Albums. Könnte man billig finden, wenn es schlecht präsentiert wäre, ist tatsächlich immer sehr schön aufs Wesentliche fokussiert gedichtet.


Insgesamt bilden alle in dieses Album einfließenden Elemente eine sehr enge Einheit, in der eine sehr zugängliche, pop-affine Struktur und Präsentation sich mit der Substanz von Künstlerinnen wie Emma Ruth Rundle oder Chelsea Wolfe verbindet. Also durchaus kommerzieller ausgerichtet als das Vorgängeralbum "Purge", aber ohne dabei an Authentizität oder Qualität einzubüßen. Ganz im Gegenteil. 

Das beste beider Welten, könnte man auch sagen.


Die Bonus-CD rundet das Paket perfekt ab. Sie enthält sechs Stücke - jeweils drei von beiden Alben - als Liveaufnahmen von einem Konzert in Kopenhagen im Dezember 2018 und beweist für alle, die es nicht eh schon wissen, dass Lousie Lemón live sogar noch fantastischer funktioniert als auf Konserve.









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