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2017-12-19

SÓLSTAFIR, MYRKUR und ÁRSTIÐIR im Grünspan, Hamburg (17. Dezember 2017)

Myrkur

Ich muss diesen Konzertbericht aus dem Grünspan mit einer Off-Topic-Frage zur Großen Freiheit Nr. 36 beginnen:

Wie viele Leute passen eigentlich in die Freiheit rein? Ich bin ja schon auf vollen Konzerten dort gewesen, aber an so eine lange Wartereihe, wie den sich bis auf die Reeperbahn schlängelnden Wurm aus Teenagern und elterlicher Begleitung, wie ich ihn Sonntag gesehen habe, kann ich mich nicht erinnern.
Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es bei den Konzerten, die ich besuche, vermutlich klientelbedingt keinen so verbissenen Kampf um Plätze in der ersten Reihe gibt.

Ein Shoutout geht hier an die Mutter, die ihre Tochter ganz antizyklisch in die erste Reihe des Sólstafir-Konzerts mitgenommen hat, obwohl auch sie im besten Alter für das Lena-Konzert hundert Meter weiter gewesen wäre. Überhaupt Eltern: Nehmt eure Kinder zu geilen "erwachsenen" Rock/Metal-Konzerten mit! Die Musiker spotten Kinder sofort, sind total begeistert von den musikalischen Früherziehungsbemühungen und schenken der/dem Kleinen entsprechend Aufmerksamkeit und saucoole Kindheitserinnerungen.


Doch auch für müde alte Säcke, denen noch der letzte Konzertbesuch vom Freitag in den Knochen steckte, war der Abend höchst erinnernswert.


Árstíðir

Den Anfang machte das isländische Sehnsuchtsmusiktrio Árstíðir. Die mit zwei Akustikgitarren und Keyboard vorgetragene Musik (ab dem dritten Song kam der Drummer von Sólstafir zur Unterstützung hinzu) ist eine meist eher minimalistische Mischung aus nordischem Folk mit klassischen und postrockigen Einsprengseln. Vor allem lebt die Gruppe aber von ihrem großartigen dreistimmigen Gesang.

Ein ruhiger, aber sehr ergreifender Auftritt.

Die Musiker, von denen mich einer optisch etwas an den Game Of Thrones-Charakter Podrick Payn, ein weiterer ein bisschen an Matthias Schweighöfer - und somit, wie jedem Meme-Kundigen bekannt  an Brienne von Tarth - erinnerten, verließen danach nur sehr kurz die Bühne, waren sie doch gleichzeitig auch als Roadies für die folgenden Acts unterwegs.

Überhaupt war der Umbau sehr effizient, da schon fast alle Instrumente auf der Bühne standen und sich die Gruppen das Sólstafir-Drumkit teilten. Im Zusammenhang mit der immer etwas problematischen Akustik des Grünspans wurde das allerdings zu einem Nachteil für Myrkur, für die der Schlagzeugsound einfach nicht optimal war. Das kommende doublebass- und schrammelrifflastige Set hätte in einem Laden wie der Markthalle sicherlich besser geklungen.


Myrkur

Was unter besseren Klangbedingungen ein nahezu perfekter Auftritt hätte werden können, war aber immer noch eine beeindruckende Vorstellung. Das lag natürlich vor allem an der überirdischen Stimme von Amalie Bruun, welche die überwiegend vom "Mareridt"-Album stammenden Songs verdammt nah an der Qualität der Studioversionen interpretierte.

Insgesamt ist die Dame einfach eine extrem singuläre und bezaubernde Erscheinung. Ein Lied mit überwiegendem Black-Metal-Gekeife hätte ich vielleicht gerne noch mehr gehört, für ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis. Anderseits war mir auch jedes gespielte Stück höchst willkommen und irgendwann muss das Programm ja auch enden.

Tolle Künstlerin, aber nächstes Mal hoffentlich unter optimalerem Sound.

Eine Ähnlichkeit von Musikern mit Seriencharakteren konnte ich bei Myrkur nicht feststellen, dafür bleibt aber festzuhalten, dass sie als Livebassisten niemand geringeren als Kayo Dot-sperrige-Advantgardemusik-Großmeister Toby Driver dabei hatte. Weiter weg von "Plastic House On Base Of Sky" oder seinem letzten Solowerk "Madonnawhore" geht es wohl kaum.


Sólstafir

Spätestens seit ihrem grandiosen Auftritt in der Balver Höhle vor ein paar Monaten sind Sólstafir als Liveband vollkommen bei mir angekommen. Dementsprechend groß war die Vorfreude. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Verstärkt durch den Keyboarder von Árstíðir zeigten die Isländer, wie man das ROCK in Post Rock (oder wo auch immer man ihren Stil einsortiert) groß schreibt. Sólstafir reißen mit, gehen nach vorne und baden gleichzeitig doch in ganz tiefen Stimmungen. Wie unmittelbar sich epochale Breite mit zur Cowboy-Optik passenden Lässigkeit verbindet, kann ihnen wohl kaum jemand nachmachen.

Ein ganz wichtiger Fixpunkt war auch bei dieser Show - da zog sich ein Faden durch den Abend - der Gesang. Aðalbjörn Tryggvason singt mit so lauter Stimme, als müsste er ein ganzes Tal voller Geysire übertönen, und presst dabei all seine Emotionen mit hinein. Hammer!

Showmäßig läuft es eh. Da wird ständig direkt am Publikum gespielt oder sogar die Bar auf der anderen Seite des Raumes als Bühne genutzt. Ok, dass der Gastkeyboarder am Schluss den Keytar-Helden imitieren musste, war vielleicht ein bisschen too much, aber was soll's. Wer so geile Musik macht, der hat sich auch ein bisschen Spaß verdient.

Was Sólstafir im Grünspan gezeigt haben, das nennt man Abräumen.
Dementsprechend war auch am Merchstand mächtig viel los und es dauerte eine ganze Weile, ehe ich mir auch endlich mal einen Tonträger der Band besorgt hatte (exklusive Tour-10").

Nur von Myrkur ging abgesehen von T-Shirts anscheinend wenig. Die CDs und LPs waren nämlich bereits alle restlos ausverkauft!


Gesamturteil: Sauguter Abend, wenn auch mit einem ähem... etwas peinlichen Schluss für mich:
In der langen Schlange zur Garderobe unterhielt ich mich nämlich und versäumte es dabei, genau zu prüfen, dass es auch wirklich der Zettel mit der Nummer für meine Jacke war, den ich aus meinem Portemonaie holte. Mein Gegenüber kuckte dann vielleicht verdutzt, als ich ihm einen scheiß McDonalds-Monopoly-Coupon in die Hand drückte, haha!

"Ich wollte nur mal sehen, was ich dafür bekomme."
 


Árstíðir:









Myrkur:

















Sólstafir:





























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