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2020-12-28

THE END - Allt Är Intet

Ich glaube ja nicht, dass ich es noch etwas gibt, was ich über die Jazz/Prog/Noiserock-Gruppe The End sagen kann, das generell angesichts so viel Advantgarde die Nase rümpfende Zweifler dazu bewegt, doch mal reinzuhören - bzw. das tendenziell interessierte Musiknerds davon abhält, eben dies zu tun.

Das hier ist gekonnte, große, großartig eingespielte, aber eben auch extrem irrsinnige Kunst.



THE END - Allt Är Intet (dark tourquoise vinyl LP) (2020)


Dabei geht das zweite volle Album der Gruppe ja durchaus ruhig los. Doch schon diese größtmögliche Annäherung an Vocal Jazz der Marke Nina Simone erfährt nicht nur durch die stimmliche Exzentrik Sofia Jernbergs, sondern auch durch den Einsatz des Langeleik - einer norwegischen Zithervariante - eine seltsame Wendung, die bereits verspricht, dass "Allt Är Intet" kein Easy Listening für den beiläufigen Hörer wird.

Dabei stecken in den sechs Tracks durchaus eine Menge griffiger Elemente. So halten die beiden Saxophone ihre Themen oft erstaunlich lange und eingängig durch, und auch einige der nicht Bass-, sondern Baritongitarrenriffs grooven heavy wie Sau. Im Titelstück erinnert das durchaus mal an Motorpsycho.

Die schon auf der "Nedresa"-EP erkennbare Tendenz zu trotz enormer, manchmal die Fühler ins Chaos ausstreckender Komplexität doch irgendwie leichteren Nachvollziehbarkeit setzt sich auf jeden Fall fort.

Schwer festzumachen bleibt die Musik von Mats Gustafsson und Co. aber nach wie vor, und die immer wieder neue Extreme von lieblich bis Horror ("Kraka Rorde Sig Aldrig Mer") auslotende Stimmakrobatik Jernbergs macht die Aufgabe nicht leichter.
Auf diesem Album geht die Entwicklung der Sängerin so weit, dass selbst vorige von mir verwendete Vergleiche zu Mike Patton, Youn Sun Nah und Diamanda Galas mir nicht mehr als Näherung geeignet scheinen. Unglaublich, was für Darbietungen sie hier vom Stapel lässt!


Wer auf anspruchsvolle Beklopptika, die irgendwie mit Jazz und irgendwie mit heftigem Scheiß in Verbindung stehen abgeht, der muss hier ein Ohr riskieren. Viel weiter geht es nach The End in diese Richtung nämlich nicht mehr. Wirklich gutes Zeug!


Das Artwork folgt der Ästhetik der beiden vorigen Veröffentlichungen und auch die Schallplatte präsentiert sich wieder in einem schönen Blauton. 



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