Ok Leute, es wird Zeit, endlich über Mittwoch abend zu reden! Nein, ich wurde nicht von Außerirdischen entführt - hatte allerdings sehr wohl eine unheimlich unterhaltsame Begegnung der dreieckigen Art.
Von Anfang an unterschied sich das Konzert in der Großen Freihet 36 von den meisten Shows, die ich sonst so besuche. Ich bin es jedenfalls nicht gewohnt, vierzig Minuten vor Einlass anzukommen und mich in eine Schlange einreihen zu müssen, die jede Hoffnung auf einen Platz direkt vor der Bühne bereits zunichte macht, während der Kopf dieser Schlange von in schwarzweißbunt polka-gepunktet kostümierten Fans gebildet wurde, von denen zum Glück niemand auf die Idee gekommen war, sich als Bandmitglied von Angine de Poitrine zu verkleiden - was hinsichtlich der Sichtversperrung für alle Besucher hinter ihnen schon ziemlich asozial gewesen wäre.
Auch ansonsten setzte sich das Publikum anders zusammen als bei anderen ähnlich experimentellen Gruppen. Der ans Absurde grenzende Internethype um das frankokanadisch-extraterrestrische Duo hatte nicht nur zur Hochverlegung des Konzerts vom Molotow hierher geführt und die Bude inklusive oberer Ränge noch komplett ausverkauft, sondern auch eine bunte Mischung an Fans angelockt, in der regelmäßige Konzertgänger einen eher kleinen Anteil ausmachten.
Allein in meinem Umfeld gab es neben den kompletten Angine-Karnevalisten Leute, die eine YouTube-Sensation ins wahre Leben überschwappen sehen wollten, aus der Rente zurückgekehrte Veteranen, deren goldene Erinnerungen zu Pink Floyd-Konzerten anno 1977 zurückreichten, sowie jüngere Semester, die sich sonst eher bei in noch größeren Locations stattfindender kontemporärer Popmusik aufhalten. Da fühlte ich mich in meinem Voivod-Shirt (passend, da aus derselben Region wie die Aliens dieses Abends) ja schon beinahe als Exot.
Keine Frage: Der Hype ist real. Wie gerechtfertigt er ist, beantworten wir aber später, denn zunächst einmal trat ja eine Vorgruppe auf...
Von Anfang an unterschied sich das Konzert in der Großen Freihet 36 von den meisten Shows, die ich sonst so besuche. Ich bin es jedenfalls nicht gewohnt, vierzig Minuten vor Einlass anzukommen und mich in eine Schlange einreihen zu müssen, die jede Hoffnung auf einen Platz direkt vor der Bühne bereits zunichte macht, während der Kopf dieser Schlange von in schwarzweißbunt polka-gepunktet kostümierten Fans gebildet wurde, von denen zum Glück niemand auf die Idee gekommen war, sich als Bandmitglied von Angine de Poitrine zu verkleiden - was hinsichtlich der Sichtversperrung für alle Besucher hinter ihnen schon ziemlich asozial gewesen wäre.
Auch ansonsten setzte sich das Publikum anders zusammen als bei anderen ähnlich experimentellen Gruppen. Der ans Absurde grenzende Internethype um das frankokanadisch-extraterrestrische Duo hatte nicht nur zur Hochverlegung des Konzerts vom Molotow hierher geführt und die Bude inklusive oberer Ränge noch komplett ausverkauft, sondern auch eine bunte Mischung an Fans angelockt, in der regelmäßige Konzertgänger einen eher kleinen Anteil ausmachten.
Allein in meinem Umfeld gab es neben den kompletten Angine-Karnevalisten Leute, die eine YouTube-Sensation ins wahre Leben überschwappen sehen wollten, aus der Rente zurückgekehrte Veteranen, deren goldene Erinnerungen zu Pink Floyd-Konzerten anno 1977 zurückreichten, sowie jüngere Semester, die sich sonst eher bei in noch größeren Locations stattfindender kontemporärer Popmusik aufhalten. Da fühlte ich mich in meinem Voivod-Shirt (passend, da aus derselben Region wie die Aliens dieses Abends) ja schon beinahe als Exot.
Keine Frage: Der Hype ist real. Wie gerechtfertigt er ist, beantworten wir aber später, denn zunächst einmal trat ja eine Vorgruppe auf...
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| GROS MENÉ |
Ich hatte vorher nicht gewusst, dass es einen Support geben würde, und ganz ehrlich gesagt hatte ein Teil von mir in den Stunden vorher tatsächlich gehofft, dass gleich der Headliner loslegen würde. Es war nämlich so, dass das zeitgleich die MS Stubnitz besuchende Kilimanjaro Darkjazz Ensemble wegen einer Autopanne später anfangen sollte - und was für ein legendärer Powermove wäre es gewesen, zwei Shows am selben Abend zu besuchen und einen der fiesesten Konzertclashs des Jahres zu besiegen! Naja, aus der vagen Hoffnung wurde nichts. Zumindest bleibt mir als immenser Trost immer noch, das Ensemble bereits voriges Jahr "Live In Berlin" gesehen zu haben.
Aber hey! Gros Mené waren nebenbei auch ein durchaus geiler Opener. Deutlich dienstälter als der Headliner stammt das Powertrio aus derselben Region wie Angine de Poitrine, kommt allerdings vermutlich eher nicht so oft in ausverkauften Shows in ganz Europa herum. Und so hatte die französischsprachige Band sichtlich Bock, in ihrer halben Stunde Spielzeit alles zu geben. Schade war eigentlich nur, dass sich nach dieser mit der Wucht und Dreckigkeit von Noise Rock dargebrachten Heavy Blues-Abreibung die Umbaupause unnötig ewig in die Länge zog, so dass der Effekt der Show wieder ein wenig verpuffte. Die Band selbst hat aus dieser sicherlich nicht ganz einfachen Opener-Position aber alles herausgeholt.
Aber hey! Gros Mené waren nebenbei auch ein durchaus geiler Opener. Deutlich dienstälter als der Headliner stammt das Powertrio aus derselben Region wie Angine de Poitrine, kommt allerdings vermutlich eher nicht so oft in ausverkauften Shows in ganz Europa herum. Und so hatte die französischsprachige Band sichtlich Bock, in ihrer halben Stunde Spielzeit alles zu geben. Schade war eigentlich nur, dass sich nach dieser mit der Wucht und Dreckigkeit von Noise Rock dargebrachten Heavy Blues-Abreibung die Umbaupause unnötig ewig in die Länge zog, so dass der Effekt der Show wieder ein wenig verpuffte. Die Band selbst hat aus dieser sicherlich nicht ganz einfachen Opener-Position aber alles herausgeholt.
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| ANGINE DE POITRINE |
Als wäre das simple Bühnenbild - die beiden Bandmitglieder jeweils auf einem Podest vor einem schwarzweiß gepunkteter Hintergrund - nicht ohnehin jedem bekannt, fand der Bühnenumbau hinter einem Vorhang statt. Doch natürlich ließ dieser dramatische Trick das Publikum bei Beginn der Show von Khn (doppelhalsiger Gitarrenbass und Loops) und Klek (Schlagzeug) nur noch mehr ausrasten.
Anders als beim für den viralen Hype hauptverantwortlichen Video ihrer KEXP-Session war das Drumkit nicht mehr von einem dämmenden Tuch bedeckt, sondern war in seiner freien - selbstverständlich wie alles andere auch gepunkteten Pracht - zu sehen und zu hören.
Das Set der niedlich bizarren Aliens bestand ausschließlich aus den überwiegen instrumentalen Stücken ihrer ersten beiden Alben, wenn Gesang stattfand, dann natürlich ebenso extrem verfremdet wie die Laute, welche das Duo in den Songpausen neben Pantomime und rund ums Dreieck kreisenden Kulthandlungen zur Kommunikation mit dem Publikum nutzten.
Jenes war die komplette Performance über allerbestens gelaunt, sang Ohrwurmmelodien mit und drehte bei Hits wie "Sherpa" oder "Fabienk" schonmal so sehr auf, dass es schon einiger Anstrengung bedurfte, um sich in der dritten Reihe am Platz und auf den Beinen zu halten. Es war also eine gewaltige Party.
Zurecht? Jupp! Ich war ja durchaus bis zu einem gewissen Grad Skepiker, zumindest in dem Punkt, dass mir klar ist, dass die Identität von Angine de Poitrine nicht aus dem Nichts kommt.
Verkleidete Außerirdischenbands sind nicht neu. Gwar anyone?
Nonchalant aus dem Handgelenk geschüttelter metrischer Mindfuck? Gibt es natürlich schon lange und noch viel ausgeprägter. Da verweise ich doch gerne auf mein junges Tonträger-Review von Kukangendai.
Mikrotonale Musik ist in weiten Teilen der asiatischen Tradition der Normalfall und taucht auch in zahlreichen moderneren Formen auf, ob in den experimentellen Kamatscheklängen von Saba Alizadeh, der Ost und West überbrückenden Jazz Fusion von Jaubi und Yazz Ahmed, bei psychedelischen Rockbands, die wie Mohama Saz oder diverse türkische Bands Saz statt Gitarre oder wie King Gizzard & The Lizard Wizard Gitarren mit extra angepassten Fretboards spielen - was Angine de Poitrine ebenfalls tun.
Und Musik, die großenteils auf Loops basiert - das können z.B. Jo Quail oder Lili Refrain sogar noch besser.
Und doch ist die Art, in der Khn und Klek diese Elemente zusammensetzen einfach sehr eigen und effektiv. Vor allem aber ist ihr mikrotonaler Mathrock-meets-Primus-Sound einfach erstaunlich mitreißend. Eine derart schräge, nerdige, experimentelle Musik trotz aller polyrhythmischen Verrücktheiten dermaßen ohrwurm- und partytauglich zu gestalten, ist ganz und gar keine Selbstverständlichkeit.
Und hier liegt auch die Antwort auf die Frage, ob der Hype verdient ist:
Ja, so etwas von!
Klar, die Kostüme spielen keine unwesentliche Rolle für den Erfolg und hier und da sehen wir ein paar kleine Showtricks, aber funktionieren tun Angine de Poitrine letztendlich nur aufgrund der absolut im Mittelpunkt stehenden, exzellenten Musik und ihrer super präzisen Ausführung. Wäre diese Basis nicht so stark, dann wäre die Welle schon längst abgeebbt.
Ich wünsche dem Duo jedenfalls, dass es den kommendes Jahr wohl noch intensiver werden Boom aus Welttourneen und riesigen Bühnen psychisch und kreativ gesund übersteht. Denn das was wir in der Großen Freiheit erleben durften, das war großes, originelles, exzellentes Entertainment.
Anders als beim für den viralen Hype hauptverantwortlichen Video ihrer KEXP-Session war das Drumkit nicht mehr von einem dämmenden Tuch bedeckt, sondern war in seiner freien - selbstverständlich wie alles andere auch gepunkteten Pracht - zu sehen und zu hören.
Das Set der niedlich bizarren Aliens bestand ausschließlich aus den überwiegen instrumentalen Stücken ihrer ersten beiden Alben, wenn Gesang stattfand, dann natürlich ebenso extrem verfremdet wie die Laute, welche das Duo in den Songpausen neben Pantomime und rund ums Dreieck kreisenden Kulthandlungen zur Kommunikation mit dem Publikum nutzten.
Jenes war die komplette Performance über allerbestens gelaunt, sang Ohrwurmmelodien mit und drehte bei Hits wie "Sherpa" oder "Fabienk" schonmal so sehr auf, dass es schon einiger Anstrengung bedurfte, um sich in der dritten Reihe am Platz und auf den Beinen zu halten. Es war also eine gewaltige Party.
Zurecht? Jupp! Ich war ja durchaus bis zu einem gewissen Grad Skepiker, zumindest in dem Punkt, dass mir klar ist, dass die Identität von Angine de Poitrine nicht aus dem Nichts kommt.
Verkleidete Außerirdischenbands sind nicht neu. Gwar anyone?
Nonchalant aus dem Handgelenk geschüttelter metrischer Mindfuck? Gibt es natürlich schon lange und noch viel ausgeprägter. Da verweise ich doch gerne auf mein junges Tonträger-Review von Kukangendai.
Mikrotonale Musik ist in weiten Teilen der asiatischen Tradition der Normalfall und taucht auch in zahlreichen moderneren Formen auf, ob in den experimentellen Kamatscheklängen von Saba Alizadeh, der Ost und West überbrückenden Jazz Fusion von Jaubi und Yazz Ahmed, bei psychedelischen Rockbands, die wie Mohama Saz oder diverse türkische Bands Saz statt Gitarre oder wie King Gizzard & The Lizard Wizard Gitarren mit extra angepassten Fretboards spielen - was Angine de Poitrine ebenfalls tun.
Und Musik, die großenteils auf Loops basiert - das können z.B. Jo Quail oder Lili Refrain sogar noch besser.
Und doch ist die Art, in der Khn und Klek diese Elemente zusammensetzen einfach sehr eigen und effektiv. Vor allem aber ist ihr mikrotonaler Mathrock-meets-Primus-Sound einfach erstaunlich mitreißend. Eine derart schräge, nerdige, experimentelle Musik trotz aller polyrhythmischen Verrücktheiten dermaßen ohrwurm- und partytauglich zu gestalten, ist ganz und gar keine Selbstverständlichkeit.
Und hier liegt auch die Antwort auf die Frage, ob der Hype verdient ist:
Ja, so etwas von!
Klar, die Kostüme spielen keine unwesentliche Rolle für den Erfolg und hier und da sehen wir ein paar kleine Showtricks, aber funktionieren tun Angine de Poitrine letztendlich nur aufgrund der absolut im Mittelpunkt stehenden, exzellenten Musik und ihrer super präzisen Ausführung. Wäre diese Basis nicht so stark, dann wäre die Welle schon längst abgeebbt.
Ich wünsche dem Duo jedenfalls, dass es den kommendes Jahr wohl noch intensiver werden Boom aus Welttourneen und riesigen Bühnen psychisch und kreativ gesund übersteht. Denn das was wir in der Großen Freiheit erleben durften, das war großes, originelles, exzellentes Entertainment.































