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2015-03-02

ARCHIVE in der Großen Freiheit 36, Hamburg (1. März 2015)


Auf der Hinfahrt zu Archive bekam ich plötzlich einen Schreck: Scheiße, das ist ja ein Reeperbahn-Konzert! Wer weiß, wie früh das anfängt!

Zum Glück kam ich pünktlich um etwa zehn vor acht an, was natürlich schon eine geraume Weile nach Einlass war und hatte tatsächlich noch nichts verpasst.
Auf der Bühne war eine Leinwand aufgebaut und statt einer Vorband gab es den kompletten vierzigminütigen "Axiom"-Film zu sehen. Eine nette Einstimmung, auch wenn so natürlich schon wusste, dass man von den sieben Tracks des dazugehörigen Albums keinen live hören würde. Aber auf zukünftigen Touren dürfte davon sicherlich (hoffentlich) mal etwas berücksichtigt werden.

Es folgte eine kurze Umbaupause. Als während dieser die Beatles mit "I Want You (She's So Heavy)" aus der Konserve liefen, lag schon in der Luft, dass es gleich losgehen würde. Und tatsächlich sprang das Licht beim abrupten Schluss von Saal auf Bühne um und die Band legte mit einer nach hinten um  mehrere Neustarts erweiterten Version von "Feel It" los.

Beim zweiten Stück "Kid Corner" komplettierte die bezaubernde Holly Martin die auf dieser Tour achtköpfige Band. Es waren also anders als auf der Tour zu "With Us Until You`re Dead" mit Pollard Berrier, Dave Pen und eben Holly Martin "nur" drei Leadsänger dabei, es gab also keine Lieder mit Maria Q im Set.

Überhaupt unterschied sich das zweistündige Programm auch jenseits der acht (von zwölf möglichen) Songs vom neuen Album "Restriction"sehr von der vergangenen Tour. Nur eine handvoll Stücke waren erneut zu hören, und Klassiker, die letztes Mal gefehlt hatten, waren nun wieder dran. Allen voran natürlich die überragende Zugabe mit "Lights" in seiner ganzen über fünfzehnminütigen Pracht!

Insgesamt war es also wieder ein langer und doch niemals enden sollender, auch visuell sehr ansprechend gestalteter Rausch, irgendwo zwischen ergreifendem Pop, hypnotischer Electronica, epischem Artrock, treibendem Beats und seelenreinigendem Multigitarrenlärm - und manchmal auch allem gleichzeitig. Wunderbar, einzigartig!

Archive sind nach wie vor - und vor allem live - eine der eigenständigsten und beeindruckendsten Gruppen, die es derzeit gibt. Ein traumhaftes Konzert!

Setlist:
  • AXIOM (Film):
    Distorted Angels
    Axiom
    Baptism
    Transmission Data Terminate
    The Noise Of Flames Crashing
    Shiver
    Axiom (Repsrise)
  • Feel It
  • Kid Corner
  • You Make Me Feel
  • Dangervisit
  • Black And Blue
  • Nothing Else
  • Blood In Numbers
  • Bullets
  • Ruination
  • Crushed
  • Conflict
  • Violently
  • End Of Our Days
  • Third Quarter Storm
  • Bridge Scene
  • Ladders
  • Numb
  • Lights

Und hier ein paar Digi-Toycam-Fotos:















2012-12-17

KREATOR, MORBID ANGEL + NILE in der Großen Frühheit 36, Hamburg (14.12.2012)

Nein, ich habe es über Arbeit, schreibfaulen Restsamstag und Hobbit-Sonntag nicht vergessen: am Freitag war da doch noch was, nämlich ein großartiges Metal-Package auf der Großen Freiheit 36, welches einerseits zum nostalgischen Schwelgen und Mal-wieder-fünfzehn-Jahre-alt-Sein einlud, aber anderseits auch für jüngere Fans noch absolut relevant war.

Kreator, für mich aktuell nur hinter Slayer und Coroner in den Top-Thrash-Bands des Planeten, zusammen mit Morbid Angel, dem Synonym für Death Metal schlechthin! Und davor mit Nile noch eine weitere, in eine ähnliche Kerbe schlagende Todesbleikapelle der Spitzenklasse.

Den Opener Fueled by Fire kann ich nur der Vollständigkeit halber erwähnen. Ich war zwar echt bemüht, zeitig loszukommen und war auch schon etwa um viertel vor sechs vor Ort, doch das war gerade mal rechtzeitig für Nile. Einlass um 16:30 Uhr und Beginn nur wenig später, das halte ich für einen ganz schlechten Scherz. Die gesamte Veranstaltung war um 22:15 Uhr vorbei, also ungefähr so früh wie mein letztes Konzert auf der Reeperbahn. Da haben allerdings auch satte drei Bands weniger gespielt!

Nun war das für mich persönlich nicht weiter tragisch, aber prinzipiell muss man hier einfach öffentlich auf die Veranstalter schimpfen, nicht dass solche Zustände noch zur Regel werden. Es kommen schließlich nicht ausschließlich halbtags arbeitende St.Paulianer zu so einem Konzert.


Ansonsten gab es zum Glück keinen Grund zu meckern - bei durchgehend ordentlichem Sound lösten die Bands voll und ganz ein, was sie versprachen, also zunächst einmal Qualitätsdeathgrind mit mehreren Growlern und charakteristischen Soli von Nile.

Morbid Angel spielten einmal mehr ein sehr nostalgisches Set, d.h. neben ein paar Krachern von "Illud Divinum Insanus" ausschließlich Stücke der ersten vier Alben mit Schwerpunkt auf "Altars of Madness". "God of Emptiness" war natürlich dabei, David Vincent ist als Frontmann einfach die Macht, und Trey Azagthoths maximal krankes Solo in "Chapel of Ghouls" sowieso. Ein Hammerauftritt!


Bei Kreator standen die Zeichen dann von Anfang an auf Heimspiel. Schon der Bandhistory-Introfilm und die böse metal Bühnendeko mit erhöhtem Ventor-Drummerthron sprachen da eine ganz deutliche Sprache.
Das abwechslungsreiche Programm deckte fast alle Phasen der Kreator-Discographie ab, wobei natürlich besonderes Gewicht auf das aktuelle Spitzenalbum "Phantom Antichrist" und die unverzichtbaren Klassiker gelegt wurde.
Saitenhexer Sami Yli-Sirniö wusste viele Glanzpunkte zu setzen, und Mille glänzte auch zwischen den Songs mit gewohnt putzigen Ansagen. Also alles, wie es sein muss!

Das Publikum im prall gefüllten Haus feierte die Thrasher dann auch verdient frenetisch ab. Da werden sich nachher einige in ihren schweißnassen Shirts draußen im kalten Nieselregen gehörig erkältet haben...


Fazit: Kurz vorm Fest ein herrliches Metal-Legenden-Fest ohne auch nur eine langweilige Minute.

Besonders Morbid Angel könnte ich mir sofort wieder anschauen. Aber das war ja eigentlich schon immer so. ;)