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2021-09-07

KING WOMAN - Celestial Blues

Es gibt ja viele Bands und Künstler, deren Namen mit "King" beginnen, doch kaum einer drückt ein ähnlich großes Selbstbewusstsein aus wie King Woman.

Und gerade durch die größere Konzentration auf Sängerin Kristina Esfandiari, welche die Band in der visuellen Präsentation ihres aktuellen Albums vollzieht, gewinnt der Name nur noch mehr an Kraft - selbst wenn er sich über dem jetzt schon ikonenhaften Rückseitenportrait Esfandiaris als gefallener Engel Lucifer in eher dezenter Schriftgröße zurücknimmt.


KING WOMAN - Celestial Blues (blood red vinyl LP) (2021)

Kristina ist nicht nur auf Cover und in den Videos zum "Celestial Blues" die Hauptdarstellerin, sondern steht auch musikalisch ganz klar im Mittelpunkt. Ihre Stimme, mal zart gehaucht, mal ungehemmt brüllend, dazu sehr häufig in sich zu ungewöhnlichen Stimmfarben mischenden Harmonien gedoppelt, ist das Zentrum aller neun Stücke.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber ganz und gar nicht, dass die Musik hier eine beiläufige oder untergeordnete Rolle spielt. Es wirkt einfach nur so, als sei alles um die Gesangsperformance und Esfandiaris oft beschwörerisch repetive Texte, in denen sie als Lichtbringerin und aus dem Paradies verstoßene Eva an den ganz großen Mythen kratzt, herum arrangiert wurde. Vor allem die aggressiven Ausbrüche und Tempovariationen scheinen direkt ihrem bloßen Willen zu entspringen.

Dadurch, dass die stilitische Hauptzutat Doom ist, kommen mir gerade wegen der erwähnten Gesangsharmonien sowohl Undersmile als auch SubRosa in den Sinn, doch insgesamt klingen King Woman hier mit ihrer in Grunge und Alternative Rock verhafteten Riffästhetik und einigen vom Shoegaze beeinflussten Passagen noch weit mehr nach Kindern der Neunziger Jahre.

Vieles was die Gruppe auf "Celestial Blues" macht, scheint aus jener Zeit vertraut. Und doch klingen King Woman überhaupt nicht nostalgisch im Gestern schwelgend, sondern packen den Hörer mit ihrem rebellischen Doom Metal im Hier und Jetzt.

Dass hier jeder einzelne Song ein für die Verhältnisse des Genres regelrecht radiokompatibel kompakter Hit ist, sollte King Woman zusammen mit Esfandiaris genauso kompromissloser wie charismatischer Performance eigentlich schon reichen, um in höhere Bekanntheitsgrade katapultiert zu werden und zum heißesten Doom-und-Gloom-Eisen des Jahres zu avancieren.

Die Top Ten meiner Alben des Jahres ist mit dem himmlischen Blues jedenfalls schon wieder durcheinander gewürfelt worden.




Die farbige Schallplattenversion macht dazu in blutrot und mit ausgeschnittenem "Morning Star" auf der Rückseite der Hülle auch gut was her. Die Großartigkeit des Coverfotos hatte ich ja schon angeschnitten.
Da kann man die etwas schwierige Lesbarkeit einiger Passagen des Lyricsheets leicht verkraften.




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