Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
If the title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2021-01-31

KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD - K.G.

Klar, King Gizzard & The Lizard Wizard sind eigentlich auch immer ein Kandidat für mehrere Rezensionen in einem Post. Denn während ich dies hier tippe, sind auf YouTube bereits erste Videos zum nächsten Album zu sehen. Mal ganz abgesehen von den fünf (oder sechs? oder drölf?) Live-, Demo- und Frühphasenveröffentlichungen, welche die Band jüngst zur Veröffentlichung durch jedes Label, das Bock darauf hat, freigegeben hat... Puh, ich kann und will da nicht mehr zwingend mitkommen, deswegen bleibt es hier zunächst bei einer LP.

Um dieses "normale" Studioalbum führt allerdings für den Fan von "Flying Microtonal Banana" kein Weg vorbei. Jene Anfang 2017 erschienene, nach der eigens dafür gebauten Custom-Gitarre benannte Scheibe trug ja den Untertitel "Explorations Into Microtonal Tuning Vol. 1". Doch auch wenn es auf nachfolgenden Alben hier und da weitere Songs gab, die sich arabischer Mikrotonalität verschrieben hatten, ließ der zweite sich komplett diesem Konzept widmende Teil auf sich warten. Bis jetzt!


KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD - K.G. (recycled black wax LP) (2020)


Der sehr nahöstlich klingende instrumentale Opener "K.G.L.W." scheint sofort klar zu machen, was hier Sache ist und bereitet einen perfekt auf ein "Microtonal Banana", Teil 2 vor.

Doch natürlich kommt bei den Australiern immer alles etwas anders als erwartet. "K.G." geht die Idee der Mikrotonalität nämlich insgesamt sehr viel subtiler und vor allem mit weniger nervenaufreibendem Getröte und Wiederholungen an. Im Gesamteindruck scheint das Album vielmehr in der Tradition der leichter zugänglichen Hitschleuder "Gumboot Soup" zu stehen.

Zwar sind auch unausweichliche Arabismen eingewoben, doch spielen sie eine eher untergeordnete Rolle. Und auch die Rhythmen, so anspruchsvoll sie auch klingen, sind viel häufiger im klassischen Viervierteltakt gehalten als man es sowohl in arabischer Musik als auch gerade bei dieser notorisch schräg zählenden Band erwartet.
In erster Linie wollten King Gizzard & The Lizard Wizard hier anscheinend einen bunten Strauß starker Songs präsentieren, bei denen das besondere Tuning einfach eines von vielen Werkzeugen darstellt.

Das Instrumentarium ist entsprechend breit aufgestellt und umfasst neben Bass, Gitarre und Drums ein ganzes Arsenal an Tasten-, Blas- und Streichinstrumenten und vor allem jede Menge Perkussion.

Und stilistisch ist das Ganze natürlich schwieriger einsortierbar denn je. Psychedelic Rock, klar. Aber auch zuckersüß balladiges, fast schon jazzfusionistisches, Stonerrock oder das Robotertanzbein schwingende türkische Disco. Was auch sonst?

(Nein, den das letzte Werk dominierenden Thrash Metal gibt es diesmal nicht um die Ohren geknallt.)

Vor allem die elektronischen und sanften Töne setzen Highlights, doch Ausfälle gibt es auf diesem super kurzweiligen Album eh keine. Aufregender, beeindruckender und hochgradig leichtfüßig unterhaltsamer Stoff mit lyrischem Witz, aber auch Tiefgang.

"K.G." ist ein Album, wie es nur eine Band auf diesem Planeten machen kann - und sicherlich eines der ausgefeilsten und besten in der ständig wie ein im Zeitraffer expandierendes eigenes Universum wachsenden Gizzard-Diskographie.


Gepresst auf recyceltem Vinyl - was wohl in der farbigen Variante durch die Zufallsauswahl noch etwas spannender ist - und in Papier statt Plastik verpackt, drückt der Tonträger die ja auch textlich immer wieder deutlich artikulierte umweltbewusste Haltung der Australier aus und ist dabei durchaus ein Hinkucker im Regal.



Hin- und zum Teil auch fast schon wieder Wegkucker (haha) sind auf jeden Fall auch immer die Videos dieser verrückten Truppe. Also: Alles anschauen und spätestens dann dieses Album zulegen!

Kam halt zu spät zu mir, hätte jedoch ganz klar in meine Lieblingsalben 2020 gehört!








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen