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2021-09-19

BEES MADE HONEY IN THE VEIN TREE und WHITE NOISE GENERATOR im Fundbureau, Hamburg (18.09.2021)

Bees Made Honey In The Vein Tree


Ich würde sagen, ich habe die vergangenen zwei Wochen Urlaub ganz gut genutzt, um den Livemusik-Faden wieder aufzunehmen. Und man kann es sogar fast wörtlich nehmen, habe ich doch nun schon mehrere Bands gesehen, die zuvor auf dem Pink Tank Festival 2019 in Heide gespielt hatten, welches zu der Handvoll letzter Veranstaltungen gehörte, die ich erleben durfte, bevor die Welt in die große Zwangspause ging.

Am 3. September beendete ich die lange Durststrecke zunächst mit zwei Pink Tank Records-Gruppen, von denen Camel Driver damals dabei gewesen waren. Gestern nun ging es erneut ins Hamburger Fundbureau, diesmal sogar mit zwei Wiederholungstätern.

Die äußeren Umstände haben sich in den vergangenen vierzehn Tagen etwas geändert. Statt 3G durften diesmal nur Geimpfte und Genesene teilnehmen, wobei ich ja annehme, dass der Anteil lediglich Getesteter unter Leuten, die Bock auf Konzerte haben, inzwischen eh nicht mehr allzu signifikant sein dürfte. 
Praktisch war der Abend dadurch wieder einen Schritt normaler, weil der Publikumsraum nun wieder offen ohne Sitzbänke war. Ein wenig seltsam ist da natürlich, dass die Auflage, eine Maske zu tragen, sobald man sich im Raum bewegt, nach wie vor bestehen blieb - zumal ich es inzwischen auf dem Prophecy Fest noch weiter gelockert (allerdings mit Checks auf Krankheitssymptome) und trotz 999 Besuchern inzidenzfallfrei erleben durfte.

Aber je nach Bundesland und Location werden uns wohl noch eine Weile von unterschiedlichen Details in den Sicherheitskonzepten überraschen lassen müssen. Wen das verärgert statt nur verwundert, der sollte vielleicht besser noch einige Monate zu Hause bleiben! Aber letztendlich sieht es ja in allen Bereichen des Alltags ähnlich aus. Und ich für meinen Teil bin echt froh, dass das Bühnenleben nun tatsächlich Schritt für Schritt wieder zurückkehrt.


White Noise Generator

Doch nun zur Musik - und die startete gestern mit einem gewaltigen Wumms!

Was Gesang und Songwriting angeht bin ich zwar immer noch nicht der größte Fan von White Noise Generator, aber die Erinnerung daran, was es bedeutet, einen überwältigend fetten Rickenbacher-Basssound im kleinen Club um die Ohren gedröhnt zu bekommen, mochte dafür entschädigen.
Auch wenn Sleep-Stonerdoom-Riffklumpen schon zu den wichtigsten Bestandteilen gehörten, war die Band für mich auch diesmal nicht komplett in einer stilistischen Ecke festzunageln. Vielleicht fände ich sie auch noch geiler, wenn sie sich konsequenter und meinetwegen auch gerne conanmäßig stumpfer an einzelnen Versatzstücken ihres Sounds abarbeiten würden. Für den Bandnamen finde ich ja, dass das Ganze im Grunde viel zu viel Musik ist. Wenn es nach diesem ginge, dann hätten wir es wohl eher mit Getöse der Marke Merzbow meets Sunn O))) zu tun. 

Trotzdem super fett. Am besten gefiel mir ganz klar das psychedelische, aber doch im Hawkwind-Stil nach vorne rockende Finale.









Bees Made Honey In The Vein Tree

Der Grund, warum ich mir das Ticket für diesen Abend besorgt hatte, waren allerdings Bees Made Honey In The Vein Tree, welche nicht nur das kombinierte Versprechen aus den beiden Malen, die ich sie vorher bereits gesehen hatte und ihrem fantastischen "Grandmother"-Album einlösten, sondern ganz klar noch eine Schippe nachlegten.

Spätestens mit der Vorstellung eines neuen Tracks vom kommenden Album machten die Stuttgarter klar, dass ihr oft shoegazig trippiger Drone Doom mit Postrockelementen noch nicht am Ende seiner Evolution steht. Die Wucht ihres Klangs muss sich so wenig vor den Größen der genannten Genres verstecken wie die Dichte ihrer Stimmungen. Auch der lange Atem, mit dem sie über atmosphärische Gitarren-Effektloops meditieren, ehe sie sich mit voller Wucht in Herz und Magengrube hämmern, ist Teil dessen, was diesen Auftritt so großartig gemacht hat.

Alles in allem ein enorm fetter Abend - und meine Ohren sind jetzt auch wieder komplett auf das richtige Malträtierungslevel für kommende Bedröhnungsaufgaben justiert.




2021-09-04

CAMEL DRIVER und PFUND live im Fundbureau, Hamburg (03.09.2021)

Camel Driver

Es ist der erste Samstag des Monats und ich thematisiere hier mal nicht den vergangenen Bandcamp-Freitag. Ich habe mir zwar ein Tape und eine Vorbestellung gegönnt, doch die werden später an anderer Stelle gewürdigt.

Nein, ich schreibe hier und heute tatsächlich einen kurzen - weiß ich überhaupt noch, wie es geht? - fucking Konzertbericht! Neunzehn verdammte Monate ist mein letztes leibhaftiges Konzert, mit Twin Temple und Hexvessel nun schon her. Und wenn eines gestern überdeutlich wurde, dann wie unbeschreiblich sehr ich den Scheiß vermisst habe.

Überhaupt fielen mir zahlreiche Dinge auf, die ich in all der Zeit nicht gemacht habe. So bin ich z.B. genauso lange auch nicht in Hamburg gewesen. Keine nächtliche Autobahnheimfahrt mit stimmungsvoller Nachtfahrmusik. Ich bin ja gar kein Motormensch, aber auch das hat als Teil des Gesamterlebnisses gefehlt.
Die Parkplatzsuche eher weniger. Wobei die eigentlich einfach war. Nur den Teil, wo ich ich zur innerstädtischen Stauvermeidung einen illegalen U-Turn gemacht habe, ohne den Polizeiwagen direkt hinter mir zu bemerken, den hätte ich mir auch sparen können. Dank Überschuss auf meinem Karmakonto kam ich jedoch glücklicherweise mit einer mündlichen Verwarnung davon. Puh!

Das Fundbureau, in dem ich vorher noch nie gewesen war, entpuppte sich als schöner kleiner Club, dem auch frühe Sperrstunde und Pandemiemaßnahmen nichts von der grundsätzlichen Sympathie rauben konnten.
Die Veranstaltung fand nach 3G-Maßgaben als kapazitätsbegrenztes Sitzkonzert statt, wobei ich von meinen Gesprächen ausgehend mal stark vermute, dass 90 bis 100 Prozent der Anwesenden unter die Kategorie geimpft (statt genesen oder getestet) fielen.
Man musste also Nachweis und Ausweis vorzeigen und wann immer man herumlief seine Maske tragen, doch sobald man saß durfte man sie abnehmen. War also alles längst nicht so bizarr wie manche der Events, von denen man in den letzten anderthalb Jahren so gehört hat.

Beide Bands des Abends kamen aus Kiel und waren mir bereits durch mehrfache Begegnungen, vor allem in Heide, bekannt. (Das letzte Pink Tank Festival mit Camel Driver im Oktober 2019 ist ja ohne Covid-19 quasi gerade erst gewesen.)
 

Pfund

Den Anfang machten Pfund, ehemals Testosteroll. Leider kann ich an dieser Stelle kein Copyright auf ein Pfundbureau-Wortspiel anmelden, denn darauf kam ein anderer Besucher leider schon vorher.

Das Quartett (sorry, Gitarrist Nr. 2 stand für Fotos zu weit im Schatten) mischte Stonerrock, 90er-Jahre-Alternative, Doom, Blues und was auch immer ihm sonst unter die Pranken kam, zu einem wuchtigen Mix, der auch sitzenderweise mächtig zum Mitgrooven einlud.

Natürlich hätten sie hier wahrscheinlich auch in mittelprächtiger Form gewinnen können, Sowohl vor als auch auf der Bühne war eine große freudige Erleichterung zu spüren, dass dieses von von vielen Leuten doch stark unterschätzte Gemeinschaftserlebnis Livemusik nun allmählich doch wieder zurückkehrt. Die Form mag noch nicht ganz wie gewohnt sein, doch zur Erzeugung eines satten Pfunds Glücksgefühle reicht es immerhin schon. 





Camel Driver

Nicht nur durch ihre Konzerte, sondern u.a. auch durch ihr phänomenales letztes Album haben sich Camel Driver den Status meiner liebsten aktiven Band aus Schleswig-Holstein erspielt. Wobei "aktiv" in Bezug auf die jüngere Vergangenheit selbstverständlich relativ zu betrachten ist.
So war dann auch dieser Abend für das Instrumentaltrio die leicht verspätete Releaseshow für "\ /", an dem das Ding beinahe komplett durchgespielt wurde.
Dieser locker durchgezockte, mit Orientalismen gespickte Stonerprogmetalpsychpostrock ist schon eine Klasse für sich und macht jedes Mal Bock auf mehr.

Was wohl auch als Fazit für den Abend als Ganzes herhalten darf. Schauen wir mal, nächste Woche um diese Zeit werde ich bereits über die Hälfte meines ersten Festivals hinter mir haben. Bin mal gespannt, ob das ähnlich lässig und ohne irgendwelche Diabetikerprobleme (sind für mich ja jetzt auch die ersten Shows mit dem Quatsch an der Backe) läuft.