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2021-03-20

SATURNIA - Stranded In The Green

Nachdem das Debüt von A/lpaca ja gerade derbe ruppig absliftete, präsentiert Sulatron Records auf dem neuen Werk von Saturnia nun mal wieder eher den entspannten Gegenpol aus beträumt verkiffter Hippiemusik.

Das führt durchaus hier und da zu einzelnen mir etwas zu marihuanasüßlichen Momenten, ist in seiner Gesamtheit allerdings verdammt gut gemacht.


SATURNIA - Stranded In The Green (2021)


Hinter neunundneunzigkommaneunneun Prozent der Musik auf diesem Album steht der portugiesische Multiinstrumentalist Luis Simões, der uns neben klassischen Rockkwerkzeugen auch ordentlich Sitar, Glockengedöns und analoge Orgeln, Synthies und Pianos durch die benebelten Sinne pustet.

Nach dem maximal esoterischen Intro "Pan Arrives" geht Saturnia mit dem fast schon archetypischen Psychrockgroove von "Keep It Long" im Grunde auf Nummer sicher. Die Sitar lullt den Genrejunkie unwiderstehlich ein, während die von einem Gastmusiker beigesteuerte Djembe-Trommel für die interessante Absetzung von der offensichtlichen Beatles-Blaupause sorgt.

Die "Fibonacci Numbers" unterlegen dann Floyd-Vibes mit Blues-Shuffle und einer subtilen, zwischen den an Tönen schwebenden Unruhe.

"Smoking In The Sun" ist ein spacig-proggiges (letztere Assoziation kommt mir vielleicht, weil mich das Ding an irgendwas von RPWL erinnert), in seiner schleppend stampfenden Rhythmik durchaus auch gefühlt leicht doomiges Instrumental, welches das Album in tief(sinnig)ere Gewässer führt, die im knapp viertelstündigen Kernstück "Super Natural" dann noch gründlicher erkundet werden.

Dieser sich sanft aufbauende Epos voller harmonisch umeinander tanzender Keyboard- und Saitensounds könnte gerade während der Strophen glatt von Steven Wilsons "The Raven That Refused To Sing"-Album gerutscht sein. Doch auch da, wo dies nicht zwingend der Fall ist, beweist Simões meisterhaftes Gespür für geschickt gelayerte Atmosphäre. Alleine dieses herrliche, am Soul- und Jazznerv tippende Rhodes-Klavier! Mjamm!

In "When I'm High" sind darauf folgend neben der Leadgitarre Klavier und Mellotron die Stars. Trotzdem ist eher kleine Stück nach "Super Natural" wohl naturgemäß der einzige leichte Spannungsabfall des Albums.

Meine Rezension folgt der Trackreihenfolge der digitalen/CD-Version von "Stranded In The Green".
Die in der ersten Pressung grüne LP ist aus Zeitgründen etwas anders aufgeteilt, und mit dem meditativen (teilweise rückwärts abgespielten, oder?) "Perfectly Lonely", sowie dem dem orientalisch europäischen Jam "Just Let Yourself Go" fehlen zwei Instrumentalhighlights auf der Vinylvariante leider komplett. Da hätte ich doch lieber für zumindest einen der beiden Tracks auf "When I'm High" verzichtet.
Aber was soll's - die Stücke existieren ja allesamt da draußen - und haben will ich diese LP dennoch auf jeden Fall. Allein schon, weil mich interessiert, wie sich diese Meine-neun-beliebtesten-Posts-auf-Instagram-Ästhetik des Covers in tatsächlich gedruckter Form macht.

Zuletzt sei noch der je nach Medium letzte/vorletzte Song "Butterfly Collector" erwähnt, der anfangs zwar Gezirpe antäuscht, um mich abzuschütteln (ok, so schlimm wie die Grillen damals bei Quad ist es nicht , haha), was sich allerdings als Synthiespielerei herausstellt. Außerdem bin ich dank dem Morgenkonzert der nur eine Deckenluke von meinem Bett entfernt lebenden Dohlenkolonie wohl eh aktuell ausreichend abgehärtet, was ornithologische Einsprengsel in meinen Musikgenuss angeht, so dass dieser Vergrämungstrick ohnehin nicht funktionieren würde. Ansonsten ruft Saturnia hier nämlich alle vorher schon bewiesenen kosmisch entrückten Qualitäten erneut ab und fügt sie zu einem erneut einfach guten, runden Song zusammen.

"Stranded In The Green" kommt mir insgesamt zwar ein paar Millimeter konventioneller vor, trifft bei mir jedoch einen ganz ähnlichen Nerv wie letztes Jahr das tolle "Cosmic Comics" von Permanent Clear Light.

Mag ich.

EDIT: Das grüne Gold ist inzwischen gelandet, und gut sieht es aus:







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