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2025-09-27

WITCH CLUB SATAN live im Bahnhof Pauli, Hamburg (25. September 2025)


Ausverkauftes Konzert im Bahnhof Pauli. Hätte ich's überlebt, kein Ticket zu bekommen? Wahrscheinlich, schließlich habe ich Witch Club Satan ja bereits im April auf dem Roadburn Festival erlebt. Trotzdem sieht es statistisch natürlich schöner aus, zwei der drei Chancen, die Norwegerinnen live zu sehen (beim Colossal Weekend 2024 wegen paralleler Laibach-Show ausgelassen) genutzt zu haben!






Da es keinen Supportact gab, sind wir auch - nach langer Wartezeit - direkt drinnen im Geschehen! Das Trio ist mittlerweile zu fünft auf der Bühne, da die Bassistin unübersehbar mit Zwillingen schwanger ist. Von dieser Entwicklung abgesehen war der Großteil der theatralischen Show mir natürlich schon bekannt:

Zunächst betraten die Black-Metal-Hexen die Bühne in heidnisch gehörnten, brustfreien weißen Outfits, welche außerdem ausgerechnet gehäkelt sind, was eine fürs Genre außergewöhnliche Ästhetik erzeugt, die zeigt, dass Witch Club Satan bei allem Respekt fürs schwarzmetallische Erbe auch einige sich selbst nicht zu allzu ernst nehmende ironische Brechungen in ihr Konzept eingewoben haben.

Die stilistische Basis der Band ist grober, ursuppiger Black Metal ohne herausragende Virtuositäten - und im zweiten Eindruck, wenn ich ehrlich bin, auch in Sachen zwingende Riffs durchaus noch steigerungsfähig. Die Idee scheint hier häufig noch größer als die Mittel zur Umsetzung zu sein. Interessant wurde es vor allem, wenn die drei Damen von den üblichen Kreischkonventionen abwichen, oder während der zahlreichen ritualistischen und von der feministischen Botschaft getragenen Zwischenspiele, in denen sich intensive Erzählung mit seltsamen Lauten und eigenwilligen Harmonien mischten.

Ob mystisch myrkuresk oder elektronisch, die gelegentlichen drastischen Ausbrüche aus der todesschwarzen, manchmal auch punkigen Oldschooligkeit sind notwendig und gehören so untrennbar zur Show wie die visuelle Komponente. Und wer jene zu "sex sells" herabstuft, der war wahrscheinlich nicht dabei und schätzt auch die sich identifizierende Reaktion der weiblichen Fans auf die Gruppe verkehrt ein. Auch wenn WCS zweifellos attraktive Menschinnen sind - wem es gar nicht um Musik, sondern primär um Titten und Ärsche geht, der findet sicherlich nach wie vor passendere Alternativen auf der Reeperbahn.

Jene wären sicherlich auch weniger spooky als der freizügigste, aber auch horrorfilminspirierteste schwarze Perücken-Look, den die Band im Mittelteil des Auftritts auffuhr. Gibt es hinter der Bühne einen The Ring-Brunnen?

Nach dem letzten Kostümwechsel betrat das letzte Drittel der Show dann Neuland, welches ich noch nicht von Roadburn kannte, mit ausgerechnet aus hellblauen Jeans und Glitzeraccessoires genähten Barbarinnenoutfits, in denen zwei Bandmitglieder auch überraschende (gefährlich plötzlicher Sprung zum Crowdsurfing!) ins Publikum wagten. Mit der aktuellen Single "You Wildflower" war hier auch eines der musikalischen Highlights zu verordnen.
Verzichtet wurde hingegen auf einen ins Publikum gerichteten Kunstbluteinsatz, so dass meine vorsorgliche rote T-Shirt-Auswahl sich als unnötig herausstellte und ich kein neuen Social-Media-Profilbild mitnehmen konnte.
 
Insgesamt war es auch ohne die spezielle Roadburn-Magie wieder eine tolle, lautstark abgefeierte Show. Allerdings hatte ich durchaus den Eindruck, dass ein Teil des ersten Eindrucks sich in der Wiederholung verbraucht und das Konzept mit der Zeit zwangsläufig nach größerem Spektakel und/oder stärkerem Songmaterial verlangt, wenn es längerfristig interessant und relevant bleiben möchte. Es wird also interessant sein, zu sehen, ob und wie die Damen sich dieser Herausfordrung stellen!







2024-10-17

DOOL und HANGMAN'S CHAIR live im Bahnhof Pauli, Hamburg (14. Oktober 2024)


Ihrer Albumpremiere auf dem Roadburn Festival war ich zugunsten eines Platzes in der ersten Reihe beim Hedwig Mollestad Trio noch ferngeblieben. Im September holte ich meine Dool-Show dann aber auf dem Prophecy Fest nach. Und damit war mein Hunger auf eine meiner Lieblingsliveband der letzten Jahre für 2024 dann auch gesättigt.

Dachte ich zumindest. Aber am Wochenende wurde der Lockruf des Bahnhof Pauli, in dem ich seit meiner letzten Show vor der Pandemie schon nicht mehr gewesen war, einfach zu laut, so dass ich mir doch noch ein Ticket holte und mich einen Tag nach Corecass am Montag wieder auf den Weg nach Hamburg machte.





HANGMAN'S CHAIR

Und für einen Montag war der seit meinem letzten Besuch umgebaute Laden (keine Stufen mehr im Zuschauerraum) auch ordentlich gefüllt, als mit den Parisern Hangman's Chair die erste Band des Abends die Bühne betrat.

Der Sound ihrer Rhythmussektion zeigte durchaus einige Parallelen zu Dool, und auch die generelle Ausrichtung zwischen düsterem Rock, Doom Metal und ähnlichen, schwer ein für alle mal festzumachenden Elementen, lieferten schnell die musikalische Begründung, warum die beiden Bands zusammen tourten.

Schlecht fand ichs auch nicht, aber mir war  es trotz des generell eigenständigen Grundsounds und überraschender Heaviness auf Dauer von Song zu Song etwas zu eintönig im permanenten Midtempo gefangen. Auch gesanglich fehlte für mich einfach dieser spezielle Kick, der es vielleicht zu etwas wirkich besonderem gemacht hätte. Ich habe drei Tage später zumindest mehr konkrete visuelle (Lightshow) als akustische Erinnerunge an die Show.








DOOL

An dem gewissen Etwas mangelt es Dool wahrhaftig ist. Man kann sich nur schwer für einen Aspekt entscheiden, der die niederländischen Dark Rocker so großartig macht: die dreifache Edelgitarrenwand, die arschtighten Grooves, das Rock'n'Roll-Charisma und die ausdruckstarke, mal mitreißend rockröhrige, mal glockenhelle Stimme von Raven van Dorst? Alles natürlich!

(Ich muss dazu einschränken, dass ich von der Stimme diesmal leider nicht super viel hören konnte. Das übliche Problem, wenn man direkt vor der Bühne steht und keinen Monitorsound hört, da die Band In Ears benutzt. Ich habe auf Handyvideoauschnitten bereits gesehen, dass es diesbezüglich vielleicht doch mal eine gute Idee fürs Hörerlebnis gewesen wäre, mich nach einer Weile etwas nach hinten zurückzuziehen.)

Im Vergleich zum Prophecy Fest ging's natürlich intimer zu - und es wurde bedeutend länger gespielt. Im Prinzip war ein Großteil der auf das neue Album "The Shape of Fluidity" fokussierten Setlist dabei identisch. Gleich nach dem Album- und Show-Opener "Venus In Flames" schob die Band "Self-Dissect" ein. Und in der Mitte gab es dann noch einen ganzen neuen Viererblock mit zumindest einem "Summerland"-Song ("Wolfmoon"), dem mächtigen Stampfer "The Alpha" und dem Sisters of the Nephilim-Tribut-Doppel aus dem Instrumentalstück "Currents" und dem für mich für den Rest der Nacht größten Ohrwurm "Evil In You".

Von den neun Songs von "The Shape of Fluidity" fehlte somit letztendlich tatsächlich nur noch einer.

Nach dem Mittelteil gab es wie im September das Duett "House of a Thousand Dreams", das monströs großartige "Hermagorgoron" und zum Abschied das Killing Joke-Cover "Love Like Blood", sowie selbstverständlich den Dool-Überhit "Oweynagat", ohne den man die Niederländer einfach nicht von der Bühne lassen darf.

Meinetwegen hätten sie danach auch noch eine halbe Stunde weitermachen können. Die Attitüde, Energie und vor allem die fantastischen Songs dieser Band sind einfach reines Suchtmaterial. Und was bin ich froh, dass ich diesen Rückfall hatte!