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2020-07-04

BANDCAMP DAY Juli 2020 mit BOTANIST, LINGUA IGNOTA, EMMA RUTH RUNDLE, A.A. WILLIAMS, ESBEN AND THE WITCH und TEMPLE FANG

Zum vorerst letzten Mal war gestern wieder Bandcamp Day, der erste Freitag eines Monats, an dem die Musikplattform ihren eigenen Anteil an allen Verkäufen komplett den Künstlern überlassen hat. Inzwischen gab es zum Juneteenth am 19. Juni auch eine ähnliche Aktion, bei der die Erlöse allerdings Menschenrechtsorganisationen rund um die Black Lives Matter-Bewegung zugute kamen. Auch da haben sich natürlich viele Künstler mit speziellen Veröffentlichungen und Spenden ihre eigenen Anteils beteiligt.
Ich persönlich muss aber zugeben, dass ich trotz anderen Vorsatzes jenen Aktionstag buchstäblich verpennt habe, sprich: Ich habe so ziemlich meinen kompletten Feierabend verschlafen, weshalb es nur dabei geblieben ist, dass ich mir endlich endlich mal das letzte Björk-Album "Utopia" auf CD bestellt habe. (Ist aktuell natürlich aktuell noch unterwegs.)

Gestern hingegen habe ich mehr Downloads, LPs, CDs in meinen Warenkorb gepackt - und wieder gelöscht - denn je.

Übriggeblieben sind nach titanischem Ringen mit meinem ökonomischen Gewissen diese sechs Veröffentlichungen:





BOTANIST - Ecosystem version B
(download) (2020)

Viele Künstler haben in den letzten Wochen und Monaten in ihren Archiven gewühlt und uns so einen tieferen Einblick in ihren kreativen Prozess gewährt. U.a. gab es auch Demos der Kategoriedauergäste Gold, von denen ich allerdings erst einmal gesättigt bin.

Was uns die Green (Black) Metaller Botanist mit diesem auch auf Tape erhältlichen Download anbieten, geht allerdings über gewöhnliche Demoaufnahmen hinaus, ist es doch eine komplett alternative Version ihres letzten Albums "Ecosystem". Die Songs sind dabei im Prinzip diesselben, wurden jedoch mit anderer Besetzung eingespielt, wobei nur die "Gitarren"-Dulcimeraufnahmen dieselben sind. Statt Bass gibt es nun noch mehr Dulcimer, die Schlagzeugarrangements sind teilweise unterschiedlich, Gesang, Texte und Songtitel (und somit auch das Albumkonzept) sind komplett anders.

Welche Version nun besser / schlechter ist, lasse ich mal dahingestellt, "Version B" ist allerdings deutlich weniger ätherisch und punktet dafür mit einem beinahe punkigen, raueren Charme.

Da A und B von Timing und Tracklänge her identisch sind, kann man sich leicht eine Version C basteln, was sogar erstaunlich gut funktioniert. Prädikat: Avantgardistisches Nerdfutter mit Bio-Gütesiegel.







LINGUA IGNOTA - Failed Forest // Golden Grid
(download) (2020)

Kristin Hayter führt uns mit ihrem elfminütigen neuen alten Track zu den Wurzeln ihres Projektes. Bei dieser gerade in der ersten Hälfte durchaus ziemlich anstrengenden Collage aus Sprachsamples, Industrialklängen und Orgel handelt es sich um einen Teil einer Studionarbeit, die ich mich hier nun wirklich nicht traue inhaltlich aufzudröseln. Es gibt allerdings diverse Interviews, in denen thematisiert wird, wie aus ihren ambitionierten Aktivitäten an der Univesrität schließlich Lingua Ignota geboren wurde.

An dieser Stelle muss es reichen, zu wissen, dass es sich um super intensives, klar von Coil inspiriert klingendes Stück handelt. Heftig.

[Edit: Und der Track ist auf "privat". War also wohl nur diesen einen Tag lang zu bekommen.]







EMMA RUTH RUNDLE - Staying Power (download) (2020)

Wenn Kristin Hayter und Emma Ruth Rundle eine definitive Gemeinsamkeit - außer Teil der Sargent House-Familie zu sein - haben, dann ist es, dass sie beide offenbar musikalisch nichts falsch machen können. Das Gegenteil wurde jedenfalls bisher noch nicht bewiesen.

"Staying Power" ist ein bislang unveröffentlichter Song aus den Sessions zu "On Dark Horses".

Und das sollte eigentlich schon alles sein, was man wissen muss, um hier zuzugreifen. Emmas Gespür für wahrhaftiges, direktes und doch anspruchsvolles Songwriting, ihr Gitarrenton und natürlich ihre unverkennbar emotionaler Gesang sorgen dafür, dass sich dieser Track kein Stück vor dem Albummaterial verstecken muss.






A.A. WILLIAMS - A.A. Williams (Reissue) (clear vinyl) (2019/2020)

Und nun muss ich aufpassen, dass ich mich nicht wiederhole, denn auch Sängerin und Multiinstrumentalistin A.A. Williams, welche dieses Jahr bereits auf einer gemeinsamen 10" mit den japanischen Postrockern Mono begeisterte, versteht es, mit ihrer Stimme eine ganz eigene, unmittelbar das Gefühlszentrum umwälzende Magie zu erzeugen.

Das gestern ebenfalls erschienene Debütalbum habe ich mir fürs erste verkniffen, sondern mich zunächst einmal mit der inzwischen um vier Bonustracks (Demoversionen, sowie - zurück zu Lingua Ignota - ein Cover von Dolly Partons "Jolene") erweiterten selbstbetitelten EP "begnügt".
Bei der Klasse dieser unterkühlt melancholischen Musik darf man sich nämlich durchaus angemessen Zeit nehmen, sich sanft mit einer Veröffentlichung nach der anderen vertraut zu machen. Außerdem habe ich auch noch gleich zwei Livestreams (einen Solo, einen mit Band) nachzuholen, die Madame Williams Donnerstag gespielt hat.

Unfassbar eigentlich, dass diese EP ein Debüt ist, so souverän wie sich die ruhige tiefe Stimme samtweich gegen die aus der balladesken Stille herausbrodelnden Postrock-Herrlichkeit behauptet.

Zur Schallplatte kann ich naturgemäß jetzt noch nichts sagen, der musikalische Inhalt jedoch ist exquisit.






ESBEN AND THE WITCH - A New Nature (bronze gold vinyl 2LP) (2014/2019)

Der größte Posten meines Bandcamp Fridays ist ganz klar ein letztes Jahr neu aufgelegter moderner Klassiker, der seitdem schon auf meiner Einkaufsliste steht.

Die erste EP "33" welche Esben And The Witch gestern digital wiederveröffentlicht haben, kickt mich ehrlich gesagt noch nicht so sehr, dieses fünf Jahre jüngere, 2014 erschienene Album zeigt jedoch schon voll und ganz das Trio, welches ich heute liebe.

Mit "Dig Your Fingers In", dem Hit "No Dog" und dem epochalen "The Jungle" (hier mit Trompete!) sind mir drei Tracks schon länger durch die phänomenale "Live At Roadburn"-Scheibe gut bekannt.

Doch auch die restlichen fünf Stücke dieses meister(innen)haften Amalgams aus Postpunk, Neo-Gothic, Noise Rock uvm. haben es in sich. Sagte ich schon, dass ich diese Band liebe?






TEMPLE FANG - Live at Merleyn (download) (2020)

Wenn eine Band, von der es noch kein Studiomaterial gibt, einem auf dem Warm-Up zu einem Festival so gut gefallen hat, dass man sie sich auf dem selben Festival gleich noch einmal anschaut, dann macht man sicherlich nichts verkehrt damit, mal in eine Liveaufnahme von ihnen reinzuhorchen.

Das habe ich hier getan, und natürlich gehörte "Live At Merleyn" in den Einkaufswagen. Siebziger Jahre rickenbacher-powered Spacerock der Extraklasse. Ähnlich gut wie die Kalifornier Monarch, im Vergleich allerdings etwas roher und rabiater. Super Zeug!

Und wer danach noch mehr Temple Fang gebrauchen kann, dem empfehle ich hier auch gerne den neulich gestreamten Isolation Sessions-Auftritt der Niederländer!







2020-04-10

BOTANIST - Ecosystem

Wenn ich im letzten Review Karyn Crisis' Gospel Of The Witches schon als Band mit singulärem Sound bezeichnet habe, welchen Superlativ soll ich dann für die andere Gruppe, deren ebenfalls letztes Jahr erschienenes neuestes Werk ich bei Aural Music (30%-Rabattaktion läuft immer noch) mitbestellt habe, bemühen?

Was klingt wie eine schnell vollends ausgeschöpfte Schnapsidee, nämlich Black Metal mit gehämmertem Dulcimer (auch bekannt unter der poetischen deutschen Bezeichnung Hackbrett) und Harmonium statt Gitarren zu spielen - mit ökologischem Konzept und folglich Green Metal getauft -, das währt nun schon seit knapp zehn Jahren, in denen Botanist einen respektablen Stapel an Studioalben und EPs veröffentlicht haben.




BOTANIST - Ecosystem (translucent white and brown vinyl) (2019)


"Ecosystem" ist erneut ein volles Bandalbum, auf dem sich der ehemalige Soloprojektleiter Otrebor diesmal mit Drummer Daturus, Bassist Davide Tiso und für einige Tracks Toursänger Cynoxylon zusammengetan hat.

Konzeptionell geht es um das auf dem Coverartwork sehr schön visualisierte geschlossene Ökosystem der nordamerikanischen Mammutbaumwälder und deren Bedrohung durch den Menschen.

Passend dazu ist dann auch das beiliegende Textblatt typographisch wie ein Querschnitt durch die Jahresrringe eines Baumes gestaltet. Das fand ich neulich, als ich ein paar Wochen lang nur mit Lupe lesen konnte noch doof, weiß es jetzt jedoch gestalterisch sehr zu schätzen.

Überhaupt gibt die ganze Platte, wie man es von Botanist gewohnt ist, ein sehr schönes Bild ab:




Klanglich ist die Band natürlich von Beginn an zweifelsfrei zu identifizieren, denn eine Metal-Rhythmussektion plus Dulcimer spielt einfach sonst niemand.

Auf dieser Grundoriginalität wird sich allerdings nicht ausgeruht, und so zeigt auch dieses Werk wieder eine etwas andere Facette von Botanist.

Ganz so vielseitig wie der Vorgänger "The Shape Of He To Come" erschien mir "Ecosystem" dabei zunächst nicht, und ich habe auch ein paar Durchläufe mehr gebraucht, um mit dem neuen Album warm zu werden. Inzwischen bin ich mir bezüglich der Abwechslung nicht mehr so sicher...

Die melodischen Parts sind zwar weniger zwingend, dafür haben die klaren Chorgesänge eine fremdartige, esoterisch schwebende Qualität, die mich ein wenig an die entsprechenden Gesänge auf Cynics "Focus" erinnert.

Ansonsten wird stimmlich noch Geflüster, ein schamanistisches Duett in "Abiotic" und natürlich reichlich zur schwarzmetallischen musikalischen Basis gehörendes Gekrächze geboten.
Ein paar Linien sind schon harmonisch leicht grenzwertig, aber das ist ähnlich wie Karyn Crisis' Gelegenheitsgeknödel aufgrund der Einzigartigkeit des Ganzen leicht zu verschmerzen und im Sinne der leicht entrückten, verfremdeten Wirkung wohl auch so gewollt.

Aufgrund des von verzerrten Gitarren so vollkommen unterschiedlichen Hackbrettsounds ist es schwierig, hier ganz exakt die Entsprechungen verschiedener Metalspielarten herauszuhören, doch ich habe das Gefühl, dass sich zum Black Metal diesmal eine gute Portion melodischer Death Metal und vielleicht sogar etwas Prog, Postrock oder gar unpeinlicher Power Metal gesellt haben. Das sind allerdings letztendlich rein akademische Feststellungen, denn egal was Otrebor und Co. emulieren, es wird halt letztendlich immer hundertprozentig zu Botanist.

Die einzige konkrete Band, die mir nach wie vor artverwandt scheint, bleibt Lotus Thief, mit viel Fantasie höre ich vielleicht noch die eine oder andere an Kayo Dot oder Imperial Triumphant gemahnende (Dis-)Harmonie.

Auf jeden Fall ist Botanist mit "Ecosystem" wieder eine instrumental, textlich, konzeptionell stimmige Ganzheitlichkeit gelungen, die nicht nur den musiknerdigen Nerv intellektuell stimuliert, sondern vor allem auch einfach großartig anzuhören ist und gleichzeitig zum Meditieren wie zum Nackenschütteln taugt.

Fazit: Grünblech* herrscht!





* recyclebar




2017-11-04

BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come

Die Studiowerke des kalifornischen Blackmetal-auf-Hackbrettern-Projekts Botanist sind für gewöhnlich Soloeinspielungen des eigentlich als Drummer gestarteten Multiinstrumentalisten Otrebor. Bei den zwei(!) neuen Alben ist dies jedoch anders, wie der Zusatz "Collective" verrät.

Das zweite neue Album "Collective: Setlist 2017" habe ich bereits neulich nach dem Konzert in Kiel besprochen. Es entstand in erster Linie, um einen für die Tour repräsentativen Tonträger dabei zu haben, denn vom eigentlichen neuen Album wurde live nicht ein Ton gespielt.

Und nein, zu schlecht ist es nicht, ganz im Gegenteil.




BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come (hazy clear vinyl) (2017)

Die Grundidee dieses ersten "Collective"-Albums war es, die Mitglieder der Liveband an den Aufnahmen zu beteiligen, aber auch im kreativen kompositorischen Prozess einzubinden. Konkret bedeutete dies, dass tatsächlich alle Mitglieder, die von 2013 bis 2016 irgendwann dabei waren, hier etwas beigetragen haben, auch solche, die zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr dabei waren wie die ursprüngliche Bassistin Bezaelith.

Und dadurch dass sich die Zusammensetzung der Band inzwischen wieder geändert hat, waren Botanist schlicht nicht in der Lage, die Songs von "The Shape Of He To Come" für die Liveperformance zu lernen. Das klingt zunächst nach doofer Ausrede, ist aber tatsächlich verständlich, wenn man bedenkt, dass Otrebor inzwischen von seiner gewohnten Bühnenrolle am Mikrofon und Harmonium and den gehämmerten Dulcimer gewechselt ist und keinen der Dulcimerparts auf diesem Album selbst erdacht und eingespielt hat.

Die Band hat diesen Umstand überlebt, doch schade ist es durchaus, da es sich hier um ein sehr abwechslungsreiches und oft von der gewohnten Botanist-Formel abweichendes Werk handelt.

Am offensichtlichsten und prägendsten dafür verantwortlich ist Bezaelith. Da der Bass schon eingespielt war, bedient sie hier nämlich nicht den Viersaiter, sondern singt.
Und da an ihrer oft choralen, mystischen Stimme kaum vorbeizuhören ist, klingt "The Shape Of He To Come" insgesamt wie eine 50:50-Mischung aus gewohnten Botanist (wie auf "VI: Flora") und "Gramarye" von ihrer ähnlich nerdigen (und nebenbei wie auf dem Prophecy Fest live erlebt ziemlich epochalen) Band Lotus Thief.


Dazu versucht sich auch Otrebor erstmals am Klargesang, und die von den Instrumentalisten hineingeflossenen neuen Einflüsse heben das Album ebenso vom Rest der Diskographie ab.
Alles in allem also eine größere, bombastischere, abwechslungsreichere Version von Botanist, die enorm viel Freude bereitet.

Dies gilt auch für die Verpackung, ist die transparente LP doch in ein sehr ansehnliches Cover verpackt, auf dem die pflanzlichen und tierischen Komponenten der Erlöser(und Zerstörer)gestalt, von der das Album erzählt, sich erst in verschiedenen Schichten zum kompletten Bild zusammenfügen.



Die Songreihenfolge unterscheidet sich in der digitalen und vinylen Version leicht, weil die zunächst ruhige Eröffnung "Praise Azalea, The Adversary" auf die B-Seite der Schallplatte verschoben wurde. So fängt diese Version also gleich mit der vollen Dulcimer-Geboller-Packung an. Funktionieren tut das beides gut.

Vielleicht das beste - auf jeden Fall ein sehr gutes - Album einer Post Black Metal-Band, die klingt wie keine andere Gruppe auf dem Planeten. Uneingeschränkt empfehlenswert.


Highlights: The Shape Of He To Come, Upon Veltheim's Throne Shall I Wait, The Recociliation Of Nature And Man


2017-10-17

BOTANIST - Collective: Setlist 2017

Ich erwähnte es ja schon im Live-Bericht von letzten Samstag: Da die Pflanzen-Weltherrschafts-Apokalyptiker Botanist aus verschiedenen Gründen auf ihrer aktuellen Tour kein Material ihres neuesten Albums "Collective: The Shape Of He To Come" (Review demnächst) spielen konnten, hatten sie als Ausgleich diese Kassette dabei.

(Da ich derzeit gar kein Tapedeck in Benutzung habe, ist der Tonträger für mich hier allerdings eher Dekoobjekt, und ich höre stattdessen den beiliegenden Download.)




BOTANIST - Collective: Setlist 2017 (Tape/download) (2017)


Der Titel "Collective: Setlist 2017" ist ja schon beinahe selbsterklärend.

Es handelt sich hier ganz einfach um die Songs, wie sie in dieser Reihenfolge auch auf der Europatour gespielt wurden.
Das vorangestellte "Collective" verrät, dass es sich nicht wie bei den römisch nummerierten Alben um Soloaufnahmen von Mastermind Otrebor handelt, sondern um Aufnahmen als komplette Band.

Otrebor (auf vorigen Touren noch Gesang/Harmonium) bedient hier also wie live den Dulcimer, und auch die anderen drei Musiker entsprechen genau der Besetzung auf den Konzerten, also Cynoxylon Gesang und Harmonium, Toorpand Bass und Daturus Schlagzeug.

Die Setlist ist ein Best-Of mit Stücken von "VI: Flora", den EPs "Hammer Of Botany", "Green Metal" und weiteren älteren Veröffentlichungen:

  1. Stargazer
  2. Helleborus Niger
  3. Clyrrhiza
  4. Callistemon
  5. The Spear Of Aechmea
  6. Dionae Muscipuli
  7. To Amass An Army
  8. Gorechid
  9. Invoke The Throne Of Veltheimia
  10. Stachy Olypica
  11. Dracula Vampira
  12. Wisteria
  13. Erythronium
  14. A Rose From The Dead

Dadurch, dass es sich um Neueinspielungen handelt, hat die Veröffentlichung auch einen Mehrwert, wenn man das Material schon kennt. So ist der Gesang z.B. deutlich hörbarer im Mix als bei den bekannten Versionen. Überhaupt hat die ganze Produktion Albumqualität.

Sowohl Fans als auch Neueinsteiger in die Welt des sphärischen Dulcimer-statt-Gitarren-Black Metals machen mit diesem Tape nichts verkehrt. 


Highlights: Dracula Vampira, To Amass An Army, A Rose From The Dead, Callistemon, Stargazer




2017-10-15

JUST A LITTLE BIT DANGEROUS Fest XI • 14. Oktober 2017 (mit BOTANIST, GHOSTS OF DAWN u.a.)

Botanist


Ja, ich habe mich tatsächlich gestern auf ein Punkfestival in Kiel verirrt. Und das kam so...

Nein, keine komplizierte Geschichte. Ich wollte eigentlich Botanist in der Alten Meierei sehen, aber das Konzert wurde aus Krankheitsgründen (eines Organisators nehme ich an) abgesagt und so wurden die amerikanischen Grün/Black Metaller noch mit auf das Billing des Just A Little Bit Dangerous Fests im Hansa48 geschoben.




Ghosts Of Dawn

Also sah ich zunächst einmal Ghosts Of Dawn.

Die Rhythmussektion war lässig, überhaupt fand ich einige Build-Ups richtig cool. Es gab aber auch die zu einfachen, zu oft wiederholten Refrains, die schon ein bisschen nervten.
Überwiegend war die Mischung aus Dark Wave, Gothic Rock und Punk aber gut gemacht. Glaube ich zumindest. Ich muss mir da ja ein bisschen vorstellen, mehr in diesen Genres zu Hause zu sein.

Fazit: Respektabel, aber überwiegend halt stilistisch nicht so meine Baustelle.






Billy Liar


Danach wurde der relativ übersichtliche Konzertsaal erst einmal für den Umbau geschlossen, während die Besucher draußen und in den Vorräumen herumlungerten. Gegenüber der Bar, dort wo zumindest Headliner Joe McMahon und Botanist schon ihr Merchandising ausgebreitet hatten, lungerte für eine Weile auch der englische Punk-Liedermacher Billy Liar herum und sang uns ein paar launige kleine Liedchen, gegen die absolut nichts einzuwenden war.

Würde ich mir jetzt nicht kaufen, aber passte in diesem Rahmen gut.


Nun hieß es noch eine ganze Weile zu warten und zu schnacken, ehe schließlich - schon eine Stunde hinterm Zeitplan - der Saal wieder geöffnet wurde und uns Vogelzwitschern in der Dunkelheit erwartete.




Botanist


Botanist waren auf dieser heute endenden Europatour ohnehin schon unter merkwürdigen Vorzeichen unterwegs, hatten sie doch ein neues Album im Gepäck, von dem sie aufgrund anderer Bandbesetzung und eines Mitglieds, das nicht mitkommen konnte, gar keine Stücke spielen konnten. Im Vergleich zur letzten Tour bedeutete, dies, dass Mastermind Otrebor diesmal nicht sang, sondern einen Dulcimer bediente. Ein zweiter Hackbrettspieler war leider nicht dabei, so der Klang nicht ganz so überweltlich schweben sollte.

Speziell heute fehlte dem neuen Sänger, der seinen Job übrigens ausgezeichnet machte (zählt man plötzliche brutale Stürze von der Bühne mal nicht mit), leider auch noch das Harmonium. Die Band musste nämlich aufgrund eines defekten Tourbusses aus Hamburg abgeholt werden und konnte nur einen Teil ihres Gepäcks mitnehmen. Deswegen konnte ich leider auch später nicht das Tourende-Tonträger/T-Shirt-Sonderangebot nutzen. Meine Größe hatten sie nämlich leider zurückgelassen.

Es war also ein eingeschränkter Auftritt am Ende eines sicherlich stressigen Tages.

Doch der Sound des Quartetts (Drums, Bass, Gesang, Dulcimer) schien davon komplett unbeeindruckt. Was dem eigenwilligen Post Black Metal an mystischer Klangfülle fehlte, machte vor allem der Drummer mit seiner Lichtgeschwindigkeitspräzision wett. Überhaupt war der Klang des Drumkits - und darüber hinaus der komplette Sound der Kalifornier - erste Sahne. So differenziert hört man solch grundrauschennahes Geboller nicht jeden Tag live.

Den Umständen zum Trotz war es also ein exzellenter Auftrit dieser einmaligen Special-Interest-Band.

Wenn ich wollte, könnte ich hier nun noch die komplette Setlist niederschreiben, denn als Ausgleich zum nicht gefeaturten neuen Album hatten Botanist ein Tape mit in der Livebesetzung einspielten Studioaufnahmen des Programms dabei. Auch mal eine nette Idee.


Port Rois


Nach meinem persönlichen Grund, hierher zu kommen, folgte die vorletzte Gruppe des Abends (bzw. nun schon eindeutig der Nacht). Ich wollte dem Indie-Pop-Punk von Port Rois ja ein paar Songs lang eine Chance geben, aber das war nun leider zu unspannend für mich.


Vom Headliner Joe McMahon erwartete ich zwar mehr, aber noch bis dahin bleiben mochte ich nun auch nicht mehr. Dann lieber ins Auto setzen, solange man noch einigermaßen wach ist.


Gelohnt hatte sich das Just A Little Bit Dangerous Fest für mich allein durch Botanist, meine Mitbringsel von ihnen und einige nette Gespräche mit anderen Konzertgängern ja schon. Außerdem mit dem Hansa48 eine feine Location (inklusive unfeiner kieler Parksituation) kennengelernt.

Dazu heute Mittag(!) eine DruturuM-Bandprobe. Mein Rock'n'Roll-Pensum fürs Wochenende ist also erfüllt. Dienstag geht's mit voller Doom-Dröhnung weiter...






2015-06-06

BOTANIST - VI: Flora

Originelle Bands gibt es ja viele. Doch hin wieder stolpert man auch - so wie ich neulich im leider nur schwach gefüllten Hamburger Hafenklang - über Gruppen, die sind tatsächlich einzigartig.



BOTANIST - VI: Flora (European tour edition / orange vinyl) (2014/2015)

Ok, streng genommen sind Botanist im Studio gar keine Band, zumindest nicht auf diesem ursprünglich letztes Jahr erschienenen und anlässlich der Europatour als Support von Kayo Dot in streng limitierter Version nochmals aufgehübschten Album. (Ich habe das handnummerierte Exemplar 100 von 100 ergattert.)

Tatsächlich scheint sich bei den Amis ein Arbeitsablauf zu etablieren, bei denen Mastermind Otrebor auf den Alben alle Instrumente im Alleingang einspielt, während man als Band EPs aufnimmt und tourt.





Doch egal ob solo eingespielt oder als Band live präsentiert, das Faszinierende an der Musik von Botanist ist, dass sie gleichzeitig vertraut und vollkommen fremdartig klingt.


Die Melodien, die Blastbeats, der weit im Hintergrund herumbösende Krächzgesang, ja überhaupt die Produktion des Albums an sich sind ganz eindeutig lupenreiner Black Metal.

Die Instrumentierung allerdings scheint absurd. Ok, das bei einer BM-Band mit Keyboarder eben jener statt seinem üblichen Gerät ein Harmonium (klanglich irgendwo zwischen Orgel und Akkordeon) einsetzt, ist ja noch im Bereich des Vorstellbaren.

Doch komplett auf Gitarren zu verzichten und diese durch den eher von Dead Can Dance vetrauten ätherischen Klang des hammered dulcimer (abgeleitet von "dulce melos" = "lieblicher Klang") - bzw. auf deutsch ganz unpoetisch "Hackbrett" - zu ersetzen, ist schon ein sehr drastischer Schritt.

Doch anfangs dachte man das ja auch über die Cellos von Apocalyptica.

Zu deren Ruhm werden es Botanist natürlich niemals bringen, dafür ist ihr kompletter musikalischer wie konzeptioneller Ansatz viel zu kauzig und extrem - zum Glück.

Die alles umfassende Story der Band ist ja die des verrückten, eremitischen "Botanisten", der Killerpflanzen züchtet, um die Welt zu vernichten.
Auf "Flora" steht dabei textlich allerdings weniger die Zerstörung im Vordergrund, sondern die Bewunderung für seine Schöpfungen, die Namen tragen wie "Cinnamonum Parthenoxylon", "Erythronium", "Pteridophyte" oder "Rhizophora", was alles auch Songtitel auf diesem Album sind.

Und tatsächlich findet jene verzauberte Faszination in der eigentlich brutalen Musik ihr passendes Klangbild. Denn auch wenn sie noch reich genug an schrägen Nebentönen sind, um nicht in Kitsch abzudriften, scheinen die "exotischen" Instrumente doch stets in halluzinogenen Sphären über der räudigen Rhythmussektion zu schweben und machen das Album zu einem unerwartet transzendentem Hörerlebnis.

Während des Konzerts hatte ich mich ja noch gefragt, ob ich die Band eher wegen ihrer Gimmicks und ihrem positiv bekloppten Konzept mochte oder wegen ihrer Musik.
Inzwischen bekomme ich einige der Dulcimer-"Riffs" gar nicht mehr aus meinem Kopf - von daher wird es wohl beides sein.

Wer Advantgarde, Black Metal, verrückten Musiknerdscheiß und Blumen mag, der sollte seine Ohren unbedingt mal von Botanist bestäuben lassen!




Anspieltipps: Wisteria, Leucadendron Argenteum, Stargazer, Rhizophora

2015-05-01

my ROADBURN After-Afterburner: KAYO DOT + BOTANIST live at the Hafenklang, Hamburg (13.04.2015)

See you next year (hopefully), Oisterwijk!

Wow! Monday morning and four full festival days of Roadburn (plus the warm up on Wednesday) madness were behind me.

I had managed to to see a respectable portion of my ambitious running order. Actually I had posted my planned schedule on facebook before the festival. Now I've added some markings.
circled RED: I want to see this!
circled PINK: Also interesting, but how without splitting myself up?
GREEN:  the shows I actually saw (Or at least parts of it. But of most shows I had in fact seen all or more than two thirds.)


 
 
 
Not bad, eh?

But as I already mentioned in my review of Saturday, I still wanted to see Kayo Dot and Botanist on their stop in Hamburg. I was leaving at ten in the morning, doors open was ten hours later.
Of course the drive doesn't even take close to that long, but in post-Roadburn-condition it comes pretty easy to add a little extra time at lunch or power-nap breaks.

Speaking about lunch: After I had had a traditional swedish meal at IKEA Hengelo, I killed some time in the neighbouring MediaMarkt and was really impressed about the size of their vinyl department compared to those of the MediaMarkts in Northern Germany.
Browsing through the records had a touch of a flea market feel, because most of them were stored in cardboard boxes, due to construction works. Those works included some really devastating noise, far more crushing than almost everything I had "endured" the week before. That speaks for the sound guys in Tilburg - and shows you that it can always get more brutal.

Though I was seriously tempted by Herbie Hancock and some others, I didn't buy any record.

Yes, you know why...

Botanist, Bongripper, SubRosa,
Fields Of the Nephilim, Bast,
Kayo Dot, The Osiris Club, White Hills,
Virus, Slomatics, Napalm Death, Bell Witch, Zombi,
Bell Witch, A Storm Of Light, The Mount Fuji Doomjazz Corporation, King Bong,
Vattnet Viskar, Spidergawd, Goblin,
2 x King Dude

All great stuff, some nice special editions... hard to choose favorites.

White Hills are stuck in my head almost 24/7, both Bell Witch albums are absolutely stellar doom masterpieces for the ages, Virus and The Osiris Club are fantastically freaky. Everything here is praiseworthy, even the free King Bong promo CD-R.

I got the Spidergawd 7" the day after they had played, and luckily among the few of the 200 hand-numbered pieces there was still my year of birth number 77.

This picture still misses: one Roadburn cap, one free The Heads poster and one Kayo Dot download card.

And the big B for Botanist wasn't purchased at Roadburn, but in Hamburg.


Hamburg

I still arrived early, parked my car at the Fischmarkt and walked to St. Pauli Landungsbrücken with my medium format camera. As soon as I had put in my film roll and before I had taken a picture, I was approached my two guys interviewing people around the harbour.
What do you like especially about the harbour? Why do you shoot photographs here?
-  I hadn't been there for years and I just happened to be there, because the Hafenklang club is in that area... Man, this encounter was too complicated for me right now.

Ate a little fish in the Haifisch-Bar and then it was finally time to wait for doors open at the Hafenklang, where Kayo Dot were announced not quite in their recent line up...


one, two, three, four, four, four... wait

Even though the Hafenklang is only connected with memories of great concerts for me, I must admit that it was a harsh step back into reality from Roadburn into the dim lighted club (no useful live photos this time), waiting for the room to fill up with people, which unfortunately didn't happen in the scale this package deserved.

Monday in Hamburg, relatively obscure bands... There must have been around thirty paying fans. Certainly a whole different kind of gig that what both bands had experienced in Het Patronaat on Saturday.


But they both delivered great performances, starting with Botanist and their strangly entangling black metal on hammered dulcimers and harmonium (plus bass and drums).
With those massive string instruments on stage, the also unusual green-brown Sunn O))) hoods and the roughly four meters tall singer croaking with his face hidden behind a black veil Botanist already looked like no other band out there. Musically the familiar raw darkness, blastness and occasional bumpiness of black metal contrasted with a trancendent, ethereal quality, which in itself varied between crystalline clarity and dreamy haziness, like magical pollen that educes hallucinations...

I liked it immediately. But even as I stood there enjoying the music, I wasn't really sure if it was more the quirkiness and bravery of this whole concept (of plants destroying mankind and reclaiming Earth) or the actual qualtity of its delivery which drew me into this.
After the show I bought the "Flora" record and it still grows on me. So now I know for sure that the music actually is very good.

Botanist is a band capable of unique unheard grandiosity, enwrought with a very weird underlying humour. A good combination if you ask me.



Kayo Dot, successor of Maudlin Of The Well, has seen a great variety of personnel and musical styles over the years - and it has never been a group that's easy to grab or to describe. Not even close.
But no matter where Toby Driver drove his ship - ambient waves, orchestral deeps, infernal black storms, falsetto singing or bellowing -, it has always been music which demands the listener's attention to fully experience all of its compositional flow and jazzy sensibility.

As always the current album "Coffins On Io", which built a good portion of the live set, introduces some new ingredients. There is a strong pop appeal, which does not mean, this would have any chance of bringing a big commercial breakthrough. No, it's sounding as if someone had taught pop bands of the eighties how to play smooth jazz. Accessible, yet still very advantgarde.

All this translates wonderfully into the live setting. So many different states of mind and emotion, all expressed with so much musical passion and highest instrumental prowess. It's useless to highlight one of the four musicins, as they all were constantly on top of their game and having their special spots. Yet I have to mention that whenever the keyboardist switched to saxophon, that was when it couldn't get any better.

Between the songs it got akwardly silent after the applause. I hope the band didn't get that wrong. It was Monday, we were only thirty people - and people were just too stunned to chatter.

The only real flaw of this concert was that after half of the set I just couldn't stand on my feet anymore. The rest however was fantastic.




So that was it! Six days of live music action and just a one hour drive home ahead of me.
This was one of the biggest musical marathons I've ever gone through. And it was all worth it!

I haven't drawn comparisons to my previous Roadburn experiences yet, because it's just pointless. Maybe the Afterburner of 2014 was stronger, but to say that would unneccessarily diminish the performances of White Hills, Bongripper, Goblin, Bast and The Osiris Club.
There also was no band like Magma this time, but hey - there is no other band like Magma.
And on the other hand: There is no other band like this year's Fields Of The Nephilim either.

So each Roadburn is its own unique thing. What indeed got better from 2012 to 2014 to this year is that I personally watched more and more of the great artists performing there each time.

And I can't wait to see what Roadburn-Walter pulls out of his hat for 2016.

So see you in Tilburg then!