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2020-04-24

WOMEN OF DOOM (compilation)

It's not often that I talk about compilations, but for the following collection I will gladly make an exception. I stumbled over it through my love for the disbanded sludgorchestral doom giant(esse)s SubRosa and the doom'n'roll couple Year Of The Cobra.

The title which the New Mexican label Blues Funeral Recordings found for this collection doesn't leave a lot of questions concerning the content. In their own words "Women of Doom" is meant to be a celebration of "badass female artists whose creativity and heaviness has been blowing our minds and our speakers for years."


WOMEN OF DOOM (compilation) (download) (2020)


Derived from the two aforementioned bands there are three tracks, where I could already put a face to the artist's name.
Those are Amy Tung Barrysmith, bass player and singer of Year Of The Cobra, whose solo composition "Broken" is a mellow yet dark ethereal piano ballad, SubRosa's front woman Rebecca Vernon with her new project The Keening, and the complete other four fifths of the band as The Otolith.

The latter start their track "Bone Dust" with an intro (taking in fact half of the song), in which the combination of simple clean guitar and the twin violins of Kim Pack and Sarah Pendleton leaves no doubt about where they are coming from. Neither do the slow stomping heaviness nor the familiar vocals which follow. And yes, it's good to hear them again, even though drummer Andy Petterson also has that exciting Insect Ark gig going on. (Damn, that duo is almost missing here.)

The Keening on the other hand omits Vernon's former role as guitarist and vocalist with a purely instrumental, beautiful piano piece.

SubRosa's footprint on this sampler still remains huge though, as several of the other tracks evoke their memory. "A Curse To Be Broken" by Besvärjelsen is very close to their style, while Doomstress Alexis mixes strings with more traditional Sabbathisms and vocals akin to Johanna Sadonis (Lucifer) or the grand Devilmother Jinx Dawson of Coven.

The same description almost works for Deathbell, even though their song sounds quite different alone by adding a clerical horror flick (and at the same time 70s rock) vibe with a swirling organ.

The opener "Astral Hand" by Heavy Temple is pure Candlemass worship, even down to the voice of singer Nighthawk.

Frayle's "Marrow" is clearly influenced by Chelsea Wolfe with its ghostly vocals and the heaviness of our mysterious queen's "Hiss Spun" album.

Finally there is Mlny Parsonz, singer of Royal Thunder, who contributes two songs to the compilation. Musically she gives me hints of doomish country (or let's call it uhm... blues), while as a singer she delivers the most earnest, honest and touching performances of the whole bunch.

I'll leave it to you to pick your own favorites, but what I can surely say is that all ten tracks are without a doubt good or even great stuff, and that this release also works as a whole.

"Women of Doom" is available on vinyl and CD from the US or the UK - or for import postage savers like me as a digital copy/stream on Bandcamp. 





2019-12-27

YEAR OF THE COBRA - Ash And Dust

Auf dem Papier ist diese Band nicht zwangsweise die besonderste. Doom-Duos sind schließlich ein relativ häufiges Phänomen in der Metalszene geworden. Und auch der Kontrast zwischen schwerem Riffgebrumm und hellem weiblichen Gesang ist eine vielfach durchexerzierte Formel. Und dennoch: Einen wirklich ähnlichen Sound wie den von Year Of The Cobra habe ich bisher noch nicht gehört.



YEAR OF THE COBRA - Ash And Dust (CD) (2019)

Die Barrysmiths - Amy Tung (Bass, Gesang) und Jon (Drums) - perfektionieren auf "Ash And Dust" weiter die live und spätestens auf der "Burn Your Dead"-Ep etablierte Formel, in deren Zentrum zunächst einmal unverkennbar ein fett verzerrter Rickenbacker-Bass steht, gegen den das Drumming mit weiter Armaushollänge anpowern muss.

Stilistisch mixen Year Of The Cobra Doom Metal mit widerborstigem Midtempogestampfe und räudig-punkigem Motörhead-Rock'n'Roll.

Doch darüber hinaus sind sie trotz der vordergründigen Primitivität dieses Sounds doch zu enormen nicht nur instrumentalen, sondern auch emotionalen Dynamiken fähigen. Und dafür ist - auch wenn er eine wichtige Rolle spielt - nicht nur Amys angesichts des dreckigen Bassgeranzes erstaunlich entspannt bleibender Gesang verantwortlich.

Ich kann ehrlich gesagt nicht einmal genau einkreisen, was es ist. Die beiden machen einfach alles auf ihre irgendwie eigene Weise und haben einen Sound gefunden, der wesentlich anspruchsvoller ist, als man zuerst denkt; der aggressiv und melancholisch schön sein kann, aber vor allem schweinedick dröhnrockt und immer hundertprozentig nach Year Of The Cobra klingt.

Nur wenn sie wie im letzten Stück "In Despair" mal einen Gang herunterschalten und sich ganz auf ihre mit bedrohlicher Spannung unterlegte, gefühlvolle Seite konzentrieren, fühle ich mich auch mal stark an Esben And The Witch erinnert.

Auch wenn ich hier ungerne Schubladen aufziehe - und unter der Voraussetzung, dass wir Sunn O))) und Earth anderswo einsortieren -, glaube ich, dass "Ash And Dust" vielleicht sogar noch vor Avatariums "The Fire I Long For" das Doom-Metal-Album des Jahres sein könnte.

Richtig gutes Zeug.





2017-03-07

YEAR OF THE COBRA - Temple Of Apollo

"Ich hätte gerne das, was alle wollen."

Zum Glück war ich zur richtigen Zeit am Merchandisingstand des Hell Over Hammaburg-Festivals, denn diese heiße transparente Vinylsemmel war ziemlich begehrt.




YEAR OF THE COBRA - Temple Of Apollo (clear vinyl 7") (2017)

Wie die Nummer unten rechts schon zeigt, ist dieser exklusive Festivalrelease einigermaßen limitiert. Es gab allerdings auch noch eine lila Version mit dem Festivalflyer als Cover, aber ich fand diese reduziertere Variante stimmiger.

Nein, das wird jetzt kein tiefenanalytisches Review. Es geht schließlich nur um knapp über drei Minuten Musik, was Year Of The Cobra schon nicht unbedingt in ihrer typischsten Form repräsentiert. Doch der lockerflockige, punkrockige Track verfügt durchaus über den derben Tiefenranz im Bass und deutet mit seinen Stop-and-go-Pausen zumindest ansatzweise die Sperrigkeit an, zu der das Duo ansonsten auch fähig ist.

Nice to have.



Highlight: Ohne zu viel verraten zu wollen - die unbespielte Seite mit den Autogrammen ist es wohl nicht.

HELL OVER HAMMABURG 2017 • TAG 2: Samstag, 04. März (mit ANGEL WITCH, MISþYRMING, DOOL u.a.)

Dool

Zweiter Höllentag in Hamburg. Alleroberste Priorität hatte für mich, heute auf keinen Fall die erste Band zu verpassen, denn Dool waren für mich der persönliche Headliner.
Anders als der Starkregen des Bösen, der in der Nacht zuvor von Grave Miasma beschworen worden war, zeigte sich das Wetter von seiner guten Seite. Zwischenzeitlich machten mich das Autobahndreieck HH-Nordwest, der Stadtverkehr und zuletzt die Erkenntnis, dass ich normalerweise zu erfolgversprechenderen Parkplatzsuchzeiten als am frühen Samstagnachmittag die Markthalle besuche, zwar dennoch etwas nervös, doch letztendlich kam ich doch noch locker kurz nach Einlass an der Location an.

Wie bereits im Bericht vom Freitag angeteast, gab ich heute meine Lederjacke in der Garderobe ab. Die nette Dame dort schlug mir vor, doch auch meine Fleece-Jacke, die ich darunter trug, abzugeben, doch da ich in dieser noch meine zusammengefaltete LP-Einkaufstasche untergebracht hatte, behielt ich diese an bzw. knotete sie mir bald um die Hüfte. (to be continued)


Im Foyer angekommen wollte ich zunächst eine speziell fürs Festival gepresste Single von Year Of The Cobra einsacken. Diese war allerdings noch gar nicht eingetroffen, also wurde entspannt vor der Hauptbühne auf die erste Band gewartet. Bis ganz kurz vor Beginn waren die Reihen noch relativ licht, doch als die holländischen Dark Rocker Dool schließlich um halb vier anfingen, war die Bude schon erstaunlich voll.  Sicherlich auch ein Ausdruck dafür, dass der Gruppe natürlich allein durch das Mitwirken ehemaliger The Devil's Blood- und Gold-Musiker eine ziemlich hohe Erwartungshaltung vorauseilte.
  

Dool

Da ich die Band bereits vor knapp einem Jahr auf ganz winziger Clubbühne erleben durfte, brauchte ich weder Gerüchte, Empfehlungen oder das großartige Debütalbum, um zu wissen, dass die folgenden vierzig Minuten sensationell werden würden.

Vielleicht war der lange Opener "Vantablack" dem einen oder anderen besucher noch eine Nummer zu sperrig, doch spätestens als Rock'n'Roll-Charismamonster Ryanne van Dorst und ihre Mannen direkt danach in den schon länger bekannten Hit "Oweynagat" einstiegen, hatten sie den Laden komplett in der Tasche. Dool sind einfach in jedem Detail unverschämt gut und dabei noch eigenständig. Von der legendären Rhythmussektion über die drei Gitarren und die so unverwechselbare wie variable Stimme der Frontfrau stimmt hier einfach alles zu hundert Prozent.
Natürlich war die Spielzeit zu kurz. Es hätte wohl niemand ein Problem damit gehabt, Dool zumindest ihr komplettes Album abfeuern zu lassen. Und "jetzt könnte ich eigentlich schon wunschlos glücklich nach Hause gehen" war nach dieser Show ganz klar keine kauzige Exklusivmeinung.

Natürlich gab es noch weitere Highlights, für die sich zu bleiben lohnte, doch Dool haben das Zeug zum ganz großen Kult. Hamma Show!



Die 7" meines Begehrens war inzwischen eingetroffen. Ich besorgte sie mir gemeinsam mit einer Misþyrming-Split 10" und machte mich dann auf zur Garderobe, um meine Einkaufstasche zu meiner Jacke zu hängen. Dort angekommen ließ ich mich schnell überzeugen, nun auch meine Fleece-Jacke abzugeben.

Heute war auch das MarX, die kleine Nebenbühne der Markthalle, geöffnet, und die nächsten drei Bands, die ich ich sehen wollte, spielten dort. Als ich vor der Bühne ankam, fiel mir plötzlich ein, dass ich an der Garderobe einen Fehler gemacht hatte... (Fortsetzung folgt)

 

Year Of The Cobra


Mit Year Of The Cobra stand nun ein eigensinniges Duo aus Seattle auf den Brettern. Zwischen Doom Metal, riffbetontem Midtemporock und motörheadigen Passagen bedienen die beiden sich einer ziemlich breiten Palette von Einflüssen, hämmern diese aber mit drahtig dröhnendem Rickenbacker-Bass und gnadenlosem Powerdrumming zu ihrem minimalistischen und doch fetten eigenen Sound zusammen. Der zumeist eher sanfte Gesang steht im Gegensatz zum instrumentalen Gedröhne, was mich vom Pinzip her manchmal ein bisschen an die Noise/Drone-Rocker Big|Brave erinnert hat.

Größter Stunt der Show war ein kippender Beckenständer, der ziemlich schlimmes hätte anrichten können, hätte die Sängerin gerade einen Schritt weiter hinten gestanden hätte. Ich wünsche ihr auch so mal, dass sie keine Wadenverletzung davongetragen hat.

Soundtechnisch anscheinend nicht immer ganz einfach zu händeln, aber eine saucooles Grüppchen, dieses Year Of The Cobra!


Laser Dracul

Es folgten Laser Dracul. Die vierköpfige Band spielte einen oft bewusst stumpfriffigen Doom mit großer Ähnlichkeit zu den Höhlenmenschereien von Conan, der allerdings sowohl Ausflüge ins noch klassischere Fach mit Black Sabbath-Hardrock-Shuffle machte, als auch phasenweise an die langsameren Stampfer von Ministry erinnerte, was nicht zuletzt am Gesang gelegen haben mag, der ganz offensichtlich das Heisergeröchel von Onkel Al Jourgensen zum Vorbild hat.

Von mir aus hätte das Ganze sogar noch ein bisschen mehr Industrial Metal-Anleihen vertragen können. War aber so auch schon super.



Ich schaute kurz in den großen Saal, wo Sortilegia noch spielten. Ein Beweisfoto gibt es nicht, denn nur von den Kerzen auf einem Altar beleuchtet konnte ich kaum ausmachen, wie viele (oder wenig) Leute die Bühne bevölkerten. Und meine Spielzeugkamera schon gar nicht. Mehr Showverweigerung geht eigentlich kaum. Da haben Bohren und der Club of Gore mehr Lightshow.
Es waren übrigens zwei. Sehen konnte man davon nur den Gitarristen hinter jenem Altar. Am Schlagzeug kann theoretisch also auch ein ungewöhnlich talentierter Nasenbär gesessen haben.

Da eh gleich Schluss war und es aus dem Genre sowieso noch eine Vollbedienung geben sollte, blieb ich nicht lange.

Außerdem hatte ich ja noch ein anderes Anliegen und ging nun mal wieder nach draußen und die Treppe runter zur Garderobe.
Was will der der denn schon wieder?

Tja, in der Jacke, die man mich abzugeben überredet hatte, steckte doch noch ein Pfandbecher. Mit dem musste ich nun auch gleich wieder durch die Einlasskontrolle, wo man mir meine Doofheit zum Glück gleich abnahm. Puh, der Euro war gerettet!


Darauf eine Bluna und zurück ins MarX, wo die heutigen Helden des schlimmen Trends zu kryptischen und unaussprechlichen Bandnamen aufspielten.



Khthoniik Cerviiks


Leider war beim deutschen Trio Khthoniik Cerviiks technisch der Wurm drin. Im ersten Song schmierte der Gitarrenamp ab, so dass man lange nur Bass und Schlagzeug hörte. Nach der Problemsuche waren die sechs Saiten dann zwar für den Rest der Show da, doch Störgeräusche zogen sich bis zum Ende durch.

Zum Glück spielt die Band keinen Lounge Jazz, den solche Unannehmlichkeiten vollends verderben würden, sondern "Psychotic Death Metal". Also ein technisch ziemlich abgefahrenen, panischen Black Death mit vielen schrägen Voivodismen. Herrlich anstrengendes und ultraunkommerzielles Geprügel mit Niveau. Freunde von Vektor mögen das. Daumen hoch!


Um halb zehn zog es mich danach wieder zur großen Bühne, wo nach den High Spirits, die für viele Besucher sicherlich das Highlight des Tages waren, mich allerdings nach wie vor nicht besonders interessieren, mit Misþyrming die Zugpferde der aktuellen New Wave of Islandic Black Metal ihren Einstand in Norddeutschland feierten.  


Misþyrming

Neben Dool waren die Isländer die einzige Band dieses Wochenendes, die ich schon einmal live gesehen hatte, allerdings nicht bei einem regulären Auftritt, sondern mit weiteren Musikern der Inselszene im Rahmen der "Úlfsmessa", wo auch noch Songs der anderen beteiligten Bands dargeboten wurden. Damals hatten die Musiker alle schwarze Kapuzen auf, während Misþyrming alleine im Schmutzschmierstyle mit besudelten Gesichtern und Klamotten unterwegs sind. Dennoch waren der Frontmann und der Drummer eindeutig anhand von Haltung, Gebrüll und schierer Körpergröße wiederzuerkennen.

An der Musik von Misþyrming ist kaum irgendetwas zu entdecken, was nicht eindeutig als direkter, harscher Black Metal zu identifizieren wäre, und doch liegt eine ganz eigene Atmosphäre über ihrem infernalischen Geknüppel. Insbesondere die kreative Leadgitarre ist es, die hier das Besondere ausmacht.
Der Saal wurde zwar nicht ganz so sehr zum Höllenschlund wie bei Grave Miasma, doch das mag auch daran liegen, dass das Publikum nun natürlich einen Tag mehr in den Knochen hatte. Dennoch stand die junge Band zurecht weit oben im Billing und wurde entsprechend abgefeiert.




Angel Witch


Ich war nie ein großer Experte, was klassischen Heavy Metal angeht, doch wenn ich die Gelegenheit vor der Nase habe, eine Kultband von der Speerspitze der NWOBHM zu sehen, sage ich nicht nein und lasse mir gerne etwas Geschichtsunterricht geben. Zeit für Angel Witch!

Die Traditionsmucke im Stile von Priest / Sabbath / Maiden konnte tatsächlich auch einiges, hat mich aber im Gesamteindruck bei weitem nicht so geflasht wie die hochglänzendere Show der Tygers Of Pan Tang am Vortag, gegen die Angel Witch einige Ecken düsterer und geerdeter rüberkamen.
Schon geil, keine Frage, aber für mich nicht so zwingend. Ich hatte hier schon das Gefühl, dass mir zur vollkommenen Begeisterungsfähigkeit die vorherige Songkenntnis fehlte.

Ganz bis zum Schluss bin ich nicht geblieben, da ich erstens einfach schon zufrieden genug mit dem Festival war und mir zweitens noch die "SeroLogiikal Scars (Vertex Of Dementiia)" von Khthoniik Cerviiks vom Merchstand abgreifen wollte, bevor dieser abgebaut sein würde.


Klappte auch. Und in der Garderobe war frau durchaus etwas erleichtert, dass ich keinen Extrawunsch mehr hatte und einfach nur meine Sachen abholte.


Abschließendes Fazit zum Hell Over Hammaburg: Sehr sehr gerne wieder!



Dool:




















Year Of The Cobra:
















Laser Dracul:















Khthoniik Cerviiks:












Misþyrming:


















Angel Witch: