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2013-12-30

Jahresrückblick Musik 2013

Willkommen zur Fortsetzung meiner letztes Jahr begründeten Blog-Tradition des Jahresrückblicks im üblichen Musikpresse-Format.



ALBUM TOP 15:

  • THE WINERY DOGS - The Winery Dogs
  • VOIVOD - Target Earth
  • JANELLE MONÁE - The Electric Lady
  • THE DILLINGER ESCAPE PLAN - One Of Us Is The Killer
  • AUTOPSY - The Headless Ritual  
  • STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing
  • DAVID BOWIE - The Next Day
  • MOTORPSYCHO - Still Life With Eggplant
  • EXIVIOUS - Liminal 
  • DREAM THEATER - Dream Theater
  • AYREON - The Theory Of Everything
  • SWANS - Not Here / Not Now
  • YOUN SUN NAH - Lento
  • BLACK SABBATH - 13
  • JESU - Every Day I Get Closer To The Light From Which I Came

Auf 10 Stück wollte ich es beim besten Willen nicht mehr runterbrechen. Die Auswahl war so schon knifflig genug und ist im Grunde bis auf die ersten beiden Plätze als Momentaufnahme zu betrachten. Gerade ein paar Livealben (NEAL MORSE, BONGRIPPER) hätten hier eigentlich noch hineingehört. HAKEN wären mit ihrem sensationellen "Mountain"-Album wohl auch vetreten, aber das kaufe ich mir ja erst im neuen Jahr. Und LAIBACH waren mit einer anderen Version ihres "Iron Sky"-Scores ja schon letztes Jahr dabei; ganz davon abgesehen dass der Soundtrack zum Director's Cut auch nur noch einen Tag Zeit hat, um noch 2013 per Post bei mir einzutreffen.


TOP Konzert-BLU RAY:
  • DREAM THEATER - Live At Lunapark


KONZERT TOP 5:
  • THE WINERY DOGS - Knust, Hamburg
  • NEAL MORSE - Markthalle, Hamburg
  • IRON MAIDEN - O2 World, Hamburg
  • THE DILLINGER ESCAPE PLAN - Knust, Hamburg 
  • ANTHRAX - Wacken Open Air
Es überrascht vielleicht das Fehlen von DEPECHE MODE. Irgendwie habe ich die gar nicht so sehr als Konzert, sondern mehr als Event in Erinnerung, was bei großen Sportarenen und Mehrzweckhallen wohl immer die Gefahr ist. Aus diesem Grund spare ich mir schweren Herzens auch die anstehende Tour von DREAM THEATER. Für diesen "Konzertsaal" wieder nach Hannover? Nein.


BESTES KONZERT von DAS ROTE UNIVERSUM:
(Nein, die Auswahl war wieder nicht riesig. Unsere Performance war vielleicht bei den anderen Gigs besser, aber schon durch die Umstände werden wir uns an diese Party wohl am längsten erinnern.)


WIEDERENTDECKUNG 2013:
  • DANZIG
Es gibt ja diese Bands, die man früher live gesehen und ständig gehört hat, aber da man alle Alben nur auf Kassette besaß (heute wäre die Entsprechung wohl "in den Youtube-Favoriten gespeichert" oder so ähnlich), haben sie irgendwann an Bedeutung verloren. So ging es mir mit DANZIG.
In Wacken habe ich Meister Böse nun wiederentdeckt und mir nicht nur endlich die ersten vier Alben auf CD zugelegt, sondern zusätzlich auch noch sein zweites düsterorchestrales Solowerk "Black Aria II" (Nr. 1 kenne ich dank exzessiven Einsatz in Rollenspielrunden in- und auswendig), sowie die sehr lohnenswerte Sammlung "Lost Tracks of Danzig", die inzwischen so rar ist, dass ich drei Monate auf ihre Lieferung warten musste.

Und neben der großartigen Musik gehören bei Danzig natürlich auch grenzwertige Cover und peinliches Posing mit Pornohäschen-Blondinen zum Entertainment-Package dazu.




UND SONST SO 2013?

Dank den tollen La Discotheque Ideale-Boxen eine Menge Jazz-Klassiker kennengelernt.

"FRAKTUS - Der Film" gehört in jede gut sortierte Heimkinosammlung. Dickie Schubert ist der norddeutsche Nigel Tufnel!
 


ENTTÄUSCHUNG 2013:

Zunehmende Special Edition-Abzocke:
Als erstes das Album in normal und als Special Edition mit Bonustracks auf den Markt bringen. Dabei würden die Bonustracks auch locker auf die normale Version mit drauf passen. Außerdem kaufen zunächst einmal sowieso fast alle die Special Edition, was diese eigentlich zur normalen Version macht, während sich die Normalversion nur Leute besorgen, die übersehen haben, dass es auch die Special Edition gibt. Alles klar?
Wie auch immer, wenn der Verkauf läuft, dann bringt man zu Weihnachten noch einmal eine zusätzliche Version mit noch mehr Bonustracks raus. Musikliebhaber finden ja ohnehin nichts geiler, als sich zehn mal dasselbe Album zu kaufen.
Und dann gibt es ja auch noch die Boxen.... Du möchtest das Konzert auf Audio-CD? Ok, aber nur wenn Du die Blu Ray und DVD dazukaufst. Nichts brauche ich mehr, als identischen Inhalt auf DVD und Blu Ray - und fucking Digital Copy natürlich auch noch... Im übrigen ein Problem, dass sich die Musikindustrie mit Film-DVDs und -Blu Rays teilt.

Und über die Unfähigkeit, FSK-Aufkleber vernünftig entfernbar anzubringen und die Immer-noch-nicht-Erfindung der CD-Hülle habe ich mich ja schon oft genug ausgelassen. Obwohl... geholfen hat es bisher noch nicht. ;)



VORFREUDE / HOFFNUNG 2014:

Neue Alben von CYNIC, TRANSATLANTIC, TRIPTYKON und LAIBACH. Von letzteren vielleicht auch endlich die immer wieder verschobene "Revisited"-Scheibe, bevor man sie in "Slovenian Democracy" umbenennen muss. Hoffentlich auch Gelegenheit, diese Bands alle live zu sehen. Bisher sieht es, auch wenn ich dafür weit fahren muss, sehr gut aus, denn es fehlt mir tatsächlich nur noch das Ticket für CYNIC - wenn sie denn auf Tour kommen. Sie teilen sich ja mit EXIVIOUS die Plattenfirma. Das wäre doch die Traumkombination...

TRIPTYKON spielen u.a. zusammen mit CANDLEMASS, NAPALM DEATH und den leibhaftigen MAGMA auf dem Roadburn Festival, auf das ich schon extrem gespannt bin, inkl. mir persönlich noch neuer Künstler wie YOB und LOOP. Und das Festival bringt mich gedanklich natürlich zu VOIVOD. Die dürfen 2014 selbstverständlich gerne die Tour zu "Target Earth" nachholen.

2013-12-15

BLACK SABBATH - 13 (Deluxe Edition)

Was soll ich noch sagen? Ich bin spät dran und es weiß doch eh schon jeder bescheid.

Black Sabbath, Urväter von allem und jedem sind zuück, in 3/4 Original-Klassikerbesetzung mit Ozzy Osbourne am Mikro, und wollen es noch einmal so richtig ernsthaft wissen.


BLACK SABBATH - 13 (Deluxe Edition) (2013)

Ich persönlich hatte ja gar keine Erwartungen an Black Sabbath, in dem Sinne dass ich sie einfach als Geschichte angesehen und mich mit allen Gerüchten und Querelen um ein neues Album gar nicht beschäftigt habe. Umso schöner, dass sie dieses Jahr tatsächlich diesen Kracher rausgehauen haben.

An Tony Iommi und Geezer Butler hätte ja wohl eh kein Mensch gezweifelt, aber dass sie sich tatsächlich so sehr auf ihre Wurzeln besinnen würden? Doom and gloom und Blues und Riffmacht (fast) überall. Fantastisch! Ein paar Tracks mögen zwar etwas an bestimmte Klassiker erinnern, oder an andere Bands, die es natürlich wiederum vom Original haben. Aber wenn es eine Band auf dem Planeten gibt, die wie Black Sabbath klingen darf, dann ist es natürlich Black Sabbath.

Mit Ozzy ist es bekanntlich eine andere Geschichte... Mit dieser Studioarbeit hat er aber allen Zweiflern mal ganz kräftiig den Mittelfinger gezeigt. So eine rundum gelungene Gesangsleistung (Grundvoraussetzung man kommt mit seiner Stimme an sich klar, versteht sich) hätte ich wahrhaftig nicht erwartet.

Die elf Songs (inkl. drei Bonustracks auf der Deluxe Edition) sind durchweg super und würden jeder als Anspieltipp taugen. Ein perfektes Comeback-Album also?

Eine Sache ist leider ziemlich daneben gegangen. Wenn man schon eine Scheibe mit so viel glaubhaftem Retro-Feeling aufnimmt, warum produziert man sie dann nicht in einem passenden, dynamischen Soundgewand und versucht also den Klang der 70er mit den Mitteln von heute zu optimieren?

Stattdessen hat man sich hier in den Loudness War-Modus begeben und mit der Prämisse "Hauptsache laut laut laut und lauter als der Rest!" gnadenlos aufgerissen und dabei insbesondere die Drums dermaßen komprimiert, dass es nicht mehr feierlich ist. Diese meisterhafte Scheibe hätte so viel hörbarer ausfallen können. Sehr schade.

Und das sage ich als jemand, der das Ding trotzdem noch gerne hört. Ich bin halt gegenüber nicht idealen Produktionen relativ tolerant und lasse mir gute Musik nur schwer verderben. (Liegt mittlerweile vielleicht auch daran, dass mein Hauptsoundproblem grundsätzlich ist, mich nicht von meinem Tinnitus stören zu lassen.)
Aber wenn wirklich alle Zeit und jedes Budget der Welt da ist, um einen Reinfall zu vermeiden, dann finde ich auch ich so etwas ärgerlich. Warum lassen sich eigentlich ausgerechnet immer jene etablierten Künstler, die es überhaupt nicht nötig haben, durch schieren Wumms gegen irgendwen aufzufallen, auf dieses Kaputtgemastere ein?

Und spezielle im Falle Iommi & Co.: die "The Devil You Know" von Heaven & Hell (=Sabbath mit Ronnie James Dio) klang doch auch ohne es zu übertreiben ganz ordentlich.

Man kann nur hoffen, dass sich dieser Trend bald verläuft.


Aber die Songs auf "13" von Black Sabbath: einwandfrei!


Und nur weil ich vergessen habe, es vorher unterzubringen, schließe ich noch mit einem Lob für das Cover der Special Edition. Eines dieser einst sehr beliebten "bewegten" Bilder, bei dem sich je nach Sichtwinkel die Flammen ändern. Schick.



Anspieltipps: Loner, Damaged Soul, End Of The Beginning, God Is Dead?

2010-12-28

Tonträger 2010, Teil 6 : Die Großen Acht (THE BIG 4, HEAVEN & HELL)

Nach Teil 2 mit Transatlantic und Neal Morse ist dies nun die zweite Paarung in meinen Tonträgern 2010, die aus Konzertmitschnitten besteht. Und nach Teil 4 (Lis Er Stille) auch der zweite, der ein Weihnachtsgeschenk beinhaltet. :)

Beide Aufnahmen besitze ich als DVD, es gibt sie aber auch auf CD bzw. als DVD/CD-Box.

METALLICA, SLAYER, MEGADETH, ANTHRAX - Live From Sofia, Bulgaria (2010)

"Die großen Vier" des 80er-Jahre-Thrash Metal zum ersten Mal überhaupt zusammen auf einer Bühne. Da haben die Macher der Sonisphere-Festivals dieses Jahr schon mächtig auf den Putz gehauen. Keine andere Metal-Tour hat dieses Jahr wohl so sehr den Blätterwald und Internetdschungel beherrscht wie diese. Das Attribut "legendär", so überstrapaziert es einem auch oft vorkommen mag - hier trifft es unzweifelhaft zu.

Insgesamt bekommt man über fünf Stunden Musik auf die Ohren, zum größten Teil absolute Szene-Klassiker. Wer auch nur auf eine Band oder einen Teil des Schaffens aller Gruppen steht, kann hier schon gar nichts verkehrt machen. Dass diese Festivaltour zu den Karrierehöhepunkten aller Bands gehört, ist allen vier Auftritten anzumerken.

Die positivste Überraschung für mich persönlich sind Megadeth, da ich mit Dave Mustaine und Co. vorher eigentlich nie so richtig warm geworden bin. Aber mit diesem Auftritt haben sie sich direkt auf meine Wacken-Wunschliste katapultiert.

Anthrax sind zwar ebenfalls klasse, können da jedoch nicht ganz ranreichen. In diesem Jahrzehnt hat die Band abseits der Bühne ja vor allem durch ihr oberpeinliches Sänger-Vor-und-zurück-Getausche auf sich aufmerksam gemacht. Und tatsächlich ertappe ich mich manchmal bei dem Gedanken, dass - mal allen 80er-Jahre-Kult beiseite - John Bush doch eine Spur mehr als Joey Belladonna drauf hat.
Der Anthrax-Auftritt enthält mit "Got The Time", "Antisocial" und dem als Tribute an Ronnie James Dio in "Indians" eingebauten "Heaven And Hell" übrigens drei der insgesamt vier Coversongs dieser Doppel-DVD.
Und auch an dem vierten Cover zu fortgeschrittener Stunde waren Anthrax beteiligt...

Slayer und Metallica bieten genau die Weltklasse, die man von ihnen erwartet, letztere natürlich ihrem kommerziellen Status gemäß über eine doppelt so lange Spielzeit wie die anderen Bands. Großartige Auftritte.

Als erste Zugabe beim Headliner gibt's dann noch den Moment fürs Familienalbum bzw. DVD-Backcover, als Musiker aller Bands zusammen Diamond Heads "Am I Evil?" zocken.

Bonusmaterial ist eine Backstagedokumentation, in der es zumindest gefühlt hauptsächlich ums Proben von "Am I Evil?" geht. Ansonsten fällt mir als Highlight eigentlich nur das unfassbare Kerry-King-Rückentattoo eines Fans ein.

Bemerkenswert finde ich den FSK-Aufkleber auf der Hülle.
In England sind beide DVDs wegen "strong language" ab 15 Jahren zu haben, für uns Nicht-Muttersprachler sind sie mit "FSK 0" eingestuft. Dennoch wurde vorne "FSK 12" draufgepappt. Ich suche immer noch nach dem schlimmen, nicht kindgerechten Detail im Booklet

Anspieltipps: zu viele potentielle, da kann ich mich nicht entscheiden ;)



Nun zu einer Band, die man ebenfalls als "The Big 4" bezeichnen könnte. Nicht umsonst stehen die Namen der Musiker - Tony Iommi, Geezer Butler, Vinny Appice und Ronnie James Dio - prominent direkt auf dem DVD-Cover:


HEAVEN & HELL - Neon Nights / Live At Wacken (2010)

Die "Night To Remember" auf dem Wacken Open Air 2009, war - das hat man schon live vor Ort gespürt - eine ganz besondere.

Viele Besucher ahnten gewiss, dass dies ihre letzte Gelegenheit sein könnte, diese vier Metal-Urväter in dieser Konstellation zusammen auf der Bühne zu sehen. Tatsächlich sollte es der letzte Konzertmitschnitt von Ronnie James Dio werden, bevor er an Magenkrebs erkrankte und diesem im Mai 2010 erlag.

Neben der Dokumentation eines hervorragenden Auftritts, der durch eine extralange Version des Black Sabbath-Übersongs "Heaven And Hell" (natürlich) gekrönt wird, ist "Neon Nights" also auch das finale Vermächtnis Dios. Und welcher Rahmen wäre dafür würdiger gewesen?

Der einzige kleine Makel, den ich an der DVD ausmachen kann, ist, dass ich an einigen Stellen gerne mehr vom mitsingenden Publikum hören würde. Ansonsten wurde das Konzert natürlich hervorragend aufgezeichnet. Und mehr braucht es auch nicht.
 Metal-Journalist Malcolm Dome schreibt im Booklet so einfach wie treffend: "It's a cliché, but it happends to be true in this case: we will never see their like again."

R.I.P., Ronnie!

Anspieltipps: Heaven And Hell, Children Of The Sea

2009-08-09

Wacken 2009 - Festivalbericht

[EDIT: Alter, mich nervt es ungemein, dass ausgerechnet dieser uralte unbebilderte Report für Google - oder tatsächlich für Leser? -  anscheinend so sexy ist und sich bereits auf Platz drei meiner Greatest Hits vorgeschoben hat. Warum? Es gibt hier unendlich viele interessantere Posts! Auch über geilere Festivals. Aber ich will ja gar nicht ganz vom Thema ablenken. Habe danach auch viele bessere Wacken-Berichte geschrieben. Hier also die vier Tagesrezensionen von meinem letzten Besuch, der inzwischen auch schon eine Weile her ist: WACKEN 2016, Teil 1 : More of that Panzer Jazz! | WACKEN 2016, Teil 2 : I've got a fever! And the only prescription is more saxophone! | WACKEN 2016, Teil 3 : Pinguinmoshpit 69 | WACKEN 2016, Teil 4 : Y'all Motherfuckers need Lucifer! Wie und warum auch immer Du hier gelandet bist - bitte gib diesen Links ein paar Klicks für das karmatische Equilibrium! Danke!]


Wacken und ich - das ist ja ein ewiges Auf und Ab. Mal gehe ich gar nicht erst hin (naja, seit 1992 viermal und davon einmal unfreiwillig), mal bin ich enttäuscht, mal bin ich begeistert.

Dieses Jahr war letztes der Fall, was eigentlich erstaunlich ist, angesichts meiner alles andere als geringen Skepsis im Vorfeld.

Zunächst einmal fehlte ja der ganz große Kracher, sprich Metallica, den sich wie man liest die Wacken-Macher (noch?) nicht leisten konnten oder mochten. Aber auch andere seit Ewigkeiten überfällige Acts wie die von mir schon vor Jahren hier erwähnten Dream Theater oder Voivod lassen nach wie vor auf sich warten.
Stattdessen gab's haufenweise Nostalgie mit Bands, die in den Anfangstagen oder später zigmal aufgetreten sind, ein Konzept, welches ich gerade auf einem Festival mit derart vielen Gruppen, die ohnehin alle zwei, drei Jahre wiederkommen, weder besonders innovativ noch spannend finde.
Großer Jubel natürlich auch bei der Ankündigung, dass Slayer die Spin-Off-Festivals, aber nicht Wacken selbst headlinen würden. ;)
Und dann natürlich noch die kurzfristige Absage von Anthrax...

Ein jubiläumswürdiges Billing hätten sich nicht nur ich, sondern so ziemlich alle, mit denen ich drüber gesprochen habe, anders vorgestellt. Und immer auch die Frage, was denn bitte die Anhebung des Ticketpreises rechtfertigen sollte. Etwa das *hüstel* Wrestlingzelt?


Tatsächlich fand ich das Festival dann aber ziemlich geil.

Ich hatte mal wieder netten Damenbesuch aus Trans-Bodenseeien zu Gast und wir waren erstmals von Mittwoch an vor Ort, haben allerdings jede Nacht die Vorzüge eines echten Bettes plus echter Dusche zu Hause genossen. Pflichttermine in Wacken hatten wir auch wenige, beste Voraussetzungen also, um das Open Air mal ganz ausgeruht und entspannt anzugehen.
Der Tagesparkplatz lag wieder am Ortsausgang von Gribbohm - erfreulich, dass in diesem Punkt in den letzten Jahren tatsächlich mal Kontinuität eingekehrt ist.
Nicht ganz so erfreulich die Bekanntschaft, welche meine Füße auf den letzten zwei Metern zu meiner Autotür mit einer auf eben diesem Parkplatz liegenden Gestalt machten. Gut, dass der Mensch nicht anders herum dort gelegen hat, sonst wäre ich ihm wirklich mit vollem Körpergewicht mitten in die Fresse eingestiegen, so erwischte ich nur erst Beine, dann Magen... Ich werde auf jeden Fall nie mehr so unbekümmert ins Auto einsteigen wie vorher. ;)


Am Mittwoch habe ich noch nicht sonderlich viel Musik gehört (die Wacken Firefighters gingen in der "Pillermann, Fotze, Arsch" singenden Biergartenmeute auch ziemlich unter), sondern mich sozusagen erstmal akklimatisiert und das neu gestaltete Gelände kennengelernt.
Als ich das erste mal am schon erwähnten, umstrittenen Wrestlingzelt vorbeikam, stand eine nicht weiter erwähnenswerte Hardrockband im Ring. Ansonsten herrschte dort jedes Mal tote Hose - und ich habe das Ding einige Male passiert. Kann es sein, dass das dort angedrohte Spektakel in Wirklichkeit niemals stattgefunden hat? ;)

Die "Medieval Action & Fantasy Area" hat mich hingegen positiv überrascht, als Ort an dem man immer mal gut ein wenig entspannen und sich amüsieren konnte. Neben dem für mich nicht sonderlich interessanten Mittelaltermarkt gab es dort eine Veranstaltungsfläche, auf der es unterhaltsame Dinge wie Highlandgames, Feuershows, Liverollenspielkämpfe zu kucken gab. Essen bekam man hier günstiger als an den meisten anderen Buden des Festivals, und nicht zuletzt gab es auch hier eine Livebühne, die abends bespielt wurde und vor der erstaunlicherweise nicht ein einziger Securityklotz Wache schob. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, mit wie großen Wachmannschaften z.T. die Sicherheit auf der Biergartenbühne gewährleistet wird.

Ab Donnerstag habe ich mich dann aber schon mehr auf die Musik konzentriert.

Bis auf vereinzelte Songs waren zwar kaum Bands vor Ort, deren Programm ich wirklich kannte, dennoch habe ich viele ordentliche, gute und auch richtig geile Gruppen gesehen oder zumindest ausschnittsweise mitbekommen.

Highlights am Donnerstag:
  • die ganz und gar unmetallischen aber immerhin Ministry covernden Cowboys von The Bosshoss
  • der ganz und gar urmetallische (und dies in einer ganz eigenen Liga) Black Sabbath-Ableger Heaven & Hell. Da war in jedem Moment zu spüren, dass lebende Legenden Klassiker spielen, auch wenn es neue Songs wie "Bible Black" oder "Follow The Tears" waren. Ronnie James Dio ist wohl von allen fast 70jährigen Metalsängern der charismatischste und stimmgewaltigste, und Tony Iommi mit seiner alten abgewetzten Klampfe - einfach nur Kult. Selbst das Schlagzeugsolo von Vinny Appice, bei dem er die gesamte Bassdrumsammlung hinter sich ausnutzte, war unterhaltsam. Dabei hatte ich kurz vorher bei Running Wild noch über den immer gleichen Aufbau von Drumsoli im Metal genörgelt. ;)
    Den Höhepunkt eines absolut überzeugenden Sets markierte der Song "Heaven and Hell" selbst, dessen Mitsingchor ich auf dem Weg nach Hause noch mehrfach zu hören bekam.
    Alles in allem ein würdiger Night-To-Remember-Headliner!
Freitag:
  • Airbourne kamen, sahen und rockten alles in Grund und Boden! Laut, dreckig und immer nach vorne; in wessen Fußstapfen die Australier eines Tages treten wollen, steht außer Frage. Und angesichts des noch jungen Alters der Bandmitglieder erscheint die Vorstellung gar nicht unrealistisch. In der Menge sorgten Airbourne für viel Bewegung und bei den Veranstaltern sicherlich für nervöses Atemstocken, als der Frontmann mit Gitarre das Bühnengerüst hinaufkletterte. Rock'nRoll!
  • Die Entdeckung des Festivals für mich waren Swashbuckle, welche abends auf der Medieval Stage spielten und von denen ich vorher noch nie gehört hatte. "Commodore Redrum", "Admiral Nobeard" und "Captain Crashride" nennen sich die drei Amis, tragen ähnlich wie Running Wild alberne Piratenkostüme, verpacken ihr Konzept aber in fröhliche, an S.O.D. und Macabre erinnernde Knüppelsongs. Ziemlich albern, aber sehr geil und auch musikalisch exzellent.
Samstag:
  • Ich erreichte das Festivalgelände pünktlich zu Cathedral. Lee Dorian bewegt sich auf der Bühne immer noch wie ein Tanzbär und versucht nach wie vor nicht, so zu tun, als sei er ein großartiger Sänger. Das macht allerdings überhaupt nichts, da hier alles, was evtl. als Schwäche ausgelegt werden könnte, perfekt kultiviert wurde. Und die Qualität der Musik steht eh außer Frage. Zumeist düsterer Doom mit 70s-Einschlag, je langsamer sie wurden, desto besser fand ich's.
  • GWAR!
    Ok, die ins Publikum gerichteten Spritzeffekte verpufften angesichts mangelnder Reichweite, die kaum den riesigen Graben überbrückte, etwas. Aber ansonsten: coole Mucke, lustige Kostüme und politisch gnadenlos inkorrekt. Es gibt außer Oderus Urungus und seinen außerirdischen Freunden wohl kaum jemanden sonst, der es heutzutage wagen könnte, auf der Bühne Hillary Clinton, Barrack Obama und Michael Jackson zu köpfen.
    Der Oberknaller war aber, als am Ende des leider wegen Zeitmangel um eine Zugabe gekürzten Auftritts tatsächlich der olle Killersaurier Gor-Gor ausgepackt wurde. Irgendwer hatte allerdings vergessen, dem Ding die Haken an Kopf und Rücken rauszudrehen, was irgendwie auch recht lustig aussah. Naja, ehrlich gesagt ist mir dieses Detail erst aufgefallen, als mein Bandkollege Sönke mich beim Betrachten meiner Wackenfotos darauf aufmerksam gemacht hat. ;)

Ich würde mir zwar keinesfalls von jeder Band, die ich mitbekommen habe, einen Tonträger besorgen, aber so richtig durch und durch mies war eigentlich nichts, was ich gesehen habe.
Sogar der Ex-Onkel W war ja bei etwas Toleranz rein musikalisch nicht wirklich zu beanstanden, sondern erzeugte vor allem durch einige Texte und das peinliche Respekt-Geschwallere in seinen Ansagen akute Schübe des Fremdschämens.

Am ärgerlichsten waren für mich eigentlich Charly Beutin und die Schreckschuss-Band, welche am Samstag parallel zu Machine Head nur bis zwei Meter vor der Biergartenbühne zu hören waren, sich davon aber nicht daran hindern ließen, zu überziehen, wodurch Mambo Kurt nur noch Zeit für ein sehr kurzes Set blieb.
Vielleicht hätte ich den Meister der Heimorgel, der diesmal auch mit Go-Go-Tänzerinnen, einem C-64 und dem aus den 80ern gefürchteten weißem Umhängekeyboard aufwartete, doch schon vorher mal bei einem seiner zahlreichen Auftritte aufwarten sollen.
Mittwochs im Zelt hat er ja z.B. mal wieder eine Orgel zertrümmert. Und am Donnerstagnachmittag kam ich ganz unerwartet direkt an ihm vorbei, als der Mann in beige auf halber Strecke zwischen Festival- und Mittelaltergelände mit seinem Instrument auf dem Dach eines Busses saß, um die Meute der zufällig dort Anwesenden mit dem wohl grottigsten Bühnensound des Festivals zu bespaßen.

Apropos Sound: Im Großen und Ganzen ist der natürlich ok, aber zwei Fragen muss man stellen dürfen:

1. Warum gibt es immer wieder Bands, die viel zu laut oder viel zu leise sind? Bei Volbeat konnte man sich z.B. direkt an der Absperrung noch prima unterhalten... Das Problem ist ja nicht wirklich neu.

2. Wenn man schon auf dem Vorplatz eine Videowall mit eigener PA hinstellt, auf der das Konzert von einer der Hauptbühnen zu sehen ist - kann man dann nicht auch dafür sorgen, dass nur der Sound der Bühne, auf der gerade gespielt wird, zu hören ist?
In Saxon plötzlich dazwischen polterndes Soundcheckgetrommel und Gitarrengeschrammel wirkt nämlich verstörend unprofessionell. Zum Glück habe ich mir die letzten Songs vor der richtigen Bühne angehört.


So, genug getippt und bevor ich noch mehr lästere:
Yep, Wacken 2009 fand ich trotz nicht ganz jubiläumsreifem Billing wirklich gut! ;)