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2020-10-27

PAINTED DOLL - How To Draw Fire

Zwei Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debüt sagen sich Fuchs und Hase (=Dave Hill und Chris Reifert) erneut nicht gute Nacht, sondern machen durch, um eine Psych-Rock-Party zu schmeißen.



PAINTED DOLL - How To Draw Fire (purple vinyl LP) (2020)


Es lässt sich wohl mit Sicherheit sagen, dass Autopsy-Drummer/Sänger Reifert nicht zu der Sorte Künstler gehört, die das Konzept ihrer Projekte mit jedem Output radikal neu erfinden. Und so ist auch das zweite Album von Painted Doll eine direkte Fortsetzung dessen, was schon den Vorgänger bestimmt hat:

Mit beiden Musikern an Bass und Gitarre, Reifert an Drums, und Hill noch an Keyboards und natürlich Mikrofon, geht es beiden vor allem darum, sich ihre persönliche Hommage an die von ihnen verehrten Psychedelic Rock-Klassiker vom Herzen zu spielen. Das fällt mal poppig-leichter, mal punkig-rotziger aus, geht aber immer mit melodischen Feel-Good-Attitüde eingängig nach vorne.

Dass das eine oder Riff oder Lick einem bekannt vorkommen mag, kümmert weniger als die Liebe zum Genre, die hier ausgedrückt wird. Qualitativ tun sich beide Alben nicht viel, da könnte ich mich jetzt noch nicht für einen Favoriten festlegen. Das Debüt hat halt aktuell noch den längeren Ohrwurmvorlauf. Ich habe allerdings schon den Eindruck, dass gerade die Saiteninstrumente auf "How To Draw Fire" etwas tiefer ins Detail gehen.

Zwar sind und bleiben Painted Doll eine vorsätzlich unkomplizierte Band, doch auf der B-Seite sind mir mit "Get You High Tonight" und "Dollhouse Rock" zwei Stücke dann doch etwas zu songwritingfaul und eher Füllmaterial. Bei insgesamt zwölf Tracks können einen diese knapp fünf Minuten allerdings auch nicht den Spaß verderben.
Und da im letztgenannten Song auch die beiden Live-Bandmitglieder Erika Osterhout und Tom Beaujour zum Zuge kommen, seien Ihnen dieses Tonträger-Cameo gegönnt. 

Nein, das hier ist schon eine sympathische Gruppe. Nichts Überlebensgroßes für die Ewigkeit vielleicht, dafür aber umso mehr für den Moment.


Auch das von Dave Hill wieder selbst gezeichnete Cover bleibt sich stilistisch treu und ist schön bunt und überladen geraten. Ebenso korrespondiert die Vinylfarbe erneut schick mit der Farbwahl des Bandlogos.

Das kann man ästhetisch gerne noch für mehr Alben so fortführen.






2018-03-30

PAINTED DOLL - Painted Doll

Treffen sich ein Death Metaller und ein Comedian auf einem Goblin-Konzert...

Kein Flachwitz, sondern der Beginn dieser auf der gemeinsamen Vorliebe für obskure Psychedelikbands der 60er und 70er Jahre begründeten Band von Autopsy-Grunztrommler Chris Reifert und dem mir zugegeben bisher nicht bekannten Komiker / Musiker Dave Hill.

Da hier ja a) gerade Partywoche ist, b) sich das von Hill selbst gezeichnete Cover in seiner grenzästhetischen Überladenheit so hübsch neben der von mir gerade rezensierten neuen Autopsy-Platte "Puncturing The Grotesque" macht und c) auch einen gewissen Osterbezug nicht von der Hand weisen kann, muss ich das Ding hier jetzt natürlich auch besprechen.




PAINTED DOLL - Painted Doll (mint green vinyl) (2018)

Die Art und Weise wie sich hier zwei Köpfe aus unterschiedlichen Musikwelten zusammengetan und sich zu zweit um das komplette (live nun zu viert aufgeführte) Instrumentarium gekümmert haben, erinnert mich zwangsläufig ein bisschen an The Lennon Claypool Delirium.
Painted Doll agieren allerdings wenig überraschend etwas direkter, so dass ihr selbstbetiteltes Debüt weniger versucht, neue abgefahrene Wege zu gehen, sondern vielmehr den Charakter eines Tributs an eine Ära / ein Genre hat.

Mit beiden Musikern an Bass und Gitarre, Reifert am Schlagzeug und Hill zudem noch an Keyboards und Mikrofon, zelebriert Painted Doll einen immer eingängigen, mal poppig leichten, mal schon etwas dreckigen (von "Eclipse" könnte ich mir durchaus auch eine Autopsy-Version vorstellen) Psychedelic Rock.

Wie es sich bei so einem Projekt schon fast gehört, ist der Opener "Together Alone" ein "Don't Fear The Reaper"-Soundalike. Danach klingen mal hier die Beach Boys, dort die Beatles, anderswo flotter Proto-Punk und natürlich tausend mir nicht so geläufige Gruppen aus dem geworshippten Zeitrahmen an.

Und was soll man sagen? Es ist keine Raketenwissenschaft, aber es kommt von Freaks, die genau wissen, was sie da tun. Es rockt, klingt frisch, macht Spaß. Super Album!

Und das hustenbonbongrüne Vinyl ist nicht nur schick, sondern klingt auch gut.




Bleibt nur die Frage, ob die Band heimlich vielleicht auch noch eine zweite Variante des Coversongs "I Put A Spell On You" mit Chris Reifert als Sänger aufgenommen hat. Denn der Originalinterpret Screamin Jay Hawkins war ja schließlich auch ein ziemliches Brüllmonster. Wäre auf jeden Fall auch ein Track vom Album, den ich gerne mal autopsysiert hören würde.

Sagt übrigens der Typ, der mal auf einem Unplugged-Konzert "In The Grip Of Winter" (inklusive absolut irrem Flötensolo) gespielt hat, haha.




Highlights: Painted Doll, Carousel, Eclipse, I Put A Spell On You