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2014-12-20

Jahresrückblick Musik 2014

Was Platten und besuchte Konzerte angeht, war 2014 für mich ein ziemlich fantastisches Jahr, welches kaum Wünsche offen gelassen hat.

Hier sind nun also meine Top-Listen (und anderes Gedöns), und sie sind unfassbar unvollständig. ;)


ALBUM TOP 15:

  • LAIBACH - Spectre
    Nach vielen anderen Veröffentlichungen endlich wieder ein "richtiges" Album der Slowenen. Es ist eingängig, manchmal fast poppig - und nahezu perfekt - auch was den Zeitpunkt seines Erscheinens angeht. Denn Laibach sind hier wieder einmal ganz nah am politischen Puls der Zeit.
    Auch live ist jeder Song ein Knaller. Und James Bond benennt sogar seinen nächsten Film nach dem Album. ;)
     
  • GODFLESH - A World Lit Only By Fire
    Bäm! Es herrscht Krieg! Brüll! Die Welt brennt! In die Fresse! Alles ist zum Kotzen! Der brutalste Scheiß 2014. Und neben Laibach das zweite Album in dieser Liste, welches ganz intensiv den Zeitgeist wiederspiegelt. Zornigster Weltschmerz. "New Dark Ages" erwarten uns. Sowohl das Album als auch die vorher erschienen EP "Decline & Fall" unbedingt mit Japan-Bonustracks!



  •  SWANS - To Be Kind
    Ich war mir eigentlich ziemlich lange sicher, dass dieses Album hier ganz oben landen würde, ist es in seiner Gesamtheit doch das größte, monumentalste, ehrfurchtgebietenste Werk des Jahres. Ein gewaltiger, sicherlich nicht ganz leicht verdaubarer Brocken. Man könnte auch sagen Michael Gira as usual, also phänomenal und intensiv.
    Es ist auch nur knapp abgerutscht; am Ende haben sich Godflesh und Laibach in erster Linie ducrh ihre noch größere Aktualität vorgeschoben.


  • CYNIC - Kindly Bent To Free Us
    Es ist ein Cynic-Album, also Musik für die Ewigkeit. Wie immer anders, wie immer grandios. Diese Melodien kann nur Paul Mausvidal. Und was Sean Malone hier am Bass zaubert ist allein schon den Kauf wert. Und doch geht es hier ganz und gar nicht darum, individuelle instrumentale Fähigkeiten zu bestaunen. Die Songs sind einfach fantastisch.


  • LANA DEL REY - Ultraviolence
    Nein, live würde ich mir die Dame nicht geben. Aber im Studio funktioniert ihr Konzept ausgezeichnet und "Ultraviolence" ist ein in sich vollkommen stimmiges, eigenwilliges Pop-Meisterwerk, welches noch lange relevant bleiben wird.
     
  • YOB - Clearing The Path To Ascend
    Brutal, ranzig, meditativ, ergreifend. Die Doom-Götter um Mike Scheidt fahren in vier langen Tracks wieder alles auf, was sie können. "Marrow" ist die Hymne des Jahres.

  • QUEEN - Live At The Rainbow '74
    Der Doppelschlag (zwei Konzerte) aus dem vielleicht spannendsten Jahr der Bandgeschichte. Für mich das beste Queen-Livealbum aller Zeiten. Und auch die einzige Veröffentlichung aus der aktuellen Resteverwertungsflut der Briten, die man haben muss.
  • BLUES PILLS - Blues Pills
    Hype und Retrotrend hin oder her... Die Blues Pills sind einfach sensationell, allen voran Frontfrau und Energieüberschusswunder Elin Larsson. Ein tolles Debütalbum!
  • BEHEMOTH - The Satanist
    Die absolute Death/Black-Metal-Machtdemonstration aus Polen. Wahnsinn!

  • TRANSATLANTIC - Kaleidoscope
    Wahlweise könnte hier auch das Live-Album/Video "KaLIVEoscope" stehen. Epics, epics... and a few shorter songs again.
  • TRIPTYKON - Melana Chasmata
    Meister Thomas Gabriel Fischer trägt immer noch jede Menge Dämonen und Seelenqual in sich. Was er anfasst, das wird monolithisch dunkel und katharsisch böse. Dabei gibt es - anders als live - auch vieles von der ruhigen und doch sinistren Seite der Band zu hören.
  • MONO - The Last Dawn / Rays Of Darkness
    Zwei Alben in einem. Ein entrückender, instrumentaler Postrock-Höhenrausch aus Japan. Warum habe ich den größten Ohrwurm "Recoil, Ignite" eigentlich im Review nicht als Anspieltipp genannt?

  • THE OATH - The Oath
    So schön und schon vorbei. Wirklich schade, da dieses Debüt der Okkult-Metaller(innen) weit mehr als nur vielversprechend war.Von der Sängerin gibt es ja bald als "Lucifer" (auch irre originell, der Bandname) neues zu hören. Ich werde auf jeden Fall reinhören.

  • KRISTEEN YOUNG - The Knife Shift
    Wer hat die Dame nur so sauer gemacht? Und was kann ihr Keyboard dafür? Wie auch immer, schlechte Alben kann die exzentrische Sängerin anscheinend nicht.


  • SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Earth Air Spirit Water Fire
    Bei "Molasses" werde ich immer an einer der emotional größten Momente meines Konzertgängerlebens denken müssen. Dass das Album an anderer Stelle auch mal ein wenig hängt, ist schon deswegen geschenkt. Selim Lemouchis Vermächtnis.

Bei etwas anderer Tageslaune hätten es u.a. auch noch Autopsy, Body Count, Bongripper, Colosseum, Conan, der Soundtrack zu "Only Lovers Left Alive" und einige mehr in diese Liste schaffen können... alles sehr sehr eng hier.
Und hätte ich noch Singles, EPs und Re-Releases berücksichtigt, wären evtl. auch Avatarium, David Bowie, Magma, White Hills in die Auswahl gekommen...





KONZERT TOP 10:


Nur je ein Konzert vom Roadburn Festival und Wacken Open Air, das ist im Grunde schon absolut unrealistsisch. Ob Triptykon, Bong, Kreator, da hätten noch einige Gruppen Nennung verdient... Aber auch sonst fällt einiges weg, wie z.B. Colosseum auf Platz 11.



TOP Konzert-BLU RAY:


WIEDERENTDECKUNG 2014:

Ganz klar: Die Vinyl-Schallplatte!

Nachdem mein Musik-Nerdtum in den letzten Jahren doch stark zugenommen hat, juckte es mich Kind der CD-Generation schon eine Weile, mich nach unfassbar langer Abstinenz wieder der ritualisiertesten und genussvollsten Form des Musikhörens zuzuwenden, zumal auch immer mehr Künstler exklusive Vinylveröffentlichungen rausbringen. So gab es den Laibach-Soundtrack zum Dictator's Cut von "Iron Sky" ausschließlich als Doppel-LP (+CDs). Das Ding stand also von Anfang des Jahres an im Regal. Später im Jahr folgte dann meine kleine Nachlässigkeit, als mir bei einer Onlinebestellung nicht auffiel, dass es sich bei einem Jarboe-Album nicht um eine CD handelte...

Und so war es Ende August soweit und ich habe mir ein Plattendrehophon zugelegt und mir seitdem eine kleine, aber feine bunte Sammlung aufgebaut. Diese enthält u.a. diverse neue Alben, die ich hier besprochen habe, außerdem Second-Hand-Schätze u.a. vom United Jazz + Rock Ensemble, Herbie Hancock, Kraftwerk und Colosseum II, und noch weitere Neukäufe, u.a. von Amy Winehouse ("Back To Black" natürlich), Julie Christmas, The Devil's Blood, Chelsea Wolfe, Watchtower, Made Out Of Babies... Außerdem ein paar Alben, die ich zwar schon als CD besitze, aber Vinyl ist halt geil: Morbid Angel, Morgoth, Janelle Monae.

Und was habe ich gelernt? Eine gute Vinyl-Pressung ist durch nichts zu schlagen. Man höre sich den z.T. sehr ruhigen Jazz auf "Same Girl" von Youn Sun Nah an und alle Knistervorurteile sind begraben.
Allerdings habe ich auch schnell bemerkt: Die Qualität schwankt durchaus stark, auch was die Verpackung angeht - was ich aus manchen neuen Hüllen schon an Papiergekrümel und Fusseln herausputzen musste, ist nicht mehr feierlich.

Und dann wünschte ich mir noch einen einheitlichen hohen Standard, was die digitale Bonusfrage angeht: Liegt ein Downloadcode bei? Wenn ja, ist dieser noch gültig? Bekomme ich mittelprächtige mp3s oder verlustfreie wav-Dateien? Kann ich mir das Format (wie z.B. bei Bandcamp) aussuchen?
So böseböse amazon auch sein mag: Bei AutoRip weiß ich, dass ich sofort eine digitale Kopie der Musik bekomme. Es sei denn, es ist amazon.co.uk, da müsste ich natürlich Brite sein... aarrgh. Und wenn man sich eine LP z.B. zu Weihnachten wünscht, also bei Kauf vom Wunschzettel, funktioniert die Option natürlich auch nicht...

Das alles nervt schon etwas. Ich habe zwar einen USB-Player, mit dem ich mir ganz anständige Kopien erstellen kann (denn so geil Vinyl auch ist, am meisten Musik höre ich nunmal gezwungenermaßen nach wie vor am PC und unterwegs), doch so gut wie Originale klingen diese Versionen dann doch nicht.
Die optimale Lösung ist eigentlich, wie z.B. bei der letzten EP von Haken, einfach eine CD beizulegen. Die Kosten für den Tonträger machen den Braten nicht fett - und ich kann die Mucke auch noch im nicht mit USB ausgestatteten Firmenwagen hören.

Aber am schönsten ist es natürlich, die Nadel auf die schwarze (oder oft ja auch schick bunte und/oder transparente) Scheibe zu setzen und direkt den warmen, vollen, organischen Klang aus der magischen Rille zu genießen.

Und was natürlich auch erwähnt werden muss: Ein geiles Cover sieht in groß natürlich noch geiler aus. So eine LP ist einfach der rundum schönste Tonträger.
 


BESTES KONZERT von DAS ROTE UNIVERSUM:
  • Mangels Auswahl fällt die Entscheidung mal wieder leicht: Im April in Windbergen haben wir neben unserem regulären Set noch eine kleine spezielle Unplugged-Show mit Covern u.a. von Voivod, Thought Industry, Slayer und Autopsy gespielt.
Ohnehin habe ich dieses Jahr wohl mehr entstöpselt als verstärkt gespielt. So haben Die FIFA Ultras - leider etwas spät - mit "Weltmeister sein" eine wunderbare Fußball-Hymne geschrieben:


Und dann war da ja noch das Familienkonzert mit Geschwistern und Schwägerin auf der Eisernen Hochzeit meiner Großeltern mit Hits u.a. von Abba, Trio, Emiliana Torrini, Freddy Quinn und der unvermeindlichen Helene Fischer. Man kann seinen Horizont doch immer noch in alle Richtungen erweitern.



ENTTÄUSCHUNG 2014:

Cynic und Voivod haben es leider nicht nach Europa geschafft.

Und ich Knauserer habe es nicht nach Hamburg zu Tori Amos geschafft! Dabei hätte ich zwei Tage vorher noch einen guten Platz bekommen können. Natürlich auch für gutes Geld... aber die Setlist war eine der besten der Tour inkl. "Total Eclipse Of The Heart"-Cover... hrmpf.

Die "Covenant"-Tour von Morbid Angel musste ich leider wegen Erkrankung sausen lassen.

Und alle Jahre wieder: Ob "Slovenian Democracy" "Laibach Revisited" noch jemals erscheinen wird? ;)


VORFREUDE 2015:

Welche neuen Alben erscheinen, habe ich noch gar nicht so auf dem Plan.

Konzertmäßig ist auch noch nicht vieles fest geplant, Laibach und Neal Morse sind aber schon ziemlich wahrscheinlich. Roadburn und Wacken stehen auch fest, d.h. ich kann mich schon auf einige Highlights der beiden Festivals freuen, vor allem aber auf die Fields Of The Nephilim, die ich noch nie live gesehen habe und nun gleich zwei Mal erleben darf!


 

2014-08-09

Wacken 2014 - Helene, hol die Hupen raus!

Es ist der erste Sonntag im August, Zeit für die alljährlichen Eindrücke eines Heimschläfers vom größten Metalfest der Welt. Und wie jedes Jahr ist dieser Heimschläfer so kaputt, dass dieser Bericht garantiert nicht noch an diesem Sonntag, sondern erst... ich sage mal einen Sonntag Samstag später fertig sein wird.


Und genau wie sich auf dem Wacken Open Air viele Dinge jedes Jahr wiederholen, so dürfte dem Stammleser der Berichte der letzten Jahre hier auch schon einiges bekannt vorkommen, z.B. die Einführung mit ein paar Worten zum Wetter, die ewig gleiche Kritik am Booking (aber hey, wenn sich das Problem sich nunmal nicht ändert!) und am Ende das doch eindeutig positive Fazit. Und was sonst noch dazwischen passt, das muss sich zeigen.

Fotogesabbel lasse allerdings diesmal aus, da ich außer ein wenig trashiger Digitalknipserei mit der Digital Harinezumi 3.0 kaum etwas in die Richtung angestellt habe.


Das Wetter war ähnlich wie letztes Mal, nur noch sonniger und noch trockener. Und da auch wieder ein leichtes Windchen wehte, war es - vor allem an den Hauptdurchgangszonen oder bei viel Action vor der Bühne - sehr sehr staubig. Am extremsten war dies am Mittwoch, als fast über dem ganzen Gelände eine gut drei Meter hohe Dreckglocke hing. Ja, man kann sich auch ohne extreme heavy fucking Matsche bis in die tiefsten Poren einsauen! Wahrscheinlich dauert es auch noch ein paar Duschen, bis ich mich wieder wirklich sauber fühle.

Doch diesen Preis zahlt man für ansonsten perfektes Open-Air-Wetter natürlich gerne.

Keinen Preis musste man hingegen zahlen, um sich neben den üblichen Getränken mit reinem Trinkwasser zu versorgen, für das es diverse Versorgungsstellen gab. Das ist nun grundsätzlich nicht neu, aber da sich in der Full Metal Bag neben dem dieses Jahr unbenutzten Regencape diesmal auch ein Wasserschlauch befand, war man natürlich eher in der Lage, diese Möglichkeit zu nutzen. Sehr gute Idee!

In der Umsetzung muss ich allerdings bemängeln, dass mir die Halterung dieses Dings schnell kaputtgerissen ist. Deswegen bin ich Donnerstag dann auch auf das altbewährte 1-Liter-Tetrapack in der Cargotasche meiner Hose umgestiegen, nur um dieses dann am Eingang wegschmeißen zu müssen, weil man neuerdings gar keine Fremdgetränke mehr mitnehmen darf. Das hat mich zunächst einmal natürlich tierisch geärgert, da ich für Donnerstag nun doch komplett auf bezahlte Getränke zum Festivaltarif angewiesen war. Freitag und Samstag habe ich meinen beschädigten Wasserbehälter dann einfach in der Full Metal Bag transportiert.

Im Nachhinein sehe ich allerdings ein, dass die Mitbring-Regelung nun zumindest eindeutig ist. Aber Himmel - macht doch eine zusätzliche Gummiringverstärkung in diesen Wasserbeutel! Ein Karabinerhaken aus Metall war im Budget ja schließlich auch drin.
Und außerdem... ja, ich weiß, es ist Wacken und es ist Metal, aber schwarz ist vielleicht nicht die ideale Farbe, wenn das Wasser eine Weile kühl bleiben soll.

Als Randnotiz zu Getränken sei noch erwähnt, dass einige Versorger gewechselt haben. So versperrt wieder Jägermeister statt Captain Morgan mit einer übergroßen Aussichtsplattform die Sicht, aus Cola wurde Pepsi und als Energydrink war statt zuletzt Relentless jetzt fast ganz ohne eigene Stände Monster dabei.
Trotzdem waren noch alte Becher mit Relentless-Logo im Umlauf. Na, wenn es da mal nicht noch hinter den Kulissen im Sponsoren-Gebälk knirscht...

Genau genommen gab es tatsächlich nur den einen Monster-Stand direkt auf dem Hauptgelände, wo u.a. ein Schlagzeugwettbewerb ausgetragen wurde, bei dem es darum ging, möglichst viele Einzelschläge pro Minute auf einer Drumometer-Snaredrum unterzubringen.


Ich habe mich dann auch mal überreden lassen, spontan die Sticks in die Hand zu nehmen und bin auf 762 Schläge gekommen. Auf einer normalen / gewohnten Snare sollte ich wohl ein paar mehr unterbringen können, aber für die Situation dort war ich durchaus zufrieden. Und verdammt - man fängt natürlich zu schnell an und ab Sekunde 40 wird die Minute dann sehr lang...

Aber damit greife ich schon vor, das war ja am Freitag.



Mittwoch

Schon von draußen hörten wir die Massen auf dem gesamten Gelände lautstark eine "Wall of Death" fordern. Oh sorry, das war ja nur vor dem örtlichen Freibad. Da darf man eigentlich mit dem Auto gar nicht hin, aber mein Bruder hatte an einer angrenzenden Weide Schafe geparkt und somit waren wir Anlieger. Auf jeden Fall schonmal lustig anzuhören.



Wie gewohnt haben wir bei Anwohnern geparkt, sind ein Stück die Hauptstraße (der zur Vollendung des Volksfest-Flairs nur noch der Autoscooter fehlt) entlang gegangen und dann natürlich zur Bandausgabe, wo uns eine epische Schlange erwartete.

Zum Glück war dies das einzige Mal, dass wir dieses Jahr irgendwo nennenswert warten mussten. Das wird auch mit einer verbesserten Besucherführung auf dem Gelände zusammenhängen. In der Anordnung gab es einige sinnvolle Änderungen - sei es z.B. die Lage des Biergartens oder dass man auf dem Weg ins Dorf nicht mehr über den berüchtigten, im Starkregenfall gemeingefährlichen Graben muss.


Mittwochs sind die großen Bühnen ja noch in Arbeit, so dass das Hauptprogramm im Bullhead City Circus spielt, wo die Landessieger des internationalen Wacken Metal Battle aufspielten, von denen wir uns einige angeschaut haben.
Ich erinnere mich daran, dass Crying Steel aus Italien und Roadwolf aus Österreich gleich mal eine ganze Reihe schlimmer Heavy-Metal-Klischees abgearbeitet haben und dass die Plattensammlung von Anstratus aus der Slowakei vor allem aus "Pleasure To Kill" von Kreator besteht.
Ich sah noch ein paar andere Bands, aber da die Sets ja ziemlich kurz waren und in den folgenden Tagen noch so vieles auf mich zukam, habe ich ehrlich gesagt weder an die guten noch an die nicht ganz so guten noch konkrete Erinnerungen.


Gut erinnern kann ich mich hingegen noch an das Duo Los Vagabundos, welches im auf der Beergarden Stage feurige Akustikversionen u.a. von Nancy Sinatra ("Bang Bang"), den Rolling Stones ("Paint It Black"), Sergio Leone, Rammstein oder arabischer Folklore darbot. War gut gemacht und mal nicht ganz das auf den kleinen Open-Air-Bühnen ansonsten stark verbreitete, betrunkenenoptimierte Partyprogramm.

Nach der letzten Metal-Battle-Band des Tages, den ziemlich wild verknoteten Red Helen aus Südafrika, machten wir früh Feierabend und kamen somit damit sowohl ohne Blasmusik, als auch Mittelaltertralala durch den ersten Festivaltag.




Donnerstag

Zunächst einmal bin ich fast normal aufgestanden und habe sogar noch ein paar Stunden gearbeitet.
Das ist für mich im Grunde der einzige Nachteil daran, zu Hause zu übernachten; dass ich mich nicht so komplett aus dem Alltag verabschieden kann wie ein Camper. Allerdings machen Dusche und Bett dieses Manko locker wieder wett.


Zurück in Wacken ging es gleich wieder ins Zelt, wo wieder auf beiden Bühnen Schlag auf Schlag die Metal Battle-Gewinner spielten.

Nachdem die Japaner ja letztes Jahr mit Mysterious Priestess eine positiv bekloppte Kapelle nach Deutschland geschickt  hatten, die selbst vor lupenreinem Jazz nicht zurückschreckte, war dieses Jahr mit Hellhound das Gegenteil vertreten, also eher sehr sehr traditioneller Metal, von dem bei mir vor allem der sehr hohe Gesang hängengeblieben ist. Ansonsten zu aufnäherkuttenbieder für meinen Geschmack.

Die Portugiesen Revolution Within trafen mit ihrem brutalem Thrash Metal und einem Sänger, der mich vom Stageacting her irgendwie an Barney von Napalm Death erinnerte, schon weit her meinen Nerv. Im Publikum ging es nun mit Mosh und Circle Pit auch ordentlich ab.

Mit den chinesischen Black Metallern Evocation und den schon durch ihren eigenwilligen und landessprachlichen Gesang auffallenden Lithauern Juodvarnis ging es gut weiter, ehe im Ring zwischen den Bühnen Wrestling angesagt war, was wir uns nicht antun wollten und uns stattdessen ein zweites Mal auf der Biergartenbühne Los Vagabundos anschauten.
Das Set der Spanier war ähnlich, aber nicht identisch mit dem vom Vortag, wofür allein schon ein Saitenriss, der solo mit Led Zeppelin überbrückt werden musste, sorgte.


Während wie immer seit dem letzten Jubiläum das Hauptbühnenprogramm mit dem bescheidenen Metal-goes-Top-40-Coverband-Programm von Skyline gestartet wurde, spielten im Zelt die letzten Metal Battle-Bands. Mit einem erfrischend nicht-festivaloptimierten Opener eröffneten die überwiegend mit Brüllgesang daherkommenden Progmetaller Earth Divide von - ja, da gibt es tatsächlich Bands! - den  Färöer Inseln.

Weiter ging es mit [In Mute], einer sehr gut gemachten spanischen Variante von Arch Enemy inklusive Death Metal grunzender, extrem paradiesvogeliger Frontfrau mit bunten Haaren und ungewöhnlichen Tattoos. Optisch sicherlich eine der eindrucksvollsten Gestalten des Festivals. Musikalisch weiß ich allerdings wie bei Arch Enemy trotz gutem Handwerk einfach nicht so recht, was mir das Ganze sagen will.

Die nächste Band war dann ein interessanter Kontrast, da ebenfalls von einer extrem fähigen Sängerin gefronted... womit die Gemeinsamkeiten auch schon vorbei waren.
Allein die Feenwald-Deko auf der Bühne und die Kinder im Publikum und in der schwangeren Geigerin deuteten familienfreundlichere Unterhaltung an, und tatsächlich spielten Huldre aus Dänemark überwiegend lebensbejahenden, oft flott tanzbaren, manchmal auch mystisch entrückten Folkmetal. Dieses Genre nervt ja oftmals durch mäßigen Gesang, doch die Sängerin hier erinnerte sogar mehr als einmal an die große Lisa Gerrard. Respekt!


Danach war dann reichlich Zeit, etwas einzukaufen (die Shorts, nach der ich ein Wochenende früher in Neumünster umsonst geshoppt hatte + die "A Twist Of Fate"-EP von John Arch ), zu futtern und sich erstmals das Innengelände anzuschauen. Das Bühnenprogramm hing nämlich zwei Stunden lang ziemlich durch.

Meine neue Theorie, warum jetzt immer zuerst Skyline spielen - nämlich um eine Niveauuntergrenze festzulegen, bei deren Unterschreitung allen anderen Künstlern der Saft abgedreht wird - erwies sich als extrem kurzlebig. Denn nicht nur durfte Szene-Urgestein Bülent Ceylan tausende arglose Festivalbesucher mit seinem Möchtegern-Gerammsteine nerven (vgl. auch die erneut im Paket mit der eher überflüssigen Wasteland Stage angekarrten MegaBosch); nein, Hammerfall pulverisierten diese Untergrenze geradezu.
Sorry, ich finde an dieser Band einfach alles schlecht gedacht und maximal mittelmäßig umgesetzt. Oder war es umgekehrt?

Ich war da im Grunde schon bereit für die Heimreise, weil die nächsten Tage ja lang werden würden und sowohl die Headliner Accept als auch der gefühlt zwanzigste Auftritt von Saxon für mich verzichtbar waren. Und die eigentlich geniale Partytruppe Russkaja ist ja nun mit jeweils mehreren Auftritten in mehreren Jahren hintereinander schon leicht überspielt. 2015 schau ich mir den Russentraktor vielleicht wieder an. Ich gebe mir ja auch nicht jedes Jahr ein komplettes Set von Mambo Kurt.


Doch eine Gruppe stand noch auf der Running Order, von der wir zumindest wissen wollten, ob sie schlecht sein würde - oder so schlecht, dass es schon wieder gut ist: Steel Panther.



In Augenkrebs begünstigenden Kostümen und stets das Make-Up und den Sitz der Mähne über der Bandana am Theaterspiegel prüfend beschworen Steel Panther den lange verschütteten (und von niemandem ernsthaft vermissten) Geist des 80er-Jahre-Hair Metals.

Musikalisch steckten sie dabei auch ernsthaft betrachtet Hammerfall deutlich in die Tasche, doch ansonsten ist die Gruppe, welche "Asian Hookers", das "Gloryhole" und den Verkehr mit "17 Girls In A Row" besingt, natürlich ein reine Parodie. Und zwar eine äußerst unterhaltsame. Dazu passt auch der bewusst erbärmliche Altherren-"Do you like Muschilecken"-Humor. Das gab es so ähnlich natürlich schon mit Spinal Tap, aber die sind ja nun auch schon alt und grau und reunieren sich äußerst selten. Von daher kann ich Steel Panther nur empfehlen - das Highlight des Donnerstags!

Das Publikum verstand jedenfalls den Subtext der Show, so dass die Kameramänner ziemlich gut mit dem alten Spiel "Such die Tittenmaus" zu tun hatten . Und das war auch gut so, denn irgendwo muss man ja während so einer Show auch mal hinkucken können.

Falls sich jemand den Auftritt nun im Stream ankucken möchte jedoch eine Warnung: What is seen cannot be unseen!
Ich spreche aus Erfahrung, erinnere ich mich doch tatsächlich immer noch mit Schaudern an den das Tamburin und die Hüften schwingenden Sänger der furchtbaren Paradise, die diese Nummer auf dem Wacken Open Air 1992 noch ernst gemeint hatten. Oder war das damals schon Satire und ich war nur noch zu jung, um das zu erkennen?


Accept habe ich mir zu Hause teilweise noch im Livestream angesehen. Und das reichte mir auch. Kein Fan hier, tschuldigung.



Freitag

Chtonic aus Taiwan, die mir 2012 im Zelt gut gefallen hatten, hätte ich mir generell schon gerne wieder angetan, und das nicht nur wegen dem Supermodel am Bass (vgl. auch Steel Panther). Aber elf Uhr war zu früh. Um die Zeit musste ich noch zu Hause vorm Spiegel posen.


Um eins stand ich dann allerdings vor der Party Stage für die Band, die diesen Bühnennamen rechtfertigt wie keine andere: Knorkator.

Auf der Bühne, vor der Bühne, über denen vor der Bühne: überall Bekloppte!
Es gab viele Hits, u.a. natürlich "Alter Mann" oder auch "Wir werden alle sterben", aber auch "Arschgesicht" mit dreizehnjährigem Gastsänger oder "Konrad Daumenlutscher".
Einem Unwissenden beschreiben kann man das, was Frontsau Stumpen und Co. da veranstalten, ja ohnehin nicht. Deswegen belasse ich es mal dabei, dass Knorkator nach wie vor die meiste aller Spaßmetalbands sind und wie erwartet wieder mächtig Gehirnzellen abgetötet haben. Knorke!


Danach gab es dann die weiter oben schon erwähnte Minute Snaredrum-Action mit Stephan Ohlsen, ansonsten allerdings eine längere Durststrecke, in der ich zwar von der einen oder anderen Gruppe was mitbekommen habe, aber anscheinend nicht von der, die gerade so richtig geil war.

Der am falschsten gepolte Publikumsmagnet waren wohl die generischen Stirnband-Rocker von Cop U.K., für die sich anscheinend niemand gezielt auf den Weg ins Zelt gemacht hatte. Die hamburger Thrash`n`Roller von Torment waren besser als ich sie Erinnerung hatte, aber auch nicht aufsehend genug, um ihnen mehr als zwei Sätze zu widmen. Und hätte der Sänger nicht fachmännisch eine Gitarre zersägt, dann wäre es wohl nur ein Satz geworden.

Es war um siebzehn Uhr, also fast drei Stunden nach Knorkator, als auf der Headbangers Stage das antizyklischste aller Wacken-Spektakel eingeläutet wurde: Die Excrementory Grindfuckers hatten die Bühne mit Lametta geschmückt, sich als Engel, Santa Klaus und Jesus in Schale geworfen und feierten den Release ihrer neuen Weihnachtslieder-Scheibe!
Hochgeschwindigkeitsgrindcore, unterbrochen von Versatzstücken aus Rock, Pop, Weihnachten und Stumpfsinn. Besonders romantisch, wenn die Band zusätzlich zum Keyboard auch noch die Trompete erschallen ließ. Dazu feuerten zwei Schneemaschinen unablässig Besinnlichkeit ins Publikum. Zum Schluss gab es sogar noch Bescherung, doch leider reichte mein sportlicher Einsatz nicht aus, eines der Pakete zu fangen.



So lustig das Konzert auch gewesen war, wir waren doch immer noch skeptisch, was das Festivalbilling anging. Die drei Highlights waren bisher bei aller Qualität eben doch Comedy-Acts, dazu der Leerlauf am Nachmittag... doch von nun an sollte sich das ändern!

Der nächste Programmpunkt ergab sich fluchtbedingt, denn mit Children Of Boredom kann ich ebensowenig anfangen wie mit den Shantyschlagern der Helene Fischer-Vorband Santiano, auch wenn man ja als Norddeutscher demnächst Bußgelder zahlen muss, wenn man die nicht ganz super findet.


Ich hatte - und jetzt schlagt mich ruhig - tatsächlich auf Spiegel Online den Tipp gelesen, dass auf der Wackinger Stage zwischen all dem Dudelsackgetanze auch eine anspruchsvolle Folk-bis-Blackmetal-Band aus Rumänien auftreten sollte. Und tatsächlich waren Dordeduh ein sehr angenehmes, erfrischend wenig auf Festivalkompatibilität gebügeltes Kontrastprogramm. Tolle Songs, egal ob die Band auf traditionellen Instrumenten zum Träumen einlud oder in brachialen Stücken mit bewusst merkwürdigen Tempowechseln verwirrte.
Für mich eine der größten Entdeckungen des Festivals und neben Earth Divide bis dahin wohl die einzige Band, die mich auch auf dem Roadburn Festival nicht überrascht hätten. Nächstes Jahr dort vielleicht?




Um halb acht ging es zurück zur True Metal Stage, wo die drei Cellisten plus Drummer Apocalyptica auftraten. Und sie hatten ein paar Gäste dabei, nämlich ein komplettes Orchester.
Ok, das ist an sich in Wacken mittlerweile ein alter Hut, vergeht doch kein Jahr, in dem nicht mindestens eine damit in erster Linie zum eigenen Spiegelbild wichsende Band zuviel ein argloses Orchester mit auf die Bühne zerrt. Yay, was freuen wir uns schon auf U.D.O. mit Bundeswehr Musikkorps nächstes Jahr! Bitte?!

Aber dies gesagt waren natürlich ein paar dieser Konzerte auch wirklich gut gemacht, und zu welcher Band wären zusätzliche Bläser und Streicher folgerichtiger als zu Apocalyptica, die ja selbst im Grunde fast ein Kammerquartett sind?
So passte alles zusammen und es war eine mitreißende, bombastische Show.



Während die Sonne allmählich unterging und die meisten Besucher den Gesundheitszustand von Motörheads Lemmy checkten, zeigten auf der Party Stage Carcass, wie die Sache mit dem im Grindcore verwurzelten melodischen Death Metal eigentlich mal gemeint war. Was für ein krankes fettes Brett!

Auch wenn mich die zeitgleich aufgetreten The Vintage Caravan interessiert hätten - aber die sehe ich ja im Oktober noch als Support der Blues Pills - dieses meisterliche Death Metal-Inferno auf Morbid Angel-Niveau war hier in Wacken die absolut richtige Wahl. Bis dahin wohl das größte Festival-Highlight, von einer Band, die ich zu "meiner Death Metal-Zeit" anfang der Neunziger nur am Rande auf dem Radar hatte, also maximal auf selbstkopierter Kassette und "Headbanger's Ballroom"-VHS.


After Carcass and Motörhead had finished their sets, there was some time for everybody to play with their huge balls...


... before hell awaited: Zeit für Slayer!

Man kann abseits der Bühne - z.B. über den Umgang der Band mit Dave Lombardo und vieles andere - ja sagen, was man will, aber solange da vier Leute auf der Bühne stehen, die die Songs perfekt spielen können, und einer von denen Tom "Santa Rübezahl" Araya ist, der sich die Seele aus dem Leib schreit, solange ist das für mich eindeutig Slayer.
Und auch wenn der Soundmann anscheinend unter Einfluss harter Drogen die Bassdrums bis über elf hinaus hochgezogen hat - müsste ich mich wirklich für eine beste Band in Wacken dieses Jahr entscheiden, dann wäre dies trotz einiger starker Konkurrenten doch Slayer.
Ob "War Ensemble", "Disciple", "Dead Skin Mask", "Angel Of Death", "Seasons In The Abyss"... jeder Song ein Killer. Slayer sind nach wie vor die Macht, an der sich alles messen muss!
Sehr schick auch die riesigen Kreuze im Gitarrenboxendesign. Machten sich sehr schön über dem fast permanent lodernden Höllenfeuer darunter.



Zwei umgedrehte Kreuze und was Böses dazwischen sind als Bühnenbackdrop natürlich immer eine sichere Nummer, so dass sie neben allerlei anderem Zeugs auch beim nächsten Konzert wieder dabei waren. Auch King Diamond war nicht mit dem besten Klang des Festivals gesegnet, was gerade wenn man die Songs nicht alle in- und auswendig kennt, schon mal nerven kann.
Doch der King ist der King und es gibt einfach keinen zweiten. Unter seinem Make-Up inzwischen ja auch schon zweitausend Jahre alt hat er alle Stimmlagen vom bösen Gekrächze bis zur ganz hohen Gruselsirene immer noch drauf. "Eye Of The Witch" hat mich noch bis ins Bett - also wohl so bis halb vier Uhr morgens - als Ohrwurm verfolgt.





Samstag

Die Nacht und der Morgen danach wurden sehr kurz, schließlich mussten wir rechtzeitig zu Mittag wieder vor der Party Stage aufschlagen, für eine Band, die ich zuletzt - Rentneralarm! - Neunzehnhundertfuckingvierundneunzig auf dem Dynamo Open Air gesehen hatte.
Und auch wenn dies zwanzig Jahre her ist - der irgendwo zwischen Hardcore, Thrash Metal und manchmal sogar tanzbaren Elementen angesiedelte Sound von Prong ist nach wie vor unverwechselbar. Eine so präzise Groovemaschine kann man nicht programmieren. Oder um es frei nach einem großen Fernsehpoeten zu sagen: Prong sind so tight, wenn die mit Dir fertig sind, dann burns!

Auf dieses Trio hatte Wacken sehr lange gewartet, und es war trotz der frühen Spielzeit ein weiterer ganz großer Höhepunkt des Festivals.


Sodom fand ich dann im Gegensatz zu deren letztem Gastspiel 2011 ebenfalls sehr unterhaltsam, auch wenn ich sie eher entspannt aus der Ferne beobachtete. Die Thrash Metal-Institution konzentrierte sich auf seine Hits von "Ausgebombt" bis "The Saw Is The Law" und scheint generell zur Zeit ganz gut drauf zu sein.

Noch besser, obwohl ich deren Songs nicht kenne - aber "The Satanist" ist bereits bestellt - fand ich gleich im Anschluss jedoch die polnischen Black Metaller von Behemoth.
Schon das Stagedesign hob sich - zumindest die erste Hälfte des Sets lang - sehr aus der Masse hervor, da wohl irgendjemand sich gefragt hatte, wie man schwarz noch böser machen kann und dabei auf die Idee gekommen ist, es einfach mit einem weißen Hintergrund (und weißem Drumkit) zu kombinieren. Und das funktionierte tatsächlich sehr gut.
Noch eindrucksvoller wäre nur gewesen, wenn die vier Bandmitglieder den ganzen Auftritt über fest an den Stellen geklebt hätten, die vom Bühnenaufbau her für sie optimiert waren. Ich sage so etwas selten, aber je statischer die Band sich gab, desto eindrucksvoller wirkte sie tatsächlich.
Die Musik war allerdings davon unabhängig durchgehend über jeden Zweifel erhaben.





Gleich danach ging es auf der True Metal Stage relativ untrue mit dem Devin Townsend Project weiter. Devin Townsend ist ein Künstler, der von Pop über Prog bis zu extremstem Metal und zahlreichen anderen Musiksparten wohl schon alles irgendwie schon einmal gemacht hat und so überall sowohl dazugehört als auch der Außenseiter ist. Dass der Mann einen schrägen Humor hat und anscheinend zu allem was er tut eine ironische Distanz wahrt, macht ihn an sich nicht unbedingt festivaltauglicher.

Die Show deutete teilweise richtige Größe an und ich wollte sie eigentlich gut finden, hatte aber irgendwie das Gefühl, dass der Musik einiges fehlt. Tatsächlich sind die Songs, wie ich mir im nachhinein auch im Stream angeschaut habe, sehr auf Samples, Chöre usw. vom Band angewiesen, von denen zumindest an meinem Standort vieles nicht ideal ankam. So war es ganz lustig und beileibe nicht schlecht, aber eben auch keines der ganz großen Glanzlichter.


Als nächster Pflichtprogrammpunkt erwarteten uns im Zelt The Ocean, die sich, seit ich zuletzt 2008 im Vorprogramm von Opeth und Cynic sah, musikalisch enorm entwickelt haben und inzwischen ja auch einen richtig guten flexiblen Sänger in ihren Reihen wissen.

Trotz der Komplexität ihrer progessiven Post-Metal-Stücke räumte The Ocean richtig ab. Schade war nur, dass der Projektor nach einigen Minuten den Geist aufgab, so dass der vielversprechenden Videountermalung am Anfang leider nur der allmähliche Abbau der Leinwand folgte.
Dennoch die beste Gruppe unter dem Zeltdach des Bullhead City Circus.

Packt man den Anspruch der Gruppe in die Gegenteil-Maschine, so erhält man wahrscheinlich die Böhsen Onkelz. Und deren Bassist Der W war nur wenige Minuten später auf der anderen Zeltbühne dran. Will sagen: wir erlebten das größte Gedrängel des Festivals, da es wohl kaum einen Menschen gibt, der auf beide Bands steht und somit das Publikum im Zelt komplett ausgetauscht wurde.


Als nächstes wollten wir die erstmals in Wacken auftretenden Megadeth sehen, doch es spielten noch Amon Amarth, so dass wir uns zur Überbrückung zumindest mal einen halben Auftritt des Man in beige Mambo Kurt gönnten. Klar, man kennt die Heimorgelhits allmählich, aber gerade wenn Mambo exklusive Wacken-Devotionalien zu verschenken hat oder zur Gogo-Party auf die Bühne lädt, passieren doch immer wieder lustige Dinge...



Anders als bei The Ocean funktionierte die Sache mit der Videoshow bei Megadeth ganz wunderbar und wurde sehr effektiv eingesetzt. Dafür stimmte am Sound zunächst einmal gar nichts, da man in den ersten Songs eigentlich nur das schwächste Element - Dave Mustaines Gesang - ordentlich hören konnte. Zum Glück fing sich der Sound dann aber und auch Dave legte stimmlich noch zu.

Ich bin kein Experte für die Band, erkannte allerdings alle Songs, wenn nicht musikalisch dann zumindestens vom Titel her. Und was soll ich sagen? Natürlich sind vor allem die Leadgitarren herausragend, aber auch ansonsten fand ich den gesamten Auftritt ziemlich geil.
Dave Mustaine wird vielleicht niemals einen Nobelpreis fürs Nachdenken vorm Sprechen gewinnen, aber Metal, das muss man ihm lassen, das kann er verdammt gut!


Wie schon Dordeduh am Freitag war meine nächste Station wieder vor allem durch die Flucht vom Wacken Center bestimmt. Von Avantasia hatte ich beim letzten (und damals ja angeblich finalen) Auftritt vor  ein paar Jahren nämlich schon genug für ein Leben gesehen. Ich finde die einfach ganz schlimm und halte zwei Stunden davon für nur schwer mit den Genfer Konventionen vereinbar.


Zum Glück konnte man sich zumindest die erste Hälfte dieser Zeit wunderbar vor der Headbangers Stage die Rübe wegblasen lassen. Metal mit Opernelementen ist nicht zwingend ein Garant für meine Aufmerksamkeit, aber was die Italiener Fleshgod Apocalypse da vom Stapel ließen, war schon eine besondere Variante dieser Kombination.
Zunächst einmal spielen Fleshgod Apocalypse Black Metal mit bösem Grunzgesang und der höchsten Endgeschwindigkeit, die ich in Wacken dieses Jahr gesehen habe. Dazu sangen der Bassist und eine zusätzliche Sängerin Sopran. (Wobei übrigens die Kamera / Bildregie den männlichen Anteil des hohen Gesangs das komplette Konzert lang verpennt hat, selbst wenn nur dieser Text sang und somit wichtiger war.)
Das Ganze war ein stellenweise vollkommen überladener, aber eben gerade dadurch herrlicher Overkill. Ohrendurchpusten de Luxe!

Im Publikum sah ich übrigens eine Gruppe französischer Fans, die ich vom Snaredrum-Wettbewerb am Vortag wiedererkannte. Einer von denen hatte dort nämlich über sagenhafte tausend Schläge pro Minute geschafft, was laut Moderator bisheriger Rekord war. Und ich hatte da doch gleich geahnt, auf welche Art Musik der steht...


Danach amüsierten wir uns noch über das Angebot im Wacken-Outlet, also der Merchandising-Resterampe, in der der Artikel, den ich mir noch am ehesten kaufen würde, eine Plüsch-Kopie von Mambo Kurt inkl. Plüsch-Heimorgel war, hingen noch eine Weile auf der Wacken-Plaza und im Wackinger Village herum, und machten uns um Mitternacht herum zum großen Finale auf der Black Stage auf...




Ich habe ja gerade beim Samstag schon ein paar Mal den Sound erwähnt, was ich eigentlich möglichst vermeide, da er gerade bei so einem Riesen-Event ja ohnehin nicht an jedem Standort identisch ist. Bis auf jene besonderen Ausfälle, die ich schon erwähnt habe, war der Klang der meisten Bands zwar für ein Festival ok, ließ aber immer noch Raum, um mindestens ein Haar in der Suppe zu finden. Hier zu leise, da zu laut, zu wenig Gesang usw... Und daran, dass die Akustik im Zelt generell schwer beherrschbar ist, muss man sich eben gewöhnen.

Umso größer die Überraschung, als Kreator die Bühne betraten: Der Sound war nämlich von Anfang an perfekt! Wow!
Das Bühnenbild war immer noch jenes der Tour zu "Phantom Antichrist", welches für die Zukunft schwer zu schlagen sein dürfte. Die Songauswahl speiste sich u.a. mit dem Titelsong, "United In Hate" und der Hymne "From Flood Into Fire" aus dem aktuellen Album, sowie aus einem Feuerwerk ganz alter Schinken ("Pleasure To Kill", "Flag Of Hate") und neuerer Klassiker ("Phobia", "Hordes Of Chaos"). So gut habe ich Kreator in Wacken bisher noch nie erlebt, und dass obwohl gar kein Stück von "Coma Of Souls" im Set vertreten war.

Ganz klar ein mehr als würdiger Abschluss für ein letztendlich dann doch mal wieder überraschend starkes Open Air!




Organisatorisch und infrastrukturell war mein Eindruck dieses Jahr sehr positiv.
Die gesamte Stimmung - nicht nur bei Publikum, sondern auch bei fast allen, die dort gearbeitet haben, sehr entspannt. Da hat das Wetter natürlich auch super mitgespielt.

Allerdings sollte beim Briefing für Checkpoint-Ordner darauf geachtet werden, dass diese nicht nur wissen, mit welchem Ausweis / Band man bei ihnen durchkommt oder nicht, sondern auch, was bei der nächsten Zufahrt Sache ist. Sonst kann man sich als wertloser Normalsterblicher, der doch nur dem Tipp eines Einheimischen gefolgt ist (welche Dank ihrer Sonderrechte leider überhaupt kein Gespür für diese Materie haben), sinnlos von Zugang A nach Zugang B geschickt und dort dann noch sinnloser beschimpft werden. Und das muss echt nicht sein, wenn man durch die Extrakilometer, die die "Abkürzung" kostet, eh schon genervt ist. Auch wenn der ursprüngliche Fehler natürlich bei uns selbst lag: Never distrust a working route to the festival ground!


Wenn jetzt nur noch die üblichen Booking-Schwächen, insbesondere das Totnudeln einiger jedes Jahr und jeden Tag wiederkehrender Acts auf den kleinen Bühnen, abgestellt werden könnten...

Aber das ist wohl ebenso illusorisch wie die von mir jedes Jahr wieder gewünschte Würdigung des Progmetalsektors mit Psychotic Waltz oder Dream Theater.
Und um vielleicht eines Tages doch mal (wieder) Autopsy oder Godflesh zu sehen, fahre ich ja nun Mitte April nach Holland. Für Wacken habe ich da keine Hoffnung mehr.
Auch dass man auf dem generell ja ähnlich ausgerichteten Hellfest in Frankreich u.a. schon die Eier hatte, mit den Swans eine Gruppe einzuladen, die heavier als 99% des Metal ist, belasse ich hier mal als nicht an Erwartungen geknüpfte Randnotiz.

Die bisherigen Ankündigungen für nächstes Jahr halten ja immerhin schon ein paar interessante Namen bereit: Savatage, Amorphis mit "Tales From A Thousand Lakes"-Show, Kataklysm, Sepultura, Cannibal Corpse, die dieses Jahr verhinderten Death Angel. Da übersteht man dann wohl auch das fucking Bundeswehrorchester.

Helene Fischer stand ja schon bei Motörhead mit auf der Bühne.

Ach nee, sorry, das war ihre Mutter - Doro. Und dafür hatte die tatsächlich ihr Logo auf dem offiziellen T-Shirt?

Aber immerhin wurde an einem Slush Ice-Stand schon Kleingeld für den guten Zweck, Helene Fischer zu ficken, gesammelt. Ich weiß nicht, wie viel zusammenkam und ob die Erfolgsaussichten dieser Charity gut sind, aber da ich nun fast am Ende des Berichts bin und mir immer noch keine Überschrift eingefallen ist, die mit den letzten Jahren mithalten kann, hänge ich mich da inhaltlich einfach mal mit dran.



Wie auch immer - ich habe bereits eine Armee genetisch verbesserter außerirdischer Vampirzombieorks mit bloßen Fäusten blutig geprügelt und mir so mein X-Mas-Ticket für Wacken 2015 erstritten. Der nächste August kann also kommen!





2010-12-28

Tonträger 2010, Teil 6 : Die Großen Acht (THE BIG 4, HEAVEN & HELL)

Nach Teil 2 mit Transatlantic und Neal Morse ist dies nun die zweite Paarung in meinen Tonträgern 2010, die aus Konzertmitschnitten besteht. Und nach Teil 4 (Lis Er Stille) auch der zweite, der ein Weihnachtsgeschenk beinhaltet. :)

Beide Aufnahmen besitze ich als DVD, es gibt sie aber auch auf CD bzw. als DVD/CD-Box.

METALLICA, SLAYER, MEGADETH, ANTHRAX - Live From Sofia, Bulgaria (2010)

"Die großen Vier" des 80er-Jahre-Thrash Metal zum ersten Mal überhaupt zusammen auf einer Bühne. Da haben die Macher der Sonisphere-Festivals dieses Jahr schon mächtig auf den Putz gehauen. Keine andere Metal-Tour hat dieses Jahr wohl so sehr den Blätterwald und Internetdschungel beherrscht wie diese. Das Attribut "legendär", so überstrapaziert es einem auch oft vorkommen mag - hier trifft es unzweifelhaft zu.

Insgesamt bekommt man über fünf Stunden Musik auf die Ohren, zum größten Teil absolute Szene-Klassiker. Wer auch nur auf eine Band oder einen Teil des Schaffens aller Gruppen steht, kann hier schon gar nichts verkehrt machen. Dass diese Festivaltour zu den Karrierehöhepunkten aller Bands gehört, ist allen vier Auftritten anzumerken.

Die positivste Überraschung für mich persönlich sind Megadeth, da ich mit Dave Mustaine und Co. vorher eigentlich nie so richtig warm geworden bin. Aber mit diesem Auftritt haben sie sich direkt auf meine Wacken-Wunschliste katapultiert.

Anthrax sind zwar ebenfalls klasse, können da jedoch nicht ganz ranreichen. In diesem Jahrzehnt hat die Band abseits der Bühne ja vor allem durch ihr oberpeinliches Sänger-Vor-und-zurück-Getausche auf sich aufmerksam gemacht. Und tatsächlich ertappe ich mich manchmal bei dem Gedanken, dass - mal allen 80er-Jahre-Kult beiseite - John Bush doch eine Spur mehr als Joey Belladonna drauf hat.
Der Anthrax-Auftritt enthält mit "Got The Time", "Antisocial" und dem als Tribute an Ronnie James Dio in "Indians" eingebauten "Heaven And Hell" übrigens drei der insgesamt vier Coversongs dieser Doppel-DVD.
Und auch an dem vierten Cover zu fortgeschrittener Stunde waren Anthrax beteiligt...

Slayer und Metallica bieten genau die Weltklasse, die man von ihnen erwartet, letztere natürlich ihrem kommerziellen Status gemäß über eine doppelt so lange Spielzeit wie die anderen Bands. Großartige Auftritte.

Als erste Zugabe beim Headliner gibt's dann noch den Moment fürs Familienalbum bzw. DVD-Backcover, als Musiker aller Bands zusammen Diamond Heads "Am I Evil?" zocken.

Bonusmaterial ist eine Backstagedokumentation, in der es zumindest gefühlt hauptsächlich ums Proben von "Am I Evil?" geht. Ansonsten fällt mir als Highlight eigentlich nur das unfassbare Kerry-King-Rückentattoo eines Fans ein.

Bemerkenswert finde ich den FSK-Aufkleber auf der Hülle.
In England sind beide DVDs wegen "strong language" ab 15 Jahren zu haben, für uns Nicht-Muttersprachler sind sie mit "FSK 0" eingestuft. Dennoch wurde vorne "FSK 12" draufgepappt. Ich suche immer noch nach dem schlimmen, nicht kindgerechten Detail im Booklet

Anspieltipps: zu viele potentielle, da kann ich mich nicht entscheiden ;)



Nun zu einer Band, die man ebenfalls als "The Big 4" bezeichnen könnte. Nicht umsonst stehen die Namen der Musiker - Tony Iommi, Geezer Butler, Vinny Appice und Ronnie James Dio - prominent direkt auf dem DVD-Cover:


HEAVEN & HELL - Neon Nights / Live At Wacken (2010)

Die "Night To Remember" auf dem Wacken Open Air 2009, war - das hat man schon live vor Ort gespürt - eine ganz besondere.

Viele Besucher ahnten gewiss, dass dies ihre letzte Gelegenheit sein könnte, diese vier Metal-Urväter in dieser Konstellation zusammen auf der Bühne zu sehen. Tatsächlich sollte es der letzte Konzertmitschnitt von Ronnie James Dio werden, bevor er an Magenkrebs erkrankte und diesem im Mai 2010 erlag.

Neben der Dokumentation eines hervorragenden Auftritts, der durch eine extralange Version des Black Sabbath-Übersongs "Heaven And Hell" (natürlich) gekrönt wird, ist "Neon Nights" also auch das finale Vermächtnis Dios. Und welcher Rahmen wäre dafür würdiger gewesen?

Der einzige kleine Makel, den ich an der DVD ausmachen kann, ist, dass ich an einigen Stellen gerne mehr vom mitsingenden Publikum hören würde. Ansonsten wurde das Konzert natürlich hervorragend aufgezeichnet. Und mehr braucht es auch nicht.
 Metal-Journalist Malcolm Dome schreibt im Booklet so einfach wie treffend: "It's a cliché, but it happends to be true in this case: we will never see their like again."

R.I.P., Ronnie!

Anspieltipps: Heaven And Hell, Children Of The Sea

2010-12-27

Tonträger 2010, Teil 5 : Pappe vs. Plastik (SLAYER, IRON MAIDEN)

Heute komme ich zu zwei Alben, zu denen ich mich musikalisch gar nicht weiter detailliert auslassen möchte, da sie die meisten Fans eh schon längst kennen, und von denen eines eigentlich gar nicht hier hingehört, da es bereits 2009 erschienen ist.

Ich als Spätkäufer war allerdings eine Weile im Irrglauben, es sei erst dieses Jahr rausgekommen, und ich finde, es passt gut an diese Stelle, weil sich die Scheiben beider Bands durch suboptimalen Vorbildcharakter in punkto Hüllengestaltung bzw. Extras auszeichnen, worüber ich mich gerne ein wenig echauffieren möchte. ;)


SLAYER - World Painted Blood (2009)

Ok, was die Verpackung angeht, bin ich ja selbst Schuld. Habe nicht aufgepasst und bin an die Sparvariante geraten. Die spart wenig am Preis, dafür umso mehr an allem anderen. Eine Papphülle, aus der man die CD ziehen kann. Wäre hinten kein Barcode drauf, hätte ich's für eine Promoversion gehalten. Vorne auf dem Cover schön deutlich der in der Vergangenheit auch schonmal kürzere Hinweis "Parental advisory / explicit content / strong language / sexual + violent content" und drinnen zum Glück kein Booklet, indem ich die explizite Lyrik nachlesen könnte. Es gibt ja durchaus Künstler, bei denen Minimalismus zum Konzept gehört, aber bei einem Slayer-Album erwarte ich doch zumindest, dass die Herren Araya, King, Hannemann und Lombardo im (vorhandenen) Booklet namentlich erwähnt werden.

Ja, ich weiß, ich hätte auch eine andere Fassung kaufen können! Aber warum bringt Sony diesen Quatsch überhaupt raus? Soll das etwa die Antwort der Musikindustrie auf rückläufige Tonträgerabsätze sein?

Die Musik ist hingegen gar nicht zu beanstanden, um es in Radiosprache zu sagen: Das Beste der 80er, 90er und von heute! Also, das beste von Slayer natürlich. Slayer sind frisch und slayer wie eh und je, was will man mehr? Sehr geil!


Anspieltipps: World Painted Blood, Public Display Of Dismemberment, Playing With Dolls




IRON MAIDEN - The Final Frontier (2010)

Eigentlich müsste ich diese "Limited Metal Tin Box" ja loben, weil es endlich mal eine Sonderverpackung ist, aus der sich der Tonträger einfach und sicher lösen lässt. Gerade Stahlboxen meide ich eigentlich schon seit Ewigkeiten wie der Teufel das Weihwasser, seit mir damals nämlich Kreators "Cause For Conflight" aufgrund der störrischen Halterung bei der Entnahme zerbrochen ist. Heutzutage sind es vor allem Multi-DVD-Boxen, bei denen mir die Erinnerung an diesen Moment den Angstschweiß auf die Stirn treibt...

Aber bei dieser Maiden-Box geht das ganz fluffig. Einerseits.
Anderseits ist das Ganze natürlich ein Traum aus Alu und Weichplastik, dass man fast fürchtet, "The Final Frontier" sei auf Spielzeuginstrumenten eingeklimpert worden.
Sollte dies tatsächlich die anvisierte Wirkung sein? Für mich ein Fall von guter Idee und unwürdiger Umsetzung. Das Cover an sich ist ok, wenn man's nicht so ernst nimmt... Maiden hatten schon schlimmeres, und gerade den kleinen Space-Invaders-Gedächtnis-Eddie unten links finde ich eigentlich ganz witzig.

Ärgerlich hingegen sind die Extras.

Liebe EMI, liebe andere Plattenfirmen, die ihr uns immer wieder mit diesem Blödsinn verarscht: Kein Mensch braucht euren beschissenen Online-Bonus-Content! Niemand! Punkt.

Wenn ihr Extras habt, die es wirklich wert sind, mit dem Hauptprodukt zusammen veröffentlicht zu werden, dann tut es doch bitte einfach auf dem Tonträger selbst bzw. mit einer Bonus-Disc! Die kosten euch in Herstellung nicht die Welt und der Kunde zahlt dafür auch gerne einen Euro mehr. Und vor allem kann er sie sich auch in fünf Jahren (also wahrscheinlich beim zweiten Betrachten überhaupt) noch einmal anschauen.
Euer Internetkram ist bis dahin doch vermutlich längst den Weg ins Datennirvana angetreten. Das kenne ich doch schon vom Bonus des Herrn-Der-Ringe-Soundtracks.


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Das wäre in diesem Fall natürlich kein riesiger Verlust. Die Interviews zum Album hätte man auch einfach so über Youtube etc. veröffentlichen können, Live-Fotos von Iron Maiden sind ja eine ganz originelle Sache, die es vorher noch nie gab, und dieses Raumschiff-Browserspielchen ist an Heavy Metal und Relevanz in Bezug auf die Band ohnehin nicht zu überbieten.

Wenn ihr wirklich nur das zu bieten habt, dann schmeißt es bitte umsonst ins Volk und verkauft uns einen stinknormalen, bonusfreien Tonträger, anstatt uns einen vermeindlichen Mehrwert vorzugaukeln, wo es dauerhaft in Wahrheit nur eine komische, so naja... mittelüberzeugende Frischhalteboxe gibt.


Zum Glück haben sich die sechs Musiker selbst mehr Mühe gegeben und ein echt amtliches Werk abgeliefert.

Manches Intro könnte ein bisschen flotter auf den Punkt kommen, aber ansonsten kann ich nichts beanstanden. Maiden in allen Spielarten von straight rockig bis progressiv verspielt mit allen bekannten Trademarks. Dazu ein beeindruckend trockend produzierter, fast immer solo ohne Backgroundchor singender Bruce Dickinson - fein! Die Platte wächst bei mir immer noch mit jedem Hördurchlauf.

Überraschendster Moment: Im Instrumentalteil von "The Man Who Would Be King" klingen Iron Maiden plötzlich überhaupt nicht wie Iron Maiden. ;)

Anspieltipps: Starblind, When The Wild Wind Blows, Isle Of Avalon, Mother Of Mercy

2010-08-09

Wacken 2010 - Festivalbericht

Vorweggenommenes Fazit: das Wacken Open Air war geil, mit Sicherheit eines der besten aller Zeiten!

Schade nur, dass ich diesmal ohne die charmante Begleitung der letzten beiden Jahre auskommen musste. Aber vielleicht ja nächstes Mal wieder? ;)

Als einzigen organisatorischen Mangel muss ich neben den paar unvermeidbaren doofen Bandüberschneidungen ankreiden, dass die Definitionshoheit darüber, was eine "normale" Kamera ist, bei Ordnern liegt, die davon z.T. so wenig Ahnung haben wie ich meinerseits vom wirkungsvollen Einsatz muskelaufbauender Präparate.

Einerseits bin ich natürlich immer wieder dankbar, wenn mir jemand erklärt, dass meine niedrigpreisige Allerwelts-Consumer-Spiegelreflex Profiausrüstung ist - ich als Amateur weiß davon nämlich nichts ;) -, anderseits bezahle ich ungern hundertdreißig Euro Eintritt, nur um mit schlecht gebrieften Securitynasen debattieren zu müssen oder sogar am Einlass abgewiesen zu werden, so dass ich ewig zu einem alternativen Eingang laufen muss. Und dass dann auch noch am Samstag, nachdem man drei Tage dort unterwegs ist.

Also liebe Verantwortlichen - wenn ihr wirklich solche Angst habt, dass jemand unakkreditiert zu gute Fotos schießt, dann macht doch erstens die Fotogräben noch zwanzig Meter breiter und hängt die Bühnen außerdem mit Vorhängen zu, auf denen große Fotoverbotsschilder drauf sind! Gute Fotos macht nämlich in der Regel nicht die Kamera, sondern der Typ dahinter, und auch mit einem iPhone kann aus der ersten Reihe sicherlich mal ein glücklicher Schuss gelingen.
Davon, das ich in den Vorjahren einige meiner beliebtesten Wackenfotos mit antiken Falt- und Boxkameras gemacht habe, fange ich am besten gar nicht an... ;)

So, genug gemotzt.

Meine bisher fertig aufbereiteten Bilder sind übrigens HIER zu sehen.
Bei einigen Bands wie z.B. Iron Maiden oder Slayer habe ich allerdings gar nicht erst versucht, zu fotografieren, weil das Bühnengeschehen für meine Profikamera zu weit entfernt, die Bühne zu dunkel bzw. das direkte Umfeld zu gefährlich war oder ich einfach gerade keinen Bock hatte. ;)


Ich war von Mittwoch bis Samstag in Wacken, habe allerdings wieder zu Hause gepennt und dementsprechend wenig vom Campingplatz gesehen. Ebenfalls nicht statt fand bei mir die W.E.T.-Stage (nur Mittwoch ein paar Minuten reingekuckt), der Biergarten (kein Mambo Kurt für mich dieses Jahr) und das Bullhead City Wrestling Zelt, in dem u.a. Ölcatchen und Wet-T-Shirt-Wettbewerbe stattfanden, damit gewisse Spiegel-Online-Schreiber auch etwas zu berichten hatten.

Ich pendelte hauptsächlich zwischen den drei Open-Air-Bühnen des Hauptgeländes und dem Wackinger Village hin und her.


Mittwoch:

W:O:A 2010 / bagpipes

Fußball und Highland Games gekuckt.

Musik fast nur von einer mir namentlich nicht bekannten Spielmannstruppe aus dem Wackingerdorf.

Dann recht früh nach Hause, da kein zwingendes Programm anstand und ich keinen Bock auf Regen hatte. Am Movie Field kuckte ich mich dann aber doch noch eine Weile an Anvil! The Story Of Anvil fest, eh ich zum Schluss kam, dass ich den ja auch jederzeit trocken zu Hause auf DVD kucken kann, wenn ich möchte.
Den heftigsten Schauer allerdings hatte es schon nachmittags gegeben, als ich eine Stunde lang für mein Armbändchen und die Full Metal Bag inklusive Plastikregenjacke anstand. ;)


Donnerstag:

Wetter von nun an warm - aber nicht zu heiß - und regenfrei.
Zum Aufwärmen erstmal eine lustige Gauklershow angesehen.

Musikalisch wurde es wahrlich eine Night to Remember:

Alice Cooper besser und mit mehr mir bekannten Songs als erwartet, hat mich gut unterhalten. Die Show ist natürlich Kasperkram, aber ehrlich - welche Metalshow, bei der Kostüme und Requisiten zum Einsatz kommen ist das nicht? Macht ja auch nichts, so lange es unterhält. :)

Mötley Crüe habe ich im Gespräch ja nur so am Rande mitbekommen und die sind auch wirklich nicht mein Ding. Nur der Drummer kam mir bekannt vor - hat der mal in irgendeinem Film mitgespielt? ;) Irgendwie lustig aber auch der Sänger, weil die Stimme überhaupt nicht zum Typen passt. Wirkt total, als wäre der die ganze Zeit hochgeschlumpfpitcht worden.

Iron Maiden
entfesselten das Publikum nicht so sehr wie vor zwei Jahren, da diesmal kein Klassikerset, sondern schwerpunktmäßig Stücke der letzten vier Alben gespielt wurde. Dennoch ist Maiden natürlich Maiden, daran gibt's nichts zu rütteln. Und die Stücke sind ja auch alle klasse. Schade nur, dass die Songs, die ich am liebsten gehört hätte, nämlich "Brighter Than A Thousand Suns" und "For The Greater Good Of God" nicht zum Zuge kamen.

Gojira wären noch ein sehr guter Grund gewesen, mal die W.E.T. Stage zu besuchen. Nur die liefen ja parallel zu Maiden - also nicht. Eindeutig der größte Klops in der Running Order.


Freitag:

Ein Wackentag mit historischer Highlightdichte am späten Abend. Und anstrengend - ich war von ca. 13:00 bis 03:00 Uhr dort, davon die allerwenigste Zeit nicht auf den Beinen. Ganz erholt habe ich mich davon glaube ich immer noch nicht.

Bands:

Orphaned Land
aus Israel kannte ich vorher nur vom kurzen Reinhören. Gefiel mir gut. Der Sänger behauptet, nicht Jesus zu sein. Tatsächlich lief er nicht über Wasser und es gab weder Freibrot noch -wein.

Lange lange hat's gedauert, so viele Jahre und Schicksalsschläge innerhalb der Band... Zu erklären, wie sehr ich mich auf mein drittes Voivod-Konzert nach 1993 und 1997 gefreut habe, würde hier den Rahmen sprengen. Hätte sonst nur der allerletzte Dreck in Wacken gespielt, ich wäre trotzdem wegen Voivod gekommen.
Und wie sehr die Band sich freute, war ihnen den ganzen Gig über hundertprozentig anzusehen und zu hören. Hammer! Wer das verpasst hat, ist doof. Basta.

W:O:A 2010 / voivod

Also liebe Herren Away, Snake, Dan, Blacky (oder im Studio meinetwegen auch Jasonic) - unbedingt neues Material aufnehmen! (wäre das erste ohne Piggy - R.I.P. - an der Gitarre) Und live sowieso weitermachen!

Fröhlich weiter ging's mit The Boss Hoss. Die Cowboys sorgten wie schon letztes Jahr für riesige Partystimmung und waren sich dabei der Ironie auf der "True Metal Stage" spielen zu dürfen durchaus bewusst.

Danach gab's für mich ein bisschen Pause, futtern, ein paar Songs Arch Enemy, Futtern und Feuershow, nebenbei Grave Digger...

... und dann von Viertel nach elf bis drei Uhr morgens drei Hauptacts komplett hintereinander:

SLAAAAAAAYYYEEEER!!!!
Was soll ich noch mehr sagen? Slayer sind einfach die Macht! Schön, dass die "Seasons In The Abyss" gut vertreten war in der Setlist. Ja Mensch, was soll man noch groß sagen...
SLAAAAAAAYYYEEEER eben.

Danach kamen dann Anvil.

Ich habe ja ziemlich viele Ideen, worüber ich mal bloggen könnte, die ich dann doch nicht umsetze. Eine davon wäre ein Doppelreview des Iron-Maiden-Films "Flight 666" und der schon weiter oben erwähnten exzellenten Doku "Anvil! The Story Of Anvil" gewesen, zwei Filme, die gegensätzlicher kaum sein könnten: auf der einen Seite die Metalmillionäre, die im eigenen Jet, gesteuert vom Sänger persönlich von Megakonzert zu Megakonzert fliegen, auf der anderen Seite die Kanadier, welche in den frühen Achtzigern auf dem Weg zum ganz großen Metal-Ruhm waren, dann aber irgendwie auf der Strecke blieben und ihrem Traum, irgendwie an diese Rockstar-Zeiten anzuknüpfen auch unter widrigsten Bedingungen jahrzehntelang nicht aufgeben.

Nachdem man diese Band ja in jenem vielleicht großartigsten aller Rock'n'Roll-Film in ihren absurdesten und bittersten Momenten erlebt und mitgelitten hatte und ich auf dem aktuellen Album "This Is Thirteen" feststellen musste, dass die Musik auf Platte tatsächlich nur bedingt funktioniert und Lips auch kein wirklich großartiger Sänger ist, war es schon sehr befriedigend zu sehen, wie Anvil auf der Hauptbühne von Wacken - mit fetterer Lightshow als Slayer - die Zeit ihres Lebens hatten und rockten wie Sau! Lips machte Faxen, schrie Ansagen in sein Gitarrenpickup und packte den legendären Gitarrensolo-Dildo wieder raus, Robb Reiner spielte eines der wenigen wirklich guten Drumsoli in der Geschichte des Festivals. Metal on Metal! Um es mit Nigel Tufnel zu sagen: Dieser Auftritt ging bis 11!

W:O:A 2010 / anvil


"Sehr gutes Ding - ein dritter Teil 2011 muss aber nicht mehr sein. ;)"

Das sagte ich vor zwei Jahren zum "Cantus Buranus" von Corvus Corax. Nunja, der dritte Teil kam ja jetzt sogar schon ein Jahr früher als von mir prognostiziert. Und was interessiert mich eigentlich mein Gefasel von vorgestern?
Am Rezept (tausend Leute auf der Bühne, mittelalterliche Instrumente + Orchester + Chor + ab und zu Opernsängerin, Bombast, Bombast und nochmal Bombast) hat man nichts geändert. Ein bisschen düsterer war's vielleicht noch. Und einfach schwer beeindruckend.

Eine Stunde später zu Hause war ich gerädert wie vielleicht noch nie nach Wacken - war aber dennoch schon voller Vorfreude auf den...


Samstag:
Deutlich weniger "Pflichttermine" im Programm, also hatte ich es auch nicht ganz so eilig loszufahren.

Dennoch war ich um 15:45 Uhr pünktlich zu Overkill vor Ort. Auch so eine Band, die mich im Studio nicht richtig überzeugt, aber live regelmäßig alle Zweifel wegbläst.
Nach einigen Songs ging ich nach vorne, um von der Seite durch den Graben zurückkehrende Crowdsurfer zu knipsen, was sich ja schon letztes Jahr als ganz unterhaltsamer Zeitvertreib erwiesen hatte.
Das war's auch diesmal wieder - bis zu dem Moment, in dem ich Zeuge der laut Polizeibericht einzigen wirklich schweren Verletzung in Wacken wurde, als ein Fan ausrutschte, mit dem Hinterkopf gegen eine Strebe der Absperrung knallte und regungslos liegenblieb. Ziemlich übel anzuschauen... zum Glück hat er das überlebt.

(Mehr von mir dazu und zum Thema Crowdsurfing hier auf flickr.)

Dadurch, dass ich deswegen etwas früher wieder nach hinten ging, traf ich mal wieder meinen Bruder, den ich zuletzt kurz nach Voivod gesehen hatte, wo er genau wie ich in der ersten Reihe gestanden hatte, der mir stolz erzählte, wie er kurz darauf noch Blacky und Away von Voivod auf dem Gelände getroffen und sich ein Autogramm erstalkt hatte. ;)
Kurz nach dieser Erzählung geschah dann der oben erwähnte Einlasszwischenfall mit der zu professionellen Kamera. Schon faszinierend, wie schnell man in Wacken mitten im Gespräch auseinandergerissen werden kann...

Wieder auf dem Gelände gab ich mir ein wenig gepflegten Präzisionsgrindcore von Lock Up und direkt im Anschluss auf der Wackinger Stage das irishfolkige Kontrastprogramm mit The Keltics.

W:O:A 2010 / the keltics

Das Finale bildeten für mich schließlich die beiden letzten Bands auf der Party Stage, nämlich die Doom-Götter Candlemass und die komplett ihr Klassikeralbum "Wildhoney" zelebrierenden Tiamat. Zwei fantastische Auftritte und ein relativ ruhiger, atmosphärischer Abschluss für ein Metalfestival.

Im ersten Regen nach einem staubtrockenen Tag verließ ich um halb zwei glücklich das 21. Wacken Open Air.
Für eine beste Band kann und will ich mich diesmal gar nicht entscheiden, da war ja gleich eine Handvoll Gruppen, die dieses Prädikat verdient hätten.

Wie ich schon eingangs sagte: mit Sicherheit eines der besten W:O:As aller Zeiten! :)


Bandwünsche für nächstes Jahr:
  • die nach wie vor überfälligen Dream Theater
  • die frisch reunierten Autopsy!
  • die Celtic Frost-Nachfolger Tryptikon
  • und Cynic können auch gerne dem Club der Bands, die alle zwei, drei Jahre kommen beitreten
  • Jesu oder alternativ auch ein weiteres Livereunionskonzert von Godflesh, aber lieber Jesu ;)