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2015-08-10

WACKEN 2015 - Matsch? Egal. Becherskandal!

Yep, ich bin spät dran. Erst hatte ich ein paar Tage lang noch keine Lust, diesen Bericht anzufangen, und dann kam Wackens Rache - eine fiese Sommererkältung, die ich mir eben dort eingefangen habe.



Dabei war das Wetter doch super, so wie fast jedes Jahr am Wochenende rund um den ersten Samstag im August. Ok, es hat kurz vorher ziemlich heftig geregnet, aber das zählt nicht. Bis inklusive Freitag war schließlich noch Juli.

Würde sich das Veranstaltungsdatum nach dem ersten Freitag im August richten, dann hätte die Gesamtsituation wohl schon ganz anders ausgesehen. Doch ich will gar nicht, dass sich da etwas ändert, denn auch wenn Matschzombie-Bilder zur medialen Folklore gehören; bis auf einzelne Schauer ist das Wacken Open Air durchschnittlich eine - zumindest meteorologisch - recht trockene Angelegenheit. 1999, 2002, 2012 und 2015 waren während der gesamten Laufzeit des Festivals die einzigen Jahre, in denen das Pisswetter zu einer ernsthaften Herausforung wurde.
Und abgesehen davon, dass das Vorankommen auf dem matschigen Grund für alle schwierig war, muss ich mal ganz egoistisch feststellen, dass ich mit den wirklich schlimmen Problemen (gesperrte Campingplätze, Ausweichparken in Itzehoe oder sogar Hungriger Wolf usw.) als bei einem Anwohner parkender Heimschläfer zum Glück nichts zu tun hatte.


Mittwoch

Der Weg zur Bandausgabe hat sich selten so lang angefühlt. Was für ein Matsch auf dem Weg über die Campingplätze! Die Wartezeit in der Schlange hielt sich jedoch in Grenzen, so dass noch ein gesundes Zeitfenster zum ersten Programmpunkt auf meiner persönlichen Running Order blieb.



Unmittelbar vorher machten noch die bekloppte holländische Marching-Band Blaas Of Glory in der Nähe der Wackinger Stage Station. Das Lied, mit dem die Gruppe zu ihrem nächsten Auftrittsort abmarschierte, war ganz klar der Theme Song des heutigen Tages: "The Final Countdown"




Danach hieß es dann, sich von der Bühne aus verzaubern zu lassen. Anders kann man ja nicht beschreiben, was passiert, wenn Anneke van Giersbergen den Mund aufmacht. Die Dame könnte auch alleine das Telefonbuch von Amsterdam vorlesen und es wäre ein Ereignis. Einfach wunderschön, charismatisch, zauberhaft.
Statt Namen und Nummern gab es natürlich in erster Linie Musik von The Gentle Storm, bekannterweise live ohne den scheuen Mann hinter dem Vorhang Arjen Lucassen. Ebenfalls nicht dabei war der Keyboarder der Band, weil diesem am Morgen das Auto mit seinem kompletten Equipment gestohlen worden war!
Trotzdem wurde es ein tolles Konzert. Die Mannen und Frauen um Drum-Maschine Ed Warby ließen nichts anbrennen. Auch die Backgroundsängerin wusste die richtigen Akzente zu setzen.
In einem Cover-Block kamen u.a. noch im Original ebenso von Anneke van Giersbergen gesungene Songs von The Gathering und Devin Townsend zum Zuge.

Nur ein bisschen nass war es.

Aber zum Glück fand der Rest unseres Musikprogramms komplett auf den den beiden Bühnen im Zelt statt, welches dieses Jahr erstmals einen kompletten festen Boden hatte, so dass es keine Mudpits vor den Bühnen gab. Allerdings folgten die Bodenplatten durchaus den Unebenheiten des Geländes, für kalte Füße in großen Pfützen war also trotzdem gesorgt.

Und das war wohl auch, wo ich mir meine Erkältung abgeholt habe.



Nachdem wir noch die letzten Stücke des Superhelden-Kasperletheaters der Grailknights mitbekommen hatten, war es Zeit für den Wacken-Klassenclown Nr. 1 Mambo  Kurt.

Im Zelt hatte ich den Mann in beige bisher tatsächlich noch nie gesehen. Ansonsten war es natürlich der gewohnte Heimorgel-Hardcore. Und natürlich durfte im Reigen von Mambos Coverversionen nicht die absolute Hymne des Tages fehlen: "The Final Countdown"
Highlight war diesmal allerdings das letzte Stück, bei dem er einen "Mambo II" an die Heimorgel setzte, während er selbst crowdsurfen ging. Und sein Ersatz war echt mal eine Bühnensau und hat bis ganz zum Schluss super einen hingeorgelt.


Als nächstes spielte eine Kultband der Achtziger, die früher komplett an mir vorbeigegangen war, jedoch genauso klang, wie ich sie mir optimistisch vorgestellt hatte.
Der treibende Postpunkfolkindependetrocksound von New Model Army räumte gut ab und wusste auch mich ohne Einwände zu überzeugen.



Ganz anderes Programm dann direkt im Anschluss auf der anderen Bühne.
Uli Jon Roth hatte ich bisher nur bei seinem ziemlich wirkungslosen Gastauftritt beim Wacken-Konzert von Deep Purple erlebt. Dementsprechend waren meine Erwartungen eher gedämpft. Technisch gut, aber zu generisch, das war meine Prognose, mit der ich allerdings weit daneben liegen sollte!

Tatsächlich dachte ich auch die ersten zwei, drei Lieder lang noch, dass der Sänger klasse ist, mir die Musik an sich gut gefällt, aber dieses hohe Gefiedel vom alten Hippie auch weg könnte... Doch dann kam eine Nummer, in der er richtig aufdrehte und von da an habe ich kapiert, was der gute Mann da macht, und wie er selbst bei Mordstempo aus den höchsten Bünden noch total gefühlvolle Klänge aus seinem Instrument holt. Am Ende war ich von diesem Auftritt komplett überzeugt. Großer Gitarrenrock vom Altmeister!


Nun war es beinahe Mitternacht. Zeit für den finalen... naihrwisstschon.


Zu den unmöglichsten Dingen dieses Wacken Open Airs, die ich mir noch vor wenigen Jahren wohl selbst nicht geglaubt hätte, gehört ganz klar, mittwoch nachts im Zelt ausgerechnet Europe abzufeiern.
Die Band mit diesem einen, vollkommen überspielten Stratosphärenhit, den man als Kind in falschem Englisch mitgesungen hat und der einem zur Zeit der ersten Wackenbesuche vollkommen peinlich gewesen wäre.
Und dann ist da ja auch noch der kleinere Zwillingshit "Rock The Night", welcher auf exakt denselben Akkorden beruht, und den ich, bis er gespielt wurde, erfolgreich verdrängt hatte.
Und Aaaaalter, war das eine Ekstase in der Menge, als dieses Zeug gespielt wurde!

Doch Europe waren ja niemals die Band, für die man sie angesichts ihrer anderthalb Hits halten könnte. Und tatsächlich ist ja auch "The Final Countdown" an sich ein gut arrangierter Song.
Der Grund, warum ich mir Europe überhaupt auf der Running Order markiert hatte, ist das aktuelle Album "War Of Kings", welches einfach mal - ganz ohne wenn und aber - saustark ist.

Alle Daumen hoch für Europe! Ganz großer Rock!


Donnerstag


*brrr*  Zu Wacken eine richtige Jacke anziehen? Was soll man machen...


Abgesehen davon, dass es recht kühl war, hielt sich das Schlechtwetter aber bereits in Grenzen, viel ernsthafter Regen kam da nicht mehr. Reicht ja auch, schon ständig aufpassen zu müssen, dass man sich nicht am Boden festsaugt.


Donnerstags ist ja immer die Gelegenheit, ein paar meiner Lieblingshassthemen auszupacken, doch ich denke zu Skyline und MegaBosch, welche beide gerade spielten, als wir ankamen, habe ich wohl in der Vergangenheit bereits genug gesagt. Ganz davon abgesehen haben wir ja zum Glück auch so gut wie nichts von beiden mitbekommen. Die Wastelandblablubb-Stage haben wir aus Sicherheitsgründen das ganze Festival lang nicht aus der Nähe gesehen.

Auch von U.D.O. mit dem Bundeswehr Musikkorps blieben wir gänzlich unbehelligt.


  
Stattdessen sahen wir uns im Bullhead City Circus noch ein paar Mini-Gigs der am internationalen Metal Battle teilnehmenden Gruppen an.

Den Anfang machten Troldskugge aus Norwegen, deren Pagan-Tralala-Black Metal gut gemacht, aber nicht wirklich mein Ding war. Trotzdem ganz witzig - und der Sänger ist so arschhässlich, dass er einen Sack überm Kopf tragen muss.



Ein ganz anderes Kaliber waren die Walkways aus Israel, welche sehr viel System Of A Down gefrühstückt hatten, jedoch mehr als ein reines Plagiat der Vorbilder waren.
Bühnenbild und Corporate Identity waren auch ziemlich gut durchdacht.
Im Wettbewerb haben sie am den zweiten Platz (von 28 Bands) gemacht, und das sicherlich nicht unbegründet.


Das Trio Libertad O Muerte aus Urugay überzeugte danach mit derbe dreckigem Thrash Metal, der meist gut in die Fresse ging, aber auch mit ein paar gelungenen rhythmischen Elementen der Marke Sepultura aufwarten konnte.


Stortregn aus der Schweiz zelebrierten dann zerstörerisch blastenden Black Metal wie er wohl am meisten Spaß macht.



Eine Band Pause, dann betraten die Teilnehmer aus Großbritannien die Bühne und machten schnell klar, dass die Jury sie wohl weit nach vorne wählen würde.

Der vierte Platz sollte es immerhin werden für Metaprism, die jetzt gar nicht die Musik spielen, welche ich mir kaufen würde, die sich jedoch mit ihrem Frontmännlein/Frontweiblein-Doppelpack ziemlich professionell präsentierten.
Etwas zu notgeil kam mir die Bildregie vor, welche anscheinend extra einen Kameramann abgestellt hatte, nur um das Dekolleté zu filmen, wenn diese die Matte kreisen ließ. Was ziemlich oft vorkam.

Tatsächlich ist mir im Dankeschön-Filmchen auf der Wacken-Homepage aufgefallen, dass dort jeden Menge Livebilder von den Hauptbühnen gezeigt werden, jedoch nur ein einziger Ausschnitt aus dem Zelt - ja, genau dieser Ausschnitt.


Jetzt stehe ich zugegebenermaßen etwas auf dem Schlauch. Habe ich die letzte Metal Battle-Band Arana aus Costa Rica gesehen? Fand ich sie gut? Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich hatte ich gerade einen Durchhänger. Auf jeden Fall habe ich eine Erinnerungslücke.

Noctiferia hatte ich mir als evtentuell interessant markiert. Waren sie dann aber doch nicht.
Also rüber zum Hauptgelände!


Dort hatte auf der True Metal Stage gerade Rob Zombie sein Coole-Sau-Programm begonnen. Ist schon sehr festivaltaugliches Zeug, gegen das man eigentlich nichts sagen kann.
So richtig mitnehmen konnte er mich allerdings auch erst mit alten White Zombie-Klassiker "Thunder Kiss '65".
Insgesamt hat mir der Mann zu viel Rockstarstimmungsquatsch und Coverversionen eingeschoben. James Brown anzuteasen war ja noch ganz witzig, aber wozu ein halbherziges "Enter Sandman"-Cover anspielen?




Im Anschluss gab es eine ungewöhnlich lange Pause, mussten für den Headliner der "Night To Remember" doch beide Bühnen umgebaut und zusätzliche LED-Leinwande anstelle der großen Werbebanner installiert werden.
Bzw. für die Headliner des Abends, handelte es sich doch um den ersten Auftritt der Power Metal-Legende Savatage seit über zehn Jahren, zusammen mit dem einstigen Ableger - und jetzt in den USA irre erfolgreichem Hauptprojekt der Truppe -  Trans-Siberian Orchestra.


So ganz klar war mir nicht, wie ich mir die Sache mit den zwei Bühnen vorstellen sollte, also bezog ich sicherheitshalber einen Platz ziemlich weit vorne in der Mitte, von dem aus man das Geschehen auf beiden Seiten gut beobachten konnte.

Die Show begann dann alleine auf der Black Stage mit dem Auftritt von Savatage, die als Sänger sowohl den Mountainking höchstselbst, Jon Oliva, als auch Zachary Stevens auffuhren.
Es begann mit Oliva und dem Doppelpack "Gutter Ballett" / "24 Hrs. Ago" und es war gleich klar, wer hier der unangefochtene Zeremonienmeister sein würde. Was für eine großartige, gepeinigte, authentische Stimme!

Nach sieben Stücken inklusive "Edge Of Thornes" und natürlich "Hall Of The Mountain King" ging dann das Licht aus und auf der True Metal Stage begann - zunächst ohne jegliche personelle Überschneidung mit Savatage - das Trans-Siberian Orchestra.

Das Konzept von TSO ist ja, bekannte Gassenhauer aus Klassik, Oper und sogar dem Weihnachtsliedergesangsbuch zu nehmen, und diese mit savatage-ähnlichen Riffs zu verheiraten und diese schon ziemlich kitschige Melange noch mit einer Armee von Lead- und Backgroundsänger(inne)n und sogar Tänzerinnen zu veredeln.

Yep, die Philosophie nutzt sich schnell ab. Anderseits kann ich mir auch schwer vorstellen, mit welcher anderen Art von Musik diese epochale Show vorstellbar gewesen wäre, insbesondere nachdem schließlich tatsächlich beide Bühnen gleichzeitig bespielt wurden und man gar nicht mehr wusste, wo man hinschauen sollte. Die totale Reizüberflutung!



Als Prinzip kristallisierte sich heraus, dass immer beide Bühnen gespiegelt wurden, d.h. es spielten permanent zwei Drummer zusammen, wenn auf einer Bühne ein Solo-Geiger stand, dann auch auf der anderen, fast alle Gesangsparts wurden zu Duetten mit einem Partner auf der anderen Bühne usw... Und wenn unter diesen Sänger dann mal eben eine Hausnummer wie Russell Allan dabei ist - das alleine sagt ja schon etwas aus.

Also auch wenn mein inneres Kitschometer geprüft wurde - das war einfach eine ganz schön epochale, musikhistorische Show!
Die Fernsehaufzeichnung gibt dies übrigens nur unzureichend wieder, da zum einen der Anfang fehlt, und sich dieses Zwei-Bühnen-Ding vielleicht auch gar nicht wirklich auf Konserve einfangen lässt.

Könnte ich nachträglich etwas ändern, dann würde ich am Mittelteil, in dem TSO alleine gespielt haben, kürzen, und dafür der reinen Savatage-Show noch zwei, drei Songs zuschlagen.





Freitag


Endlich normales Festivalwetter!

Den musikalischen Auftakt um eins servierten uns die Inzwischen-auch-schon-Dauergäste Sepultura.
Aber die Konzerte der Brasilianer in Wacken sind ja auch immer super. Diesmal wurde Bandjubiläum gefeiert und dementsprechend beinhaltete das Programm auch ein paar ganz alte Gassenhauer aus der Thrash Metal-Gruft. Kann man machen!




Kvelertak auf der Nachbarbühne interessierte mich dann nicht, doch mit dem melodischen Death Metal von At The Gates ging es danach mit hervorragendem Geboller weiter, ehe das erste der proggigeren Highlights des Tages anstand:

Queensrÿche boten eine hervorragende Mixtur aus technischer Versiertheit und eingängigen Hooks, so wie man es erwarten konnte. Natürlich schafften es auch einige "Operation: Mindcrime"-Hits ins Set, auch wenn die Band das Album ja nicht mehr komplett spielen darf. Sänger Todd La Torre war fantastisch aufgelegt, man brauchte also keine berüchtige Drama Queen am Mikro vermissen...


Nun stand ein böser Clash an: Opeth oder Annihilator?

Wir begannen zunächst einmal mit den kanadischen Thrashern auf der Party Stage. Die Mannen um Jeff Waters, bei denen für ein Lied - eine Stunde vor seinem Auftritt mit Dream Theater - ihr Ex-Drummer Mike Mangini vorbeischaute, machte ihre Sache zwar ordentlich, konnten mich aber bei weitem nicht so packen wie bei ihrem letzten Gastspiel in Wacken.

Nach einer Weile sortierten wir uns vor der True Metal Stage für Dream Theater ein und verfolgten währenddessen noch einen guten Teil der Show von Opeth.
Ich muss schon sagen: Der Trend ihres Headlinergigs auf dem Roadburn Festival hält an: die Schweden gefallen mir live immer besser. Allein diese mahavishnu orchestra-würdigen Schlagzeuggrooves sind der Hammer. Die Balance zwischen Seventies Prog, Folk und Death Metal stimmte und die Laut/leise-Dynamik funktierte diesmal auch wunderbar, da die Soundcrew hier eine der sicherlich besten Leistungen des Wochenendes ablieferte. 1a!



Und nun war es soweit. Der Augenblick, auf den ich in meinen Reviews seit zehn Jahren hingemeckert habe: Dream Theater spielten in Wacken!

Statt eines typischen Festivalprogramms aus Klassikern plus ein paar neuen Stücken feierten die Progmetaller auf ihres Sommertour ihr dreißigjähriges Jubiläum, indem sie in chronologischer Reigenfolge von jedem Album einen Song spielten.
Das waren allerdings ein paar Stücke zu viel für die in Wacken vorgesehene Zeit, so dass die Alben "Awake", "A Change Of Seasons", "Six Degrees Of Inner Turbulence" und "Black Clouds & Silver Linings" hier unberücksichtigt bleiben mussten. Gekürzt wurden vor allem ruhigere Stücke, so dass abgesehen von der Mitsing-Ballade "The Spirit Carries On" ein ziemlich metal/rifflasiges Set übrig blieb.

Die Fans liebten es und feierten die Band zurecht ab, auch wenn die vorangegangene Tour der Stimme James LaBries anscheinend nicht gut getan hatte. Gesanglich war das verglichen mit den letzten Dream Theater-Konzerten, die ich gesehen habe, leider ziemlich schwach.
Natürlich waren das Set und die Dramaturgie letztes Jahr in Hamburg noch besser, aber das damalige Programm mit einer Festivalshow schlagen zu wollen, wäre auch illusorisch.
Nee, das war schon super! Ein bisschen vermisst habe ich allerdings die Comic-Alter-Egos der Band, die diesmal in keinem Filmchen vertreten waren.


Für das Finale des Freitags ging es nun wieder rüber ins Zelt, wo wir noch die letzten Minuten von Armored Saint mitbekamen, die klar machten, dass die Show von John Bush, Joey Vera und co. sicherlich nicht von schlechten Eltern gewesen war.
Aber man kann halt nicht alles haben. Gerade jetzt verzichteten wir ja auch auf die Black Label Society, um an der folgenden Zeremonie teilzunehmen...




"Zeremonie", da die Schweizer Samael das zwanzigjährige Jubiläum ihres Klassiker "Ceremony Of The Opposites" feierten, ein Album, welches ich damals ziemlich geliebt habe - und zugegeben auch das letzte Album der Band, mit dem ich mich beschäftigt habe. Von daher war der Auftritt für mich auf jeden Fall sowohl nostalgisch als auch immer noch aktuell.

Eines der ungewöhnlichsten Merkmale des (Post-)Black Metals von Samael ist, dass der Großteil des Schlagzeugs aus dem Computer kommt, nur hin und wieder akzentuiert durch zusätzliche echte Drums, da der Schlagzeuger (übrigens noch derselbe Herr wie vor zwanzig Jahren) ansonsten die Keyboards bedient. Nein, das entspricht nicht dem traditionellen Metal-Reinheitsgebot, ist tatsächlich aber ziemlich geil.
Einige Songs des komplett gespielten "Ceremony"-Albums wurden auch darüber hinaus ein wenig mehr an den elektronischeren Sound der modernen Samael angepasst, aber das machte das Ganze nur interessanter.

Ungewöhnlich, eigenwillig, auf die Glocke, böse. Sehr gut, Samael!



Es war nun zehn und es standen u.a. mit Nuclear Assault und My Dying Bride durchaus noch interessante Gruppen auf den Brettern, doch wir waren schon lange genug auf den Beinen und machten uns für heute auf den Heimweg.

Bei trockenen Bodenverhältnissen, die einem auch mal erlauben, sich eine Weile hinzulegen, schafft man doch wesentlich mehr Programm.



Samstag


Erkältungsbedingt war unser Wacken-Kommando inzwischen auf zwei Leute (mein Bruder und ich) geschrumpft. Das bedeutete für mich vor allem, dass weniger Leute genervt warten würden, während ich zum ersten Mal seit bestimmt mindestens zehn Jahren das Metal-Markt-Zelt heimsuchen wollte.

Tatsächlich habe ich mich auch nicht durch die komplette Vinylauswahl gearbeitet, sondern nur stichprobenartig in einigen Ecken zugeschlagen. Auch die Bühne mit ihren Krankenschwester-Shows und solierenden Drummern ließ ich links liegen.

Obwohl es der letzte Festivaltag war, gab es noch viele Schätze zu entdecken und die Versuchung, sich diverse Klassiker endlich auch auf Platte zu holen, war groß. Im Sinne meines Budgets (und meiner Schulter, welche die Einkaufstasche schließlich den Rest des Tages trage sollte) blieb ich allerdings standhaft und beließ es insgesamt bei vier LPs:



Ja, bis auf unten rechts eine ziemlich antizyklische Auswahl für dieses Festival - dafür aber sehr geil. ;)


Zu Powerwolf sage ich besser nichts. Wer's mag...

Es ist zu ertragen, wenn man danach mit einem der absoluten Highlights des Festivals belohnt wird:


Amorphis spielten "Tales From A Thousand Lakes".

Yep, noch ein Album, das Geburtstag feierte. Mit genau diesen Stücken hatten wir die Band vor zwanzig Jahren in einem winzigen Liveclub in Itzehoe gesehen, wo sie vor überschaubarem Publikum und erheblich alkoholisch angeheitert eine ziemlich chaotische, aber kultige Show abgeliefert hatten.

Und nun nur wenige Kilometer entfernt, doch auf der Black Stage des größten Metal Open Airs der Welt. Was für ein Gegensatz!
Und die Finnen waren verdammt gut, auch wenn der strahlende Sonnenschein so gar nicht auf Songs wie "Black Winter Day" abgestimmt war. Wie gesagt: Amorphis waren eines der Festivalhighlights!


Danko Jones nahm ich wohlwollend nebenbei auf, doch der nächste Auftritt, dem wir vollständig beiwohnten, fand auf der beschaulichen Bühne des Biergartens statt, wo wir direkt noch gute Sitzplätze in direkter Hörweite zur Action ergatterten.


Steve'n'Seagulls, finnische banjobekloppte Partycoversensation aus diesem Internet spielten Rock- und Metalklassiker auf ihre eigene, ganz unnachahmliche Weise und die Meute war aus dem Häuschen.

Definitiv die Partyband, die man dieses Jahr gesehen haben musste!


Auf der Black Stage war parallel dazu anscheinend auch Party, als unter dem minimal spannenden Titel Rock Meets Classic anscheinend gerade Dee Snider mit schickem "Stop Taking Selfies!"-Shirt seinen größten Hit sang. Hatte ich gar nicht gewusst, dass der auch hier auftauchen würde...


Bloodbath spielten ordentlichen Death Metal, den ich allerdings nicht wirklich beurteilen kann, da wir nur ein Stückchen des Auftritts aus weiter Ferne betrachteten.
Wir wollten nämlich keinen Schlenker durchs Infield machen, da der nächste Hauptprogrammpunkt doch wieder am anderen Ende des Geländes im Zelt stattfinden sollte.



Setz mir die Pistole auf die Brust und frag mich, was der eine beste Auftritt des W:O:A 2015 war - wenn ich mich entscheiden müsste, dann könnte es tatsächlich der Gig von Morgoth gewesen sein.

Ein Indiz dafür ist auf jeden Fall, dass ich nach keiner anderen Show so sehr überrascht war, dass es schon zu Ende war. Viel zu kurz!

Die Könige des deutschen Todesbleis bretterten uns Hits von "Cursed" und "Odium", sowie Stücke des neuen Albums "Ungod" um die Ohren  und es war einfach die ultimative Death Metal-Show".
Viel besser als 2011 auf der Party Stage. Fantastisch!

Apropos Party Stage...




Dort hatte bereits die nächste Death Metal-Abreibung begonnen.

Cannibal Corpse blasteten, staubsaugten und solierten, als gäbe es kein Morgen. Saugeil!
Und besonders komisch, wenn sich zu ihrem Ultrabrutalgebolze die Leinwandbilder der Hauptbühne anschaute, auf denen Sabaton (siehe Powerwolf...) herumposten.

Für den Death Metal war dies auf jeden Fall ein ganz großer Tag.



Doch nun hieß es erstmal Heavy Metal, denn Judas Priest gaben sich auf der True Metal Stage die Ehre.

Was soll man zu Priest schon groß sagen?
Ich bin überhaupt kein Experte für die Band, doch 2011 fand ich sie überzeugend, und diesmal ebenso. Rob Halford an sich ist ja schon eine Metal-Großmacht. Und er war wohl der einzige Sänger mit so viel Geschichte in seiner Stimme wie Jon Oliva an diesem Wochenende.

Vor der Bühne war es zurecht proppevoll, kein Wunder, gönnte sich doch nun auch die Chefetage mal ein Konzert vom Publikum aus. (Zumindest Thomas Jensen sortierte sich direkt neben mir ein.)

Nach vielleicht zwei Dritteln von Judas Priest verzichteten wir allerdings auf die ganz großen Hits und machten uns zum nächsten Death Metal-Sahnestück auf.



Aaaalter! Was hatten die Todesmetaller denn heute alle im Tee?

Wie geil bitte waren Obituary?

Nee, komm, mir fällt nichts mehr ein. Wahnsinn.



Und das war dann mal wieder ein großes, langes, wunderprächtiges Wacken Open Air für uns.


Es gab wieder diverse kleine Verbesserungen hier und da, die Stimmung unter Fans und Crew war bestens und für das Wetter kann ja niemand was.

Das einzige was mich wirklich negativ gestört hat war die Getränkepreiserhöhung über die Verkleinerung der Becher.

Vielleich wäre mir dies alleine gar nicht aufgefallen. An einem Getränkepils wurde mir allerdings ein größerer Becher vom Vorjahr (entsprechend weniger gefüllt) angedreht. Und diesen Becher hat dann natürlich niemand mehr zurückgenommen!

SKANDAL! ICH KOMME NIE WIEDER!!!!elf!!!



Zum Schluss noch meine obligatorischen Bandwünsche für nächstes Jahr. Ich beschränke mich mal auf Gruppen, deren Buchung für Wacken ich tatsächlich für realistisch vorstellbar halte - und Junge ist das ungewohnt hier zum ersten Mal nicht Dream Theater auflisten zu müssen...

Anthrax
Blues Pills

Melvins
Metal Allegiance
Motorpsycho
Sulphur Aeon
The Dillinger Escape Plan
The Winery Dogs
Voivod 

Das würde mir erstmal reichen. Aber dass ich komme, ist ja eh schon gesichert.


(edit: Aus aktuellem Anlass gehören auch Mordred unbedingt auf die Wunschliste!)

2015-04-03

MORGOTH - Ungod

Morgoth, in den frühen Neunzigern die deutsche Death Metal-Band von Weltformat, ist zurück!

Ok, das ist jetzt nicht ganz neu, da die Jungs ja schon seit ein paar Jahren wieder live unterwegs sind. Doch nun gibt es auch endlich wieder ein neues Studioalbum.



MORGOTH - Ungod (Vinyl) (2015)

Reden wir gar nicht erst um den heißen Brei herum! "Ungod" ist exakt das, was die allermeisten Fans erhofft und erwartet haben dürften: wohlfühlige Oldie-Komfortzonenmusik für alle, die musikalisch mit Death Metal rund um 1990 - und speziell natürlich mit Morgoth - musikalisch sozialisiert wurden.

"Cursed" und "Odium" waren damals eine Macht und haben sich auch bis heute gut gehalten.
"Ungod" schließt nun genau an diese beiden Klassiker an, bzw. könnte stilistisch im Grunde dazwischen liegen, auch wenn es technisch beiden überlegen ist. Aber keine Sorge: Die Kernkompetenz der Gitarristen beschränkt sich nach wie vor auf eingängige, maßgeblich von den frühen Death inspirierte Riffs und Leads ohne prog-tastische Schnörkel.

Das thrashige Geknüppel, die Grooves, die Schreibmaschinenbassdrums, die energisch düstere Stimmung - alles wie früher. Der Sänger ist zwar neu, hat aber einen Grunzstil der kaum noch näher an Marc Grewe sein könnte. Der Titelsong ist ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben. Der Rausschmeißer "The Dark Sleep" ist ebenfalls ein Instrumental, also wie auf den Referenzalben.

Ja sogar an ein paar Textzeilen in leicht klopsigem Englisch (besonders in "Descent Into Hell") wurde gedacht. Ich will den ganz komischen Klops gar nicht zitieren, aber kennt ihr als international gefeierte Kultband da denn niemanden, der das mal lektorieren kann?

Insgesamt sind die Lyrics allerdings schon ok. Düsterer Wortbaukasten, effektiv und mit einprägsamen Schlüsselversen - passt alles zusammen. Schön auch die augenzwinkernd programmatische Ansage am Ende des kurzen Openers "House Of Blood": "Close your eyes and you will know / This is the ultimate death metal show".

 Ja, "Ungod" ist tatsächlich 100% lupenreiner Old-School-Death Metal. Keine Experimente wie auf dem vielverrissenen, aber auch sträflich unterbewerteten "Feel Sorry For The Fanatic" von 1996, nicht einmal die vergleichsweise kleinen Schlenker von "Odium".

Die musikalische Abenteuerlustigkeit des neuen Werkes liegt demnach klar bei plusminus Null. Dem Gegenüber ist die Qualität des Gebotenen jedoch exzellent. "Ungod" ist einfach ein schweinegeiles Album.

Und für ein Comeback-Werk nach langer Pause halte ich es auch für legitim, sich an seiner besten bzw. beliebtesten Phase zu orientieren (siehe auch Godflesh oder Dead Can Dance) - unter der einen entscheidenden Bedingung allerdings, dass man nicht nur einen müden Aufguss des Vergangenen abliefert, sondern auch klar erkennen lässt, dass man auf wirklich Bock auf den Scheiß hat.
Auf dem nächsten Album allerdings dürften Harry Busse und Co. demnach von mir aus aber auch gerne wieder riskieren, möglichwerweise den einen oder anderen engstirnigen Fan vor den Kopf zu stoßen.

Denn dass ihr geile Hach-damals-Kopfschüttelmucke von früher immer noch perfekt drauf habt, das wissen wir ja nun.

Was kann man noch sagen?

positiv: Das Cover ist sehr böseschön und kommt dem matten rauhen Karton der LP-Hülle besonders zur Geltung..

negativ: Leider ist Century Media noch nicht auf den Dreh gekommen, dass sich bei Vinyl-Alben zumindest ein Coupon für die digitale Version echt gut macht und eigentlich mittlerweile Standard sein sollte. Da fragt man sich im Nachhinein dann doch, warum man sich das Ding nicht lieber inklusive AutoRip beim kleinen Plattendealer um die Ecke amazon bestellt hat.


Anspieltipps: Ungod, Snakestate, The Dark Sleep, Voice Of Slumber, God Is Evil

2014-09-22

MORGOTH - Odium

Ein neues Medium heißt ja immer auch, alte Sachen noch einmal zu kaufen. Blu Ray statt DVD --> alle Tarantino-Filme verscherbeln und die Box holen. Compact Disc ist der heiße Scheiß? --> Ich höre euch nie wieder, Schallplatten!

Und nun bei mir eben umgekehrt. Zumindest zwei Mal habe ich in meinem ersten LP-Kaufrausch schon Platten gekauft, deren mittlerweile antike CD-Versionen schon arg mitgenommen sind: zuerst den zwanzig Jahre alten Death Metal-Klassiker "Covenant" von Morbid Angel (Ticket für die Jubiläumstour ist schon gesichert!) und wenig später den... öhm... tatsächlich zwanzig Jahre alten Death Metal-Klassiker "Odium" von Morgoth.





MORGOTH - Odium (Orange Vinyl) (1993/2014)

Die neue alte Morgoth kommt mehrfach aufgehübscht daher: Das damals von der Band selbst gestaltete Cover, auf welches sie inzwischen nicht mehr ganz so stolz sind, obwohl es die Atmosphäre des Albums wirklich gut aufgreift, hat seinen damals überflüssig breiten Rahmen abgeworfen, die Innenhülle, enthält die nicht immer ganz sprachsicheren, daber trotzdem sehr wirksamen Texte, sowie ein zurückblickendes Interview und natürlich die transparent orange Vinylscheibe.

Auch klanglich wurde geklotzt und die im Original doch sehr mittenlastige Scheibe hat im Remastering eine fettere Abrundung nach unten bekommen. Schade ist nur, dass es kein beiliegendes Soundupdate für die digitale Musiksammlung gibt.

Und die Musik?
"Odium" ist mit seiner dystopischen aggressiven Grundstimmung nach wie vor mein Lieblingsalbum von Morgoth. 100% klassischer Death Metal, nicht virtuos, aber mit mächtig Motivation und mit vielen Ideen. Dass einige davon damals den einen oder anderen Reinheitsgebotsfanatiker auf die Palme gebracht haben, wirkt aus heutiger Sicht natürlich noch lächerlicher als damals schon.

Verglichen mit dem Stilmix, der heute alltäglich ist, waren es nämlich wirklich nur kleine Akzente - hier ein hardcoriger Groove, da ein paar Industrialmetal-Drumsounds oder winzige Gothicanleihen -, die von der absoluten Lehre abwichen, aber in Wahrheit niemals irgendwie daran rüttelten, dass die Scheibe unterm Strich doch noch aus reinem Todesblei bestand.

Was auf dem folgenden Album geschah, steht ja auf einem ganz anderen Blatt...

Das wichtigste ist sowieso, dass das Ding einfach schweinegut ist. Ich habe es ja mal bestimmt mindestens zehn Jahre lang nicht mehr gehört, und es hat danach sofort wieder geknallt, als wäre es nie weg gewesen. Und nun auf der schwarzen orangen Rille ist es natürlich nochmal besser.

1993 ist u.a. durch Klassiker von Cynic, Voivod, Coroner, Disharmonic Orchestra und natürlich den eingangs erwähnten Morbid Angel vielleicht mein persönlich größtes Hach-damals-Jahr, was Metal angeht.

Und Morgoths "Odium" war eindeutig der deutsche Spitzenbeitrag dazu.


Anspieltipps: Odium, Under The Surface, Golden Age, Submission



2011-08-10

Wacken 2011 - Festivalbericht (komplett!)

Wacken war Scheiße!

Ozzy Osbourne hat "Dreamer" nicht gespielt!


Nein, Quatsch...

Das erste Augustwochenende ist vorbei, es ist also Zeit für meinen alljährlichen Bericht vom Wacken Open Air. Und wie jedes Jahr ist es direkt nach diesen heftigen Tagen mal wieder schwer, im Kopf zu sortieren, was man alles gesehen und erlebt hat und für wie erzählenswert erachtet. Deswegen erhebt der folgende Text weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Relevanz für den Leser. ;)

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich fand das Festival alles in allem mal wieder sehr gut, sogar besser als ich erwartet hatte, da mich das (ursprüngliche) Billing ja nicht so sehr umgehauen wie beim extrem stark besetzten W:O:A 2010.

Nachdem ich mir am itzehoer Bahnhof und in Mehlbek noch eine zweiköpfige Festivalbgleitung zusammengesammelt hatte, stand für uns am Mittwoch Abend außer dem Eintausch von Tickets gegen Bändchen nur allgemeine Einstimmung auf dem Festivalvorplatz und im Wackinger Village an. Im Grunde ist das fast ein wenig wie Jahrmarkt, nur ohne Fahrgeschäfte mit Scooter-Musik.

Als auffälligste positive Neuerung fiel gleich das wesentlich größere Bullhead-City-Zelt ins Auge, welches ich ja in den vergangenen Jahren wegen Überfüllung und Desinteresse noch nie betreten hatte. Am Donnerstag gab es dort übrigens im Rahmen des "Masters Of Comedy"-Programms den berüchtigten Auftritt von Roberto Blanco, der mit dem Timing seiner Begleitkapelle Sodom heillos überfordert schien. Der Auftritt war sicherlich vollkommen "untrue" und alles andere als eine Niveausternstunde, anderseits finde ich aber auch, dass er in der Presse wie auch der Wacken-wird-immer-mehr-zur-Kirmes-Kritik vollkommen überbewertet wird. Es waren ein paar lustige, schwachsinnige Minuten, die in Wahrheit in und um das zu dem Zeitpunkt nur schwach besuchte Zelt nur von einem Bruchteil der Leute überhaupt live wahrgenommen wurde, die jetzt - in welcher Form auch immer -darüber schreiben. Also lasst doch mal bitte die Kirche im Dorf, Leute! ;)

Links liegen gelassen habe ich wieder einmal den kostenpflichtigen Metalmarkt im Zelt und die W.E.T.-Stage, auch wenn da durchaus interessante Bands gespielt haben, wie diverse YouTube-Videos ja auch bestätigen. Aber man kann sich nunmal nicht vierteilen.



Doch auch ohne Extremzellteilung lassen sich dank immer mehr Bildschirmen erstaunlich viele Bands verfolgen, wenn man z.B. nicht Lust und Energie hat, sich direkt vor die Bühne zu begeben, sondern sich irgendwo eine Weile hinsetzen oder -legen möchte, was dank der Bodenoptimierungsmaßnahmen der letzten Jahre fast überall auf dem Gelände möglich ist. Dass es von nachts bis mittags ab und zu geregnet hatte, konnte man nachmittags am Boden z.T. kaum noch merken.

Allerdings gab es bei der Fernverfolgung des Bühnengeschehens auch ein paar lästige Einschränkungen - so waren am Freitag bis in den späten Nachmittag hinein keine Kamerateams in Aktion und stattdessen nur eine Totale der riesigen Bühnen auf den Bildschirmen zu sehen. Und wenn die Kameramänner im Einsatz waren, war die Bildregie oftmals unterirdisch - Musikervorstellungen, Soli, das Publikum - trotz Schwenkkränen! - teilweise komplett ignoriert. Ganz schlimm beispielsweise bei (den auch ansonsten ziemlich schlimmen, aber das tut jetzt nichts zur Sache) Avantasia, wo während der Einsätze zahlreicher Gastsänger das Bild einfach weiter am trinkenden, nasebohrenden, sackkratzenden Frontmann klebte. Aber auch ansonsten war die Bildregie einfach durch die Bank auffallend schlecht. Ganz nebenbei fand ich die Weitwinkelperspektive der Drumcam auch affig.

Noch dazu hinkte das Bild oftmals auffällig hinterher, außer wenn man am Moviefield gekuckt hat, wo man den Ton nächstes mal besser mit etwas Verzögerung durch die örtliche PA jagen sollte.
Am Moviefield-Bildschirm schwankte die Qualität der Übertragung ohnehin sehr. Der absolute Brüller ereignete sich dort am Donnerstag Nachmittag. Wir waren gerade kurz vor dem Auftritt von Bülent Ceylan dort und dachten uns - wie hunderte andere, teilweise extra mit Campingstühlen angetretene Besucher auch, dass man sich den halbstündigen Auftritt doch gemütlich von hier anschauen könnte. Konnte man tatsächlich - nur zu hören war nichts! Trotzdem blieben noch erstaunlich viele Leute sitzen und forderten immer wieder "Ton an!". Es dauerte offensichtliche knapp eine halbe Stunde, bis sich die Situation zu einem Verantwortlichen rumgesprochen hatte und der Ton endlich aufgeschaltet wurde. Da war Bülent aber schon in seinem Finale, in dem der Ton eher zweitrangig war, weil er da ja fast nur rumhampelte und gar keinen Text mehr hatte. Sauber! ;)

Und das war ja für mich bereits der dritte große Klopps an diesem Donnerstag to Remember, welcher schon damit begann, dass der Tagesparkplatz am Ortsausgang von Gribbohm, den ich nicht nur die letzten Jahre sondern auch gerade erst einen Tag vorher gerne genutzt hatte (und da war ich nicht allein!), nun ohne Not kein Tagesparkplatz, sondern nur noch ein reiner Bring- und Abholplatz war. Klar, dafür braucht man auch eine ganze leere Weide!

Stattdessen lag der Aussätzigenparkplatz nun am allerallerhintersten Rand von Holstenniendorf - und auf dem Weg dorthin musste man sich auch noch durch den zähen Campingplatzverkehr quälen. Da haben wir doch drauf verzichtet und sind lieber zumindest noch im Herzen Holstenniendorfs in einer kleinen Seitenstraße ohne Veranstaltungsparkverbot geblieben.
Sehr lästig, wenn eine immer gut funktionierende Sache scheinbar grundlos geändert wird. Freitag und Samstag haben wir dann eine bessere Alternative gefunden, die sich hoffentlich auch in Zukunft wieder nutzen lässt...

Und dann war da natürlich meine Lieblingsrealsatire, als ich das erste Mal auf das Infield wollte.
Letztes Jahr hatte ich ja sehr viele Fotos geschossen. Diesmal war mir schon vorher klar, dass ich diesbezüglich zurückhaltender sein wollte, vielleicht weil ich momentan ja eh nicht so sehr in der ganzen Fotografiegeschichte drinstecke. Außerdem hatte ich keinen Bock, wieder Stress mit schlecht gebrieften Securities zu bekommen, weshalb ich meine Canon 400D und auch eine analoge Spiegelreflexkamera, die ich im Vorfeld mal in Erwägung gezogen hatte, ganz zu Hause ließ.
Stattdessen trug ich nur zwei Filmknipsen bei mir, die niemals in den Verdacht zu großer Professionalität geraten würden, nämlich die fröhliche Pingo-Kamera und die gute alte Adox Golf. Doch als ich dem Ordner demonstrierte, wie auf Knopfdruck der *hüstel* mächtige antike Hochtechnologie-Balgen des Megapixelmittelformatpowermonstrums aufklappte, sagt der mir doch tatsächlich das ich die Kamera wegen des *räusper* "Zooms" nicht mitnehmen darf!
Zum Glück musste ich keinen anderen Eingang nehmen, sondern konnte den Fall gleich bei der Chefin des Eingangs prüfen lassen, welche sich prächtig amüsierte und mir Zutritt zum Gelände gewährte - unter der Auflage, mit der Kamera aber keine Videos aufzunehmen. *g*

Der gleiche Ordner hat meinem Bruder übrigens direkt nach mir sein definitiv offiziell erlaubtes 1-Liter-Tetrapack abgenommen. Meinen Albi-Saft hingegen hatte er nicht beanstandet. Das nenne ich mal irre konsequent.

Ironischerweise habe ich die Adox Golf dann fast die ganze Zeit nur nutzlos mit mir rumgeschleppt und auf dem Festivalgelände gar nicht benutzt. Als ich sie am Freitag dann endlich mal dort einsetzen wollte, hatte sich dummerweise die Schraube vom Filmtransportrad gelöst, welche sich partout nicht wieder hineindrehen lassen möchte. Ich muss das nach wie vor noch reparieren, ansonsten ist das Fotografieren damit momentan sonst ziemlich umständlich.


Nun aber endlich zum Wichtigsten, nämlich der Musik...


Mittwoch:

War wie gesagt nur Reinschnuppertag, da haben wir außer der Zugabe "Chop Suey" von Mambo Kurt eigentlich noch nichts musikalisches wirklich verfolgt.


Donnerstag:

Das Wacken Open Air kennt viele Rituale. Zu den neueren und wohl biedersten gehört die Hauptbühneneröffnung mit der Coverband Skyline inklusive peinlicher Wacken-Hymnen. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Wir sind dann auch lieber ins Dorf, mal nach dem berüchtigten verwirrten Jesus-Schild-Mann kucken, der dort stets an der Straße steht mit seiner kryptischen Rückenbotschaft: "Jesus says: I have the key to death" (oder so ähnlich). Leider konnte der Mann nicht singen.

Zum Glück hatten wir zu dem Zeitpunkt schon den zweiten Biergartenauftritt von Mambo Kurt gesehen, der erwartungsgemäß grandios blöde wie immer war. Wo bleibt das YouTube-Video, auf dem man die Wall Of Death zum "Super Mario Theme" aus dem Gameboy sehen kann?



Nach dem schon erwähnten Bülent-Ceylan-Stummfilm erwartete uns auf der Wackinger Stage die Überraschung des Tages in Form der Iron-Maiden-Tribut-Akustikband Maiden United. Langweiliger Bandname, aber was für ein Gesangsduo: Damian Wilson und Anneke van Giersbergen sorgten für reichlich freudige Gesichter und Gänsehaut im Publikum. Das Set bestand dabei hauptsächlich aus Songs von "Piece Of Mind" und "Seventh Son Of A Seventh Son". Wirklich sehr schön!

Weniger schön, aber teilweise schon lustig war das Masters Of Comedy-Programm im Zirkuszelt, dessen Finale ich ja schon weiter oben gewürdigt habe. Ein bisschen Spaß muss halt sein.

Ein bisschen Wahnsinn aber auch. Und dafür gab es ja als Headliner den Madman Ozzy Osbourne himself. Ich hatte ehrlich gesagt keine allzu großen Erwartungen an seinen Auftritt, denn wir wissen ja alle, wie der Mann gelebt hat und dass er dadurch einfach ziemlich kaputt ist. Tatsächlich tut er sich beim Gesang mitunter sehr schwer - und auch der Gitarren- und Drumsoloteil im Set war auffällig lang. Ein Gerücht sagt, er hätte so lange gebraucht, nach der Bevollmondung des Publikums mit seinem blanken Hintern seine Hose wieder zuzubekommen. ;)
Man merkt ihm schon an, dass er wohl nicht mehr leben würde, wenn ihm nicht ab und zu ein paar tausend Leute "Ozzy! Ozzy!" zubrüllen würden.
Dennoch hat er eines, was ihm zu deutlich mehr macht als einen aufmerksamkeitssüchtigen Applausjunkie: seine Stimme! Mit der Stimme ist er geboren und die nimmt er mit ins Grab. Keiner sonst hat die. Sie ist nicht perfekt und ihr wurde durch seinen Lebenswandel auch schlimm zugesetzt, aber sie hat verdammt nochmal Charakter. Da mag er auch noch so sehr rumkaspern... Daumen hoch für den Prince Of Darkness!


Freitag:

Freitag war lang. Von Vormittags bis nachts um drei auf dem Gelände...

Musikalisch ging's mittags mit Russkaja los. Sehr lustiger Russen-Ska. Das Publikumsspiel "Psycho Traktor" zur Erweiterung von kollektive Bewusstsein war im Zirkuszeltambiente schon ein echtes Entertainmentglanzstück zum Auftakt. Kann man sich durchaus mal wieder anschauen, wenn die sich auch in die Reihe der Biergarten/Wackinger/BullheadCity-Dauergäste einreihen sollten.

Von den Suicidal Tendencies hatte ich ja mein halbes Leben nichts mehr gehört. Dabei sind die live ja echt geil. Mike Muir mochte ich früher nicht. Ich weiß gar nicht, wieso. Vielleicht sabbelt er zwischen den Liedern ein bisschen viel und schnell. Die hätten eigentlich eine viel spätere Spielzeit verdient gehabt, zumal sie ja auch vor einem Jahr als erste Sensation für 2011 angekündigt worden waren. Aber das Nachmittagsschicksal ereilt ja auch andere Bands...

"Die neue Morbid Angel ist total scheiße! Das ist ja voll der Techno!" "Ohne Pete Sandoval höre ich die mir gar nicht erst an, das sind nicht mehr Morbid Angel!" "Morbid Angel hören Laibach und das sind ja voll die Nazis!" blablablubb...
Heult doch!
sage ich. :-P
Morbid Angel sind Gott. Also nicht der aus der Bibel, sondern der "God Of Emptiness". Von ihrem Auftritt habe ich mir wie immer ein präzises, krankes Blastfeuerwerk des Bösen erwartet, und das haben sie auch diesmal wieder abgeliefert. Neben zahlreichen Klassikern der David-Vincent-Ära von "Altars Of Madness" bis "Domination" gab es auch drei Songs des aktuellen Rückkehralbums zu hören: "Existo Vulgore", "Nevermore" und den Song, den ich auf dem Album am gewöhnunsbedürftigsten fand, der live aber absolut zündete: "I Am Morbid".
Passend dazu kreiste während des Morbid-Angel-Auftritts ein Flugzeug hoch über dem Festival, welches ein Banner mit eben jenem Songtitel darauf spazieren flog! Wo sonst, wenn nicht in Wacken, kann man sich so etwas vorstellen? :)

Sodom danach waren dann irgendwie öde. ich war aber auch nicht ganz vorne, es gab noch kein Großbild und der Sound war ziemlich schwach. Spaß-Roberto kam auch nicht noch einmal. Am Vorabend hatte ich ja noch gedacht, dass der Auftritt im Zelt möglicherweise nur eine Generalprobe für größere Aufgaben gewesen sein könnte...

Trivium waren ja ok, also gut gemacht, wenn auch nicht mein Ding. Aber warum die in den Staaten Support auf der nächsten Tour von Dream Theater sein werden, verschließt sich mir doch ziemlich. Labels denken sich manchmal seltsame Paarungen aus.

Das nächste Death Metal Highlight waren die legendären Morgoth auf der Party Stage. Im Vergleich zu Morbid Angel die deutlich stumpfere Variante (anspruchsvolle Soli haben die Gitarristen auch zwanzig Jahre nach dem "Cursed"-Album anscheinend nicht im Repertoire), aber die Songs sind trotzdem allesamt Klassiker. Lustig die kleine Actioneinlage vom Sänger, als er die Fans begrüßte und dabei rückwärts stolperte und sich auf die Bühne legte. Nur zu leise war es. Wir standen zwar nahe an der Bühne, aber irgendwie klang es trotzdem wie ganz weit entfernt. Schade.
Dass das Publikum vergleichsweise entspannt daherkam, lag aber wohl auch daran, dass sich die Crowdsurfingkids zeitgleich bei den musikalisch weniger relevanten Heaven Shall Burn für neue Genickbruchrekorde  herumtrieben.
Dennoch schaffte es ein Fan trotz aller Gräben und Aufpasser irgendwie auf die Bühne. Allerdings vermute ich mal, dass der auch zumindest irgendein farbiges Bändchen hatte - bis zu der Aktion jedenfalls.

Weiter ging es mit über zwei Stunden Judas Priest.
Ich bin nicht der ausgewiesene Experte oder Fan, aber das war durchaus mal wieder ein Metal-Urgestein, dass es wert war, es auch einmal gesehen zu haben. Vor allem, was Rob Halford immer noch mit seiner Stimme anstellt, ist schon aller Ehren wert.
Aus heutiger Sicht absolut erstaunlich ist aber, dass die homophobe Metalgemeinde in den Achtzigern die sexuelle Orientierung des Frontmannes nicht erkannt hat. Also, ich meine - mal ehrlich - und ich sage das, ohne irgendjemand damit vor den Kopf stoßen zu wollen: Wer während eines Konzertes derartig viele geschmacksgrenzwertige Denim/Leather/Glitter-Outfits mit Nieten ausführt und zum Finale in voller Village-People-Montur auf dem Motorrad einfährt, der lässt doch eigentlich keine Fragen offen, oder?

Ein Metalgott gab nun dem nächsten die Klinke in die Hand. Es folgten die kurzfristig für die verhinderten Cradle Of Filth (kein Verlust für mich) eingesprungen Celtic-Frost-Nachfolger Triptykon um Thomas Gabriel Fischer.
Für mich natürlich der absolute Glücksfall. Die Band steht schon Zeit ihres Bestehens auf meinem Wacken-Wunschzettel, und auf keinen anderen Act hatte ich eine so große Vorfreude.
Langsam, heavy, böse wie die Nacht sollte es sein. Und so kam es. Feuer brannten auf der schwach beleuchteten Bühne, der Bass wummerte in tiefsten Regionen. Von Anfang an war der Band anzumerken, dass es hier keine Kompromisse geben würde und dass vielen nebenan auf Airbourne wartenden Rockfans eine harte Prüfung bevorstehen würde.
Triptykon haben fast exakt mein Wunschset gespielt, angefangen vom Frost-Klassiker "Procreation Of The Wicked" bis zum halbstündigen Doppelpack aus der schon 2006 beim legendären Frost-Gig zelebrierten schwarzen Messe "Synagoga Satanae" und dem noch konsequenteren (und songschreiberisch besseren) Monument "The Proloning" vom Album "Eperistera Daimones". Mein tagelanger Ohrwurm! Und der Auftritt für mich ganz klar das Highlight des Festivals!

Danach hatte ich eigentlich gar keinen unmittelbaren Bedarf mehr auf ein komplett aus der Nähe verfolgtes Konzert. Dabei war die sich überschneidende Auswahl groß. Ich teilte mir die Zeit also in die Fernbeobachtung von Airbourne und den Excrementory Grindfuckers (Zelt leider schon übervoll) auf. Dabei hätte ich durchaus auch noch die Wahl gehabt, Slime oder Hayseed Dixie (letztere am nächsten Tag nachgeholt) zu sehen.

Apocalyptica habe ich mir dann vom Moviefield aus angesehen, konnte aber wegen zu leisem Sound und der üblichen unspannenden Bildregie nicht so sehr mit dem Auftritt der finnischen Cellisten warm werden, wie er es wahrscheinlich verdient hätte. Naja, müde und kaputt war ich nachts um zwei natürlich auch schon. Zum Glück war der Weg zurück zum Auto nicht so lang wie am Vortag!


Samstag:

Der letzte Festivaltag begann nach einer ziemlich kurzen Nacht (bzw. einem frühmorgendlichen Nickerchen) erst einmal mit einem kleinen Ausflug nach Itzehoe, um die donnerstags dort abgeholte Dame wieder zum Bahnhof zu bringen, wo sie sich dann auf dem Gleis entschied, statt an die polnische Grenze weiter ihrer Lieblingsband hinterherzuhoppen, doch lieber noch einen Wackentag dranzuhängen. Wie gut, dass das Bändchen noch am Arm war. ;)

Nach Wacken fuhren wir erst wieder nachmittags, als mit Knorkator auch mein einziger felsenfester Programmpunkt anstand. Alles andere sollte Bonus sein.

Vor dem meisten Konzert des Open Airs spielten auf der True Metal Stage noch Dir En Grey, die der allgemeinen Internetnachlese nach neben einer gewissen indiskutablen Onkelz-Gedenkband wohl die verhassteste Gruppe des Wochenendes waren. Gleich bei Ankunft mit den gewöhnungsbedürftigen Japanern konfrontiert zu werden, fand ich auch etwas anstrengend. Nur - anstrengend bedeutet ja nicht automatisch schlecht. Ganz im Gegenteil würde ich diese für die Bühne, auf der sie auftraten, fast unverschämt advantgardistische Band als die Entdeckung des diesjährigen Festivals für mich bezeichnen.
Die Musik lebt vor allem von einem Sänger, der wie eine Metalausführung von Diamanda Galas zwischen den stimmliche Extremen pendelt, auf eine Art und Weise, wie ich es so noch nicht gehört habe. Die japanischen Texte tragen natürlich auch noch zum Exotenstatus bei. Auch wenn es offenbar soundtechnsich arge Probleme gab - das hatte schon was.

Zu Knorkator sollte ich eigentlich nur auf den Mitschnitt des Auftritts verweisen (gibt es diesem Internet da irgendwo) - wie soll man den Auftritt der Quatschmacher um Stumpen und Co. denn auch mit bloßen Worten würdigen? Vor der Partystage war es voll wie sonst wohl nie an diesem Wochenende, und auch wenn die erste exzessive Crowdsurfingwelle nur die Flucht zur Seite erlaubte, war das Gesamterlebnis Knorkator äußerst unterhaltsam. Von allen Spaßmetalbands sind sie eindeutig die meisten! ;)



Ich finde ja im allgemeinen, dass das andauernde Spaßcrowdsurfen in Wacken  sich in den letzten Jahren zu einer echten, gefährlichen Plage entwickelt hat (siehe auch Bilddiskussion hier), aber bei dieser "asozialen" Band erwartet man es ja wenigstens - und Stumpen deeskaliert es im Grunde auch von der Bühne aus, indem er die Leute zu allen möglichen anderen albernen Mitmachspielchen animiert, bei denen man sich dann nicht ständig umdrehen und teils sich fast übereinanderstapelnde Mädels und Teletubbies (zum Glück gibt es nur 4 davon!) weiterwuchten musste. Der Huckepackpogo zum Beispiel war für die meisten Leute eigentlich recht angenehm, weil sich dadurch auf einmal überall weiterer Stehplatz auftat. ;)
Geile Band - schön dass sie wieder da sind!

Bei Iced Earth war ich dann nicht aufmerksam genug, um den Auftritt hier weiter kommentieren zu können.
Hab ich die überhaupt ganz gesehen? Irgendwann habe ich ja auch noch eine Runde der Highland Games im Wackinger Village gesehen. War das am Samstag? Ich glaube ja.

Danach war es auf jeden Fall schon wieder früher Abend und es spielte auf der Black Stage eine Band, die ich schon seit ganz langer Zeit nicht mehr wirklich im Blickfeld hatte, nämlich Sepultura. Und ich muss sagen - was ich sah, gefiel mir sehr! Vor allem Sänger Derrick Green macht in meinen Augen eine wesentliche bessere Figur als sein mit Soulfly nur noch ziemlich peinlicher Vorgänger Max Cavalera.

Den gesamten Auftritt werde ich wohl noch im Internet nachholen müssen, da ich mich nach einigen Songs inkl. dem Ministry-Cover "Just One Fix" in Richtung Biergarten abgesetzt habe, wo gerade wieder Hayseed Dixie spielten, die mein Bruder am Vortag gesehen und mir dringend empfohlen hatte. Zu recht!
Superschnneller Bluegrass/Dixie-Sound, in dem auf lustige Weise diverse Rockklassiker dargeboten wurden, als absolutes Highlight eine irrwitzige Version des größten "killing song" aller Zeiten, Queens "Bohemian Rhapsody"! Trotzdem hoffe ich, dass die Gruppe nicht schon nächstes Jahr wieder Biergarten-Dauergast wird. Dann würde ich nämlich das vorzeitige Verlassen des Sepultura-Auftritts schon etwas bereuen.



Um zwanzig Uhr spielten bei zeitweise fast keinem Parallelprogramm auf anderen Bühnen Avantasia. Naja, hat man sich halt hingelegt und die mitgenommen. Bisher hatte ich aufgrund einiger an diesem Projekt beteiligten Namen ja gar keine Lust, in die überhaupt reinzuhören und deswegen nur Vorurteile im Kopf. Diese Vorurteile haben sich dann aber mit Karacho bestätigt. Billig aufgeblasener Tralala-Kitschmetal inkl. "My Heart Will Go On"-Gedenkballade. Einen Zugabensong fand ich streckenweise erträglich, aber ansonsten zweifellos das Schlimmste, was ich diesmal gesehen habe. Traurig auch, wieviel Musiker- und Sängertalent gleichzeitig auf einer Bühne verschwendet werden kann. Dagegen sind ja Blind Guardian richtig cool.
Soll ja angeblich der allerletzte Auftritt gewesen sein. Aber solche Versprechen sind ja gerade in Wacken nicht viel wert...

Der Abschluss des Festivals mit dem Doppelpack aus Kreator und Motörhead war dann aber versöhnlicher.
Die Ruhrpottler lieferten ein Thrashfest allererster Güte ab, bei dem mich vor allem beeindruckte, dass die alten Primitivklopper wie "Flag Of Hate", "Endless Pain", "Pleasure To Kill" oder auch "Betrayer" inzwischen so präzise gespielt sind, dass es sich schon beinahe nach Slayer anhört. Das war in der guten alten Rumpelzeit noch nicht so.

Motörhead waren dann Motörhead, wobei erwähnenswert ist, dass Lemmy stimmlich gut drauf war. Ansonsten ist das Trio in Wacken ja auch schon eher Ritual als Band. Also durchaus geil, aber nicht so neu, dass es einen davon abhielt, sich schon vor Ablauf der sehr langen Spielzeit auf den Heimweg zu machen und sich bis zum Auto vom Rock'n'Roll begleiten zu lassen.
So entgingen wir auch dem nennenswertesten Regenfall an diesem zwar zweitweise wolkenverhangenen, aber meistens trockenen und warmen, also vom Wetter sehr begünstigten Festival. So einen Sonnenbrand auf der Nase hatte ich auch lange nicht mehr.
Und wenn ich bedenke, was diese Woche so runterkam... Glück gehabt!

Das war's dann mit Wacken 2011.


Fazit:

Wacken ist ein wenig wie die Herr-der-Ringe-Filmtrilogie - man kann als Buchkenner stundenlang drüber lästern, aber es bleibt immer noch geil! ;)
Neben den Top 3 Triptykon, Morbid Angel und Knorkator wieder sehr viel weitere geile Musik gehört.
Und so ein großartiges Metalfest quasi fast vor der Haustür zu haben, ist immer noch irgendwie etwas unwirklich und bizarr.


Die eine oder andere Anekdote habe ich jetzt sicherlich vergessen, so zum Beispiel die nicht wirklich leckere Sache mit dem elektrischen Bullen, auf dem der Nacktritt umsonst ist, oder der Typ der sich Freitagnacht auf das nicht mehr bewachte Pfahlsitzen-Feld (für sechs Stunden am Stück gab es dort den Hauptgewinn) begab und sich aufrecht auf die Rückenlehne eines Pfahles stellte. Das hätte auch böse enden können...
Und dann war da natürlich noch die nächtliche Fahrt auf der Schleichwegstrecke Mehlbek-Hörsten-Schenefeld, auf der mir ein Hase direkt neben einer Katze ins Scheinwerferlicht geriet. Was die da wohl zusammen getrieben haben? Mysteriös.


Das Ticket für 2011 ist bereits bestellt. Leider hat es im ungeheuren Ansturm auf die Seite für das schon nach 45 Minuten ausverkaufte X-Mas-Package nicht mehr gereicht (und ich hatte es zwischenzeitlich schon im Warenkorb!), und leider ist das Ticket auch wieder satte 20,- Euro teurer geworden.

Die bisher bekanntgegebenen Headliner sind fast alle so Kandidaten der Kategorie "Ach, die schon wieder? Muss das sein?". Positive Ausnahme bisher Ministry und die sicherlich auch nicht uninteressanten Forbidden.
Aber ernsthaft die Scorpions? hatten die nicht versprochen, dass schon längst Schluss sein sollte?


Meine Wunschbands sind vor allem folgende schon ewig überfällig bzw. dieses Jahr vom Wacken-Booking sträflich verpassten Gruppen:
Autopsy, Dream Theater, Godflesh, Psychotic Waltz und - auch wenn ich nicht der allergrößte Fan bin, aber weil's sich metalhistorisch einfach gehört - Megadeth! Die obligatorischen Niemals-nach-Wacken-Kommer Metallica wären bei 150,- Euro Eintritt schon fast wieder berechtigt, aber daran glaube ich inzwischen nicht mehr. ;)

Dass es ein viel zu starkes Gewicht auf gewisse Labels gibt und einige Gruppen unverhältnismäßig überpräsentiert sind, geht mir ja eigentlich eher auf den Sack. Aber natürlich gibt's auch für mich Bands, die gerne das Airbourne-Dauerabo (drei mal Hauptbühne innerhalb von vier Jahren!) bekommen dürften. Da wären z.B. Atheist, Cynic und Voivod. Auf Swashbuckle hätte ich auch wieder Bock. Und Macabre sowieso! Gegen einen Doom-Klassiker wie Candlemass oder Count Raven wäre auch nichts einzuwenden. Und als lustiger Act noch Tenacious D!

Und wenn schon Rockoper, dann doch bitte Ayreon!

Im Zirkuszelt meinetwegen auch mal mittags Rihanna und Britney Spears. Merkt ja eh kaum jemand. *g*