Nach der Wiederholung von Jo Quail und Corecass vergangene Woche war Dienstag schon wieder eine Déjà Vu-Veranstaltung angesagt:
Youn Sun Nah im Kleinen Saal der Laeiszhalle; das hatte ich doch gerade erst vor zwei Jahren an meinem Geburtstag erlebt! Die beiden Auftritte der koreanischen Jazzsängerin unterschieden sich allerdings - zum Glück aber nicht qualitativ - erheblich voneinander.
Obwohl ich mein Ticket diesmal Monate später bestellt hatte, war für mich als Solo-Konzertgänger immer noch eine Lücke in der ersten Reihe freigehalten worden, von wo aus schon der kürzeste Blick auf die Bühne genügte, um die komplett andere instrumentale Aufstellung zu registrieren. Letztes Mal war ja nur Bojan Z. am Flügel und Rhodes Piano mit von der Partie gewesen, diese Tour wurde nun jedoch als Quartett mit Drums, Kontrabass und elektrischer Gitarre bestritten.
Auch die Songauswahl war eine andere. Wo 2024 das Coveralbum "Elles" vorgestellt wurde, lag der Schwerpunkt nun auf dem eigenen Material des aktuellen Albums "Lost Pieces".
Begründet auf einzelnen Alben ihrer Diskographie lehnen Teile der Jazzpolizei Youn Sun Nah ja als zu poppig ab. Sagen sie zumindest. Vielleicht mögen die Wächter der elitären Reinheit an ihr aber in Wirklichkeit nicht, dass sie zwar furchtlos experimentelle, anspruchsvolle und stilistisch weltumspannende musikalische Ideen verarbeitet, sie jedoch dermaßen zugänglich verpackt, dass kaum einem Hörer eine Hürde aufgestellt wird. Egal, wie die Grenzen zwischen nah- und fernöstlichen, Latin- oder Blues-Einflüssen in ihren Songs verschwimmen, egal ob es mal metrisch oder gesanglich etwas verrückter wird - man muss sich die Musik nicht erarbeiten.
Zum großen Teil liegt dies natürlich an der Sängerin selbst, die mit sympathischer Ausstrahlung und unglaublich präziser Stimmkontrolle bei zugleich maximaler spielerischer Freude von einem kreativen Höhepunkt zum nächsten gleitet. Ebenso virtuos und eigenwillig knapp neben der kontemporären Jazz-Norm bewegten sich auch ihre Musiker, die in beinahe jedem Stücken von sich zeigten, egal ob es der zwischen Besen, Sticks, Mallets und Händen wechselnde Schlagzeuger war, der zupfende und streichende Bassist oder der mit seinem Spiel am weitesten ins Rockmusikalische vorstoßende Gitarrist.
In dem großteils sehr intimen Set, welches klanglich so brilliant präsentiert wurde, dass die "Arbeits-" und Nebengeräusche sowohl der Stimme als auch der Instrumente genauso wichtig wie ihre eigentliche Performance erschienen, gab es kaum ein Stück, das man nicht hervorheben könnte.
Besonders in Erinnung blieben mir allerdings das rhythmisch interessante "I Run. I Stay", Sun Nah's Solonummer, bei der sie sich auf der Minidrehorgel (für die es sicherlich eine mir nicht geläufige korrekte Bezeichnung gibt) selbst begleitete, ein langes wildes Duett zwischen Stimme und Schlagzeug, sowie die mit sehr viel Gänsehaut-Gitarren-Ambient-Atmosphäre vorgetragene Version des koreanischen Volksliedes "Arirang" als Zugabe.
Eine außerirdisch grandiose Sängerin mit fantastischer Band sorgten für neunzig rundum glückliche Minuten. Ein wunderbares Konzert.
Obwohl ich mein Ticket diesmal Monate später bestellt hatte, war für mich als Solo-Konzertgänger immer noch eine Lücke in der ersten Reihe freigehalten worden, von wo aus schon der kürzeste Blick auf die Bühne genügte, um die komplett andere instrumentale Aufstellung zu registrieren. Letztes Mal war ja nur Bojan Z. am Flügel und Rhodes Piano mit von der Partie gewesen, diese Tour wurde nun jedoch als Quartett mit Drums, Kontrabass und elektrischer Gitarre bestritten.
Auch die Songauswahl war eine andere. Wo 2024 das Coveralbum "Elles" vorgestellt wurde, lag der Schwerpunkt nun auf dem eigenen Material des aktuellen Albums "Lost Pieces".
Begründet auf einzelnen Alben ihrer Diskographie lehnen Teile der Jazzpolizei Youn Sun Nah ja als zu poppig ab. Sagen sie zumindest. Vielleicht mögen die Wächter der elitären Reinheit an ihr aber in Wirklichkeit nicht, dass sie zwar furchtlos experimentelle, anspruchsvolle und stilistisch weltumspannende musikalische Ideen verarbeitet, sie jedoch dermaßen zugänglich verpackt, dass kaum einem Hörer eine Hürde aufgestellt wird. Egal, wie die Grenzen zwischen nah- und fernöstlichen, Latin- oder Blues-Einflüssen in ihren Songs verschwimmen, egal ob es mal metrisch oder gesanglich etwas verrückter wird - man muss sich die Musik nicht erarbeiten.
Zum großen Teil liegt dies natürlich an der Sängerin selbst, die mit sympathischer Ausstrahlung und unglaublich präziser Stimmkontrolle bei zugleich maximaler spielerischer Freude von einem kreativen Höhepunkt zum nächsten gleitet. Ebenso virtuos und eigenwillig knapp neben der kontemporären Jazz-Norm bewegten sich auch ihre Musiker, die in beinahe jedem Stücken von sich zeigten, egal ob es der zwischen Besen, Sticks, Mallets und Händen wechselnde Schlagzeuger war, der zupfende und streichende Bassist oder der mit seinem Spiel am weitesten ins Rockmusikalische vorstoßende Gitarrist.
In dem großteils sehr intimen Set, welches klanglich so brilliant präsentiert wurde, dass die "Arbeits-" und Nebengeräusche sowohl der Stimme als auch der Instrumente genauso wichtig wie ihre eigentliche Performance erschienen, gab es kaum ein Stück, das man nicht hervorheben könnte.
Besonders in Erinnung blieben mir allerdings das rhythmisch interessante "I Run. I Stay", Sun Nah's Solonummer, bei der sie sich auf der Minidrehorgel (für die es sicherlich eine mir nicht geläufige korrekte Bezeichnung gibt) selbst begleitete, ein langes wildes Duett zwischen Stimme und Schlagzeug, sowie die mit sehr viel Gänsehaut-Gitarren-Ambient-Atmosphäre vorgetragene Version des koreanischen Volksliedes "Arirang" als Zugabe.
Eine außerirdisch grandiose Sängerin mit fantastischer Band sorgten für neunzig rundum glückliche Minuten. Ein wunderbares Konzert.
Wenn wir schon hier versammelt sind, frühstücken wir doch auch gleich schnell das obligatorische Mitbringsel aus dem Merchpalast (in der Laeiszhalle ist ja alles etwas gehobener) ab:
YOUN SUN NAH - Lost Pieces (CD) (2026)
Dass mir die elf Stücke auf "Lost Pieces" grundsätzlich gefallen, dürften weiter oben ja schon zwischen den Zeilen erkennbar gewesen sein, ebenso welche externen Einflüsse Youn Sun Nah in ihre Jazzkompositionen webt. Die intime Atmosphäre, der unbereinigte und doch glasklare Klang der Instrumente, die originellen, eigene Identität stiftenden Details... vieles in der Studioversion bewegt sich nahe an der Magie der Livedarbietung.
Der Hauptunterschied ist der größere, texturenreichere Sound mit mehr Youn Sun Nah in Harmonie mit sich selbst und einer Vielzahl zusätzlicher Instrumente von Klavier, Orgel, Keyboard über E-Bass zu Streichern, Bläsern und Marimba sowie Vibrafon.
Das macht die Musik - wie schon bei früheren Alben - im Vergleich zur Liveshow zu einem sicherlich etwas glatteren, poppigeren Erlebnis. Allerdings noch längst nicht wirlich zu Pop - und schlechter definitiv auch nicht.
Nein, tatsächlich übertrifft dieses kleine, feine, wunderschöne Werk meine Erwartungen sogar ganz entspannt. 2026 ist - ich sagte es anderswo schon - anscheinend ein wirklich gutes Jahr für den Jazz-Anteil meiner Musiksammlung.
Der Hauptunterschied ist der größere, texturenreichere Sound mit mehr Youn Sun Nah in Harmonie mit sich selbst und einer Vielzahl zusätzlicher Instrumente von Klavier, Orgel, Keyboard über E-Bass zu Streichern, Bläsern und Marimba sowie Vibrafon.
Das macht die Musik - wie schon bei früheren Alben - im Vergleich zur Liveshow zu einem sicherlich etwas glatteren, poppigeren Erlebnis. Allerdings noch längst nicht wirlich zu Pop - und schlechter definitiv auch nicht.
Nein, tatsächlich übertrifft dieses kleine, feine, wunderschöne Werk meine Erwartungen sogar ganz entspannt. 2026 ist - ich sagte es anderswo schon - anscheinend ein wirklich gutes Jahr für den Jazz-Anteil meiner Musiksammlung.














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