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2012-11-22

SWANS - The Seer

Beim Review zur neuesten Magma-Scheibe hatte ich ja um einen zentralen Begriff meditiert, nur um festzustellen, dass er auf das besprochene Album eben nicht anwendbar war.

Zum Ausgleich packe ich dafür aber nun einen Brocken auf den Tisch, der wie kaum etwas anderes, was jemals durch den Tinnitus in mein Ohr gedrungen ist als Synonym und Klangwerdung eben jenes Begriffs verstanden werden kann.

Das Wort: MONOLITHISCH

Das Album:

SWANS - The Seer (2012)

Außer "monolithisch" fällt mir auch keine Beschreibung ein, die einen Leser ernsthaft auf das vorbereiten könnte, was ihn in diesem auf zwei CDs verteilten, zweistündigen Magnum Opus der Swans erwartet. Zumindest glaube ich das. Versuchen will ich's natürlich trotzdem.

Am hilfreichsten ist selbstverständlich, die Band um Meisterhirn Michael Gira bereits zu kennen. In dem Punkt muss ich zugeben, noch große Defizite zu haben, da sie mir in erster Linie als maßgeblicher Einfluss von Godflesh- und Jesu-Macher Justin K. Broadrick und anderer Projekte aus der personellen Napalm Death-Verwandschaft (z.B. PainKiller) ein Begriff sind, und ich aus ihrer Album-Diskographie bislang einzig "Great Annihilator" inhaliert habe.
Und auch Archive haben natürlich von Zeit zu Zeit ihre schwanenhaften Momente. Ganz zu schweigen von der extremen Doom-Szene, in der es von Swans-Jüngern gewiss wimmelt.

Dass ich es dennoch wage, mit diesem Marginalwissen vom Schaffenshöhepunkt der 1982 gegründeten Band zu sprechen, hat einen ganz einfachen Grund, und der kommt - in möglichst großer Lautstärke - aus den Boxen gedröhnt, gekrochen, gescheppert, geflüstert und explodiert. Es ist rational kaum festzumachen, doch es quillt dem Album einfach über die gesamte Länge aus allen Poren: "The Seer" kann und darf nichts anderes sein als die absolute Kulmination eines abgründig visionären Musikerdaseins.

Dabei ist es müßig, einzelne Stücke besonders herauszuheben, denn egal ob in kleinen Folkballaden wie "Song for a Warrior" und "The Daughter Brings The Water" oder massiven Ungetümen jenseits der 20- und sogar 30-Minuten-Grenze wie "The Apostate" und dem Titelsong: "The Seer" funktioniert nicht als Sammlung von Liedern, sondern als unabhängig von der musikalischen Form immer gleichsam intensives Gefühlskaleidoskop. Und der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig am finsteren Ende des Spektrums.

Wechsel geschehen oft abrupt und radikal, Geräusch wird zu Musik, wenn man es schon gar nicht mehr erwartet. Das ist kein traditionelles Songwriting, sondern Collage.

Die Texte dazu sind sind Psalme und Mantren, verdichtet, oftmals gleichklingend und repetiv, nichts für das Poesiealbum.

Und das Ganze ist in dieser Form verdammt einzigartig -  monolithisch eben.

Das Cover passt auch zum Inhalt: Das alptraumhafte Spiegelbild einer nachtschwarzen Seele.


Als Fazit der Rezension kann ich nur die Swans selbst zitieren:

"We're on a ladder to God.
We're on a ladder to God.
We are blessed!
We are blessed!
Fuck!
Bliss!
Fuck!
Bliss!"

Um die Kür eines Albums des Jahres werde ich mich für 2012 wegen zu starker Auswahl wohl voraussichtlich drücken. Ansonsten wäre "The Seer" auf jeden Fall ein ganz heißer Kandidat!

Es ist nun schon fast wieder mitten in der Nacht, das Finale des letzten Stücks fliegt mir um die Ohren und lacht mich aus, wie ich jetzt denn wohl Schlaf finden soll.
Mal sehen, wie es mir morgen um diese Zeit erst geht. Heute Abend sehe ich die Herrschaften nämlich livehaftig in Hamburg...


Anspieltipps: A Piece Of The Sky, The Seer, Avatar, Lunacy, The Apostate

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