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2012-01-09

Tonträger 2011, Teil 6 : alles anders wie immer (CYNIC)

CYNIC - Carbon-Based Anatomy (2011)

Tja, über Cynic habe ich mittlerweile ja so viel Lob vergossen, dass mir spätestens seit dem Livereview zum Konzert am 19. Dezember eigentlich kaum noch etwas zu schreiben einfällt.

Vielleicht hilft mir ja ein Blick ins Lehrbuch für Cynic-Rezensionen...
Nein, leider nicht. nach diesem ist nämlich zunächst einmal die Messung des Metal-Gehalts wichtig, bzw. die Feststellung, ob und wie weit sich die Musik der Band seit "Focus" geändert hat. *gähn*

Also gut: Man hört schon durchaus, dass die Band im Metal verwurzelt ist, es gibt aber keine längeren Riffpassagen und auch keine Growls. Und ja, diese EP ist tatsächlich kein zweites "Focus", unterscheidet sich von den Bonus-Tracks der späteren "Focus"-Neuauflage, klingt ebenso nicht nach "Traced in Air" und knüpft auch nicht direkt da an wo "Wheels Within Wheels" auf der "Re-Traced"-EP aufgehört hat!

Und dennoch erkennt man natürlich schon nach kürzester Zeit, dass es sich um Cynic handelt. Irre! Wie überraschend! Und scheiße, was sind mir diese Kriterien kackegal. Dass Metaller oftmals engstirnige Traditionalisten sind - ok, dass wird sich auch in den nächsten dreißig Jahren nicht ändern. Aber dass gerade sogenannte Fans progressiver Bands von diesen verlangen, sich ab einem bestimmten Punkt ja nicht mehr zu ändern, da steige ich nicht hinter.



Und eigentlich machen Cynic ja in gewisser Weise doch jedesmal das gleiche. Auch "Carbon-Based Anatomy" nimmt uns mal wieder mit auf die komplette Reise durch Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt. In erstaunlich kurzer Zeit, das muss man zugeben.
Aber natürlich gibt es Unterschiede zu den vorangegangenen Trips. Der deutlichste ist wohl, dass es sich nur bei der Hälfte der sechs Tracks um vollwertige Songs handelt, die auch für sich alleine stehen können. Demnach ist es zu empfehlen, die EP stets als zusammenhängendes Gesamtwerk zu hören, das steigert die Wirkung erheblich und lässt sich bei 23 Minuten Spielzeit auch leicht einrichten.

Musikalisch gibt es nicht nur im von Gastsängerin Amy Correia intonierten, schamanenhaften Intro "Admidst the Coals", der Meditation "Bija!" und dem Ausklang "Hieroglyph", dessen Text im Booklet passenderweise recht schwer lesbar ist, einen deutlichen Einschlag von Ambientklängen und Weltmusik.
Mit diesem Einfluss, aber auch verdeutlicht in einem naiven Songtitel wie "Elves Beam Out", machen sich auch in den eigentlichen Songs die 70er Jahre stärker bemerkbar als in der Vergangenheit, ohne jedoch das wie gewohnt doch eher futuristische Gesamtklangbild an sich zu reißen.

Die Besetzung der Band ist mit Paul Masvidal, Sean Reinert und Immer-wieder-Studiobassist Sean Malone eine sichere Nummer, die jeder für sich und zusammen erst recht mit ihrem unverkennbaren Stil viele Glanzpunkte setzen. Allein der Basslauf des Titelstücks ist schon für die Götter. Dazu die exzellenten Leadgitarren und als weitere Markenzeichen das zwischen Jazz und Powerdrumming fließende Spiel Sean Reinerts und der mal ganz reduzierte, mal durch Vocoder-Effekte entrückte Gesang Paul Masvidals, schon ist man wieder ganz tief drin, im Cynic-Klangkosmos. Und wie immer gilt dabei, dass bei aller Kunst der Song an sich stets im Mittelpunkt steht.

Um den Thron der absoluten Spitzenscheiben 2011 kann "Carbon-Based Anatomy" zwar nicht mitkämpfen (dafür fehlt es einfach an Spielzeit), aber sowohl Fans, die nicht bis in alle Ewigkeit Neuauflagen der "Focus" hören wollen, als auch Neu-Zyniker machen hier mit dem Kauf nichts verkehrt.

Eine Tendenz für das nächste volle Album werde ich aus der EP nicht ableiten, denn daran halten sie sich ja ohnehin nicht. Wenn auf eines Verlass ist, dann doch dass Cynic immer sie selbst bleiben, jedoch mit jeder Veröffentlichung eine neue Facette ihres Sounds präsentieren. Und dies hoffentlich nie wieder mit einer fünfzehnjährigen Pause dazwischen!

Anspieltipps: Carbon-Based Anatomy, Box Up My Bones

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