Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
If the title is displayed in Comic Sans, please refresh the site! That's unless you really dig Comic Sans of course.
Interested in me reviewing your music? Please read this!

2014-07-02

meine Roadburn-Scheiben (AVATARIUM, BONG, LUMERIANS, NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS, PAPIR MEETS ELECTRIC MOON, SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES, THE DEVIL'S BLOOD, TRIPTYKON, YOB)

Ob ich es dieses Jahr wieder durchziehe, alle von mir gekauften dieses Jahr erschienen CDs zu reviewen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, da ich z.Zt. wirklich kaum Zeit übrig habe.

Ich werde jetzt aber mal wieder anfangen, ab und zu etwas zu schreiben. Beginnen möchte ich mit einer weiteren Roadburn-Huldigung, in der ich ein paar Worte zu allen Tonträgern verliere, die ich mir während oder infolge des Festivals zugelegt habe. Und das sind schon einige mehr als nach jeder anderen Veranstaltung. Nach Wacken verspüre ich nämlich keinen vergleichbaren Kaufrausch.

Nicht berücksichtigt sind die zwei, drei Alben, die ich mir in Vorbereitung aufs Festival besorgt habe, sowie die (vor)bestellten Werke von Conan und Yob, die noch nicht bei mir eingetrudelt sind. Und wer weiß, was da sonst noch kommt...




AVATARIUM - Avatarium (2013)

Als Candlemass-Fan hätte ich mir das Debütalbum der vermutlich legitimsten Nachfolgeband vielleicht auch eines Tages ohne das Festival gekauft. Nach dem Auftritt beim Afterburner führte aber kein Weg daran vorbei. Tatsächlich geht es auf dem selbstbetitelten Werk ja sogar eine Ecke kreativer und stilistisch offener zu als auf den letzten Scheiben von Candlemass (welche ich nach wie vor grandios finde), so dass ich mich an Avatarium auch schon mehr festgehört habe. Der auch im Studio fantastische Gesang von Jennie-Ann Smith trägt natürlich auch einen erheblichen Teil dazu bei. Hätte ich die Band letztes Jahr schon entdeckt, wäre ihr ein Spitzenplatz in meinem Jahresrückblick sicher gewesen.

Anspieltipps: Moonhorse, Boneflower, Tides Of Telepathy





BONG - Mana-Yood-Sushai (2012)

Ultragemächlicher Drone-Doom trifft meditative bis beschwörerische indische Klänge. Zwei Tracks, einer 27, der andere 19 Minuten lang. Nicht nur live ist Bong eine der konsequentesten Bands, die ich je erlebt habe. Dabei ist "Mana-Yood-Sushai" ein erstaunlich zugängliches Werk. Vorausgesetzt, ich habe die Zeit, mag ich gerade den Titeltrack bei jeder Gelegenheit gerne hören, wobei ich nachts im Auto besonders empfehlen möchte. Wie sich dieses Ding innerhalb eines einzigen Themas so ganz allmählich immer weiter steigert, das ist schon ganz große Kunst. Der zweite Song "Trees, Grass And Stones" funktioniert ähnlich, nähert sich aber etwas mehr "normaler" Rockmusik an und garniert das hypnotische Erlebnis streckenweise mit einer schönen, an die guten alten Fields Of The Nephilim erinnernden Leadgitarre.

Anspieltipp: Dreams Of Mana-Yood-Sushai





BONG - Stoner Rock (2014)

Der Albumtitel ist gleich mal ein Statement: Vergesst alles, was ihr über das Musikgenre Stoner Rock zu wissen glaubt! Das hier und nichts anderes ist "Stoner Rock". Und das angesichts eines Werkes, das viele Hörer wahrscheinlich nicht einmal mehr unter dem Obergebriff "Rock" einordnen würden, so weit ist es von dessen üblichen Erscheinungsformen entfernt. Das über 36minütige "Polaris" ist die ultimative Bong-Prüfung. Überstehst Du dieses schleichende Ungetüm, dessen Zeitlupenriff aus einem einzigen - ja wirklich einem einzigen! - Ton besteht, dann sind alle anderen Stücke der Band ein Spaziergang. Das gilt dann auch für das nachfolgende, fast ebenso lange "Out Of The Aeons", welches sich an Komplexität des Arrangements im relativen Vergleich wie Progrock ausmacht. Die meisten Musikkonsumenten kämen ohne Zuhilfenahme leichter Drogen aber wahrscheinlich gar nicht bis hierher. Ich bin auch ohne Hilfmittel begeistert, finde die "Mana-Yood-Sushai" allerdings noch etwas fluffiger. 

Anspieltipp: Polaris





LUMERIANS - The High Frontier (2013)

Lumerians spielen trippig seltsame Feelgoodmucke, die ich nach wie vor kaum irgendwo einordnen kann. Also wiederhole ich einfach mal sinngemäß, was ich schon im Livereview geschrieben habe: Tanzbare Musik mit Vocoder-Gesang, funkigem Bass und wechselndem Fokus auf Gitarre und Keyboards, in der sich Spuren sowohl von Krautrock als auch von den Beach Boys oder wenn man lustig ist sogar Daft Punk ausmachen lassen. Wobei in den letzten Vergleich wahrscheinlich noch der Eindruck der Liveshow mitschwingt... Auf jeden Fall super Zeugs.

Anspieltipps: Koman Tong, Dogon Genesis, Abudhabijhab






NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS - The Cosmic Child (2013)

Man könnte sagen, die schwedische Band mit dem grenzgenialen Namen spielt in den 70er Jahren geerdeten Progmetal. Aber ich behaupte einfach mal, New Keepers Of The Water Towers sind die cooleren Opeth. Also minus Death Metal und plus Stoner Rock und Pink Floyd natürlich. "Cosmic Child" könnte meinetwegen noch gerne ein oder zwei Tracks mehr vertragen, ist davon abgesehen aber ein uneingeschränkt empfehlenswertes episches Metal-und-drüber-hinaus-Album.

Anspieltipps: Pyre For The Red Sage, The Great Leveller






PAPIR MEETS ELECTRIC MOON - The Papermoon Sessions (2013)

Im Livebreicht habe ich zu den Papermoon Sessions nicht viel geschrieben, und auch bei diesem Tonträger würde ich nicht auf die Idee kommen, mir eine musikalische Tiefenanalyse aus den Fingern zu saugen. Zwei erfahrene Space Rock Jam-Bands treffen aufeinander und jammen Spacerock. Das tun sie sehr gekonnt, in drei Tracks zusammen eine Dreiviertelstunde lang. Ob man drauf steht, können einem eh nur die eigenen Ohren zeigen. Von mir gibt jedenfalls die volle Kaufempfehlung!

Anspieltipp: Farewell Mr. Space Echo





THE DEVIL'S BLOOD - The Thousandfold Epicentre (2011)

Nein, natürlich haben sie nicht auf dem Festival gespielt. Bis auf ein paar Livevideos ist der Hype rund um The Devil's Blood jedoch damals komplett an mir vorbeigegangen. Der Auftritt und die Veröffentlichung der Nachfolgeband haben mich jedoch schwer beeindruckt, so dass ich jetzt gerne nachsitze. Die Kombination von Bandname, Titel und Cover schreit geradezu "Klassiker" und diese Erwartungshaltung löst die Musik dann auch mühelos ein. The Devil's Blood spielten Proto Metal, was eigentlich widersinnig ist, da dieser Kunstbegriff ja einer Reihe ganz unterschiedlicher - und bereits von anderen Genres beanspruchter - Künstler wie z.B. Blue Öyster Cult, King Crimson und Led Zeppelin im Nachhinein als Musik beschreibt, die vor der Definition bzw. den Definitionen von "Heavy Metal" bereits einige seiner Schlüsselelemente vorweg genommen haben. Demnach kann also vierzig Jahre später keine Band mehr Proto Metal sein, es sei denn sie benutzt eine Zeitmaschine, um die Musikgeschichte neu zu schreiben. Und genau das haben The Devil's Blood im Grunde getan. Ihr treibender, von wilden Gitarren und der charismatischen Stimme Farida Lemouchis dominierter, rauschhafter, besessener, beschwörerischer Okkultrock ist ganz klar ein missing link und ein Höhepunkt in der Evolution des Metal.

Anspieltipps: She, The Thousandfold Epicentre, Cruel Lover






SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Earth Air Spirit Water Fire (2014)

Nach der Auflösung von The Devil's Blood blieb sich Mastermind Selim Lemouchi musikalisch in gewisser Weise treu, da auch in seinem neuen Projekt statt einfach alte Idole zu kopieren "Was wäre wenn?" mit der Rockhistorie gespielt wurde. Wo er vorher die Ursprünge des Heavy Metal neu erdacht hatte, flog er diesmal mit der Zeitmaschine tief in die psychedelische Frühphase von Pink Floyd zurück ließ jene in seinem Paralleluniversum sich nicht Richtung der gebremsten, kontrollierten "Dark Side Of The Moon" und "The Wall" entwickeln, sondern baute stattdessen auf der ungezügelten Seite der Band auf ließ diese auf neue Einflüsse treffen. Das Line-Up wurde etwas aufgestockt, insbesondere die beiden unisono spielenden Drummer fallen auch im Studio als besonderes Stilmittel auf. Für den emotionalen Höhepunkt sorgt im Finale "Molasses" wieder einmal Selims Schwester Farida mit einer zeitweise an Lisa Gerrard (Dead Can Dance) anklingenden, äußerst eindringlichen Gesangsdarbietung. Doch auch die - an wen wohl erinnernden? - männlichen Harmoniegesänge können sich hören lassen.

Anspieltipps: Molasses, Chiaroscuro



SELIM LEMOUCHI & HIS ENEMIES - Mens Animus Corpus (2013)

Für die "Earth Air Spirit Water Fire" vorangegangene EP gilt noch nicht ganz, was ich über das Album geschrieben habe. Um noch einmal das Zeitmaschinenmotiv aufzugreifen: auf "Mens Animus Corpus" war diese anscheinend noch aus Richtung The Devil's Blood unterwegs und noch nicht ganz beim eigentlichen Ziel angekommen. Sehr hörenswert ist dieser halbstünder ebenfalls. Aber auch wenn "Your Way Down" fantastisch exzessiv vierzehn Minuten lang auf einem wilden Rockriff herumwütet, fehlt noch das ganz große Gefühlskino, wohl auch weil Farida Lemouchi hier noch nicht wieder mit an Bord war.

Anspieltipp: Your Way Down






TRIPTYKON - Melana Chasmata (2014)

Das neueste Werk der Celtic Frost-Nachfolgeband hätte ich mir natürlich auch ohne Roadburn Fesival besorgt. Ich hatte sie auch schon vorbestellt. Aber da der Veröffentlichungstermin  ja genau auf dem Wochenende lag, habe ich mir "Melana Chasmata" dann doch gleich direkt im 013 eingesteckt.

Grundsätzlich verfolgt das Album, welches erneut ein Gemälde des kürzlich verstorbenen Künstlers (und persönlichen Freundes von Thomas Gabriel Fischer) H.R. Giger als Cover schmückt, einen ähnlichen Sound wie seine Vorgänger "Monotheist" (Celtic Frost) und "Eperistera Daimones" (Triptykon). Das ohnehin schon breite stilistische Band, welches sich durch die Düsternis spannt, wird hier noch einmal zu beiden Seiten hin verlängert. Und auch die Detailverliebtheit scheint mir gewachsen zu sein. Im Wechselspiel zwischen Aggression und Melancholie liegt letztere (gefühlt, nicht nachgemessen) vorne. Und auch wenn die Schweizer mit einigen lange ausexerzierten Riffs oder dem experimentellen Ausklang "Waiting" schon beinahe versuchen, einen Teil der Hörerschaft abzustoßen - "Melana Chasmata" will über seine gesamten fast siebzig Minuten einfach niemals langweilig werden. Egal welches Tempo, ob Death oder "Gothic", was Triptykon anfasst, das hat Tiefgang und wird mit dem Selbstbewusstsein desjenigen, der es erfunden hat zelebriert.
Fischer ist auch nach über dreißig Jahren des Metal-Pioniertums immer noch ein Innovator. Und mit Triptykon schart er auf Augenhöhe eine hungrige Band um sich, deren individuelle musikalische Klasse am Gesamtwerk einen ebenso großen Anteil hat wie seine persönliche Vision.
Mein Fazit: Dieses Album gehört mit Sicherheit zu den besten seiner Laufbahn und unterstreicht, was ich anderorts schon geschrieben habe, nämlich dass Triptykon zu den wichtigsten Metalbands der Gegenwart zählen.

Anspieltipps: Black Snow, Tree Of Suffocating Souls, In The Sleep Of Death, Boleskin House






YOB - Atma (2011)

Dieser Gitarrensound! Die gewöhnungsbedürftige, beim ersten Hören dumpf erscheinende, tiefknarzende Verzerrung, mit der Mike Scheidt das Klangbild des Trios dominiert und mit der er neben purer Doom-Metal-Wucht auch überraschend dynamisch agieren kann, ist an sich schon ein eigenes Review wert. Musikalisch sind Yob für mich die epische US-Powermetal-Version der Melvins. Ungemein mächtig, cool, böse, und dabei niemals kitschig. Die Soundphilosophie - vermeintlich unterproduziert, aber in Wahrheit von der ersten bis zur letzten Minute auf den Punkt genau richtig - lässt auch vergleiche mit den letzten Alben von Autopsy zu. Im Grunde enthält Yobs "Atma" fast alles, was im (langsamen bis Midtempo-)Metal besonders geil ist. Herausragend finde ich speziell, wie auf dem Album über vier lange Songs die Spannung gehalten wird und man hat die ganze Zeit das Gefühl hat, dass die Band sich noch mühevoll selbst zügelt, um irgendwas zurückzuhalten.
Und im abschließenden "Adrift In The Ocean" lassen die Amis es dann raus. Offene, teilweise sogar schöne Klänge formen einen epochalen Metal-Longtrack mit grandiosem Leadgitarrenfinale für die Ewigkeit. Gewaltig!

Anspieltipps: Adrift In The Ocean, Atma






YOB - The Unreal Never Lived (2005)

Fast alles was man Gutes über "Atma" sagen kann, trifft so auch schon auf das ein paar Jahre ältere Werk "The Unreal Never Lived" zu. Statt einer übergreifenden Dramaturgie, die die ganz große emotionale Tiefe bis zum Schluss hinauszögert, spielen sich hier die Spannungskurven noch mehr in den Songs für sich ab. Derer sind vier, und sie sind alle zwischen neun und über einundzwanzig Minuten lang. Unterm Strich gibt es also neben mächtigem Geranze für die Magengrube also auch mehr Momente zum ehrfürchtigen Schwelgen. Der zwischen Death Metal-Grunts und rauer Power Metal-Sirene variierende Gesang muss auch lobend erwähnt werden. Und was für ein gewaltiger Songbrocken ist "The Mental Tyrant"? Fantastisch! Sound und Stil von Yob haben sich hier bereits gefunden und sollte ich mich zwischen "Atma" und "The Unreal Never Lived" entscheiden müssen, es würde mir das Hirn zerreißen. Wird wohl Zeit, dass der nach Ansicht vieler Fans eigentliche Magnum Opus der Band "The Great Cessation" endlich wieder lieferbar wird, um mich davor zu bewahren.

Anpieltipps: The Mental Tyrant, Quantum Mystic

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen