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2016-05-15

MENHIR - Hiding In Light

Ein schwarzer Klotz mit goldenen Sprenkeln. Ist es Meteorgestein? Der kleine Bruder des Monolithen aus "2001"?

Mit einer Auflage von achtzig Stück ist das kultig dekorative Silikonobjekt immerhin ähnlich rar wie Gekrümel aus dem Weltraum. Allerdings - und hier setzt die potentielle Wertminderung ein - muss man es zerstören, will man an den darin eingeschlossenen Tonträger kommen.

Das habe ich zwar bisher  nicht übers Herz gebracht; dennoch kann ich dank im Kauf enthaltenen bandcamp-Download auch ein paar Worte zur Musik auf der aktuellen EP der Holländer Menhir sagen.

(Und ehrlich gesagt besitze ich auch gar kein Tapedeck mehr, welches gut genug ist, um mir einen hörbaren Mehrwert gegenüber den Digitalversionen zu bieten.)




MENHIR - Hiding In Light (Tape/mp3) (2016)

Disclaimer: Dieses Review kann u.U. Vergleiche enthalten, die ich neulich schon in meinem Roadburn-Bericht verwendet habe.

Astrosludge nennt die Band ihren Krach, den sie hier in Form von drei fünf- bis sechsminütigen Tracks auf die Welt loslässt. Und tatsächlich erfasst der Begriff auch die beiden Kernmerkmale des Sounds. Denn zum einen produziert das Trio aus Schlagzeuger und zwei Bassisten eine ungeheuer wuchtige Lärmwand auf höchster Noise- und Zerrstufe, zum anderen enthalten die Songs aber auch viele spacig schwebende Elemente, welche allerdings weniger trippig klingen, sondern vielmehr bedrohlich wie ein alle kosmischen Hinternisse durchbrechender, unaufhaltsamer Todesstern auf dem weg zu deinem Planeten.

Menhir klingen also ziemlich urgewaltig und endzeitlich, allerdings nicht in dem Sinne, dass sie schwer hörbar wären. Nein, tatsächlich geht der tieffrequente und mächtig groovende Sound sogar ziemlich komfortabel ins Ohr; grundsätzliche Sozialisation mit derber Krachmusik vorausgesetzt, versteht sich.

Auch wenn das Ganze natürlich weitaus weniger chaotisch ist und songwritingmäßig aus einem anderem Jahrtausend stammt, erinnern mich Atmosphäre, großräumige Produktion und vor allem das tiefe Gegröhle auf "Hiding In Light" sehr an mein postapokalyptisches All-Time-Lieblingsalbum "Inde$troy" von Saw Throat.

Und wer mit diesem Vergleich nichts anfangen kann, der wird immerhin ein paar Parallelen zu Napalm Death finden können, und zwar vor allem in den clean gesungenen Passagen, die große Ähnlichkeit mit den Chorälen haben, mit denen die Briten auf ihren neueren Alben gerne mal experimentieren.
Und immer wenn Barney & Co. die akustische Nähe der Swans suchen, ist die Stimmung ähnlich abgründig wie bei Menhir.    


"Hiding In Light" ist eine ganz hervorragende EP, an der ich höchstens kritisieren könnte, dass sie eben nur eine viertelstündige EP ist. Mich holt dieses Zeug musikalisch vollkommen ab und bereitet mir eine monolithische, urgewaltige Freude.

Dazu noch das Tape in der bekloppten, aber äußerst formschönen Verpackung, deren Entstehung auf der facebook-Seite von Tartarus Records liebevoll dokumentiert wurde. Herrlich!


Da bleibt nur ein Wunsch: Mehr Menhir!



Anspieltipps: Image From Void, Scalar Field, Hiding In Light




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