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2016-11-05

KHEMMIS - Hunted

Yeah! Es ist wieder Zeit für Barbarenfantasy!

Nein, dies ist kein Review zum jüngst erstmals auf Vinyl erschienenen letzten Cirith Ungol-Album "Paradise Lost". Ich habe hier schon genügend Musik abzufrühstücken, ohne auch noch jedes Re-Release zu berücksichtigen, daher würdige ich die Kings of Kauzigkeit mal nur mit diesem dezent reingeschummelten Shoutout.

Hier und jetzt liegt das zweite Album von Khemmis aus Denver, Colorado auf dem Teller, deren fantastisches Debüt vom letzten Jahr ich gefühlt ja gerade erst vorgestern besprochen habe.

Kann das Doom-Quartett sich noch steigern? - [Spoiler!] Ja, es kann!




KHEMMIS - Hunted (LP) (2016)

Zunächst einmal muss wie schon beim Vorgänger das Coverartwork von Sam Turner gelobt werden. Es gibt im Metal ja unzählige Schwerter/Drachen/Titten-Cover und die allermeisten gehen mir ziemlich nahe am Arsch vorbei, doch was diese Scheibe ziert, das ist schon sehr amtlich. Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so kultig wie letztes Mal, doch betrachtet man auch die Rückseite, finden sich auch die Protagonisten der "Absolution"-Hülle wieder.

Ein Gatefold ist dies zwar nicht, doch das komplette Panorama kann man sich auf dem Rücken des 7-zoll-formatigen Booklets mit illustrierten Songtexten anschauen.
Dazu noch der innen schwarze Karton und das silbern eingelasse Logo machen "Hunted" optisch und haptisch schon zu einem Highlight.

Farbige Varianten der Platte gibt es auch, doch die waren mir wegen der Import-Versandkosten diesmal etwas zu teuer. Aber schwarz ist ja auch schön.




Ebenso wie die äußere Gestaltung knüpft auch die Musik an den Vorgänger an.

Wieder verbinden Khemmis den klassischen Candlemass-Epos mit der tonnenschweren sludgeverzerrten Wucht conanschen Höhlenmenschendooms. Dazwischen gibt es immer wieder Verweise auf weitere Doom-Spielarten, Epic-Metal-Einflüsse und aus der mächtigen Riffsuppe shuffelnde Thin Lizzy-Grooves. Und der absolute Kicker - sowie eine der beiden auffälligsten Stärken der Band - sind erneut die Iron fucking Maiden-Twin-Leadgitarren, die einfach mal alles können.

Das andere herausragende Alleinstellungsmerkmal ist Phil Pendergasts gleichzeitig verzweifelter wie bombastischer, aber niemals zu dick aufgetragener Klargesang, der sich hier im Vergleich zu "Absolution" noch hörbar steigern konnte und spätestens jetzt wohl zu den größten Stimmen des Genres gezählt werden muss.
Er teilt sich das Gesangsaufkommen zwar nach wie vor mit dem Brüllen und Grunzen Ben Hutchersons, allerdings ist sein Anteil sehr viel größer, bzw. der Einsatz von Hutchersons aggressiver Stimmer deutlich gezielter und songdienlicher.

Beim ersten Hören wirkt "Hunted" stilistisch etwas weniger breit gestreut als "Absolution", doch dies liegt vor allem daran, dass Khemmis ihre größten Stärken verdichtet und ihr Songwriting verbessert haben. So gibt es durchaus noch Passagen, die Türen zu anderen Genres aufstoßen, doch sie sind nun eben noch tiefer als ohnehin schon vorher in einen stimmigen Kontext eingebettet.

Besonders herauszuheben wären da z.B. der Absturz in bell witch-artigen Funeral Doom mit kehligstem Gegurgel in der Mitte von "Candlelight", der Motörhead Tribut zollende, ungewöhnlich schnelle Einstieg in "Three Gates" und vor allem das fabelhafte Finale des über dreizehnminütigen abschließenden Titelsongs, welches zunächst erneut an Trauergeschleiche der Marke Skepticism denken lässt, sich dann aber zu himmlisch hymnischer Postrock-Größe hinaufschwingt.

Überhaupt ist gerade die B-Seite gigantisch und emotional überwältigend. Betrachtet man den Erzählfluss des Albums als Ganzes ist dies ganz klar mit dem Yob-Meisterwerk "Clearing The Path To Ascend" vergleichbar.



"Hunted" ist ohne wenn und aber ein hundertprozentig gelungenes Album. Jeder der fünf Songs hat das Zeug zum Klassiker. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es ganz oben platzieren oder noch "For This We Fought The Battle Of Ages" von Subrosa vorziehen würde, doch dass Khemmis hier eines der größten Doom-Monumente des Jahres geschaffen habe, dürfte kaum jemand, der dem Genre zugetan ist, ernsthaft leugnen.

Doomster müssen hier auf jeden Fall reinhören, sonst setzt es unbefristetes Metal-Verbot!


Und zuletzt, für alle, die vielleicht noch die Stirn runzeln, weil sie nicht so sehr auf Dungeons&Dragons-Lyrik stehen, sei zur Beruhigung noch gesagt, dass es entgegen dem Versprechen des Artworks in den Texten gar nicht so sehr um Fantasythemen geht, sondern vielmehr um einen Blick nach innen. Die poetisch psychoanalytische Aufarbeitung von Alptraumbildern, ziemlich düsteres, auswegloses Zeug. Doom eben.

Und jetzt kauft das Ding endlich, damit sich die Band möglichst bald leisten kann, nach Europa zu kommen!


Highlights: Hunted, Candlelight



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