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2017-05-20

LIBIDO FUZZ - A Guide Into Synesthesia

Jupp, wer sich jemals mit Pen&Paper-Rollenspielen beschäftigt hat, bei dem klingelt es jetzt im Hinterstübchen. Wir alle haben dieses Cover schon gesehen, als eine ansonsten einigermaßen geschmackssichere Fantasyillustratorin das Genre mit seinen Elfen, Feen und Hexen als Vorwand genommen hat, um ihrer Sehnsucht der zu spät Geborenen nach Friede, Freude, Blumenkraft Ausdruck zu verleihen.

Hält man allerdings das passend gestaltete, unschuldig weiße Vinyl in den Händen, dann kann man sich mit dem Artwork des neuen Libido Fuzz-Longplayers schnell versöhnen.

Und lässt man die Scheibe erst unter der Nadel rotieren, dann erscheint die Welt sowieso bald in anderen Farben auch jenseits von lila, weiß und blond. 




LIBIDO FUZZ - A Guide Into Synesthesia (innocent white vinyl) (2017)

Nach ein paar Sekunden, die man sich fragt, ob die Abspielgeschwindigkeit stimmt (ja, das sind 33 rpm) ist schon sonnenklar, wohin bei dem französischen Trio die Reise geht: Powerrock im Stile der Jimi Hendrix Experience, bluesbasiert, wild, heavy, dabei sehr sehr psychedelisch und am Fuzz-Pedal alle Regler auf 12. Muss ja auch, bei dem Bandnamen.

Wer lieber neuere Referenzen mag, dem kann ich genau wie in meinem Live-Review der Gruppe letztes Jahr wegen dem frischen Sturm und Drang in der Mucke auch The Vintage Caravan anbieten, die allerdings nicht so sehr in Richtung Psych und Stoner ausschlagen. In Tracks wie "Clouds & Birds" schauen Libido Fuzz auch mal Causa Sui in die Augen.


All dies sind bisher natürlich keine zwingenden Gründe, sich "A Guide Into Synesthesia" zuzulegen.

Als solcher ist zunächst der eigenwillig wabernde, mittenstarke Gitarrensound von Pierre-Alexis Mengual zu nennen, der ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellt. Schwer zu fassen, was an seinem Spiel so speziell ist, aber ein leicht wiedererkennbarer, eigener Ton ist hier nicht zu leugnen.
Ähnliches gilt für seinen recht hohen Gesang, der allerdings für den einen oder anderen durchaus eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchen kann.

Libido Fuzz live in Heide
Die Performance der sechs Stücke (plus ein digitaler Bonustrack) ist absolut astrein. Wer Libido Fuzz live gesehen hat, der weiß dass Drummer Thibault Guezennec für sich ein mittelgewitteriges Schauspiel ist. Diese Energie ist auf dem Album perfekt eingefangen. Kein Wunder, wurden die Songs doch alle live eingespielt.
Auch die Songreihenfolge hat die Dramaturgie eines guten Livekonzerts. Ich überlege ja schon immer beim Hören, was bei einem neuen Album denn meine Highlights (formerly known as "Anspieltipps") sind, und bei "A Guide Into Synesthesia" komme ich immer wieder darauf, dass es gut anfängt und zum Ende und dem zwölfminütigen Quasi-Titelsong "Guide Me Into Synesthesia" hin einfach immer besser wird.

Fazit: Das Rad zwar nicht neu erfunden, aber dennoch mit hohem Wiedererkennungswert und in der Ausführung einfach verdammt gut.
Preislich dazu wie immer bei Pink Tank Records mit Fairnessmedaille inklusive digitalem Download.

Rockt. Trippt. Fuzzt.  


Highlights: Guide Me Into Synesthesia, Clouds & Birds, The Last Psychedelic Blues



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