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2018-01-07

GODFLESH - Post Self

Es ist kein Zufall, dass dies das letzte Album meiner To-review-Liste aus dem gerade abgeschlossenen Jahr 2017 ist. Denn Godflesh sind als eine der wichtigsten Beschickerkapellen meines Soundtracks der frühen Neunziger Jahre einfach verdammt nah an meinem Herzen, und es fällt mir schwer wie bei kaum einer anderen Band, mich analytisch, objektiv von ihnen zu distanzieren. (Ich habe mich jetzt allerdings eh entschieden, es gar nicht erst zu versuchen.)

Und es erschien natürlich auch recht spät.

Trotzdem haben sie es noch auf meine Jahresbestenliste geschafft, auf einem guten achten Platz hinter Laibach und Ulver. Und ich glaube, dazu dürfte ich auch längerfristig noch stehen.




GODFLESH - Post Self (white vinyl) (2017)

Die Wiederkunft von Godflesh im Jahr 2014 mit "A World Lit Only By Fire" war ja eine zumindest oberflächlich sehr grobe, direkt in die Fresse gezielte Angelegenheit. Ein Statement, dass das Trio aus Justin Broadrick, G.C. Green und Drumcomputer sich in Sachen Heaviness, Hoffnungslosigkeit und katharsischer Zerstörungskraft auch fünfundzwanzig Jahre nach "Streetcleaner" vor nichts und niemandem zu verstecken brauchte.

"Post Self" scheint mit dem eröffnenden Titeltrack und den nachfolgenden beiden Stücken zunächst an das Vorgängeralbum anschließen zu wollen. Monströs drückende Riffs, der unverkennbar drahtig schnarrende Bass und Broadricks Gebrüll schlagen in eine sehr ähnliche Kerbe. Die Beats grooven vielleicht etwas zwingender, sind zumindest eindeutig breiter und reicher programmiert.

Ab "Mirror Of Finite Light" zeigt das Album dann mit jedem Track. was es tatsächlich will. Die Tendenz der ersten Stücken bestätigt sich vollends in viel konsequenterer Form, als man bis dahin ahnen konnte.
Wo 2014 auf Reduktion gesetzt wurde, macht sich nun dynamischere Texturen aus Rhythmus und Synthieflächen auf. Die Gitarre rückt in dieser Melange aus Brummen und Schweben manchmal sogar in den Hintergrund, was "Post Self" wie angekündigt sicherlich "weniger Metal" macht (als ob dies bei Godflesh überhaupt Relevanz hätte), den tiefgreifenden, introspektiveren Charakter des Albums allerdings verstärkt.

Für einen Rezensenten, der sich überlegt, welche Tracks seine Lieblinge sind, ist insbesondere die komplette zweite Hälfte von "Post Self" ein Alptraum. Godflesh zeigen sich experimentell, lassen innerhalb der einzelnen Stücke vieles passieren, arbeiten mit einer Palette, die innerhalb ihres stets eindeutig nach Godflesh klingenden Kosmos kaum breiter sein könnte. Da eröffnet jeder Track neue Facetten, jeder der zehn Tracks ist sein eigenes Biest, und es ist kein Füller dabei.

Wenn man den Vergleich zu den Klassikern der Achtziger und Neunziger Jahre sucht, dann muss man wohl sagen, dass es anders als bei "A World Lit Only By Fire" weniger die Alben sind, die als Bezugspunkt taugen, sondern vielmehr die immer etwas freier im Grundsound der Band herumrührenden EPs, von "Slavestate" und "Cold World" bis zu "Merciless" und der "Selfless"-Auskopplung "Crush My Soul".

Songtitelpaarungen wie "Post Self" und "Pre Self" oder "The Cyclic End" und "The Infinite End" belegen zwar, dass Broadrick und Green innerhalb eines klar abgesteckten Rahmens operieren. Dieser umschließt allerdings eines der reichhaltigsten Godflesh-Werke aller Zeiten.


Das Artwork der LP ist durch und durch klassisch. Religiöse Symbolik und ein gnadenlos reduzierendes Layout, welchem in diesem Fall sogar sämtliche Credits außer Songtitel und Erscheinungsjahr zum Opfer fallen. Die limitierte weiße Ausgabe ist besonders schön. Weißer als die A-Seite geht es wirklich kaum noch. 


Wie immer unverzichtbar sind die diesmal drei Bonustracks der japanischen CD-Ausgabe, welche man ansonsten nur als Download direkt vom Künstler über Bandcamp bekommt. (Oder wenn man die LP dort rechtzeitig vorbestellt hat. Tonträger gibt es an der Stelle z.Zt. allerdings nicht mehr.)

Es gibt eine alternative, eher nach dem letzten Album klingende Version von "Parasite", sowie zwei weitere Stücke als "Dub" und für die postapokalyptische Tanzfläche optimierten "JK Flesh reshape". Das ist dann natürlich noch mal sehr viel weniger Metal, dafür aber saucool.

Danach hört man das ganze Ding entweder von vorne oder legt die stimmungsverwandte "Concrete Desert" von The Bug vs. Earth auf.


Highlights: Be God, Mortality Sorrow, The Cyclic End, Mirror Of Finite Light, In Your Shadow (JK Flesh Reshape)



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