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2014-11-06

MONO - The Last Dawn / Rays Of Darkness

Auf die folgende Doppel-LP bin ich über facebook --> The Ocean --> Pelagic Records gestoßen. Ich sah das phänomenale Artwork - wirklich ganz ganz große Hüllenkunst - und hoffte sofort, dass die Band Mono, welche ich bisher auschließlich vom Namen her kannte, für mich interessant sein würde. Nach kurzer Internetrecherche wusste ich: yeah, ich kann mir dieses Kunstwerk vorbestellen!




MONO - The Last Dawn (white in clear vinyl) / Rays Of Darkness (black in clear purple vinyl) (2014)

Tatsächlich handelt es sich bei "The Last Dawn" und "Rays Of Darkness" um zwei parallel erschienene Alben der Japaner, welche man auch seperat kaufen kann.
Die Aufmachung bleibt in diesem Fall prinzipiell dieselbe, man bekommt die beiden Hälften des Covers und Gatefolds nur eben einzeln statt zusammenhängend.
(Bemerkenswert finde ich übrigens, dass trotz Credits auf den Innenhüllen nirgends auf Hülle oder Label der Name der Band genannt wird.)

Aber ob man die Alben nun als einzelne Veröffentlichungen oder Gesamtwerk betrachtet; wie die äußere Gestaltung schon deutlich macht, handelt es sich hier um zwei Seiten einer Medaille - yin und yang, Glück und Leid, Höhenflug und Absturz.

Das helle Album "The Last Dawn" bietet epischen instrumentalen Postrock zum Schwelgen und Schweben. Die klassische Rockbesetzung inklusive Klavier türmt hier, unterstützt von einem Streicherquartett, Schicht um Schicht eskapistische Melodien übereinander, bis sie in einem katharsischen Wall of Glückseligkeit explodieren. Da steckt jede Menge Sehnsucht drin, aber es ist stets erbauend und wunderschön, ohne sich in Kitsch zu verlieren.

Der einzige musikalische Vorwurf, den man Mono machen könnte, ist dass es ihnen vielleicht innerhalb ihres Genres ein wenig an Unverwechselbarkeit mangelt, was für eine rein instrumentale Gruppe allerdings grundsätzlich schon eine Ecke schwieriger als für Bands mit Gesang ist. Anderseits sind die Tracks allesamt klasse gespielt und wissen einfach zu berühren.

Ich wage mal zu behaupten, dass es für den Genuss von "The Last Dawn" relativ nebensächlich ist, was man sonst so für Musik hört. Wer sich innerlich zu Musik fallen lassen kann, insbesondere wenn sie Stimmungen wie die frühen Sigur Rós aufbaut, der ist hier grundsätzlich schon Zielpublikum. Das Album ist einfach zu verstehen und braucht keine Warmlaufzeit, um sich zu erschließen - pure Schönheit eben - und hat doch sowohl Kraft als auch Tiefgang.


"Rays Of Darkness", das dunkle Album, ist da anders. Sperriger und ungemütlicher.
Auch reduzierter, denn die Instrumentierung ist sparsamer, enthält also keine Streicher und auch weniger Klavier.

Dabei beginnt es mit "Recoil, Ignite" zunächst einmal genauso wohlklingend. Doch irgendwann im Stück bemerkt man, dass die Melodien gespenstischer und dunkler werden... Zwar hätte dieser Song auch nach dem Crescendo noch auf "The Last Dawn" stehen können, hätte dort aber schon einen dunklen Schatten geworfen.

Die folgenden drei Stücke gehen dann vollends in eine andere Richtung.
Kein gleichmäßiger Fluss, der sie vorantreibt und ein wesentlich depressiverer Grundton. Ich fühle mich hier eher an düstere und auch leicht verkopfte Stücke von Kayo Dot erinnert. Und wenn in "Surrender" die Trompete bläst denke ich auch etwas an die Kooperation von Sunn O))) und Ulver.

"The Hand That Holds The Truth" schleicht sich fünf Minuten lang unheimlich an, ehe es im größten Schockmoment des Albums in blackmetalesken Krach ausbricht, inklusive heiserem Krächzgesang (!), welcher sich vergeblich gegen Gitarrenwände anmüht. Sehr roh, aber wirkungsvoll.

Der abschließende Titelsong lässt dann jeden Hörkomfort hinter sich und kann auch kaum noch als Song bezeichnet werden. Vielmehr handelt es sich hier doch nur noch um eine kratzige brodelnde Drone-Frequenz, meilenweit entfernt von der Schönheit des "guten" Albums, doch in seiner Ausführung eben so pur. Yin und yang eben.


In welcher Reihenfolge man die Alben hören sollte, lassen Mono selbst offen. Ich würde jedoch jene empfehlen, die ich hier beschrieben habe, da der Absturz in die Düsternis so einfach effektiver ist.
Wer jedoch lieber aufgebaut statt ermattet das Hörelebnis beenden will, der fängt vielleicht lieber mit "Rays Of Darkness" an - oder belässt es nur bei "The Last Dawn".

Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass es Hörer geben mag, die nur mit einem Album (und zwar eher "The Last Dawn") etwas anfangen können. Von daher ist intensives Reinhören im Zweifelsfall nicht verkehrt.

Ich finde die Doppel-LP auch als Gesamtpaket sehr stimmig - und zum Artwork muss ich ja nicht noch einmal etwas sagen. Ein Traum!

Mono = große Postrockkunst.



Neben den LPs liegen noch mp3-Downloadcodes für die Alben bei.

Der einzige Minuspunkt (der allerdings kaum einem Leser etwas bedeuten wird, da er diese spezielle Klecks-Vinyl-Variante bestrifft, welche vermutlich eh schon vergriffen ist) ist dass sich das Plattendesign hier anscheinend doch ein wenig auf das Abspielverhalten auswirkt.
Ich weiß nicht, ob die LPs hier vielleicht minimal zu dick geraten sind, auf jeden Fall höre ich in ruhigen Passagen ein Grundgerumpel, welches ich sonst nicht habe... seltsam.

Um mir die Freude an den Alben zu verderben, reicht es allerdings nicht.


Anspieltipps "The Last Dawn": Kanata, Elysian Castles, The Last Dawn
Anspieltipps "Rays Of Darkness": Surrender, The Hand That Holds The Truth


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