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2017-11-04

BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come

Die Studiowerke des kalifornischen Blackmetal-auf-Hackbrettern-Projekts Botanist sind für gewöhnlich Soloeinspielungen des eigentlich als Drummer gestarteten Multiinstrumentalisten Otrebor. Bei den zwei(!) neuen Alben ist dies jedoch anders, wie der Zusatz "Collective" verrät.

Das zweite neue Album "Collective: Setlist 2017" habe ich bereits neulich nach dem Konzert in Kiel besprochen. Es entstand in erster Linie, um einen für die Tour repräsentativen Tonträger dabei zu haben, denn vom eigentlichen neuen Album wurde live nicht ein Ton gespielt.

Und nein, zu schlecht ist es nicht, ganz im Gegenteil.




BOTANIST - Collective: The Shape Of He To Come (hazy clear vinyl) (2017)

Die Grundidee dieses ersten "Collective"-Albums war es, die Mitglieder der Liveband an den Aufnahmen zu beteiligen, aber auch im kreativen kompositorischen Prozess einzubinden. Konkret bedeutete dies, dass tatsächlich alle Mitglieder, die von 2013 bis 2016 irgendwann dabei waren, hier etwas beigetragen haben, auch solche, die zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr dabei waren wie die ursprüngliche Bassistin Bezaelith.

Und dadurch dass sich die Zusammensetzung der Band inzwischen wieder geändert hat, waren Botanist schlicht nicht in der Lage, die Songs von "The Shape Of He To Come" für die Liveperformance zu lernen. Das klingt zunächst nach doofer Ausrede, ist aber tatsächlich verständlich, wenn man bedenkt, dass Otrebor inzwischen von seiner gewohnten Bühnenrolle am Mikrofon und Harmonium and den gehämmerten Dulcimer gewechselt ist und keinen der Dulcimerparts auf diesem Album selbst erdacht und eingespielt hat.

Die Band hat diesen Umstand überlebt, doch schade ist es durchaus, da es sich hier um ein sehr abwechslungsreiches und oft von der gewohnten Botanist-Formel abweichendes Werk handelt.

Am offensichtlichsten und prägendsten dafür verantwortlich ist Bezaelith. Da der Bass schon eingespielt war, bedient sie hier nämlich nicht den Viersaiter, sondern singt.
Und da an ihrer oft choralen, mystischen Stimme kaum vorbeizuhören ist, klingt "The Shape Of He To Come" insgesamt wie eine 50:50-Mischung aus gewohnten Botanist (wie auf "VI: Flora") und "Gramarye" von ihrer ähnlich nerdigen (und nebenbei wie auf dem Prophecy Fest live erlebt ziemlich epochalen) Band Lotus Thief.


Dazu versucht sich auch Otrebor erstmals am Klargesang, und die von den Instrumentalisten hineingeflossenen neuen Einflüsse heben das Album ebenso vom Rest der Diskographie ab.
Alles in allem also eine größere, bombastischere, abwechslungsreichere Version von Botanist, die enorm viel Freude bereitet.

Dies gilt auch für die Verpackung, ist die transparente LP doch in ein sehr ansehnliches Cover verpackt, auf dem die pflanzlichen und tierischen Komponenten der Erlöser(und Zerstörer)gestalt, von der das Album erzählt, sich erst in verschiedenen Schichten zum kompletten Bild zusammenfügen.



Die Songreihenfolge unterscheidet sich in der digitalen und vinylen Version leicht, weil die zunächst ruhige Eröffnung "Praise Azalea, The Adversary" auf die B-Seite der Schallplatte verschoben wurde. So fängt diese Version also gleich mit der vollen Dulcimer-Geboller-Packung an. Funktionieren tut das beides gut.

Vielleicht das beste - auf jeden Fall ein sehr gutes - Album einer Post Black Metal-Band, die klingt wie keine andere Gruppe auf dem Planeten. Uneingeschränkt empfehlenswert.


Highlights: The Shape Of He To Come, Upon Veltheim's Throne Shall I Wait, The Recociliation Of Nature And Man


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