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2017-11-24

ZONE SIX - Zone Six

Jeder Rezensionstext ist mit mindestens einer Entscheidung verbunden, in welchem Umfang man den Erklär-Bär gibt, und was man als bekannt voraussetzt bzw. als nicht so relevant erachtet.

Und bei der Band Zone Six bin ich angesichts der komplexen Besetzungsgeschichte und der Einordnung innerhalb von Sulatron Records geneigt, so zu tun, als wüsste eh jeder bescheid. Denn auf den ersten Blick sieht das ähnlich kompliziert aus wie das Coverartwork dieser Wiederveröffentlichung ihres Debüts von 1997.


ZONE SIX - Zone Six (1997/2017)

Doch, ein wenig Erklärung muss sein. Zone Six sind eine frei jammende Psychedelic Rock-Band, deren Diskographie dementsprechend hauptsächlich aus Livealben besteht. Die Verbindungen bzw. personellen Überschneidungen mit Electric Moon sind unmöglich zu übersehen. Das war allerdings nicht immer der Fall war, existieren  Zone Six doch schon gute zwölf Jahre länger.

Die einzige durchgehende Konstante in den verschiedenen Phasen der Gruppe ist die Beteiligung von Dave Schmidt aka Sula Bassana, allerdings in verschiedenen Funktionen. Anfangs war er für den Bass zuständig, bis er diesen an seine Herzensdame Komet Lulu abgegeben und sich fortan wechselnd um Schlagzeug, Gitarre und Keyboards gekümmert hat.
Der nächste zentrale Postenwechsel, der die Band heute auch musikalisch am meisten prägt und von Electric Moon, die aktuell tatsächlich sonst identisch besetzt sind, unterscheidet, ist der Einstieg von Rainer Neeff an der Gitarre.

1997 war dies alles Zukunftsmusik. Man (= damals das Trio aus Schmidt, Hans-Peter Ringholz und Claus Bühler) hatte sich im August spontan aufgrund eines Konzertangebots im September gegründet und innerhalb einer Nacht einen Haufen Jams aufgenommen. Schmidt hat die Dinger dann noch mit ein paar Overdubs und Interludien gepimpt. Zusammengefasst zu zwei ausufernden Longtracks erschien das Ding dann in winziger Kassettenauflage, die direkt auf dem Konzert verkauft wurde.

Eine weiter überarbeitete Version dieser Sessions mit Gesang wurde im folgenden Jahr zum Debütalbum von Zone Six.

Die hier besprochene Wiederveröffentlichung (erhältlich auf CD oder grünem Vinyl) entspricht allerdings der ursprünglichen Version und stellt diese somit erstmals einer breiteren Hörerschaft vor.


Yep, im Gegensatz zu meinem letzten Sulatron-Review (Strobe "Bunker Sessions") habe ich diesmal das Infoblatt vorm Schreiben sowas von gelesen, haha.


Nun also zur Musik selbst. Überrascht hat mich der relativ große Dub/Reggae-Anteil dieser Improvisationen, dem auch der Raumhall der Aufnahmen am meisten zuspielt.
Daneben gibt es natürlich noch viel mit straighten Rockrhythmen unterlegten, krautigen Spacerock. Hier eine Spur spiritueller Indien, dort etwas cooler Western, verrührt in kosmischem Geblubber.

Von Passagen, die nach proggigem Jazz-Fusion-Zirkus klingen bis hin zu grobmotorischeren Stellen, in denen die Drums so richtig billig nach Low-Fi-Proberaummitschnitt klingen oder Rückkopplungen, denen man anhört, dass sie gerade nicht ganz so gelingen, wie der Instrumentalist es gerne hätte, sind hier neben den stilistischen Verschiebungen objektiv betrachtet auch einige qualitative Brüche zu erkennen. Vom nach einer stimmigen Dramaturgie suchenden, songwriterischen Standpunkt aus, ergibt das Ganze sicherlich auch nicht so viel Sinn, wie vieles, was die Gruppe später mit größerer Erfahrung veröffentlicht hat.

Aber gerade diese spontane Unvollkommenheit, die doch so riesiges Potential in sich birgt, macht auch den zentralen Reiz von "Zone Six" aus.

Das Album ist also sowohl ein interessantes Zeitdokument für jeden Six/Moon/Bassana-Fan und darüber hinaus mit Sicherheit bedenkenlos konsumierbares Ohrenfutter für die meisten Psych Spontis.

Prädikat: hat Atmosphäre und Momentum, macht Laune, mag ich.


Highlight: side B: 24:37



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