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2011-03-28

QUEEN - Queen I (2011 Remaster Deluxe)

2011 ist das große Jubiläumsjahr von Queen. Angesichts des 40sten Geburtstags kommen alle fünfzehn Studioalben mit Freddie Mercury noch einmal als Remaster raus. Den Anfang machen diesen Monat die ersten fünf Meisterwerke Queen, Queen II, Sheer Heart Attack, A Night At The Opera und A Day At The Races, von denen ich mir zunächst einmal die ersten drei als Deluxe Edition gegönnt habe.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Erwartungen an den Umfang der Extras, die der Begriff "deluxe" heutzutage weckt, wird leider nicht erfüllt. Ein wenig mehr als ein paar zusätzliche Fotos im Booklet und jeweils eine Bonus-EP mit einer Handvoll Tracks wären sicherlich drin gewesen. Ich denke da zum Beispiel an  an das - trotz einiger offensichtlicher Overdubs - hervorragende Live-Bootleg "In The Lap Of The Gods" von 1974, welches für die ersten drei Veröffentlichungen reichlich Material geboten hätte.

Dennoch ist die Anschaffung zumindest eines Teils des frühen Schaffens der Königlichen natürlich Pflicht - zumindest wenn man es noch nicht besitzt, oder die Tonträger, die man besitzt, ihr natürliches Haltbarkeitsdatum schon überschritten haben bzw. durch zu häufige Rotation Materialermüdungserscheinungen zeigen.

Und der remasterte Klang an sich ist auch keinesfalls zu verachten. Vor allem die gerade beim Debüt ja etwas schwachbrüstige Rhythmussektion kommt klarer und druckvoller zur Geltung, dies allerdings nicht zu offensichtlich, will sagen: Der ursprüngliche Geist, das Feeling der Originalversion leidet unter der Neubearbeitung zum Glück nicht.

Komplettisten würde ich raten, sich vielleicht das Collector's Boxset zuzulegen, welches neben dem ersten Veröffentlichungsschub bereits Platz für alle Alben bis "Made In Heaven" bietet. Ich persönlich kann darauf verzichten, zumal ich das "Flash Gordon"-Album nach wie vor nicht wirklich haben muss.

Doch nun zum ersten Album:


QUEEN - Queen I (2011 Remaster Deluxe Edition) (1973)

Ich bin ein Kind des digitalen Zeitalters. Zwar besaß ich noch ein paar Singles und Langspielplatten, doch kurz nachdem sich mein musikalisches Interesse jenseits von Michael Jackson um die gerade aktuellsten Queen-Alben "The Miracle" und "A Kind Of Magic" erweitert hatte, zog der erste CD-Player in den Haushalt ein und mit ihm die erste Compact Disc: das selbstbetitelte Debüt von Queen!

Im Zusammenhang mit "Queen" wird im Vergleich zu späteren Werken ja häufig vom "noch ungeschliffenem Rohdiamanten" o.ä. gesprochen. Ein Bild das einerseits zwar stimmt, da fast alle musikalischen Markenzeichen zumindest im Ansatz schon vorhanden, die Rahmenbedingungen für den späteren Studioperfektionismus und -gigantismus aber noch nicht gegeben waren, das anderseits aber auch darüber hinwegtäuscht, dass es sich bei diesem Debüt durchaus bereits um ein vollwertiges, in sich stimmiges Album handelt.

In Kenntnis der nachfolgenden Entwicklung vermisse ich eigentlich nur den für alle späteren Queen-Alben der 70er Jahre obligatorischen von Brian May gesungenen Song. Roger Taylor darf hier hingegen schon mit "Modern Times Rock'n'Roll" kurz und schmerzlos auf den Putz hauen.

Sollte ich mich für einen Lieblingssong entscheiden müssen, wäre dies wohl das irrwitzig kitschige "My Fairy King", dessem Text Herr Farrokh Bulsara bekanntermaßen seinen Künstlernamen Mercury entnommen hat.
Doch auch "Great King Rat" oder "Son And Daughter" sind in meinen Ohren unsterbliche Klassiker.
Und der plötzliche einsetzende wilde Gitarrenpart in der Falsettballade "Doing All Right" war für mich eine zentrale Initialzündung, mich noch mehr den härten Klängen des rockmusikalischen Spektrums zuzuwenden...

Die Bonus-Disc enthält fünf der zehn Albumsongs als 1971 aufgenommene Demoversionen, mit zum Teil noch deutlich anderen Arrangements, was insbesondere in "Liar" deutlich wird. Das Schlagzeug klingt auf diesem Demo sogar tatsächlich noch lebendiger als auf dem späteren Album. Der Gesang überzeugt mich auf den späteren Aufnahmen allerdings mehr, auch wenn Freddie Mercury auch hier schon selbstverständlich eine Klasse für sich ist.
"The Night Comes Down" hat es seinerzeit schon direkt von diesem Demo auf "Queen I" geschafft, da man nicht glaubte, die Aufnahme noch übertreffen zu können.

Im Gegenzug blieb "Mad The Swine" unberücksichtigt, der sechste und letzte Song der Bonus-CD, ein Liedchen, mit dem ich wohl noch warm werden muss. Ich finde es besonders im Refrain nicht so stark wie das restliche Material. Von daher zurecht ausgemustert. Wirklich schlecht aber auch keinesfalls.

Insgesamt bleibt nur eine unbedingte Kaufempfehlung, für ein großartiges, frisches, musikalisch sehr vielseitiges und eigenständiges Album, dass mir auch zwanzig Jahre nach dem ersten Hören noch nicht langweilig geworden ist.
Nein, ganz im Gegenteil! Momentan spiele ich "Queen I" und das "De Lane Lea"-Demo rauf und runter.

Anspieltipps: My Fairy King, Great King Rat, Son And Daughter

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