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2009-08-30

THE MARS VOLTA - Octahedron

- real time review -



THE MARS VOLTA - Octahedron (2009)
Ich muss schon zugeben, dass ich sehr gespannt war, wie The Mars Volta nach der ebenso wahnwitzigen wie düsteren Tour de Force "The Bedlam In Goliath"mit dem aktuellen Album"Octahedron" weitermachen würden.
Könnte dieses Energielevel tatsächlich gehalten werden? Vermutlich, wenn man gewollt hätte. Mastermind Omar Rodriguez-Lopez hatte jedoch anderes im Sinne und trat diesmal kräftig auf die Bremse. Das Ergebnis ist so etwas wie der vollkommene Gegenentwurf zu Bedlam, allerdings innerhalb des marsvoltamusikalischen Kosmos, versteht sich.

Das Konzept war offensichtlich, herauszufinden, wie weit sich die Musik der Gruppe reduzieren lässt, ohne ihre Identität zu opfern. Und das ist erstaunlich weit. So wurden zwei Bandmitglieder komplett beurlaubt, es finden bis auf das Finale keine Bläser statt. Wo die Stimme Cedric Bixler-Zavalas zuletzt noch beinahe bis zur Unkenntlichkeit durch unzählige Effekte gejagt wurde, klingt er diesmal oftmals erstaunlich entspannt und gefühlvoll. Am auffälligsten ist, wie sehr hier das Trommelmonster Thomas Pridgen gebändigt wurde. Nachdem das letzte Album ja auch als 75minütiges Drumsolo im besten Billy-Cobham-Stil funktionierte, lag er bei großen Teilen von "Octahedron" offensichtlich gefesselt in der Ecke. Tatsächlich kommt die Hälfte der Tracks fast oder sogar vollständig ohne Drums aus! Und gerade diese Stücke wie "With Twilight As My Guide" oder "Copernicus" erweisen sich sogar als Höhepunkte des Albums.

Natürlich gibt es auch wildere Momente, welche jedoch im Vergleich zu den vorigen Alben schon fast verhalten ausfallen. Die Basis von "Octahedron" ist eben nicht Chaos oder Panik, sondern Stille, und gebremster Schaum somit vollkommen ausreichend.
Aus dieser Stille schält sich der Opener "Since We've Been Wrong" heraus, und in diese kehren The Mars Volta immer wieder zurück.

Das Album ist aber nicht nur ruhiger, sondern auch kürzer, sowohl was die Gesamtspieldauer, als auch was die einzelnen Tracks angeht. Die Songs sind fast alle nach traditionellem Strophe-Refrain-Prinzip strukturiert, es bleibt fast immer kontrolliert und selbst einige Songtitel kommen tatsächlich in den entsprechenden Refrains vor. Es ist also alles ziemlich nachvollziehbar geworden.

Ein poppiger Ausverkauf also?
Nein, das würde ich nicht sagen. Bei vielen Bands könnte man ähnliche Ansätze vielleicht so betrachten, aber für The Mars Volta ist es wohl gerade etwas sehr neues, experimentelles, gewagtes, im Zweifelsfall vielleicht sogar kommerziell riskantes, mal nicht musikalisch vollkommen durchzudrehen.

Trotzdem ist "Octahedron" in keinem Moment weniger The Mars Volta als "The Bedlam In Goliath" oder "Amputechture", was natürlich vor allem eines bedeutet, nämlich: dieser Tonträger ist brilliant!

Absolute Kaufempfehlung.

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