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2026-01-20

digitale Resterampe 2025 mit DROFNOSURA, HEXROT, NOÉ JUNE / HÉLOÏSE FRANCESCONI und UNDERSAVE


Ok, im Prozess des allmählichen Schließen des Deckels über das Vorjahr habe ich jetzt mal nachgeschaut, welche digitalen Veröffentlichugen von 2025 noch bislang unrezensiert den Weg in meine Sammlung gefunden haben. Und tatsächlich waren da noch vier Downloadcode-Goodies von Transcending Obscurity Records und Arsenic Solaris. Beginnen wir mal mit den satten drei Alben, die mich zusammen mit der CD von Veilburner erreichten:



Sehr eigenwillig krank geht es bei den Kanadiern DROFNOSURA auf "Ritual of Split Tongues" zu. In überwiegend über zehnminütigen Tracks zwängt sich dissonante Sludge-Masse mit Einflüssen aus Death-, Black- und Post Metal durchs Gehör. In dieser Art kriechendem Midtempo erwartet man als Basis eines maximal sicken Sounds ja vielleicht eher den gruftig duftenden Doom-Death von Autopsy, bekommt hier jedoch eine von 45 auf 33 rpm heruntergebremste Version von Blut Aus Nord inklusive einer gewissen mystisch-meditativen Note. Das ist dann auf erfrischend erstickende Weise - trotz unterschwelliger Erhabenheit und gelegentlichem Klargesang -  vergleichbar ungesund wie Ghostsmokers "Inertia Cult". Räudig und mächtig!






Nein, das Cover von HEXROTs "Formless Ruins of Oblivion" kommt nicht nur Dir bekannt vor. Deep Purple, Dead Can Dance, Sun Ra Arkestra und - insbesondere auch den Höllen-Flügel des Gemäldes nutzend Celtic Frost sind nur einige von unzähligen Bands, die schon ihre Alben mit dem "Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch verpackt haben. Nun also auch diese amerikanischen Avantgarde-Metaller.

Herrlich dissonant geht's auch hier zu, allerdings mit stärkerem Death-Metal-Geist - und jeder Menge irre technisch verfrickelter Arrangements, in denen neben schwefelschwadigem Black und ganz schön garstigem Thrash Metal ebenfalls elekronische Spielereien eine kleine Nebenrolle spielen. Geiles mit den Synapsen seilspringendes, dynamisches neurotisches Zeug, welches eigentlich nur eine Laufzeit von fünfunddreißig Minuten hat. Zur digitalen Version hat das Label aber großzügigerweise einfach mal mit vier Bonustracks die komplette "Gloomwrought"-EP von 2022 mit obendrauf gepackt. Sauber!






Auch das dritte Transcending Obscurity-Album, "Merged In Abstract Perdition" von den Portugiesen Undersave, bietet Dissonanten Death Metal und schließt für heute die Beweisführung ab, dass es innerhalb dieses Subgenres doch ganz schön unterschiedlich abwechslungsreich zugehen kann.

Anders als Hexrot und Drofnosura wirft diese Band kaum andere Metalspielarten ein. So ziemlich alles, was auf diesem vierzigminütigen Brett runtergedroschen wird, lässt sich als reines Todesblei klassifizieren. Das ist inklusive vieler für Morbid Angel typischer Gitarrenquietscher einerseits vielleicht tradioneller, wozu auch das Klischee der ausnahmslos überlangen Nile-Gedenksongtitel wie "Unconscious Assimilation... Path To Tangible Reality" oder "Fathomless Contempt Nourished By Unrealistic Predictions" passt - anderseits mit seinen herrlich prügelnden Versen und gelungenen kranken Doppelleads im Ulcerate-Stil aber auch sehr frisch. Zu Meckern gibt's jedenfalls nichts. Macht Bock!






Wer meine Vorstellungen hier der Reihe nach hört, der muss sich nun auf eine Bremse einstellen und sollte schon einmal das dritte Auge öffnen, denn mit dem selbstbetitelten Split-Release der beiden Ambient-Künstler NOÉ JUNE und HÉLOÏSE FRANCESCONI wird es abstrakt, experimentell und auch ein wenig meditativ, wenn man sich darauf einlassen kann.

Die "Modular Session #1" von Noé June stellt sich mit ihrem fünfzehn Minuten lang vibrierenden Analogsynthie-Puls gleich als das Herzstück der Veröffentlichung vor, während "The Very Pulse of the Machine" unorganisierter als Sammlung gespenstischer Ur-Industrial-Fragmente daherkommt.

Die Francesconi-Seite beginnt geradezu programmatisch mit "Pazienza", also Geduld, und außer einem ausdauerndem satten Drone passiert hier tatsächlich lange nur sehr wenig außerhalb der subtilsten Ebene. Und "Osyters" führt uns klanglich schließlich - wär hätte es gedacht? - ganz entspannt an die Meeresküste, wo wir an der felsigen Steilküste in eine Kristallgrotte hineintauchen. Schön mächtige, spirituell entschleunigende Weltflucht. Physisch ist diese Split exklusiv als Kassette erhältlich. 







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