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2026-04-02

GLIMMEN - Quatre

Es glimmt wieder! Und ohne den musikalischen Gehalt des neuen Scheibe von Glimmen damit auch nur im Geringsten abzuwerten, muss diese Rezension einfach mit den Äußerlichkeiten beginnen. Denn wow... Was! Für! Eine! Schönheit!


GLIMMEN - Quatre (LP) (2026)

Ok, die wenigen in Europa direkt von Trommler Jörg Schneider erhältlichen Exemplare der auf insgesamt hundert Stück limitierten LP des transatlantischen Projekts rund um Multiintrumentalist Jason Wietlispach dürften alle sehr bald ihre glücklichen Besitzer gefunden haben und danach nur schwer und teuer zu bekommen sein. Von daher werden einige Zuspätkommer sich wahrscheinlich mit dem Bandcamp-Download begnügen müssen. Dennoch sind Alben wie dieses Paradebeispiele für den Mehrwert, den das visuelle und haptische Erleben eines physischen Tonträgers gegenüber rein digitaler Musik darstellt.

Jedes einzelne Exemplar des Gatefoldcovers ist ein individuelles von Wietlispach aus historischen Zeitunge, Zeitschriften, Büchern persönlich angefertigtes Collagen-Kunstwerk, hier und da mit einander ähnelnden Themen und Motiven und doch absolut eigen.

Selbstverteidigung, Fitness, Medizin, Waffen und jede Menge Clowns stehen (nicht nur) bei meinem Einzelstück im Mittelpunkt, dazu Texte auf Englisch, Französisch und Gujarati... und anders als noch beim ähnlich gestalteten 2023er Werk "DOS" ist die Hülle diesmal auch tatsächlich als solche funktionsfähig. Darüber hinaus ist die ganze Ausführung sauberer geraten - Übung macht den Meister - und mit einer mit aufklappbaren Kunststoffhülle sicher geschützt.
Dazu gibt es ein original historische Postkarte - bei mir mit einem Motiv aus den Rocky Mountains - mit hinten aufgeklebter Tracklist + Credits.

Alles in allem einfach eine wunderbare liebevolle Gestaltung. Ich könnte nicht zufriedener sein.

Und dann ist da natürlich die gewohnt großartige Musik! In einer vielschichtigen Melange aus zart mäandernden bis laut lärmenden Gitarren, Vibrafon, Klavier und elektronischen Elementen, gefühlvollen Bläsern, beinahe wie in einem ekstatischen Ritual herumwirbelnden, aber dabei niemals ziellosen Drums und stabil alles von unten zusammenhaltendem Kontrabass zelebrieren Glimmen die Gleichzeitigkeit von Meditation und Chaos, von tiefer Introspektive und stürmischem Ausdruck. Zwischen Albert AylerThe Necks und Swans spannt das Septett bewegende Bögen von Spiritual Jazz und freier Improvisation, über Ambient und Drone bis zum Noise Rock.

Knapp vierzig Minuten Spielzeit, unterteilt in sieben Tracks, sind genau die richtige Länge, um sich in einem Rutsch von diesem perfekten dynamischen Rausch hinwegtragen zu lassen.

Auch ohne die äußeren Schauwerte bestätigen Glimmen wieder einmal eindrucksvoll, warum sie neben Roji wohl mein Lieblingsprojekt in der ständig weiter auswuchernden Diskographie Jörg Schneiders sind. Und "Quatre" als Gesamptpaket... hach, was soll ich noch sagen, so ein Ding hilft doch ungemein, die eigene Vinylsucht vor sich selbst zu verteidigen.