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2013-05-21

WPPD 2013 - Agfa Clack Pinhole

Bin momentan nicht der schnellste, was die Weboptimierung meiner Fotos angeht.

So ist der Worldwide Pinhole Photography Day 2013 nun auch schon ein paar Wochen her.

Ich war dieses Jahr sehr aktiv und habe mit drei verschiedenen Kameras vier Filme gefüllt, was insgesamt 38 linsenlose Fotos bedeutet. Acht davon habe ich wie schon letztes Jahr mit der zur Lochkamera umgebauten, altehrwürdigen Agfa Clack geknipst:








"Making of" (Digital-Pinhole)



"Making of" (Pseudorama-Toycam)



Mehr vom Lochkameratag dann demnächst, wenn ich mit den anderen Filmen fertig bin!

2013-05-05

tamstephan (redscale/colour edition)

Ich habe mit der guten Tamara mal wieder zwei Filme teambelichtet, von denen ich einen an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.

Basis war ein Agfa Optima 400 Rollfilm in der 220er Variante, also ohne Schutzpapier, aber dafür doppelt so lang wie ein gewöhnlicher Mittelformatfilm.

Wir wollten mal sehen, ob es klappt, einen Film nicht nur mehrfach, sondern dabei auch noch von beiden Seiten zu belichten. Also habe ich ihn in meiner Holga 120 GFN von der "falschen" Seite aus als Redscale belichtet, während sich Tamara später mit ihrer Woca (bis auf den Namen identisch mit der Glaslinsen-Holga) der normalen Seite angenommen hat.

Mit etwas angestrengterem Nachdenken, wie herum man den Film am besten aufrollt, wäre das Konzept sicherlich noch steigerungsfähig, denn so wie wir es gemacht haben, war - je nachdem wie man es scannt und dreht - eine Belichtung immer spiegelverkehrt und auf dem Kopf.
Dazu kommt wenig überraschend, dass die Belichtungen natürlich nicht hundertprozentig aufeinander liegen (was großes Glück gewesen wäre), so dass sich ziemlich viele Möglichkeiten ergeben, diesen anderthalb Meter langen Filmstreifen zu interpretieren.

Ihre Varianten zeigt Tamara hier in ihrem Lomohome.

Meine Sichtweise gibt es - zusammen mit unseren älteren Kooperationsfilmen hier auf flickr zu sehen.

Und hier natürlich ein paar meiner Lieblinge...







Und der andere Film wird auch bald gescannt. ;)

2013-04-27

From Vienna with Love : die DIANA F+ Tori Amos Edition

Original oder Remake? Viele Cineasten und Musikliebhaber tendieren da wohl zum ersten. Sei es aus Abgrenzungsbedürfnis zum Mainstream, Nostalgie, Sammelleidenschaft - oder weil sie die ursprüngliche Version in vielen Fällen einfach tatsächlich am besten ist. Für Fotografen gilt dies natürlich ebenso.

Ich fühlte mich als Besitzer einer originalen zeitgenössischen Diana auf jeden Fall auch - wie der Metaller sagt - viel truer als all jene, die "nur" die Neuauflage von Lomography ihr Eigen nennen durften.
Spätestens seit einer unglücklichen Begegnung mit einem asphaltierten Radweg muss ich allerdings zugeben, dass mein Exemplar wirklich nicht mehr allzugut in Form ist...

Vorsicht, scharfe Kante!

Anfang des Jahres gab es nun aber einen Ausverkauf im Webshop von Tori Amos. Die nach ihr benannte limitierte Spezialedition der Diana F+ war mir als Fan sowohl der Künstlerin als auch von Spielzeugknipsen schon bei ihrem Erscheinen (war es vor zwei Jahren?) aufgefallen, mir aber trotz vieler guter Kaufargumente einfach viel zu teuer. Lomography und Preise ist ohnehin ein Thema, welches ich mal anschneiden sollte... Im noch kommenden Blogeintrag zur Belair werde ich das wohl auch tun.

Wie auch immer - jetzt gab es auf die letzten Exemplare plötzlich reichlich Rabatt, so dass man zwar immer noch spürbar Geld ausgeben musste, das Gesamtpaket inklusiver aller Extras und Versand aus den Vereinigten Staaten aber schon günstiger zu haben war als es ein entsprechendes Bundle im Lomography Shop. Also nichts wie zugeschlagen!

Ja, ist denn schon Geburtstag?

"Beneath my raincoat I have your photographs. And the sun on your face, I'm freezing that frame." - Gold Dust

Ich sagte es ja schon im Text zur La Sardina Belle Starr - Lomo-Produkte auspacken macht schon deswegen Spaß, weil so viel Designliebe in der Verpackung steckt. In diesem Fall sind es das naheliegende Klavierthema und die allesamt fotografiebezogenen Songtextzitate, die auffallen. Schade nur, dass man das Zeug eigentlich nach dem Auspacken nicht mehr braucht. Zumindest weiß ich in meinem Bekanntenkreis von niemandem, der seine Kameras in der Verkaufsverpackung aufbewahrt...

Was alles im schwarz-orangen Karton drinsteckt schauen wir uns gleich an. Doch zunächst erstmal ein kleiner Exkurs für alle, denen "Diana" und/oder "Diana F+" nichts sagt.

Die Diana gehört zur Familie der Spielzeug-Mittelformatkameras mit Plastiklinse, deren  prominenteste Vertreterin die Holga ist. Die beiden werden in Liebhaberkreisen wohl auch ähnlich oft verglichen wie unter DSLR-Equipmentjunkies Nikon und Canon oder unter Zuckerwassergourmets Coke und Pepsi.
Tatsächlich sind sie sich (in ihren ursprünglichen Varianten) auch sehr ähnlich. So lässt sich bei beiden Kameras der Film beliebig oft mehrfachbelichten, nach der Aufnahme beliebig weit weitertransportieren, und man hat die Wahl zwischer einer Standardzeit und einem Bulb-Modus für längere Belichtungen.
Auch die traumhafte Anmutung der quadratischen Bilder ist sehr ähnlich, wobei Diana-Fotos kleiner sind (dafür gehen 16 statt 12 auf eine Filmrolle) und oft noch etwas weicher wirken.

Ein Pendant zum "Cola-Krieg" hat es allerdings nicht gegeben, denn die beiden Toycams standen nie in Konkurrenz zu einander. Die Diana wurde nämlich lange vor der Holga in den 60ern bis in die 70er Jahre produziert, was ihrem sehr viel "klassischerem" Design  auch anzumerken ist.
Die federleichte Billigknipse war damals im Verkauf kein großer Renner und gelangte erst posthum zu größerem Ruhm. Tatsächlich wurde wohl ein sehr großer Anteil der alten Dianas ausschließlich ohne Film als reines Kinderspielzeug benutzt.
Als Werbegeschenk wiederum war sie schon beliebt, trug dann aber meist einen anderen Namen als "Diana" vorne auf dem Objektiv. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören "Mego Matic", "Future Scientist" oder einfach "Knips". Wieviele Diana-Klone es gab - und welche tatsächlich vom Originalhersteller kamen - das kann heute niemand mehr sagen.

Sicher ist nur, dass die Lomographische Gesellschaft mit der Taufe dieser Special Edition auf den Namen "Tori" einer guten alten Tradition gefolgt ist.

Überhaupt muss man sagen, dass in der Wiedererweckung dieser charmanten Kamera im Jahre 2007 sehr viel Liebe steckt. Look und Haptik sind auf den ersten Blick tatsächlich fast identisch.

Auf den zweiten Blick gibt es allerdings einige feine Unterschiede.

Der Retro-Blitz mit seinem eigenwilligen Anschluss war früher nur an wenigen Modellen zu finden und ist nun - mit der zusätzlichen Möglichkeit, Farbfilter einzuschieben - Standardausstattung.
Das Objektiv ist abnehmbar. Entweder wechselt man es - sofern vorhanden - gegen ein anderes Objektiv aus, oder man benutzt die neue Pinhole-Blende, um die Diana F+ linsenlos als Lochkamera zu benutzen. Passend dazu besitzt sie nun auch ein Stativgewinde.

Sehr authentisch ist zum Glück die neue Plastiklinse. Die Anmutung der Fotos ist von  der klassischen Diana nicht zu unterscheiden. Wohl aber die Bildgröße. Denn nun hat man per Maske die Wahl, ob man (Mehrfachbelichtungspanoramen mal ausgenommen) wie früher 16 Bilder im Format 4x4 cm aufnehmen möchte oder nach Holga-Vorbild lieber 12 größere.

Die meisten dieser Änderungen sind gut durchdacht und wirklich gelungen. Zwar stimme ich der von mir selbst soeben erfundenen Toycam-Weisheit "Je primitiver, desto klick!" zu, will sagen: Unter der größeren Auswahl an Möglichkeiten kann bisweilen natürlich die Spontanität etwas leiden. Doch dies ist selbstverständlich ein Luxusproblem erster Güte.

Die einzige echte Verschlimmbesserung sind die Filmrollenhalterungen. Bei meiner alten Diana klappt man diese bequem hoch und legt dann lässig den Film ein. Nun sind da an ihrer Stelle zwei wenig vertrauenserweckende Laschen, die ich verbiegen muss, ohne meinen Angstschweiß drauftropfen zu lassen. Nicht so schön.


Soviel zu Diana und Diana F+.

Kommen wir nun zu Tori


Hach, ist sie nicht wunderschön?

Im Vergleich zu manchen anderen Klonen der Diana F+, die zum Teil auch ziemlich schrill ausfallen, sind die Abweichungen vom normalen Design hier eher schlicht und geschmackvoll.

Die farbigen Teile sind nicht türkis, sondern passend zur Haarfarbe, für die die Künstlerin bekannt ist, gold-orange, was im Haarfarbkreis natürlich rot entspricht. Auf der Rückseite ist eine dezente Signatur aufgedruckt und das Filmtransportrad wurde etwas modifiziert.

Ein Klavier! Ein Klavier!


"All the way to New York - I can feel the distance getting close" - China


Die wichtigsten Kamera-Extras des Sets sind ein Weitwinkelobjektiv namens "Distance" und die darauf aufsetzbare Nahlinse "Close", mit der Aufnahmen mit einem festen Abstand von 15 cm zum Motiv möglich sind.
Beim Einsatz von "Distance" kann man einen passenden Sucher oben auf die Kamera aufsetzen. Leider kommt dieser sich aber mit dem Blitz in die Quere, so dass sich beiden schlecht zusammen benutzen lassen. Mit leichter Anpassung hätte dieses Manko vermieden werden können.

Für den Blitz liegen zwei Adapter bei - eines, um den Diana F+-Blitz an andere Kameras anzuschließen und eines, um andere Blitze auf ihr zu benutzen.
Die Auswahl an Farbfiltern ist reichlich, ein System mit größeren Filtern zum Überstülpen wie bei Fritz the Blitz hätte mir allerdings besser gefallen, da die winzigen Streifen doch arg dazu einladen, verloren zu werden.

Das soll nun aber meine letzte "Systemkritik" gewesen sein! ;)

Tori ist eine tolle Knipse, die zu allerlei kreativen Spielereien einlädt, schön anzuschauen und witzig in ihrer Leichtigkeit - ich hätte schon ein paarmal beinahe vergessen, dass ich da überhaupt etwas um den Hals trage. Die beiden Extralinsen sind eine tolle Bereicherung und das Pinhole freut sich auch schon auf den morgigen Weltlochkameratag. Wir haben noch viel zu erleben, wir beide!


Neben der Kameraaustattung selbst, einem Film und der obligatorischen Gebrauchsanweisung lag dem Set noch ein satte 300 Seiten dickes Büchlein mit Hintergründen und Interviews zur Diana-Historie, ein paar Kurzgeschichten und vielen schönen Fotos bei.
Das Cover ziert ein Foto vom Roten Platz, welches - wenn ich die Beschreibung im Onlineshop recht in Erinnerung habe - wohl Tori Amos selbst geschossen hat.


Eigenhändig - und zwar ganz in echt und nicht nachgedruckt - hat die Dame auch die im minimalistischen Booklet-Stil gestaltete exklusive Doppel-CD "Frum Russia With Love" signiert.

Auf dieser ist ein Solo-Konzert (im Sinne von ohne Band, nur mit Klavier) aus Moskau zu hören. Auch wenn ich die Fans bedauere, die sich das Paket zum ursprünglichen Preis nur wegen der CD gekauft haben, weil sie mit Fotografie nichts anfangen konnten; diese Aufnahme ist wirklich nicht von schlechten Eltern und auch in größeren Tori-Amos-Sammlungen sicherlich noch ein echtes Highlight. Meine ist mit aktuell 337 Tracks ja so im oberen Bereich von "mittel", würde ich sagen... ;)

Gute Setlist (recht "klassisch" da ihr erster Auftritt in Moskau), super Atmosphäre, optimal eingefangen!


Anspieltipps: Space Dog, Winter, Silent All These Years, Little Earthquakes


Und nun... Fotos!

Tori shoots Tori
"Close"
"Distance"

Blytzgestrypp

Bulb-Gestrypp
Pinhole (ohne Stativ)
Tori meets backpaper numbers

new cam meets new car







2013-04-22

Belle Starr - Der Heavy Metal Büchsensheriff


Und weil ich einer dieser elenden Lomography-Rabattaktionen mal wieder nicht widerstehen konnte, folgt nun eine kleine Fortsetzung der Rezension...




"La Sardina Belle Starr" heißt das neue gute Stück in meiner Kamerafamilie. Zu den generellen Eigenschaften und der Bildqualität der Sardinenknipsen habe ich mich ja schon im vorigen Text geäußert, also werde ich mich hier auch nicht sinnlos wiederholen. Und da ich das Ding gerade erst heute bekommen habe, kann ich mögliche kleine Individualmacken (wie bei meiner "Sea Pride") auch noch nicht beurteilen.

Was ich jedoch sagen kann, ist dass das Ding mit seinem anspruchsvollen Wildwest-Design schweinegeil aussieht (siehe Fotos) und durch die Metallverarbeit deutlich schwerer ist als ihre Plastikverwandten. Man hat tatsächlich das Gefühl, eine "richtige" ernsthafte Kamera zu benutzen!

Zum vollkommenen Glück fehlen eigentlich nur noch ein paar Halterungen für einen Kameragurt. Anderseits liegt sie aber schon ziemlich gut und sicher in der Hand, dieses kleine Manko ist also zu verkraften.

Die Belle Starr kommt u.a. inklusive optisch passendem "Fritz the Blitz" mit Farbfiltern. Für mich heißt das dann wohl, dass ich demnächst einen überschüssigen Fritz zu verkaufen habe. Ob ich mich vielleicht auch von einer der beiden anderen La Sardinas trennen mag, darüber muss ich noch nachdenken...

Dass die Belle Starr mit Abstand die edelste, robusteste, schönste der drei Büchsen ist, steht zweifellos fest. Und JA, mit dem Schädel hinten drauf wird sie natürlich dieses Jahr meine Wacken Open Air-Knipse. ;)

Zum Abschluss muss ich Lomography jetzt auch mal für die durchgehend immer interessanten Verpackungen loben. Eine Holzkiste, auf der in mehreren Sprachen "VOLLMUNDIGER LOMOGRAPHISCHER GENUSS, FRISCH GEFANGEN UND IN EINE KLEINE METALLBÜCHSE GEPACKT" steht - darauf muss man ja auch erstmal kommen.


2013-04-07

La Sardina - Der eierlegende Wollmilchfisch

"Ich bin ein Lomograph."
(Stephan Ohlsen, "Sätze, die ich wohl niemals sagen werde"; noch kein Verleger gefunden)

Nicht dass die Aussage inhaltlich vollkommen abwegig wäre, aber ich mag den Begriff nicht wirklich, zumal er ja auch schon mit allerhand Klischees aufgeladen ist. Da schwingt so eine urbane, Partypeople knipsende, "aus der Hüfte schießende", photophilosophische Lifestylekomponente mit, in der ich mich nur selten wiederfinde...

Dennoch stammen meine neuesten vier Kameras aus der Kreativschmiede der "Lomographischen Gesellschaft" und sind allesamt sehr interessante Spielzeug, die es wert sind, hier im Blog mit ein paar Worten vorgestellt zu werden.

Den Anfang machen zwei bis auf Äußerlichkeiten eigentlich identische Kameras der Familie "La Sardina".

Das Design basiert auf Billigkameras der "Irwin Corporation", welche in den 1930er und 1940er Jahren tatsächlich mit einer Sardinenbüchse als Body hergestellt wurden.

Echte Fischdosen sind es natürlich nicht mehr, dennoch wurden Form und Größe des Originals beim Relaunch sehr detailverliebt übernommen. Von Anfang an wurde dabei auf viele unterschiedliche Designs gesetzt, von denen sich die meisten zunächst auch an echten Dosenfischvorlagen orientierten. Mittlerweilse gibt es aber auch sehr hübsche Varianten aus Metall statt Kunststoff, eine Blankovariante zum Selbstgestalten oder die zwar schuppige, aber weniger aus dem Wasser kommende "Reptilia"-Reihe.

Viele Editionen kommen zusammen mit dem zuerst mit der "Fischers Fritze" eingeführten, speziell für diese Kamera entwickelten "Fritz the Blitz". Ich musste ihn mir zwar separat besorgen, dafür enthält er einzeln aber auch ein Adapterkabel, um ihn an Kameras mit normalem Standardanschluss zu verwenden.


Ähnlich wie bei der Neuauflage der Diana wurde die La Sardina den Spielbedürfnissen moderner *örgs* Lomographen angepasst und enthält eine Reihe zusätzlicher Austattungsmerkmale. Von denen ist an sich zwar keines revolutionär, doch die meisten anderen 35mm-Plastik-Toycams besitzen - wenn überhaupt - meist nur ein oder zwei davon und eben nicht alle.
So gibt es den Normal/Bulb-Schalter für unterschiedliche Belichtungszeiten, der Fokus ist von nah bis ganz nah einstellbar, Doppelbelichtungen sind möglich, der Film ist frei zurückspulbar, es gibt einen Bildzähler, Kabelauslöseranschluss und ein Stativgewinde. Und dann natürlich noch der erwähnte Blitz-Fritz.

Das klingt doch nach einer Menge Spaß, oder?

La Sardina "SEA PRIDE"
Mit meiner ersten Sardine, der "Sea Pride", hielt sich der Spaß am Anfang zugegebenermaßen in Grenzen.

Da ich sie gebraucht hatte - ich war mal wieder zur richtigen Zeit auf facebook eingeloggt - und mir so das Poster mit der Bedienungsanleitung auf der Rückseite fehlte, fiel ich nämlich auf das fieseste Feature dieser Kamera herein, welches mir erst nach drei Filmen (von denen ich zwei auch noch entwickeln ließ) bewusst wurde:

Auf dem Objektiv steht nämlich die Warnung "ONLY SHOOT IF YOU CAN READ ME!"
Sinnigerweise kann man diesen Satz aber nur lesen, wenn das Objektiv schon herausgezogen ist. Und das war's natürlich nicht...

Danach ging der Spaß aber zum Glück doch noch los. Die Sardine erwies sich als tatsächlich sehr vielseitiges Spielzeug mit dem Potential einer Immer-dabei-Kamera.
Haptisch fühlt sie sich gut an, nur den etwas mickrig geratenen kombinierten Normal/Bulb/Doppelbelichtungs-Schalter habe ich zu bemängeln.


Aber das wichtigste sind natürlich die Bilder.

Die La Sardina bietet wie erwartet eine zum Rand hin verzogene und manchmal leicht vignettierende Plastikknipsenanmutung. Knackscharf bis Indien werden die Bilder natürlich auch nicht, in dieser Hinsicht gibt es andere Billigstknipsen, die ein bei richtiger Filmwahl und passendem Licht viel mehr überraschen können.
Der Aufnahmewinkel ist allerdings überdurchschnittlich weit und vor allem die Naheinstellgrenze sehr kurz. So dicht kann ich sonst mit keiner meiner 35mm-Freundinnen ans Motiv herangehen.

Ein Nebeneffekt der schon fast fisheye-artigen Linse ist, dass bei Gegenlicht innerhalb der Kuppel die unglaublichsten Dinge passieren können - will sagen: was Lensflares und seltsame Gegenlichteffekte angeht, ist die La Sardina ganz vorne mit dabei!


Das einzige, was mich an der "Sea Pride" ein bisschen wurmt ist eine häufig auftauchende starke Unschärfe in der rechten unteren Ecke, die zwar als Effekt durchaus charmant ist, die ich aber nicht unbedingt auf jedem zweiten Foto haben muss. Ob es sich hier einfach um eine individuelle Marotte der Kamera handelt oder ob meine anfängliche konsequente Fehlbenutzung ihren Teil dazu beigetragen hat, kann ich nicht sagen. Wie auch immer, ich habe mir bei einer Preisaktion noch ein zweites Modell zugelegt, die La Sardina Reptilia "Sapphire Serpent".

La Sardina Reptilia "SAPPHIRE SERPENT"
Sieht sie nicht schön aus?

Durch das *räusper* Schlangenleder fasst sie sich auch noch besser an als das andere Modell. Nur das i-Tüpfelchen des Designs, die Schlangenaugen-Objektivkappe habe ich Idiot leider schon verloren. :(
Beim Lomography Shop wird Servive groß geschrieben und man hat mir sogar eine andere Kappe als Ersatz angeboten, aber gerade diese ist leider nicht mehr erhältlich. Grmpf... zumindest habe ich noch rechtzeitig ein Kameraportrait geschossen.

"Fritz the Blitz"

Nun kann ich mir also aussuchen, ob ich Sardinenbilder mit oder ohne spezieller Individualunschärfe haben möchte. Nutzen werde ich wohl beides.

Außerdem wird 2013 wohl als das Jahr in meine fotografische Entwicklung eingehen, in dem ich Fritz sei Dank das hemmungslose Geblitze für mich entdeckt habe.

Ob an der La Sardina oder mit Adapter an anderen Kameras, dieser Blitz mit seinen Farbfiltern ist ein durchaus unterhaltsamer Kerl. Er hat drei Stufen, von denen die oberste schon ganz schön reinhaut. Als ich damit neulich beim Konzert der Band Die Void geflasht habe (jaaa, macht man live eigentlich nicht...), war jedenfalls nicht nur ich erschrocken. *g*



Fazit: Mit ihrer großzügigen Ausstattung ist die La Sardina durchaus so etwas wie die Königin der 35mm-Spielzeugkameras.

Macht sie meine anderen Knipsen dieser Art wie Holga 135BC, Chupa Chups Photo Pop usw. überflüssig?
Nein, denn in einzelnen Eigenarten können die meisten doch mit ihr mithalten oder übertreffen sie sogar. In der Summe jedoch ist die Sardinenbüchse schon eine ziemliche Macht und wird sich sicherlich als eines meiner meistgenutzten lomographischen Filmbelichtungsinstrumente etablieren.


Jetzt fehlen nur noch ein paar Beispielfotos, oder?














Mehr davon? ===> HIER entlang!

2013-03-27

BONGRIPPER - Live at Roadburn 2012

Es war Sonntagabend, der vierte Tag des Roadburn Festivals 2012, der Hauptsaal des 013 war proppevoll. Die Band hatte vorher schon einen Auftritt hingelegt, ihren allerersten in Europa, bei dem ich leider noch nicht zugegen gewesen war.
Doch diese zweite Show war mir schon Offenbarung genug. Bongripper spielten ihr komplettes Album "Satan Worshipping Doom", welches sinnigerweise aus den vier Longtracks "Hail", "Satan", "Worship" und "Doom" besteht. Die Musik ist rein instrumentaler, böser, ranziger Doom Metal. Der Albumtitel ist sozusagen Programm. Großartiges Album, sehr feines Konzert!

Und nun gibt es diese Perle zusammen mit dem ersten Auftritt als Doppel-CD.



BONGRIPPER - Live at Roadburn 2012 (2013)

Bongripper lassen die pure Macht des Riffs für sich sprechen und halten ansonsten die Klappe. In diesem Geiste kann und will hier auch nicht unnötig viele Worte verlieren.

Wer auf konsequenten tiefen, harten Krachdoom steht und gerne rätselt, ob gerade der Speaker der eigenen Anlage oder das Arbeitsgerät des Bassisten kaputt gegangen ist, der kann gar nicht besser bedient werden!

Als kleines Manko könnte man höchstens zählen, dass der Zwanzigminüter "Worship" doppelt vertreten ist. Anderseits ist das Stück aber auch sehr geil und ein Highlight beider Sets. Warum also nicht?
Nein, bei einer Instrumentalgruppe mit Songtiteln wie "Fisting" oder "Sex Tape" kann man eigentlich schon prinzipiell nichts kritisieren.

Fazit: "Live at Roadburn 2012" brummrockt ganz famos und wird sicherlich schnell zum gefragten Liebhaberstück avancieren. 130 Minuten Doooooom zum Genießen!

Anspieltipps: Worship, Hate Ashbury, The Great Barrier Reefer (Segment)

2013-03-25

YOUN SUN NAH - Lento

Schnauze auf den billigen Plätzen!
Hier spricht der Jazzperte!

Ich weiß quasi alles über Jazz, schließlich habe ich mich schon ab und zu bei Konzerten im Fernsehen festgekuckt. Außerdem mag ich das extreme Advantgardezeugs von John Zorn, wie z.B. Naked City oder PainKiller - und aus dem Fusionbereich den Jazzrock von Colosseum und Mahavishnu Orchestra - und die krautigeren Niagara und Passport - und den Jazz-Metal von Exivious. Und Helge Schneider sowieso.

Und dann habe ich ja auch noch diese großartige La Discotheque Ideale-Box mit 25 Album-Klassikern von Künstlern wie Sarah Vaughan, Art Tatum, Jaco Pistorius und  Herbie Hancock, in der ich immer noch viele Schätze entdecke, bei der mich allerdings auch ein wenig ernüchtert hat, wie ewig lange diese Musik im 4/4-Takt festhing, ehe Befreier wie Dave Brubeck zur Tat schritten...

Soweit der Überblick. Wie ihr Ahnungslosen seht, bin ich also Fachmann durch und durch.

Ich rieche, schmecke und atme Jazz.

Kein Wunder also, dass ich neulich im Jazzperten-Fachblatt Spiegel Online auf den Stream des neuen Albums einer in Paris lebenden Koreanerin gestoßen bin, welches mir so gut gefiel, dass ich umgehend in mein Jazzman-Kostüm geschlüpft bin und mit dem Jazzmobil das nächste amazon-Lager zerstört, alle Sklaven befreit und mir ein Exemplar erplündert habe.



YOUN SUN NAH - Lento (2013)

Besengewische, walking Kontrabass, Klavier *klimperklimper*, Trompete *trööt*... Davon ist Youn Sun Nah Welten entfernt.

Ehrlich gesagt kann man bei einigen Tracks auf "Lento" sogar die berechtigte Frage stellen, ob es sich hier überhaupt um Jazz handelt. Zumal hier z.B. auch koreanische Folklore ("Arirang") oder ein Cover der Johnny Cash-Version des Nine Inch Nails-Songs "Hurt" zu hören sind.

Beim Scat von "Momento Magico" hingegen ist die Frage überflüssig. Und für mich persönlich ist sie - egal, wie man sie beantworten möchte -  einfach insgesamt nicht von Belang. Gut ist einfach gut.

Fakt ist, dass es sich bei Youn Sun Nah um eine hervorragend ausgebildete, extrem vielseitige und ausdrucksstarke Sängerin handelt, die nicht nur bei sehr ruhigen, spartisch instrumentierten Stücken glänzt, sondern auch in ihren überraschend energischen aber niemals geknödelten Ausbrüchen stets die volle Kontrolle über ihre Stimmbänder behält.

Bis auf wenige Ausnahmen wie "Lament" oder das böse "Ghost Riders In The Sky" ist "Lento" überwiegend ein eher ruhiges, aber deswegen nicht weniger spannendes Album, welches auf jeden Fall auch außerhalb elitärer Jazzpolizeizirkel seine Hörer verdient hat. Wer mit offenen Ohren durch die Welt geht, sollte auch ohne entsprechende Sozialisation mal mindestens eines davon riskieren.

Mich packt Youn Sun Nah hier beispielsweise weit mehr als das etwas zu verkonzeptionalisierte verkopfte letzte Album von Björk.

Aber wie gesagt - ich bin ja auch Jazzperte durch und durch.


Anspieltipps: Ghost Riders In The Sky, Momento Magico, Lament

2013-03-16

DAVID BOWIE - The Next Day

Bäm! Plötzlich war da ohne jene Vorwarnung - wie aus dem Nichts - ein Lebenszeichen!

Ganz großer Feueralarm im Feuilleton. Die Buchstabensuppe wurde intravenös injiziert, die Archive vorbereiteter Nachrufe geplündert und sich hemmungslos in Ekstase geschwafelt. Keine Frage, zu diesem popkulturellen Paukenschlag galt es nun, sich auf jede erdenkliche Weise intellektuell zu positionieren, Brücken zwischen dem hier und damals zu schlagen, das Gesamtkunstwerk, seine Bedeutung für Mode und Zeitgeist neu zu bewerten und natürlich, die brennende Frage nach seiner aktuellen Relevanz zu stellen.

Was war geschehen?

In einer Zeit, in der jeder Stuhlgang Philipp Röslers von einem Spiegel-Liveticker begleitet wird, hat der große David Bowie, von dem man seltsamerweise zuletzt hörte, als er nicht bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London auftrat, es tatsächlich geschafft, über viele Monate klammheimlich ein komplettes neues Album einzuspielen!

Am neulich schon von mir erwähnten 8. Januar, seinem Geburtstag, tauchte dann plötzlich das Video zu "Where Are We Now?" auf, ein sehr schwermütiger Song, in dem er die Stätte einer seiner kreativsten Phasen besingt, das Dorf Reher, in dem auch ich zu Hause bin. Auf deutsch erinnert er an die zwei nicht mehr vorhandenen Kneipen, den A&O- und den Bona-Markt, sowie die alte Bushaltestelle gegenüber der neuen Sparkasse. Kein Wunder, dass die hiesige Hörer- und Schreiberschaft kollektiv ausrasten musste, bis auf einige, die angesichts der melancholischen Schwermut etwas besorgt waren, dass es dem neuen Bowie an Dampf mangeln könnte.

Dass er sich beim Cover zum Album um schon mehr als eine bloße Reminiszenz an die Reher-Tage handelte, machte den Verdacht wahrlich nicht kleiner... Der zweite bekannte Song "The Stars (Are Out Tonight)" kam dann aber ganz anders daher, so dass den meisten Bowie-Fans wohl klar wurde, dass man sich vom gesamten Spektrum auf "The Next Day" besser ein eigenes Bild machen sollte.

   

DAVID BOWIE - The Next Day (2013)

Es ist wirklich ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, auf dem jeder der 17 Tracks seinen eigenen Charakter hat. Natürlich gibt es dabei weitere Anklänge an die Vergangenheit, sonst wäre das genial plumpe Cover ja auch ziemlich deplaziert. Gleichzeitig ist es trotz Elementen wie dem Achtziger-Saxophon in "Dirty Boys" und "Boss of Me" kompositorisch aber keine reine Ü40-Veranstaltung, sondern in guter Bowie-Tradition mit modernem Sound zeitlos gut.

Im Zentrum des instrumentalen Geschehens stehen dabei fast immer die Saiteninstrumente, deren Bedienung sich mehrere alte Weggefährten teilen. Was kann z.B. schon groß schiefgehen, wenn sich Bowies engster Kompositionspartner Tony Visconti, sowie Tony Levin und seine großartige Live-Bassistin und Backgroundsängerin Gail Ann Dorsey die tiefen Saiten teilen? Genau, nichts.

Und dann ist da natürlich der Meister selbst. Welche Rolle er in den Siebzigern in was für einem Kostüm gespielt hat, war für mich schon immer nur Randnotiz. Ich bin da eher der Musik-Purist, so dass ich mich an der Überinterpretation und Sezierung des Künstlers David Bowie nicht beteiligen möchte.
Was ich weiß ist, dass er selbstverständlich ein Charismat vor dem Musikgott ist, eine unfassbar einzigartige Stimme hat und seine Lieder oft mit einer ganz eigenen, teilweise ironisch anmutenden Distanz singt, die ich unglaublich faszinierend finde. Auf "The Next Day" enttäuscht er in keinem dieser Punkte. Und sein Jahrgang 1947 ist ihm dabei nur sehr selten anzuhören, und zwar nur genau dann, wenn er es bewusst darauf anlegt.

"The Next Day" ist von vorne bis hinten eine energiegeladene, spannende Angelegenheit ohne Füllmaterial, welche tatsächlich neben dem optisch zitierten Reher-Klassiker "Heroes" bestehen kann.
Das einzige Haar in der Suppe, welches ich mit Lupe finden kann ist die durchgehend radiofreundliche Songlänge. Gerade den ganz und gar radiounfreundlichen Prog-Irrwitz meines persönlichen Lieblings "If You Can See Me" hätte man doch noch sooo viel konsequenter auskosten können... Das war's dann aber auch schon.

Nachdem ich mich ja schon frühzeitig auf Voivods "Target Earth" als Metal-Album des Jahres 2013 festgelegt habe, wage ich ich hier einfach mal ähnliches und erkläre David Bowies "The Next Day" hiermit zum besten internationalen Top-1-Album des Jahres.

Bäm!

Anspieltipps: If You Can See Me, How Does The Grass Grow?, The Stars (Are Out Tonight), Heat, Love Is Lost, Where Are We Now?

DIE ÄRZTE - Waldspaziergang mit Folgen / Sohn der Leere

Bäm! Plötzlich war da ohne jene Vorwarnung - wie aus dem Nichts - ein Lebenszeichen!

Ganz großer Feueralarm im Feuilleton. Die Buchstabensuppe wurde intravenös injiziert, die Archive vorbereiteter Nachrufe geplündert und sich hemmungslos in Ekstase geschwafelt. Keine Frage, zu diesem popkulturellen Paukenschlag galt es nun, sich auf jede erdenkliche Weise intellektuell zu positionieren, Brücken zwischen dem hier und damals zu schlagen, das Gesamtkunstwerk, seine Bedeutung für Mode und Zeitgeist neu zu bewerten und natürlich, die brennende Frage nach - Halt! Stopp!

Sorry, die Einleitung gehört natürlich zu meinem noch unfertigen Review des neuen Albums von David Bowie.


DIE ÄRZTE - Waldspaziergang mit Folgen / Sohn der Leere (2013)

Die aktuelle, nach der Laternen-Joe-Splitsingle vierte Auskopplung aus dem Die Ärzte-Longplayer "auch" ist hingegen keine große Überraschung, sieht aber mit ihrem Doppelcover de Luxe mal wieder geil aus und gehört deswegen schon mit in die Sammlung.

Die beiden Titelsongs von Farin und Rod sind logischerweise schon vom Album bekannt, die beiden anderthalb Neuinterpretationen "Waldspaziergang mit Gott" und "Lohn der Lehre" sind von Bela B. im Alleingang zu verantworten. Was eigentlich schon alles sagt.

Dazu gibt es für alle, die noch nicht dieses neumodische Interweb am Kompjuter haben noch zwei Musikvideos.

Man könnte also unter Umständen durchaus sagen, dass man tatsächlich auch als Fan diese Veröffentlichung eventuell nicht ganz wirklich braucht. 

Aber möchte ich dafür verantwortlich sein, wenn im millionenschweren Luxusloft von Farin Urlaubs Putzhilfe der doppeltürige Kaviarkühlschrank in der Bernsteinküche nicht prall gefüllt ist? Wehe mir!

In diesem Sinne: Lasst euch von den Punkrocktitanen ausbeuten!
Ruhm, Reichtum und Macht für Die Ärzte!

Anspieltipps: Sohn der Leere, Lohn der Lehre