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2011-04-11

QUEEN - Queen II (2011 Remaster Deluxe)

Neulich habe ich hier ja schon ein paar Worte nur aktuellen Neuauflage des Debütalbums von Queen verloren. Einige allgemeine Aussagen zur Deluxe-Remastergeschichte bitte ich bei Interesse dort nachzulesen, da ich mich nicht unnötig wiederholen möchte, wenn ich im folgenden das ebenfalls (ich vermute mal nach Led Zeppelin-Vorbild) selbstbetitelte Nachfolge- und erste vollkommene Meisterwerk der Band lobpreise.

QUEEN - Queen II (2011 Remaster Deluxe Edition) (1974)

Der durchs Radio mit der Band vertraute Wewillrocktheshowmustgoradiogaga-Queen-Fan kennt von diesem Album vermutlich keinen einzigen Ton, der "Greatest Hits"-Hörer wird immerhin mit der Single "Seven Seas Of Rhye" vertraut sein.

Mit Abstand wesentlich bekannter als die Musik dürfte das Cover sein, welches zweifellos zu den größten Ikonen der Bandfotografie überhaupt gezählt werden muss. Ich gestehe, es vor vielen Jahren, als ich noch in einer vierköpfigen Band sang, auch schon einmal geguttenbergt zu haben. Zum Glück ist das Foto verschollen. ;)

Aber zurück zum Album: Angesichts des unerschöpflichen kreativen Füllhorns, welches über die gesamte Länge dieses Albums ausgeschüttet wird, dürften Cover und "Seven Seas" einen mehr als unvollständigen Eindruck liefern.

"Queen II" ist ein facettenreiches, glamouröses, höchst eigenständiges Progrock-Konzeptalbum.

Kein Song gleicht hier dem nächsten, und doch gehen sie fast alle fließend ineinander über und bilden das sprichwörtliche Ganze, welches noch viel größer als die Summe seiner (schon für sich durchgehend starken) Teile ist. Kein anderes Queen-Album ist in meinen Ohren atmosphärisch so dicht. Gleichzeitig ist aber auch kaum ein anderes Werk der Band gesanglich so oft so offen albern. Klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Wahrscheinlich ist genau dies der Punkt, der die große Faszination ausmacht.
Das erstaunlich homogene Zusammenführen vollkommen unterschiedlicher Stile und Stimmungen ist zwar kein Alleinstellungsmerkmal dieses Albums in der Queen-Discographie, sondern vielmehr die Regel, aber keine andere Veröffentlichung der Briten ist dabei eine so sehr in sich zusammenhängende Einheit wie "Queen II".

Die erste Seite der LP, "Side White", ist kompositorisch vor allem von Brian May geprägt. Der Gitarrist lässt uns nach der düsteren "Procession" über sechs Minuten durch das auch titelbedingt an "Son And Daughter" vom Erstling erinnernde "Father To Son" rocken, beeindruckt in der fabelhaften Halbballade "White Queen (As It Began)" mit einem seiner schönsten Soli und übernimmt in "Some Day One Day" erstmals den Leadgesang - und das richtig gut.

Das Finale der weißen Seite gehört jedoch der schon im Chor von "Father To Son" sehr auffälligen, charismatischen Reibeisenstimme von Roger Taylor. Im Grunde muss man sich wirklich wundern, dass der Drummer und Brian May ein paar Jahre früher überhaupt noch einen Leadsänger gesucht (und in Freddie Mercury noch viel mehr als das gefunden) haben!
"The Loser In The End" ist der Song, der noch am ehesten etwas vom Strom abdriftet. Das ist keineswegs negativ gemeint, sondern einfach durch Taylors von Mercury und May so unterschiedlicher musikalischer Persönlichkeit bedingt. Seine Songs sind ja fast immer die kleinen ruppigen Raumschiffe, die einen mitten im Album plötzlich durchschütteln.

Das größte Geschüttel auf "Queen II" kommt jedoch erst auf der komplett von Freddie Mercury komponierten, irrwitzigen "Side Black".
Rauschen... AAAAAHHHH! ... Riff rückwärts, Riff vorwärts ... AH AH AH AH AAAAHHHHH!
"Ogre Battle" ist Heavy Metaaaaaal! Aber sowas von!

"The Fairy Feller's Master-Stroke" ist über-kitschig, kindisch, albern, genial! Aber ebenfalls sowas von!

Nach dem Piano-Zwischenspiel "Nevermore" folgt mit "The March Of The Black Queen" eine der komplexesten Mammutkompositionen von Queen voller Tempo- und Stimmungswechsel, wie es sie insgesamt gerne noch häufiger hätte geben dürfen. Sicherlich weniger massentauglich als "Bohemian Rhapsody", auch noch nicht ganz so brilliant, aber was heißt das schon? Ich finde, der Abstand ist ziemlich knapp.

"Funny How Love Is" ist dann schon wieder eine ganz seltsame, aber unterm Strich einfach großartige Nummer, die ich mit so gar nichts anderem vergleichen kann, und zum Abschluss kommt die schon erwähnte Single "Seven Seas Of Rhye", die auch schon ein Jahr zuvor als ganz kurze Instrumentalversion das erste Album beendete.


Danach kommt dann der Punkt, an dem ich gerne gleich wieder auf "Play" drücke, um von vorne anzufangen. In den letzten zehn Jahren habe ich wahrscheinlich kein anderes Queen-Album häufiger gehört. In diesem Sinne: Allerheiligste Kauf- und Huldigungspflicht!


Aber es kommt ja noch die Bonus-Disc.

Auf dieser befindet sich erneut einfach zu wenig Material, auch wenn die BBC-Sessions-Aufnahmen von "Nevermore" und dem Blues "See What A Fool I've Been", sowie der Live-Mitschnitt von "White Queen" wahrlich nicht von schlechten Eltern sind.
Der Blues kommt am Ende nochmal als etwas ...ähm, darf man das in einem Queen-Review sagen? *g*... schwulere originale Studioversion. Von "spoof vocals" spricht das Booklet.

Den Instrumentalmix von "Seven Seas Of Rhye" hätte man sich hingegen ohne großen Verlust schenken können. Schaden tut er aber nicht. Es hätte nur insgesamt - und das gilt wohl leider für die gesamte Deluxe-Reihe - ein bisschen mehr sein können.


Anspieltipps: Ogre Battle, The March Of The Black Queen, White Queen (As It Began), The Loser In The End

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