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2009-05-30

JESU - Why Are We Not Perfect?

- real time review -



JESU - Why Are We Not Perfect? (2008)

Justin K. Broadrick ist ein Minimalist, der im Grunde seit 1988, dem Gründungsjahr seiner alten Hauptband Godflesh ein relativ eingegrenztes, aber mit hohem Wiedererkennungswert ausgestattetes musikalisches Konzept immer wieder um kleine Nuancen variiert und damit doch oft erstaunlich große Unterschiede bewirkt.
Zwei der größten dieser Schritte waren wohl als 1996 auf Godflesh's "Songs Of Love And Hate" erstmals ein echtes Schlagzeug statt des obligatorischen Drumcomputers zu hören war und natürlich die mit dem Debüt des Nachfolgeprojekts Jesu verstärkte Hinwendung von den aggressiven und nihilistischen Klängen Godfleshs hin zur (auch früher schon immer unterschwellig vorhandenen) melancholischen - und vor allem laaaangsamen Seite.

Der Schritt von der vorangegangen EP "Lifeline" zu "Why Are We Not Perfect?" war ein eher kleiner. Oder?
Nach einem Beinahe-Solowerk, auf dem nur ein Track von einer Band (plus Gastsängerin) eingespielt wurde, liegt nun mal wieder ein lupenreiner Broadrick-only-Release vor.
Wie "Lifeline" ist Perfect großenteils sehr gemächlich, im direkten Vergleich aber deutlich programmierungs-/keyboardlastiger. Zum Teil hat der Mastermind hier seine Gitarre fast komplett zurückgefahren. Unter dem für Jesu-Verhältnisse fast schon optimistisch hellen Synthieteppisch brodelt der Bass aber nach wie vor gewaltig. Dazu quellen - vor allem im rhythmisch flotteren "Blind And Faithless" - auch mal die einen oder anderen nicht so ganz geraden Töne hervor, so dass sich ein Easy-Listening nicht einstellen mag. Und das ist natürlich auch gut so!
Nach drei Tracks gibt es - eine alte aus Godflesh-Zeiten bekannte Tradition - noch zwei alternative Versionen zu hören, welche zwar vielleicht nicht unbedingt sein müssten, aber auch keinesfalls stören. Ich kann mich immerhin bisher noch nicht entscheiden, welche Version von "Farewell" und dem Titelsong ich vorziehe.

Sehr gut zu jenem passt übrigens mal wieder das extrem reduzierte, monochrome Layout der CD.

Eine schöne EP in gewohnter Jesu-Manier also?
Auch wenn es sich oben anders lesen mag, ist diese Veröffentlichung tatsächlich die vielleicht bisher schwächste unter diesem Namen. Das heißt allerdings nicht allzuviel, da die Musik an sich ja immer noch originär und weit aus der Masse herausragend ist.
Kein Einstiegstipp für Leute, die die Band noch nicht kennen, aber für Fans auf jeden Fall zu empfehlen!


Und wem dieses Review nun gar nichts sagt, der kann sich das Teil natürlich auch einfach komplett als Stream anhören: whyarewenotperfect.com

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