Sometimes German, sometimes English. • The title of this blog used to change from time to time. • Interested in me reviewing your music? Please read this! • I'm also a writer for VeilOfSound.com. • Please like and follow Audiovisual Ohlsen Overkill on Facebook!
Posts mit dem Label Schaubude werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schaubude werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2015-09-13

BONE MAN - Shapeshifter ( + Bericht vom Release-Konzert)

Bereits vorletzten Donnerstag war ich beim Tourauftakt von Bone Man in Kiel zu Gast (mehr dazu später) und habe mir bei der Gelegenheit natürlich auch das dort vorgestellte neue alte (oder alte neue?) Album mitgenommen.



BONE MAN - Shapeshifter (coloured band edition vinyl/CD) (2015)

Alt und neu bedeutet hier, dass die Kieler ihre 2011 auf CD selbst herausgebrachte EP "Shapeshifter" neu aufgenommen haben. Also kein Re-Issue, Remaster oder sonstwas, sondern komplett neue Einspielungen der sechs Songs plus zwei sogar noch ältere Stücke vom raren ersten Tonträger, was das Ganze nun quantitativ zu einem vollen Album macht.

Für solche Re-Recordings gibt es ja einige prominentere Beispiele von so unterschiedlichen Künstlern wie Sodom und Thomas D. - oder auch Def Leppard, die keine Veröffentlichungsrechte für ihre Klassiker haben und dermaßen unversöhnlich mit ihrer alten Plattenfirma verkracht sind, dass sie lieber neue Versionen direkt verkaufen.

Bei Bone Man trifft dieser Grund zum Glück nicht zu, schon weil an dem alten Zeug gar kein Label beteiligt war. Nein, die Produktion war ihnen einfach nicht gut genug für die Songs, und auch mit dem Coverartwork waren sowohl die Band als auch der Künstler Samson nicht mehr zufrieden.

Also wurde kurzerhand alles von Grund auf neu gestaltet, und es ist tatsächlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Alles sieht nicht nur technisch besser aus, sondern wirkt viel roher, geerdeter und besser zum Sound der Gruppe passend. Und zur Typo der alten Version schweige ich lieber ganz...

Hier mal zum Vergleich beide CDs (liegt der Schallplatte vorbildlicherweise bei):


Der Egozentriker in mir muss natürlich einschränken, dass an der alten Version nicht alles meeehhh war. Das später auch auf dem Backcover von "Plastic Wasteland" dezent zitierte Bandfoto fand ich nämlich schon witzig, auch wenn die Schärfe nicht ganz optimal saß.

Klar, ich hab das Ding ja auch damals vor einem sehr speziellen Konzert geknipst.

In das reguläre Layout hat es das Bild zwar nicht gebracht, allerdings liegt den auf jeweils hundert Stück limitierten farbigen Special Editions von Pink Tank Records und der Band selbst noch ein Poster bei, welches auf dem Foto basiert und mich natürlich vollkommen geflasht hat - auch hier der Vergleich:


Und wenn ich hier schon Diavortrag mache, dann darf natürlich auch die hübsche Langrille nicht fehlen:


Optisch ist die "Shapeshifter" 2.0 also rundum gelungen. Da muss man sich ähem... beim Transport nach Hause schon selbt eine Knickecke hineinzaubern, um etwas zu meckern zu haben.


Die Musik. War ja schon immer gut.

Es ist also jener energische Mix aus Stoner Rock, Grunge, Folk und Psychedelic-Anteilen, wie die Band ihn mit von Song zu Song variierenden Schwerpunkten im Grunde immer gespielt hat.

Doch trotz z.B. einem Livehit wie "The Wicker Man" hat der alten Version von "Shapeshifter" im Vergleich zu den späteren Alben noch etwas gefehlt.
Die Produktion packte nicht so zu, es fehlte noch etwas Punch. Trotz vernünftiger Songs war das Ding irgendwie etwas schwammiger.

Und nun? Natürlich ist die Produktion besser, trocken und druckvoll statt verwaschen. Und man merkt deutlich, dass die die vielen gespielten Konzerte einen Unterschied machen. Das Zusammenspiel ist selbstbewusster und präziser geworden. Es steckt mehr Mühe in den Details.
Kurz gesagt: es ist wirklich ein himmelweiter Unterschied! Selbst wer mit der alten Version eigentlich noch ganz zufrieden ist, wird dem nicht widersprechen können.

Also: Die neue alte "Shapeshifter" lohnt sich.

Nur die Original-EP, die wird hierdurch tatsächlich komplett entwertet. Braucht man hiermit eigentlich gar nicht mehr - es sei denn, man möchte sich nochmal das "lebendige" Foto im Booklet anschauen, natürlich. ;)


Anspieltipps: Heliopolis, Supernova, The Wicker Man, Bad Fashion







BONE MAN und ETA LUX live in der Schaubude, Kiel (03. September 2015) 


Auf dem Releasekonzert in der gut gefüllten Schaubude haben Bone Man naheliegenderweise das komplette "Shapeshifter"-Album gespielt, eingerahmt von ein paar weiteren Stücken.
Und live kickt das Zeug selbstverständlich noch mehr als Konserve - würde es das nicht, wäre die Band in dem Genre ja auch grundsätzlich verkehrt.
Also nicht mehr und nicht weniger als wieder einmal ein verlässlich geiles Knochenmänner-Konzert.

Die Support-Band Eta Lux, ebenfalls ein Trio, war stilistisch ähnlich aufgestellt.
Allerdings setzte das Trio noch deutlich mehr auf Brüllgesang und scheppernde Sludge-Metal-Elemente. Neben dem präzise treibenden Drumming würde ich vor allem die Gitarrensoli herausheben, welche vom berauschten Höhenflug auch manchmal zu sehr melancholischen Passagen wechseln, welche sich auch in einem Doom/Death/Gothic-Umfeld gut gemacht hätten.
Gute Band mit viel Power, Substanz und total bekloppten Songtiteln wie "Lesbian Seagull".

Gelungender Abend in der Schaubude, ein würdiger Release-Gig.
Wer kann, sollte Bone Man auf jeden Fall noch auf der laufenden Tour besuchen, auch am Merchandise-Stand gibt's schicke neue "Bad Fashion".



2015-05-23

LIS ER STILLE live in der Kieler Schaubude (21. Mai 2015)

Zuerst war es letzten Donnerstag in Kiel schon ein wenig unangenehm.

Ich war der einzige Gast, der sich im Vorverkauf ein Ticket für den Tourauftakt von Lis Er Stille ausgedruckt hatte.
Und ich war eine Viertelstunde vor Beginn auch der einzige Gast, der in der Schaubude saß. Puh, das konnte noch seltsam werden...

Dann kamen aber zum Glück noch mehr Zuschauer. Nicht wirklich viele, vielleicht fünfundzwanzig plusminus Entourage der Vorband aus Hamburg. Zum Glück ist die Location ja auch eher klein.

Die Supportband hieß Cinnamonirgendwas, war jetzt nicht wirklich schlecht - also sie hatte gutes Equipment, konnte spielen, hatte ein paar gute Ideen und nette Melodien -, aber insgesamt war sie doch etwas gesichtslos. Hängengeblieben ist bei mir ehrlich gesagt nichts. Dafür war sicherlich auch das, was danach kam, zu stark.



Nicht, dass ich super viele Gruppen aus unserem nördlichen Nachbarland kennen würde, doch seit ich sie 2010 mit "The Collibro" kennengelernt habe, sind Lis Er Stille ganz klar meine Lieblingsband aus Dänemark.

Nun konnte ich sie endlich live erleben und muss sagen, dass meine durchaus hohen Erwartungen vollends erfüllt wurden. Und auch die meisten Referenzen, die ich in bisherigen Texten zur Band benutzt habe, bleiben bestehen.

So ist Sänger/Keyboarder Martin Byrialsen sowohl optisch als auch gesanglich absolut der aus der Velvet Goldmine gekrochene Siebziger-Jahre-David Bowie und der Dreh- und Angelpunkt eines epischen, Genregrenzen einreißenden und dabei erfrischend anarchischen musikalischen Spektakels, bei dem alle Beteiligten sowohl spielerisch als auch in puncto Stageacting alles geben.

Man kann einfach den Postrock-Stempel auf Lis Er Stille drücken, doch im Grunde wird das der Band nicht gerecht, da sie die klassische Rockmusik ja keinesfalls hinter sich gelassen hat, sondern sowohl ihre advantgardistischen, progressiven, exzessiven und theatralischen Seiten einfach mit großem Selbstbewusstsein umarmt und durchschüttelt.

Kayo Dot
bleiben für mich eine im Kern wesensverwandte Band, auch wenn die verarbeiteten Einflüsse nicht hundertprozentig identisch sind. Überschneidungen in Konzept und Ausführung höre ich allerdings eindeutig.

Gerade angesichts der Annährung de New Yorker an den Achtziger-Jahre-Pop auf der einen und der größeren Gewichtung auf spacige Elemente und Keyboards beim kommenden Werk der Dänen auf der anderen Seite, scheint mir die Verwandschaft sogar noch zu wachsen.


Was bei Lis Er Stille jedoch live besondere Freude macht sind nur das Ausufernde und Cinastische, sondern auch die gesunde Prise Chaos, die sie auf die Bühne schleppen. Jene ist in der Schaubude sehr klein und war schon mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und zwei Keyboarden vollkommen zugestellt. Noch dazu kommen ein paar weitere Instrumente wie eine einzelne große Tom oder ein elektronisches Saxophon (glaube ich...). Innerhalb dieses Instrumentenparks wurde dann noch munter getauscht, so dass zwischen den Songs oft gerückt, verschoben und umgestellt werden musste.
Das ist z.T. amüsant anzuschauen, genauso wie so einige technische Probleme, durch die sich die Band durchwursteln musste, unterstreicht allerdings auch den lebendigen, analogen Charakter den Lis Er Stille trotz aller elektronischen Spielereien verströmen.


Letztendlich war das Konzert einfach wilder, abgefahrerener, mitreißender geiler Scheiß auf ganz hohem Niveau, der ein zigfach größeres Publikum als an diesem Abend verdient hat.

Auf die Uhr geschaut habe ich nicht, aber da doch so eine Longtracks im Set verbraten wurden, wird dieses wohl schon ziemlich lang gewesen sein. Quantitativ stimmte also auch alles. Nur das fantastische neue Album "Empirical Ghost", von dem auch vieles gespielt wurde, hat es leider noch nicht aus dem Presswerk geschafft. Immerhin gibt es aber beim Kauf aller anderen Artikel die Downloadversion obendrauf. Da habe ich mir doch noch die Vinylversion der "Flight Of Belljár"-EP gegönnt.




Zum Fotografieren mit meiner Spielzeug-Harinezumi-Knipse ist die Beleuchtung der Schaubude zu schummrig. Nur ganz am Schluss habe ich ein paar Mal ausgelöst, als für ein wildes Finale, in dem Instrumente zu Boden geworfen wurden und auf der Bühne alles ineinander stürzte, das Stroboskoplicht angeworfen wurde.

Deswegen sind die Keyboards also mit Klebeband verarztet! Und da wundern die sich noch über technische Probleme... haha.


Auf jeden Fall eine Hammer-Show - nächstes Mal in der Nähe bin ich gerne wieder dabei!