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2008-11-15

CYNIC - Traced In Air

- real time review -

Traced in Air album cover

CYNIC - Traced In Air (2008)

Eigentlich ist es ja ziemlich dreist, wenn sich eine Band nach fünfzehn Jahren Sendepause mit einem Album zurückmeldet, welches es nur auf 35 Minuten Spielzeit bringt. Eigentlich.
Aber wir reden hier ja vom Reunionswerk der legendären Cynic.

Jene Cynic brachten es vor ihrer Auflösung nur auf ein einziges Studioalbum, "Focus", welches es mit seiner absolut einzigartigen und sich jeder Beschreibung entziehenden Musik geschafft hat, mich all die Jahre immer wieder zu erfreuen und niemals zu langweilen. Es gibt wohl kaum ein anderes Album, welches mich so lange ohne nennenswerte Pausen begleitet hat. Und jenes "Focus" brachte es auch nur auf eine unwesentlich längere Spielzeit als nun "Traced In Air".

Da in einem Cynic-Song mehr steckte, als die meisten anderen Bands im Laufe ihres gesamten Daseins auf die Reihe bekommen, galt bei ihnen der von mir zumeist bei Tonträgern angesetzte Maßstab "mehr ist mehr" ähnlich wie bei Slayers "Reign In Blood" ausnahmsweise nur bedingt.

Galt und gilt!

Denn soviel sei gleich gesagt: Die vier Ausnahmemusiker Paul Masvidal, Sean Malone, Sean Reinert und Neuzugang Tymon schaffen es scheinbar mühelos, an ihre Großtat aus den Neunzigern anzuknüpfen. Es gibt also, wie ich im Wacken-Review bereits vereinfachend sagte, wieder jene Mischung aus (Death) Metal und Mahavishnu Orchestra.

Natürlich merkt man, dass seit "Focus" viel Zeit vergangen ist. An den instrumentalen Fähigkeiten nicht unbedingt, denn die waren ja schon damals auf einem schwindelerregend hohen Niveau. Vor allem drei Dinge unterscheiden "Traced In Air" deutlich vom Vorgänger:

1. Die Produktion ist selbstverständlich heutzutage wesentlich kräftiger.
2. Der cleane Gesang wird zwar wieder durch den esoterischen Effektwolf gejagt, wirkt dabei aber weniger computerhaft, was vor allem daran liegen könnte, dass Masvidals stimmliche Fähigkeiten sich enorm entwickelt haben. Dies merkt vor allem an den Falsettpassagen.
3. Das Songwriting ist tatsächlich noch reifer geworden. Selbstverständlich wird einerseits gefrickelt, bis der Arzt kommt; es geschieht jedoch noch mehr als vorher im Sinne des Songs, der Stimmung. Die sich durch's ganze Album ziehende Stimmung ist tatsächlich noch dichter als in der Vergangenheit.

Einzelne Songs könnte man selbstverständlich, muss man aber nicht herausheben. Zum einen ist alles auf konstant überirdischem Niveau, zum anderen wirkt das Album vor allem als Einheit.
Alles fließt hier ins andere, seien es die Gitarren die von einem Moment zum anderen von Jazz zu heftigen Riffs zu packenden Soli wechseln, oder die unglaublich dynamische Rhythmusarbeit an Bass/Chapman Stick und Drums.
Aber auch die Texte fließen. Philosophische, spirituelle, verdichtete Lyrik, die sich nicht eindeutig entschlüsseln lässt, einem jedoch den Eindruck vermittelt, als würde es auf diesem ja so kurzen Werk um nichts anderes gehen, als um die gesammelten Emotionen des kompletten Menschseins an sich.

Dazu noch ein wundervolles Booklet, welches nicht nur gekonnt an "Focus" anknüpft, sondern (zumindest in der limited edition) sogar noch einen oben drauf setzt, indem es auch noch jedem Song sein eigenes mystisches New-Age-Kunstwerk schenkt, was das Durchblättern und Mitlesen zu einer echten Freude macht.

Während in meinem Player nun bereits mit dem abschließenden "Nunc Stans" mein persönlicher Lieblingstrack läuft, kann ich eigentlich nur zu einem Fazit kommen:
Angesichts des Stellenwertes, den "Focus" für mich persönlich hat und der Tatsache, dass Cynic auf dem Nachfolger keinen Deut nachgelassen haben - eher im Gegenteil! -, ist "Traced In Air" trotz des mächtigen "Death Magnetic" für mich eindeutig... das Album des Jahres! Mindestens!



[edit ein paar Stunden später: Ok, ok... ohne eine kleine, aber notwendige Abweichung vom ursprünglichen Konzept komme ich bei meinem "real time reviews" wohl doch nicht aus, nämlich nach Ablauf der CD-Spielzeit (=Beendigung des Textes) doch noch einmal vor der Veröffentlichung Korrektur zu lesen und die gröbsten Orthographiefehler und Doppelungen auszumerzen. Hier standen ja bis vorhin noch ein paar ganz haarsträubende Sachen wie z.B. "wäre" statt "während". *g*]

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